SINSHEIM, GERMANY - JANUARY 18: Robert Lewandowski of Bayern Munich celebrates scoring the 3rd Bayern Munich goal during the Bundesliga match between TSG 1899 Hoffenheim and FC Bayern Muenchen at Wirsol Rhein-Neckar-Arena on January 18, 2019 in Sinsheim, Germany. (Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Bayern reichen starke 45 Minuten gegen Hoffenheim

Der Rückrundenauftakt für den FC Bayern ist geglückt. Die Münchner gewinnen in Sinsheim gegen die TSG Hoffenheim mit 3:1.

Pünktlich zum Kälteeinbruch startet die Bundesliga in die Rückrunde. Am späten Freitagabend trat der FC Bayern München in Sinsheim zum Auftakt an. Bei frostigen Temperaturen konnte aber das Spiel den Rasen erwärmen.

Falls ihr es verpasst habt:

Vor dem Anpfiff wurde viel über die Aufstellung von Niko Kovač spekuliert, da sich der bayrische Trainer zuletzt auf eine Startelf festgelegt hatte. Die Karten wurden aber in der Winterpause inkl. Trainingslager neu gemischt. Das zeigte auch die Startaufstellung. Mats Hummels begann neben Niklas Süle in der Innenverteidigung. Jérôme Boateng hatte das Nachsehen. Im Mittelfeld entschied sich Kovač etwas überraschend für die Doppel-Sechs Javi Martínez und Thiago. Davor auf der Zehnerposition spielte Leon Goretzka. Die Flügel wurden von Kingsley Coman und Thomas Müller begleitet. Im Sturm natürlich Robert Lewandowski.

Julian Nagelsmann entschied sich auf der Gegenseite für ein 3-5-2-System. Überraschend war dabei die sehr offensive Ausrichtung mit Demirbay, Kramarić, Bittencourt im Mittelfeld und der Doppelspitze Joelinton und Belfodil. Nominell waren also fünf offensiv orientierte Spieler in der Startelf. Unterstützt durch Schulz und Kadeřábek. Kurzum signalisierte Nagelsmann Mut vor dem Anpfiff.

Hoffenheim begann die Partie eher abwartend, überließen den Münchnern viel den Ball. Aus dem 3-5-2 im eigenen Ballbesitz wurde so ein 5-3-2. Vorrangig ging es der Heimmannschaft zunächst darum, die Mitte dicht zu halten und die Bayern früh auf die Außenbahn zu lenken. Dieser Plan ging in der Anfangsphase gut auf. Meist bekam Kimmich den Ball in einer nicht gefährlichen Zone kurz hinter der Mittellinie. Wenn es den Münchnern aber gelang mit Tempo auf die Flügelpositionen zu kommen, konnte sich meistens Coman oder Alaba durchsetzen und gefährliche Szenen initiieren. Lediglich im Abschluss fehlte es an Präzision: Lewandowski (10.), Goretzka (13.) und Müller (18.).

Die Münchner bekamen ab der 20. Minute die Partie mehr und mehr unter Kontrolle. Bayern zog das Pressing der Hoffenheimer wunderbar auseinander und lockte sie heraus, um dann die Zwischenräume zu bespielen. Dadurch entstand immer wieder Raum für Dribblings, Ballbesitz in der Zone 14 oder Flanken. Einzig die Chancenverwertung war in dieser Phase zu kritisieren.

In der 33. Minute ging der FC Bayern mit dem 13. Torschuss in Führung. Nach einer Flanke von Coman kam Lewandowski frei zum Kopfball. Dieser konnte aber von Baumann abgewehrt werden. Goretzka kam zum Nachschuss und verwandelt ins kurze Eck. Die verdiente 1:0-Führung.

Nach der ersten eigenen Ecke der Hoffenheimer klärt Müller zunächst den Ball und bringt Alaba ins Spiel. Dieser involviert Coman, der Alaba die Kugel wieder überlässt. Dieser spielt eine wunderbar getimte Halbfeldflanke, die Goretzka aus 14 Metern sehenswert per Grätsche ins lange Eck vollendete. Ein Bilderbuch-Konter (45. + 1). Die Erhöhung der Bayern direkt vor der Halbzeitpause.

