Saison-Rückblick Teil 2: Famose Aufholjagd zum Titel

Maurice Trenner 21.05.2019

Nachdem wir im ersten Teil auf die Hinrunde geschaut hatten, blicken wir im zweiten Teil auf die Rückrunde, die einen teilweise an längst vergessene Zeiten zurückdenken ließ. Die Aufholjagd der Super-Bayern über siebzehn verrückte Spieltage.

Schocker in Leverkusen, Stocker in Augsburg

Das Programm nach der Winterpause – wieder einmal mit Trainingslager in Katar – ist nicht leicht. Doch wie bereits in der Hinrunde nimmt man die Hürden Hoffenheim und Stuttgart. Sieben Siege in Folge stehen für die Bayern zu Buche als es am 20. Spieltag nach Leverkusen geht.

Auch gegen die Werkself sah es zunächst vielversprechend aus. Goretzka köpfte die Münchner zum 1:0 und die 2:0-Führung von Lewandowski vor der Pause wurde vom Videoassistent hauchdünn aberkannt. Doch dann brach der Rekordmeister zusammen. Bailey per direktem Freistoß und Volland per Konter drehten die Partie innerhalb von zehn Minuten. Kurz vor Schluss erhöhte Alario auf 3:1. Kovač hatte sich auf einen offenen Schlagabtausch eingelassen, das Spezialgebiet des neuen Bayer-Trainers Bosz.

Die Aufholjagd der Münchner wurde in Leverkusen jäh gestoppt. Lewandowski, der mit 12 Treffern eine starke Rückrunde spielte, verlässt geknickt den Rasen.
(Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Alleine, weil Dortmund in Frankfurt zeitgleich nicht über ein 1:1 hinauskam, wuchs der Abstand auf die Borussen nur auf sieben Punkte an. Bei noch 13 ausstehenden Spielen eine Herausforderung, aber keine unmögliche.

Denn während der BVB auch gegen Hoffenheim und Nürnberg Punkte liegen ließ, gewann Bayern gegen Schalke und Augsburg. Das Spiel gegen die Fuggerstädter wurde jedoch zur Nervenschlacht am Freitagabend. Gleich zweimal ging der krasse Außenseiter in Führung, beide Male konnte Coman ausgleichen. In der zweiten Hälfte war es dann Alaba, der den Sieg per Fernschuss klar machte. Eine Zitterpartie sondergleichen.

Der Weg zurück an die Spitze

Aufgrund des Dortmunder 0:0 in Nürnberg am Montag, war man mittlerweile auf drei Punkte auf den großen Rivalen herangerückt. Mit Berlin, Gladbach und Wolfsburg standen doch jetzt genau die Gegner auf dem Spielplan, gegen die man in der Vorrunde Probleme hatte. Was folgte war jedoch eine Machtdemonstration der Münchner. Ein Fingerzeig an die ganze Republik, dass die Bayern immer noch die beste Fußballmannschaft der Nation stellen.

Nach einem erkämpften 1:0-Sieg gegen Berlin folgten eine 5:1-Demonstration in Gladbach und eine 6:0-Gala gegen Wolfsburg, nach der man zum ersten Mal seit dem fünften Spieltag wieder die Tabellenführung übernahm. Man hatte nicht nur neun Punkte, sondern auch ein Torverhältnis von bis zu siebzehn Toren Rückstand aufgeholt.

Der Zehn-Spiele-Punkteschnitt der Münchner zeigte in der Rückrunde stark nach oben, während der Hauptkonkurrent aus Dortmund schwächelte.
(Grafik: Michael Karabach)

Als man in der Folgewoche auch noch die Mainzer mit 6:0 schlug, sollte man erstmals in drei aufeinanderfolgenden Spielen mindestens fünf Tore erzielt haben. Lewandowski (5 Tore), James (4), Gnabry (2) und Müller (2) hießen die Stararchitekten dieser Serie.

Das Spiel im Breisgau gegen Freiburg sollte reine Formsache sein vor dem wohl entscheidenden Duell gegen Dortmund sein. Doch wie so typisch in dieser Saison kam alles anders. Ausgerechnet Hinspiel-Torschütze Höler trifft nach drei Minuten zum 1:0. Die Mannschaft ist sichtlich verunsichert, kann nur mit Glück das zweite Tor der Freiburger umgehen. Eine Einzelaktion von Lewandowski rettet das Unentschieden.

Im Parallelspiel liegt Dortmund für neunzig Minuten gegen Wolfsburg ebenfalls auf Kurs für ein Unentschieden. Doch die Borussen wollen mehr, mehr auch als die Münchner an diesem Samstag und es gelingt ihnen. In der Nachspielzeit ist es einmal mehr Alcácer der doppelt einnetzt. Dortmund stand einmal mehr auf dem Platz an der Sonne.

