Vorlage genutzt, Gladbach geputzt

Maurice Trenner 02.03.2019

Unter der Woche hatte eine Grippewelle den Kader des Rekordmeisters heimgesucht. Ribéry musste sogar in München bleiben, mehrere weitere Spieler konnten nicht am Teamtraining teilnehmen. Außer dem Franzosen fehlten zudem Goretzka und Alaba mit kleineren Blessuren, sowie der verletzte Coman und die sich im Aufbautraining befindenden Robben und Tolisso.

Aus diesem Grund füllten mit Mai, Shabani und dem zuletzt trainingsstarken Jeong drei Spieler aus der zweiten Mannschaft den Kader auf. In der Startelf durfte Müller erstmals seit der Niederlage in Leverkusen von Anfang an auflaufen. Ebenso rückten Rafinha und Thiago in die erste Elf.

Bei den Gladbachern, die in den vergangenen Jahren immer wieder die Münchner ärgerten, nahm Trainer Hecking ebenfalls drei Änderungen zum letzten Spiel vor. Lang, Hofmann und Plea ersetzten Johnson, Zakari und Herrmann.

Falls ihr es verpasst habt

Nach einer halben Minute hatte Bayern direkt die erste riesige Chance. Lewandowski war nach einem Pass von Müller frei vor Sommer, scheiterte aber an Sommer. Bei der darauf folgenden Ecke kam Martínez am Fünfmeterraum frei zum Kopfball, da Elvedi zu Fall kam. Der Kopfball des Spaniers landete im Tor. Schon seit zweiter Treffer in den letzten beiden Spielen. Ein perfekter Auftakt für die Roten.

Sofort versuchte der Rekordmeister die sichtliche Verunsicherung der Gladbacher auszunutzen. Gnabrys Pass nach drei Minuten konnte jedoch im Zentrum geklärt werden. Die Bayern kontrollierten den Ball und die Partie.

In der 11. Minute erhöhten die Bayern gegen komplett harmlose Rheinländer. Gnabry kam am Strafraum komplett unbedrängt zur Flanke. Sein Ball fand Müller im Zentrum, der im ersten Versuch noch an Sommer scheiterte, aber den Abpraller verwertete.

Aus dem Nichts kam die Borussia dann zur ersten Chance. Der aufgerückte Rechtsverteidiger Lang wurde freigespielt und verzog nur knapp. Allerdings war zuvor bereits auf Abseits entschieden worden (14.).

Wie bereits öfter in der Saison überließen die Münchner nun immer häufiger den Hausherren den Ball. In der 21. Minute lag der Ball nach einer Ecke auch im Netz des FC Bayern, allerdings stand Torschütze Plea im Abseits.

Bayern blieb nur noch bei Kontern gefährlich, wenn sie es schafften das nun höhere Pressing der Gladbacher zu überspielen. Beispielsweise nach einer Weiterleitung von Müller im Mittelkreis war Lewandowski erneut frei vorm Tor, scheiterte aber erneut an Sommer. Der Schweizer, bis dato sicher bester Borusse, rettete nach einer halben Stunde auch gegen den durchgebrochenen Gnabry.

Doch in der 37. Minute bestrafte Stindl die Passivität der Münchner. Boateng kann den deutschen Nationalspieler nur marginal stören, der zuvor durch einen guten Laufweg zwischen den Reihen der Münchner frei wurde. Der Anschlusstreffer vor der Pause.

Bis zur Pause versuchte das Team von der Isar wieder aktiver am Spiel teilzunehmen. Mehr als eine Halbchance, die Elvedi jedoch klärte, ergab sich jedoch nicht. Auf der Gegenseite blieb Gladbach weiter gefährlich, wie beim Abschluss von Plea (42.).

Mit einer für den Spielverlauf zu knappen 2:1-Führung ging es zum Pausentee. Als Zuschauer wurde man das Gefühl nicht los, dass die Bayern hier eine höhere Führung hatten liegen lassen und somit das Spiel unnötig spannend blieb.

Auf beiden Seiten gab es keine Wechsel in der Halbzeit. Allerdings hatte Kovač dennoch umgestellt. Die Dreierreihe aus Gnabry, Müller und James war nun deutlich flexibler. Gnabry war nun auch immer wieder auf der rechten Seite zu finden, während Müller von Zeit zu Zeit die linke Seite bespielte.