In der zweiten Halbzeit setzte Julian Nagelsmann alles auf eine Karte. Hoffenheim presste jetzt wesentlich höher und rückte stärker raus. Dadurch verloren die Münchner die Kontrolle. Auf der anderen Seite ergaben sich früh große Konterchancen, die nicht gut genug ausgespielt wurden wie kurz vor der Pause. Zeitgleich zogen sich die Mannschaftsteile der Münchner weit auseinander, was nachteilig im eigenen Defensivspiel wurde.

Hoffenheim belohnte sich für die Spielweise in der 58. Minute. Nach einer Ecke der Bayern, kommt es zu einem Hoffenheimer Konter. Bittencourt ist schneller als Thiago und treibt den Ball durchs Mittelfeld nach vorne. Dort wartet Schulz, der aus gut 18 Metern zum 1:2 verkürzen kann. Manuel Neuer war ohne Chance.

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Der Anschluss war der komplette Bruch im Spiel der Bayern. Die Hoffenheimer gewannen nun mehr Zweikämpfe und hatten ab der 60. Minute mehr Ballkontrolle (50.7%) als die Bayern. Der Elf von Kovač gelang es nicht mehr, Ruhe in den eigenen Spielaufbau zu bringen. Es folgten einfache Ballverluste im Mittelfeld, die die Hoffenheimer mit Tempo auf die Bayern-Abwehr gehörig unter Druck setzte.

Neuer hielt die Bayern in der 82. Minute mit einer Weltklasse-Parade gegen den eingewechselten Szalai auf der Siegerstraße.

So kam es, wie es kommen musste. Über die eingewechselten Gnabry und James, konnte sich der FC Bayern aus dem Pressing der Hoffenheimer befreien. An der Strafraumkante setzte dann erneut James Müller ein, dessen Querpass von Lewandowski über die Linie gedrückt wurde (87.).

Die Münchner gewinnen aufgrund der sehr starken ersten Halbzeit nicht unverdient mit 3:1 in Hoffenheim und verkürzen vorerst den Abstand auf Dortmund auf drei Punkte. In der zweiten Halbzeit können sich die Münchner bei Manuel Neuer bedanken, der mit einer überragenden Parade die drei Punkte festhielt.

Am kommenden Sonntag haben die Bayern dann ihr erstes Heimspiel in der Rückrunde. Der VfB Stuttgart ist zu Gast in der Allianz Arena.

Dinge, die auffielen

Müller rechtfertigt Aufstellung

Thomas Müller durfte mal wieder auf der rechten Außenbahn starten. Das liest sich so falsch, wie es in der Realität auch ist. Realtaktisch ergibt sich aber ein anderes Bild. Müller rückt viel ein. Bindet durch kluge Laufwege gegnerische Spieler und reißt so Lücken für seine Mitspieler. An diesem Abend vornehmlich für Kimmich, Lewandowski und Goretzka. Gerade in der ersten Halbzeit nutzte er die verwaiste Zone 14 der Hoffenheimer und organisierte so den Übergang von Mittelfeld ins Angriffsdrittel mit. Gleichzeitig rückte er in den Strafraum vor und sorgte für Gleichzahlsituationen, wie vor der 1:0-Führung der Bayern. Lobenswert war die Übersicht beim 3:1 als er mustergültig Lewandowski bediente.

Gutes Pressing

Im Gegensatz zum Testspielauftritt im Telekom-Cup am vergangen Wochenende, wirkte das Pressing der Münchner an diesem Freitag deutlich abgestimmter und griffiger. Die Offensivreihe der Bayern setzte die Dreierkette von Hoffenheim früh unter Druck. Die Kraichgauer konnten sich meist nur mit einem langen Ball befreien. Diesen sammelte dann wahlweise Martínez, Süle oder Hummels ein. Die Folge waren alleine neun abgefangene Bälle in der ersten Halbzeit für die Münchner. Auf der Gegenseite brachten die Hoffenheimer nur einen von acht langen Passversuchen an den Mitspieler.

