The future is now – Mario Götze vor Wechsel zum FC Bayern

Steffen Trenner 23.04.2013

Es gibt genau einen Spieler im Kader des BVB, der bestimmte Qualitäten mitbringt, die Bayern in der aktuellen Kaderzusammensetzung fehlen. Dieser Spieler heißt weder Lewandowski noch Reus oder Hummels, sondern Götze. Götze ist kein Verlegenheitstransfer der Bayern wie Andreas Herzog, Ciriaco Sforza, Torsten Frings, Michael Ballack oder Mirsolav Klose vor ihm. Die Transfer-Strategie in jeder Saison die besten Bundesliga-Spieler zu verpflichten, um sich danach Gedanken zu machen ob und wie sie in die Mannschaft passen könnten, scheinen vorbei. Götze ist spielerisch ein passendes Puzzlestück und Versprechen auf die Zukunft zugleich.

Götze kann je nach Gegner und Spielsituation eine Alternative zu Toni Kroos auf der zentralen offfensiven Mittelfeldposition darstellen. Er ist ein anderer Spielertyp als Kroos und hat mit seiner engen Ballführung und Dribbelstärke Qualitäten, die den Bayern im offensiven Zentrum ein wenig abgehen. Gleichzeitig macht er Kroos so mittelfristig frei für die Position, die ihm eigentlich auf den Leib geschneidert ist. Die offensive, spielgestaltende 6. Bastian Schweinsteiger kann hier durchaus noch ein paar gute Jahre vor sich haben. Und doch zeigt sich auch in dieser Saison, dass Schweinsteiger dem körperlichen Spiel auf dieser Position Tribut zollen muss und immer wieder Pausen benötigt. Kroos ist von der Veranlagung der ideale Ersatz auf dieser Position.

Auch Franck Ribéry ist inzwischen 30 Jahre alt. Zwar wäre Götze auf links Außen ein wenig verschenkt und ist kein Tempodribbler wie der Franzose, aber er kann sich gerade in engen Räumen am Strafraum gut durchsetzen. Ribérys Rhythmuswechsel sind ein wesentliches Element im Bayern-Spiel – Götze kann auch hier mit seinen Drehungen, und schnellen, kurzen Bewegungen gemeinsam mit Shaqiri eine mögliche Lücke füllen.

Und dann ist da noch die viel beschriebene Falsche 9. Ich bin persönlich großer Anhänger von klassischen Zielspielern im Sturmzentrum, die in der Lage sind Kopfballtore zu erzielen und sich im Strafraum gegen robuste Innenverteidiger durchzusetzen. Dennoch ist Götze unter Guardiola eine sehr realistische Variante für ein System ohne echten Stürmer im vordersten Zentrum.

Der Götze-Transfer macht Sinn. Er ist logisch. Er bringt Bayern fußballerisch weiter. Er schafft die Grundlage für weitere Erfolge des FC Bayern in den nächsten Jahren. The Future is now – zumindest für einen kurzen Moment. Was bleibt ist ein diffuses Gefühl der Unsicherheit ob des Zeitpunkts der Bekanntgabe. Der Götze-Transfer erinnert in vieler Hinsicht an den Transfer von Sebastian Deisler im Jahr 2002. Das größte Talent des deutschen Fußballs wechselt für viel Geld zum Rekordmeister. Heute wissen wir, dass der zu früh bekannt gegebene Wechsel des Lörrachers von Hertha BSC Berlin zum FC Bayern eine von vielen Ursachen dafür war, dass Deisler an Depressionen erkrankte. Seine restliche Zeit in Berlin nach Bekanntgabe des Wechsels war geprägt von unfassbaren Anfeindungen. Geschichte muss sich nicht wiederholen. Gewiss nicht. Und doch sind alle Beteiligten gut beraten sich daran zu erinnern und für die kommenden Wochen und Monate die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.

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