Die Bayern kamen wieder blitzartig aus der Pause. Zuerst verfehlte James das Tor noch knapp nachdem Gladbach den Ball in der Vorwärtsbewegung verloren hatte. Keine Minute später war es dann Lewandowski, der vollstreckte. Thiago bediente den Polen im Strafraum, der den Ball gegen mehrere Verteidiger souverän behauptet und dann mit Dampf unter die Latte abschloss.

Wie schon in der ersten Halbzeit versuchte Gladbach etwas mehr Kontrolle zu übernehmen. Nach einem Handspiel von Boateng gab es Freistoß am Strafraum. Bei diesem verfehlte Wendt nur knapp das Tor von Neuer (51.).

In der Folge wurden die Borussen allerdings nur bei Schnitzern der Münchner gefährlich. So kam der eingewechselte Zakaria beispielsweise nach einem Fehlpass von Thiago zu einem Abschluss (68.).

Nach 73 Minuten kamen die Gäste mal wieder zu einer Torchance. Müller setzte Lewandowski überragend in Szene, doch der Pole zögerte zu lange. Zakaria konnte in höchster Not klären. Keine Minute später erhöhte Gnabry auf 4:1. Nach einer starken Flanke von Kimmich kam Lewandowski frei zum Kopfball, scheitert jedoch erneut an Sommer. Den Abpraller konnte dann allerdings der Außenstürmer verwerten.

Spielte ganz groß auf: Thomas Müller.
(Foto: Sascha Schuermann/AFP/Getty Images)

In der 79. Minute brachte Kovač den jungen Sanches für James. Der Kolumbianer zeigte eine ordentliche Partie, konnte jedoch mehrmals gute Abschlusspositionen nicht nutzen. Kurze Zeit darauf durfte zudem Davies noch etwas Erstligaluft schnuppern. Der Kanadier ersetze positionsgetreu Gnabry. Als letzter Wechsel kam Jeong zu seinem Bundesliga-Debüt. Er kam für den starken Müller.

Die letzten zehn Minuten spielte der FC Bayern souverän herunter. Als sich alle Parteien schon auf ein 4:1 geeinigt hatten, brachte Hazard Kimmich im Strafraum zu Fall. Den fälligen Strafstoß verwandelte Lewandowski souverän.

Am Ende stand ein sehr verdienter 5:1-Sieg gegen den vermeintlichen Angstgegner mit einer der besten Leistungen der aktuellen Saison. Der Angriff auf die Spitze in der Liga ist gelungen.

Vier Dinge, die auffielen

1. Ein Sieg mit Botschaft

Samstagabend in Mönchengladbach beim Vierten. Das bedeutet Flutlicht, energische Fans und einen giftigen Gegner. Es gibt leichtere Ausgangslagen, um den Rückstand auf Dortmund zu egalisieren. In der Vergangenheit hatte man immer wieder Probleme mit den Fohlen. Seit 2010/11 hat Bayern nur gegen Dortmund eine schlechtere Bilanz.

Doch die Bayern waren so bereit für dieses Spiel wie es nur sein kann. Die Anfangsphase gehörte komplett den Münchnern, die wie die Feuerwehr aus der Kabine kamen. Zwei frühe Tore durch die ersten drei Chancen erleichterten in der Folge das Spiel erheblich.

Das Zeichen in Richtung Ruhrpott ist eindeutig. Hatte man vor wenigen Wochen noch einen Punktverlust der Dortmunder nicht nutzen können, so ließ man sich die Gelegenheit dieses Mal nicht nehmen.

Nach dem Spiel hat Bayern nun alle Karten in der Hand. Lediglich das um zwei Tore schlechtere Torverhältnis trennt den Rekordmeister noch von der Führung in der Liga. Mit dem Heimspiel gegen Dortmund hat man daher den Titel selbst in der Hand.

2. SG Eintracht München?

Eine 2:0-Führung nach elf Minuten. In vorherigen Jahren hätten die Münchner nun vermutlich den Ball an sich gerissen und über ewige Passstafetten mit gezielten Tempowechseln auf das nächste Tor gedrängt. Der Plan von Kovač war jedoch ein anderer.

Der Rekordmeister ließ sich fallen und übergab die Kontrolle des Balles sowie das Spiel an die Heimmannschaft. Man ordnete sich gegen den Ball im 4-4-2 System an, wobei Lewandowski und James häufig die einzigen Spieler in der gegnerischen Hälfte waren.

Aus der defensiven Kompaktheit versuchte man dann Ballgewinne zu forcieren und über wenige Stationen zu kontern. Hieraus ergaben sich einige gute Gelegenheiten durch Lewandowski und Gnabry, die die Münchner jedoch allesamt nicht nutzen konnten.