In der zweiten Halbzeit brach das Pressing der Münchner dann fast komplett zusammen. Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen wurde rießig. Das Mittelfeld konnte nicht mehr schnell genug nachrücken, wodurch Hoffenheim wesentlich mehr Spielanteile hatte.

Kovač mit Licht und Schatten

Niko Kovač wählte eine sehr interessante Herangehensweise in der ersten Hälfte und seine Mannschaft wurde dafür belohnt. Die Entscheidung pro Müller (Punkt 1) und das gute Pressing (Punkt 2) kann er sich auf seine Fahne schreiben. Die Entscheidung für Martínez und Goretzka machte sich anfangs ebenfalls bezahlt.
So lobenswert die ersten 45. Minuten waren. So kritikwürdig war die zweite Hälfte. Die Bayern verloren fast ähnlich wie beim Top-Spiel gegen den BVB die Kontrolle über die Partie. Von außen gab es keinen Impuls. Keine Umstellung und keinen personellen Wechsel, obwohl es die namhaft besetzte Bayernbank durchaus hergegeben hätte.

Der erste Wechsel erfolgte in der 72. Minute und war ein Eins-zu-Eins-Wechsel. Gnabry ersetzte Coman. Das Mittelfeld blieb unterbesetzt. So riskierte der FC Bayern einmal mehr eine Führung aus der Hand zu geben. Neuer rettete in der 82. Minute in höchster Not. Das fehlende Ingame-Coaching von Kovač bleibt seine große Baustelle.

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Leserkommentare
  1. Jo

    Wow! Das war heute so ein Tod oder Gladiolen-Spiel. Und wir haben die Blümchen!
    Die erste HZ absolut überragend. Vielleicht die beste Saisonleistung. Dominant, gut strukturiert, kompakt, völlig verdient in Führung.
    Dann in der 2 HZ haben wir uns leider zu sehr auf dieses Hin und Her eingelassen und damit Kontrolle eingebüßt. Aber gab es echte Chancen für Hoffenheim neben ihrem Tor? Fällt mir nicht viel ein.
    Zuerst eine für mich etwas überraschende Aufstellung, allerdings dann genauso von Hoffenheim. Für mich hat sich Nagelsmann da etwas verpokert.
    Individuell Lewy absolut überragend. So im Sinne einer falschen Neun. Etwas hängend, fast wie ein Spielmacher. Selten sieht man einen Mittelstürmer so dominant und prägend spielen.
    Goretzka, natürlich Respekt. Zwei Tore und auch sonst überzeugend.
    Tja, und jetzt in Ruhe mal nach Leipzig schauen.

  2. eigentor

    “Aber gab es echte Chancen für Hoffenheim neben ihrem Tor? Fällt mir nicht viel ein.”

    Mir fällt sofort Szalais Kopfball ein, kurz vor Schluß – und Neuers überragende Parade.
    Ansonsten volle Zustimmung, Christopher, zur Analyse des Spiels. Auch ich habe mich in Halbzeit 2 (wieder einmal) gefragt, wieso steht Kovac tatenlos rum, reagiert nicht auf Nagelsmanns Anpassungen, auf die veränderte Lage?
    Sein Matchplan war ja gut, warum lässt er ihn sich so leicht aus der Hand nehmen?

    1. Jo

      “Mir fällt sofort Szalais Kopfball ein, kurz vor Schluß – und Neuers überragende Parade.”
      Das war Abseits und folglich keine Chance.

      1. Kurt

        Das Abseits wurde aber erst gepfiffen, nachdem Neuer gehalten hat. Das Tor wäre also regulär gewesen.

      2. Herrispezial

        Der Kopfball selbst war noch kein Abseits, erst das Nachsetzen danach. Hätte also gezählt. Insofern hat Neuer uns tatsächlich (endlich) mal wieder Punkte gerettet.

  3. Bernhard B.

    Ich glaube, obwohl ich nicht grade ein Freund von Kovac bin, dass die Agressive der Hoppenheimer den Umschwung in der 2. Halbzeit das entscheidende war. Zu diesem Zeitpunkt war das Spiel dann auf messersschneide. Aber wir haben gut dagegenhalten.
    Die Aussage zu Müller von Christoffer kann ich voll unterstützten. Für mich war er der Chef in der Mannschaft.