Einseitiger Gipfel und Meisterkrampf

Alles war angerichtet für ein großes Spiel in München. Für den Rekordmeister war es bereits ein kleines Endspiel. Eine Niederlage würde den Rückstand auf die Borussen auf fünf Punkte anwachsen lassen. Entsprechend nervös war die Stimmung in der Woche vor der Partie. Die Bayern mussten zudem unter der Woche noch neunzig spannende Minuten gegen Heidenheim im Pokal durchstehen – keine optimale Voraussetzungen.

Doch bereits ab der ersten Minute war klar, dass an diesem Samstag nur eine Mannschaft den Rasen als Sieger und damit Tabellenführer verlassen würde. Mit einer starken Leistung, aber auch begünstigt durch einige Aussetzer der Dortmunder, gewann man hochverdient 5:0. Eine Demonstration. Wieder Führungswechsel in der Liga.

Nach der Machtdemonstration gegen Dortmund feierten die Bayern-Spieler ausgelassen vor der Südkurve die Tabellenführung.
(Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

In den nächsten beiden Spielen gegen Düsseldorf und Bremen fuhr man zwei Pflichtsiege ein und dann hatte man plötzlich am 31. Spieltag den Matchball auf dem Fuß. Am Samstag hatten die Dortmunder in einem aufreibenden Derby gegen Schalke 2:4 verloren. Der FC Bayern musste nur gegen Nürnberg gewinnen und der Vorsprung würde vier Punkte betragen.

Doch wie auch der BVB am 22. Spieltag kämpfte der Rivale aus Franken verbissen. Zu verbissen für wenig zwingende Münchner, die am Ende sogar Glück hatten, dass Leibold einen Foulelfmeter verschoss. Der Vorsprung war zwar auf zwei Punkte angewachsen, doch man wurde das Gefühl nicht los wichtige Punkte liegengelassen zu haben.

Es folgte das Duell gegen den Tabellenletzten aus Hannover. Einen Gegner, den man in der starken Phase im Frühjahr locker mit 6:0 nach Hause geschickt hätte. Doch die Leichtigkeit hatte man nach dem Spiel gegen Dortmund verloren. Gegen zehn Hannoveraner mühte man sich zu einem 3:1-Erfolg. Schützenhilfe erhielt man aber von einem alten Bekannten. Der 40-jährige Pizarro vollendete die Aufholjagd von Bremen gegen Dortmund. 2:2. Unentschieden. Vier Punkte. Noch zwei Spiele …

Hollywood-Ende für Robbery

Mit einem Sieg in Leipzig hätte man vorzeitig die Meisterschaft feiern können. Doch genau zwei Wochen bevor sich beide Teams in Berlin im Pokalfinale gegenüberstehen würden, sollte die Partie im Osten keinen Sieger hervorbringen. Meisterfeier vertagt.

Zum ersten Mal seit der Saison 2008/09 gab es eine realistische Chance, dass die Schale am letzten Spieltag den Besitzer wechseln würde. Damals hatte der FC Bayern einen Zwei-Punkte-Rückstand auf den VfL Wolfsburg nicht aufholen können. Dieses Mal würde ein Punkt gegen die Europa League-Überflieger aus Frankfurt reichen.

Zugleich würde das Spiel auch der letzte Auftritt von Arjen Robben und Franck Ribéry vor heimischem Publikum sein. Das Flügel-Duo, das seit 2009 zusammen erst die Bundesliga und dann Europa erobert hatte, stand vor dem Abschied. Am liebsten mit Titel in der Hand.

Das perfekte Ende für das perfekte Flügel-Duo an einem perfekten Tag. Ribéry und Robben sagen Servus.
(Foto: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Das Spiel gegen Frankfurt sollte zum filmreifen Ende dieser Saison und der Karriere von Robbery werden. 5:1 hieß es nach neunzig Minuten, in denen die Fans lediglich für kurze drei Minuten nach dem Frankfurter Ausgleich zittern mussten. Danach ging der Nachmittag in eine rot-weiße Feier über. Ribéry und Robben war beiden ihr krönendes Abschlusstor vergönnt. Nicht nur Uli Hoeneß kamen bei diesem Hollywood-Ende die Tränen.

Am Ende der Saison steht der siebte Titel in Folge. Es war der erste Titel überhaupt, den man in der Allianz-Arena erringen konnte. Zuvor war man stets in der Fremde oder auf dem Sofa Meister geworden. Ein weiteres Kuriosum: Es war der 28. Titel in der 56. Bundesliga-Spielzeit. Die Bayern sind damit so oft Meister wie alle anderen Teams zusammen.

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