Mario Götze geht zurück zum BVB – Das Ende einer Ehe auf Zeit

Christopher Trenner 21.07.2016

Das Hin-und-Her hat damit ein Ende. Lange schwelte die Diskussion um die Vertragssituation von Mario Götze. Nachdem sich ein Wechsel im Frühjahr dieses Jahres bereits andeutete, gab es kurz vor der Europameisterschaft anders lautende Signale aus dem Umfeld des Spielers. Er wolle sich beim FC Bayern durchsetzen. Ein Beraterwechsel fiel in diesen Zeitraum.

Allerdings fehlte wohl beim FC Bayern und der neuen sportlichen Leitung unter Carlo Ancelotti das letzte Vertrauen in Götze. Die erzielbare Ablöse, die sich laut verschiedener Medienberichte zwischen 23 – 28 Millionen Euro bewegen soll, hat die Entscheidung seitens der Münchner wohl noch einfacher gemacht. Einen Spieler ablösefrei ziehen zu lassen, kann sich auch der FC Bayern mit seiner jetzigen Ausgabenstruktur nicht mehr wirklich leisten.

Schwerer Start

Mario Götze hatte von Anfang an einen schweren Stand. Pep Guardiola ist nicht richtig warm geworden mit ihm. Seine Zahlen in der Auftaktsaison lesen sich dennoch vielversprechend. Von 46 möglichen Spielen (4.140 Minuten) spielte Götze 29 (2.658 Minuten). Dies entspricht einer Quote von 64%. Nicht überragend, aber angesichts der großen Rotation die Pep Guardiola verfolgte ein durchaus positiv zu lesender Wert. Dabei schoss er 14 Tore und legte 13 weitere auf. Er erzielte demnach 27 Scorerpunkte in 46 Spielen. Im Pokalfinale gegen Dortmund zum Abschluss der Saison glänzte er.

In der Folge-Saison 2014/15 ergaben sich zwei Probleme, die sich gegenseitig verstärkten. Der FC Bayern hatte in der Rückrunde viele verletzte Spieler und Götze musste vor allem auf der linken Außenbahn spielen. Dort konnte er seine Stärken gegen tiefstehende Gegner aber nur bedingt einbringen. Die Folge war eine Formkrise. Da es aber keine Alternativen im Kader gab, spielte Götze fast immer. Die Quote der Einsätze stieg an: 37 von 51 möglichen Spielen (3.326 von 4590 Minuten) bestritt Götze. Seine Einsatzzeit steigerte sich um 8 Prozentpunkte auf 72%. 15 Tore und 7 Assists bedeuteten 22 Scorerpunkte.

Trotz 25% mehr Zeit auf dem Platz sanken seine Erfolgszahlen um 18.5%. Götze war schlichtweg nur ein Kaderspieler – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die öffentlichen Erwartungen hingegen waren andere. Verstärkt wurde dieser Effekt auch durch den entscheidenen Treffer im WM-Finale. Was viele vergessen haben, Götze startete nicht von Beginn an, sondern wurde eingewechselt. Die Einsatzzeiten in der angeblichen »Wohlfühloase Nationalmannschaft« waren geringer als beim FC Bayern. Auf nur 40% kam Götze in den beiden letzten Turnieren.

Die letzte Saison sollte ein Neuanfang werden, verfestigte aber eher den Eindruck, dass es nicht passt zwischen Götze und dem FC Bayern. Die sportliche Leitung der Münchner erkannte Lücken im Kader und verpflichtete zwei zusätzliche Flügelspieler. Götze rückte bei Spielen mehr ins Zentrum. Hier wechselte er sich mit vielen anderen Spielern ab. Unter anderem Müller und Thiago. Der Start in die Saison war durchaus vielversprechend. Die Partien gegen Wolfsburg und Dortmund zu Hause waren sicherlich mit die besten Spiele im Trikot der Münchner.

Die Verletzung im Herbst kam zur Unzeit. Götze fiel aus und kam in einer schwierigen Phase zurück. Guardiola, der in der letzten Halbserie radikal auf absoluten Erfolg umstellte, machte keine Kompromisse mehr. Persönliche Befindlichkeiten wurden hinten angestellt. Trotz einiger personeller Probleme im Kader spielte Götze lange Zeit nicht. Dies ließ sich auch in seinen Zahlen ablesen. 13 von 30 möglichen Spielen (1213 von 2700 Minuten) bedeuteten nur 45% Einsatzquote. Die Rückrunde war ein Schlag ins Kontor. Seine 10 Scorerpunkte (6 Tore und 4 Assists) hatte er fast ausschließlich in der Hinrunde gesammelt.

Da auch Ancelotti nicht hundertprozentig auf Götze setzen kann und will, scheint der Wechsel nun folgerichtig zu sein. Die Wunschehe, die der Verein mit einem der talentiertesten deutschen Spieler der letzten Jahre geschlossen hat, wird nun also geschieden. 59 Scorerpunkte in drei Jahren – einige Höhen, aber auch viele Tiefen begleiteten beide Partner in dieser Zeit. Man ist sich wohl nie wirklich näher gekommen in diesem Projekt. Beigetragen haben dazu beide Seiten. Guardiola hat nie konstant eine Position gefunden auf der Götze seine Stärken zur Geltung bringen kann. Götze selbst hat in seinen nicht gerade wenigen Einsätzen zu selten gezeigt, dass er unabhängig von der Position so viel positiven Einfluss auf das Spiel nimmt, dass er dauerhaft in die Mannschaft gehört. Im Sommer 2016 endet so eine Ehe auf Zeit.

3 Jahre Götze beim FC Bayern

Wer die Zeit nochmals nachempfinden will, findet hier einige Stücke, die bei Miasanrot erschienen sind:

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