    1. Kurt

      Ganz recht. Und Lob für Christopher das auch so gesehen zu haben.

      An anderer Stelle hat man die Wichtigkeit eines Thomas Müller immer noch nicht begriffen und wird es wahrscheinlich auch nicht mehr. Beweis genug, dass MSR die qualitativ hochwertigste Seite aus dem Bayernuniversum ist und bleibt.

  4. Bernhard B.

    Tschuldigung dass ich deinen Namen vertippt habe…

  5. Osrig

    Als ich die Aufstellung erfuhr, war mein erster Gedanke “Was für eine defensive Aufstellung! Stellt sich hasenfüßig hinten rein, der Kovac” und sah meinen Tip schon davonschwimmen.
    Dann aber überraschte mich die Mannschaft, die sich keineswegs ängstlich nach hinten zurückzog, sondern im Gegenteil bemüht war, früh zu pressen und Hoffenheim unter Druck zu setzen.
    Die defensive Struktur war gut organisiert, die Räume eng gehalten und es wurde sofort auf den 2. Ball gegangen, kaum dass die 1899er Spieler, unter Druck gesetzt durch unsere vordere Reihe, den Ball weit nach vorn schlugen.
    War der Ball gewonnen, gab es sofort den Pass in die Spitze, den vertikalen Ball, und vier, fünf unserer Spieler setzen nach und versuchten, zum Abschluss zu kommen. Derartig unter Druck gelang es Hoffenheim kaum mal, sich zu befreien, und wenn Welle auf Welle gegen den gegnerischen Strafraum anläuft, dann ergeben sich Chancen. Aufgrund der Klasse unserer Spieler konnten zwei der Chancen dann auch noch vor der Halbzeit genutzt werden, und ein beruhigender Zwei-Tore-Vorsprung war erzielt.
    Tatsächlich haben wir die Kovac’e Spielidee in Reinkultur gesehen, und ich muss zugeben, dass sie erfolgreich ist.
    Es ist zwar in der Hauptsache Brachialfussball, der aus einer defensiven Ordnung heraus agiert und schlichtweg auf Masse setzt, aber so kommen wir halt auch zu unseren Siegen! Schöner, technisch feiner Fussball sieht allerdings anders aus!!!
    Immerhin gab es ein paar schöne Kombinationen, erst recht, nachdem das erste Tor erzielt war, doch lag darin nicht die Spielidee.

    Die Frage, die im Raum steht, ist unverändert: Kann mit dieser Herangehensweise ein Titel errungen werden?
    Kann vor allem mit dieser Herangehensweise die CL erfolgreich gestaltet werden?

    Mit diesem Brachialfussball – hinten sicher und vorn immer drauf und auf den 2. Ball – werden wir Mannschaften ohne internationale Ambitionen bezwingen können, in dem sie schlichtweg überrannt werden. Allerdings wird es Defensivbollwerke geben, die trotz aller im Minutentakt in die Spitze gespielten Bälle dem Druck standhalten können und selbst ihre Nadelstiche setzen, da wird es also Punktverluste geben. Allerdings dürfte das nur wenigen Mannschaften in der BL gelingen, denn der Druck, den unsere Jungs aufbauen können, ist schon brutal!