Allerdings ließ man so eben auch Gladbach in Spiel kommen, die vorher komplett verunsichert und planlos wirkten. Man konnte förmlich beobachten wie die Hausherren mit jedem Pass etwas Zuversicht gewannen und mehr zu ihrem Spiel fanden. Diese Entwicklung gipfelte im Anschlusstreffer durch Stindl.

Der Plan ähnelte sehr stark dem System, das Kovač letztes Jahr bei Frankfurt spielen ließ.

Im Vergleich zu vorherigen Spielen schienen jedoch die Laufwege der Münchner in den Kontersituationen besser abgestimmt. Besonders Lewandowski und Müller harmonierten hier hervorragend. Somit kam man trotz der fehlenden Schnelligkeit eines Coman zu gefährlichen Kontern.

Dennoch muss auch angemerkt werden, dass dieser Spielplan die Gefahr birgt den Gegner zu stärken. Ein finaler Dolchstoß durch ein 3:0 in den ersten zwanzig Minuten hätten hier sicherlich geholfen das Spiel zu beruhigen.

Es wird spannend zu sehen sein, welchen Ansatz Kovač für das Spiel gegen Liverpool wählen wird.

3. Müller meldet sich zurück

Nur 132 Minuten hatte Müller im Februar spielen dürfen. Der stellvertretende Kapitän schien in den letzten Wochen beinahe etwas außen vor im System Kovač. Aufgrund der Verletzungen von Coman und Robben, sowie der Erkrankung von Ribéry rückte er heute jedoch in die Startelf. Eine Situation, die Müller für sich zu nutzen wusste.

“Thomas’ Laufweg ist immer nach vorne, mit viel Bewegung.” Die Aussage stammt von Lewandowski letzte Woche nach dem mühevollen Sieg gegen Berlin. Und genau diese Qualität des Raumdeuters war auch heute wieder zu sehen. Seine unkonventionellen Laufwege reißen Lücken in die gegnerische Verteidigung, die der Pole zu nutzen weiß.

Außerdem besetzt Müller den Strafraum noch konsequenter als beispielsweise Goretzka, der meist nur nachrückt. Somit war Müller eine zusätzliche Anspielstation vorm Tor, wenn Gnabry oder Kimmich sich auf den Außen durchsetzen konnten. Sein Tor zum 2:0 war hierfür ein schönes Beispiel.

Eine weitere Stärke von Müller waren in diesem Spiel sein Weiterleiten des Balles. Immer wieder sorgte er für Vertikalität im Angriff der Münchner. Vor dem 4:1 schickte er beispielsweise Kimmich auf dem Flügel direkt und mit einer Technik, die ihm gar nicht ähnlich sah.

Während Müller im Rückspiel in Liverpool noch gesperrt fehlen wird, so meldete der Torschützenkönig der WM 2010 sich zurück. Die Personalentscheidungen für Kovač zum Saisonende werden durch solche Leistungen wie heute nicht einfacher werden.

4. Das Sorgenkind Chancenverwertung

Dass es zur Halbzeit nochmal spannend wurde, lag jedoch nicht nur an der steigenden Passivität sondern auch an der erneut schwachen Chancenauswertung. Gleich drei Mal war ein Spieler der Münchner in der ersten Hälfte vollkommen frei vorm Tor der Gladbacher. Kein einziges Mal konnte man ein Tor erzielen. Auch direkt nach der Pause scheiterte James aus bester Position.

Die Chancenverwertung der Münchner war bereits die gesamte Saison ausbaufähig. So hatte Bayern vor der Partie 51 Tore in der Liga erzielt, wobei der expected Goals-Wert von 53,1 Toren ausgeht.

Sinnbildlich hierfür steht Lewandowski. Der Pole liebt scheinbar den komplizierten Abschluss. Im vermeintlich einfacheren direkten Duell mit dem Torwart scheitert er oft. Sein persönlicher xG-Wert lag vorm Spiel bei 19,8 Toren. Allerdings hatte er “nur” dreizehn Treffer erzielt.

Der FC Bayern im Allgemeinen und Lewandowski im Speziellen würden sich viel leichter tun, wenn sie ihre Chancen besser nutzen. Allerdings ist dies ein Aspekt im Spiel der Münchner, den man nur schwer über Training oder taktische Anpassungen lösen kann. Vielmehr muss die Hoffnung darin bestehen, dass man basierend auf Leistungen wie heute das Vertrauen ins eigene Können steigern kann.

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