    Was passiert, wenn der Gegner in der Lage ist, selbst das Spiel zu machen, sich dem Pressing zu entziehen und sogar selbst nach vorn zu kombinieren, haben wir in der zweiten Halbzeit gesehen: Dann sieht die Lage anders aus, denn dann werden die Möglichkeiten weniger, anzurennen – und die Fähigkeit, Kombinationsspiel mit Zug in den Gegnerstrafraum aufzuziehen, eine Gegnerabwehr auseinander zu ziehen, wenn sie nicht gerade in der Vorwärtsbewegung vom Ballverlust überrascht wurde, ist nach wie vor wenig ausgeprägt bei uns!
    Mannschaften aus den oberen Plätzen der Top-Ligen Europas dürften sich von dieser neuen Herangehensweise unseres FCB nicht beeindrucken lassen, da sie taktisch diszipliniert agieren können und selbst spielerische Klasse haben. Sie dürften dann Wellenbrecher haben, an denen Kovac’ Spielidee zerschellen könnte. Vermutlich wird schon Liverpool genau das zeigen! Allerdings sehe ich uns keineswegs chancenlos, denn letztlich spielt Liverpool einen ähnlichen Brachialfussball, und dann kommt es neben Glück auch auf die Einzelkönner an. Vorausgesetzt, unsere Jungs knüpfen an die erste Halbzeit gegen 1899 an! In einem vogelwilden Hin und Her wie in der zweiten Spielhälfte bleiben wir vermutlich auf der Strecke.

  6. Jerry

    Guter Artikel – Danke Christopher
    In der 2. Halbzeit bei diesem wilden Fußball muss Kovac von außen Einfluss nehmen. Das darfst du als Trainer nicht so hinnehmen. Die Abstände haben nicht mehr gepasst und der Gegner hatte viel zu viel Platz. Für mich unverständlich wie man nach so einer wirklich guten 1. Halbzeit dann hinten raus noch zittern muss. Ein besserer Gegner hätte das Spiel vielleicht noch gedreht oder ein Unentschieden erzielt. James muss er früher bringen aber das wird wohl nicht mehr sein Lieblingsspieler.
    Trotzdem ein verdienter Sieg und mal sehen wie Dortmund in die Rückrunde startet.

    1. Herrispezial

      Naja, Kovac hat halt vor dem Spiel eine Idee. Entweder die funktioniert oder nicht. Nagelsmann hat in der Pause umgestellt. Dazu ein etwas motivierterer Gegner und schon kommen die Probleme, selbst wenn es vorher läuft. Es ist ja kein Zufall, dass wir schon so oft Vorsprünge hergeschenkt haben. Eigentlich wäre es klug gewesen, gegen die 4er-Kette in HZ2 schon eher James zu bringen und ihn auf die 10 zu stellen.

  7. wipf1953

    Überraschung! Da finden sich mit Hummels und Martinez zwei “langsame” Defensivkräfte, und trotzdem wird 1899 im HZ eins schlicht überrannt. Mich hat am meisten überrascht, wie es möglich war, mit vertikalen Bällen auf die fast auf den Auslinien stehenden Außenspielern die Hoffenheimer Verteidigungslinie schlicht auszuhebeln. Für mich war das gestern Champions League ko-Fußball. Vor allem Goretzka hat mir gefallen, auch schon vor dem 1:0. Die Hoffenheimer Verteidiger waren von ihm viel zu weit weg. Wie er auf der 10er-Position die Bälle verteilt hat war schon stark. Getragen wurde dieser Fußball von einer enormen Laufbereitschaft. Es kam ja nicht nur Welle um Welle im 30-Sekunden-Takt. Sondern es haben sich stets fünf, sechs Spieler an diesen Angriffen beteiligt.

    Es war aber doch eigentlich schon Mitte der ersten Hälfte klar, dass wir eine ganz andere zweite Halbzeit sehen würden. Es mag ja eine zutreffende Erkenntnis sein, dass Hoffenheim in HZ zwo früher gepresst hat. Aber doch nur, weil Bayern das zulassen musste. 90 Minuten kann man dieses Tempo eben nicht durchhalten. Und dann tritt das ein, was Christopher beschreibt: Es wird nicht mehr nachgerückt, die Abstände werden größer, und Hoffenheim rennt nochmal einen Tick mehr und nutzt das aus.

    Wenn ich Eure Kommentare richtig verstehe, hätte Kovac durch “mehr in-game-coaching” James früher bringen müssen. Für wen bitte? Für Martinez, und Goretzka damit auf die Sechs? Oder hätte Rafinha für Martinez kommen sollen und Kimmich ins Mittelfeld? Wenn die gesamte Mannschaft ihr Tempo verlangsamen muss ein Experiment in der Defensive? Ich weiß nicht ..

    Kovac hat sich entschieden, die Grundordnung beizubehalten (also: den Spielern weiter zu vertrauen, die bislang toll gespielt hatten), und die bessere Bank (Gnabry, James) in den letzten 15 Minuten gegen die dann ihrerseits ermatteten Hoffenheimer nochmal etwas zaubern zu lassen. Das wurde mit dem entscheidenden Tor belohnt. So falsch war das vielleicht dann doch nicht.

    Es werden wieder Mannschaften kommen, die den Bus vor ihrem Tor parken. Bin mal gespannt wie das dann aussieht.

    Ein Punkt noch: Neuer wird allgemein gelobt. Mir ging jedes Mal die Düse wenn Hoffenheim vor unserem Tor aufgetaucht ist. Neuer ist für mich längst noch nicht der alt. Längst noch nicht.

    1. Herrispezial

      Bei den Angriffen von Hoffenheim hätte ich auch immer Sorge – eben weil wir schon so viele Tore kassiert haben. Aber für Neuer kann das enorm wichtig gewesen sein, um in der Rückrunde zu glänzen. Er hat das Ding für uns gerettet. Das ist lange her und deswegen von großer Bedeutung.

      James hätte für Martinez oder Thiago (der gestern echt schwach war) kommen müssen. Und zwar viel früher. Durch die 4er-Kette war Hoffenheim auf den Aussen besser besetzt und da hätte es jemanden gebraucht, der Lewa das Spiel in der Mitte erleichtert.

    2. Osrig

      “Welle um Welle im 30-Sekunden Takt. … stets fünf, sechs Spieler an diesen Angriffen beteiligt”
      Genau das ist die neue Herangehensweise, die Spielidee! Den Gegner zu überrennen, durch Massenangriffe zu erschöpfen und ihm nicht zu erlauben, in eine geordnete Struktur zu kommen. Durch frühes Pressen und eine heranbrandende Welle nach der anderen.
      “Champions-League K.O.-Fussball” sagst Du? Es ist sicherlich Fussball “mit der Brechstange”, brachial, kraftvoll, gewaltig. Aber auch einfach und leicht berechenbar! Vielleicht tatsächlich genug, um in den KO-Spielen der CL weit zu kommen!
      Wie es dann gegen Mannschaften aussieht, die sich von dieser Brachialgewalt und Vorwärtsstürmen nicht beeindrucken lassen, sondern durch Ballsicherheit und eigene gute Positionierung Räume für sich öffnen können, werden wir sehen.
      Und defensiv kompakt stehende Maurermeister, die “Wellenbrecher”-Mentalität zeigen, können ganz wie Du sagst auch zu einer plötzlich nicht zu überwindenden Hürde werden.
      Warten wir es ab! Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass das System Kovac international gesehen zukunftsträchtig ist, aber wenn ich nur auf diese Saison schaue, dann halte ich die Jagd auf DO keineswegs für Aussichtslos, und in der CL hängt eh auch viel von Tagesform und Glück ab.

      Ein Wort noch zu Goretzka, der mir auch gut gefallen hat: ”
      WIPF, Du schreibst “Wie er auf der 10er-Position die Bälle verteilt hat war schon stark” Oh ha, da lässt Du dich aber von einer Euphorie tragen, WIPF, die ich nicht nachvollziehen kann. Goretzka war gestern ganz sicher kein Spielgestalter auf der 10, der das Spiel lenkt! Das ist in diesem Brachialsystem nicht vorgesehen! Vielmehr war Goretzka eben einer von vier, fünf Spielern, der gerade an der richtigen Stelle stand, als die Hoffenheimer Befreiungsversuche nicht gelangen! Womit ich seine Tore keineswegs schmälern will, aber sie waren viel mehr das Ergebnis von Willensleistung und Dynamik, als von Spielübersicht und genialem Pass-Spiel!!
      Und genau dessen schwindende Bedeutung im System Kovac macht mir Sorgen.

      1. wipf1953

        Das Spiel hat in HZ eins die gesamte Mannschaft gestaltet, einschließlich Müller und Kimmich. Ja. Aber es fiel mir schon vor dem 1:0 auf, wie Goretzka in seiner Offensivrolle seine PS auf die Straße gebracht hat. Wie gesagt, ich warte die Analysen der Taktikexperten ab, warum Bayern in dieser Phase so viel Platz hatte und warum der Gegner teilweise einfach nicht in die Zweikämpfe kam.

        Ein Wort noch zu Nagelsmann. Ich würde ihn jetzt gerade nicht in den Himmel heben (was aber die gesamte Deutsche Sportpresse mal wieder macht). Man kann die Lobeshymnen auf ihn doch auch umdrehen: Hoffenheim war offensichtlich überrascht davon, dass Bayern die Partie wie eine CL-ko-Begegnung angegangen ist, die unbedingt gewonnen werden musste. Folglich hatte Hoffenheim in HZ schlicht keinen Plan, wie sie den Ball kontrolliert aus der eigenen Hälfte nach vorne bringen konnten. So eroberte Bayern die Bälle im 30-Sekunden-Takt und brachte sie mit ihrem “Positionsspiel 2.0” auf der gesamten Spielfeldbreite nach vorne. Nagelsmann reagierte erst spät, nämlich zur Halbzeit – als seine Mannschaft bereits mit 2:0 hinten lag – indem er Vogt nach vorne und die zwei Fullbacks nach hinten zog. Eine überfällige Maßnahmen, nachdem Coman (auf links) und Kimmich / Müller (auf rechts) zuvor über volle 45 Minuten die Flügel dominieren durften. Zwar gelang Hoffenheim dann Mitte der zweiten Halbzeit der Anschlusstreffer, weil Bayern in dieser Phase des Spiels etwas mehr zuließ. Aber als Kovac, der seine Mannschaft taktisch klug ihre Reserven hatte konservieren lassen, in den letzten 15 Minuten gegen die dann müdegespielten Breisgauer die überlegene Qualität von Gnabry und James brachte, mussten Hoffenheim und Nagelsmann die Überlegenheit des Gegners anerkennen.

        Sooo kann man die Herangehensweise der beiden Trainer schon auch sehen. Will aber keiner lesen, und darum sieht die gesamte deutsche Sportpresse das Spiel anders.

        Was ich eigentlich sagen will: Beide Trainer wissen so viel mehr über die gegnerische und vor alle über die eigene Mannschaft Bescheid (die sie schließlich jeden Tag im Training sehen) als der “normale” Außenstehende. Im TV sieht man zudem nur einen Ausschnitt des Spiels – schon im Stadion kann das ganz anders aussehen. Lag das geänderte Spiel in HZ zwei wirklich nur an Nagelsmanns Umstellungen, oder auch – vielleicht sogar vor allem – daran, dass kein Team der Welt im 30-Sekunden -Takt mit fünf bis sechs Mann über beide Flügel angreifen kann? Ich für meinen Teil bin schon zufrieden, wenn ich am TV wenigstens gewisse Grundstrukturen des Spiels erkenne (hat das ZDF eigentlich noch den second screen, mit der Totalen, aus Hintertorposition?). Das Urteil, was welcher Trainer falsch gemacht hat, überlasse ich anderen. Scio me nihil scire.

      2. Dinzinger

        Sinsheim nix Breisgau. Kraichgau :)

  8. Nur der FCB

    In dem Artikel wird Neuer für seine Weltklasseparade in der 82. Minute sogar zweimal gelobt und als Retter des Siegs gefeiert. Szalai war in der Szene Abseits und das ist auch von Linienrichter angezeigt wordemn, wenn auch spät.

    1. Herrispezial

      Der erste Ball war noch kein Abseits; erst der Nachschuss. Insofern war die erste Parade schon enorm wichtig, denn das Tor hätte gezählt.

  9. Axel

    Off topic, aber beim Spiel des provisorischen Platzhalters an der Tabellenspitze gg RBL ist mir zum wiederholten Male Ibrahima Konaté aufgefallen. In meinen Augen ein geiler IV. War der jemals bei uns im Gespräch? Hat den jemand von Euch besser im Blick? Und hat jemand die Handy-Nr von Brazzo und kann ihm den mal ans Herz legen? Dann kann man sich Hernandez sparen.

  10. heuberg17

    Hilfe!
    Wer klärt mich armen “Normalo” auf und sagt mir, was auf deutsch der Taktiksprech “Zone 14” bedeuten soll???

    1. Ryuss

      Der Bereich ( oder ‘Rechteck’ ) zentral vor dem Strafraum:

      https://spielverlagerung.de/2014/09/06/die-halbraume/

    2. Dinzinger

      Spielfeld wird zu taktisch-theoretischen Zwecken in 18 (6 längs x 3 quer) Zonen aufgeteilt, beginnend links hinten -> Zone 14 ist entsprechend die Zone, die direkt außerhalb des gegnerischen Strafraums liegt, mittig. Die Besetzung / Beherrschung dieser Zone wird als enorm wichtig für den Torerfolg angesehen (logischerweise).

    3. Osrig

      Ergänzend zu der Angabe von @Dinzinger wäre es vielleicht noch interessant, zu wissen, dass sich das spanische “Juego de Posicion”, das “Positionsspiel” oder besser noch “Zonenspiel” an diesen gedachten Zonen eines Fussballfeldes orientiert und fordert, dass alle relevanten Zonen während des eigenen Offensivspiels von einem Spieler besetzt sein sollen UND es bestimmte Vorgaben gibt, wonach Bewegungen aus bzw. in eine Zone hinein erfolgen soll, um jeder Zeit zu gewährleisten, dass die Zonen besetzt bleiben und schnelles Pass-Spiel möglich wird.
      Leicht vorstellbar, dass solche Zonenbesetzung Dreiecksbildungen von Spielern erleichtert, und somit Abspiele variabler macht und koordinierte Bewegungsabläufe ganzer Mannschaftsteile ermöglicht mit dem Ziel, selbst eine organisiert stehende Gegnerabwehr in Unordnung zu spielen und Torchancen zu kreieren, die keine Zufallsprodukte sind.
      Der Zone 14 kommt in dieser Struktur große Bedeutung zu, weil sie eine Art Schaltzentrale für diese koordinierten Bewegungsabläufe bildet, von der aus der “Finale Pass” gespielt werden kann, der die entscheidene Lücke in den Abwehrverbund reißt.

      Unter Kovac spielt ein abgestimmtes Pass- und Positionsspiel, ein Zonenspiel augenscheinlich eine deutlich geringere Rolle, als unter seinen Vorgängern. Bei ihm wird der Ball nicht durch schnelle Kombinationen, sondern durch Vorwärtsstürmen mit Ball bzw. einem langen Schlag aus der Abwehr nach vorn gebracht.
      Ein Spieler, der sich auf diese Weise in die Zone 14 bewegt, wird natürlich auch versuchen, den Ball weiter zu spielen, um mitgelaufene Mannschaftskamerade in Szene zu setzen. Nur hat das eben wenig mit Pass- und Positionsspiel, sondern mehr mit Überrennen und Kontern zu tun.

  11. Done

    WIPF1953
    19.01.2019 – 18:22 Uhr:
    “Das Spiel hat in HZ eins die gesamte Mannschaft gestaltet, einschließlich Müller und Kimmich. Ja. Aber es fiel mir schon vor dem 1:0 auf, wie Goretzka in seiner Offensivrolle seine PS auf die Straße gebracht hat. Wie gesagt, ich warte die Analysen der Taktikexperten ab, warum Bayern in dieser Phase so viel Platz hatte und warum der Gegner teilweise einfach nicht in die Zweikämpfe kam. ”

    Wie zu erwarten war weil nicht sein kann was nicht sein darf (Müller, Martinez, Hummels, Goretzka, kein James, kein Gnabry) :

    Hoffenheim war einfach nur schlecht.

  12. […] zu schicken, oder ob der Fokus auf der eigenen Leistung liegen sollte. So äußerte Goretzka direkt nach dem 3:1-Erfolg in Sinsheim, dass ihn der Tabellenführer im Moment gar nicht interessieren würde. Niko Kovač hingegen fand […]

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