FC Bayern – FC Barcelona 4:0 (1:0)

Steffen Trenner 24.04.2013

3 Dinge, die auffielen

1. Jupp Heynckes Plan

Es bleibt dabei. Der Erfolg des FC Bayern und sein herausragendes Spiel in weiten Teilen der Saison ist sehr eng mit den taktischen Vorgaben von Jupp Heynckes verknüpft. Bayern hatte gegen Barcelona einen genauen Plan, der am Ende aufging.

Man überließ den Katalanen in deren eigener Hälfte großzügig den Ball und konzentrierte sich darauf die Passwege auf die Spielgestalter Busquets und Xavi zuzustellen. Müller und Gomez kümmerten sich um Busquets und nahmen ihn gerade in der ersten Hälfte fast völlig aus dem Spiel, Schweinsteiger sorgte dafür, dass sich Xavi jeden Ballkontakt jenseits der Mittellinie hart erarbeiten musste. Iniesta wurde von Martínez verfolgt und Messi häufig auf die Flügel gedrängt und dort gedoppelt. Bayern gelang es so, dass sich gerade Iniesta immer wieder weit zurückfallen ließ, um Xavi, der sich selbst häufig zwischen die Innenverteidiger zurückfallen lassen musste, eine Anspielstation zu bieten.

Die Folge waren viele Ballstaffetten in großer Entfernung zum Bayern-Tor. Barcas Ballbesitzstatistik (66:34 Prozent) und die Passquote (91 Prozent waren einmal mehr herausragend – und doch konnte Bayern damit leben, weil sich all das über weite Strecken in völlig ungefährlichen Räumen abspielte. Nach Ballgewinnen, insbesondere von Schweinsteiger (5 abgefangene Bälle) und Martinez (6 erfolgreiche Tacklings) schwärmte Bayern aus und kombinierte sich schnell und präzise nach vorn und kam so immer wieder zu Torabschlüssen (15:4 Torschüsse) oder Standardsituation (11:4 Ecken). Barcelona hatte diesem Umschaltspiel der Bayern nichts entgegenzusetzen.

2. Thomas Müller

Der 23-Jährige zeigte vielleicht das beste Spiel seiner Karriere. 2 Tore, 1 Assist, über 11 Kilometer Laufleistung, viele abgeschirmte, gehaltene Bälle auf rechts außen, die das Tempo verschleppten und Bayern damit Luft zum Atmen gaben. (Dazu ein exzellentes Pick&Roll mit Arjen Robben vor dem 3:0)

Müller zeigte gegen Barcelona sein komplettes Repertoire. Barcelona verzichtete auf eine enge Mannorientierung gegen Müller, was ihm ermöglichte sich seine Räume komplett selbst zu suchen. Müller wich häufig auf die Flügel aus um auf den Seiten Überzahl zu schaffen und Barcelonas Mittelfeld so aus der Ordnung zu bringen. Er lauerte nach Ballgewinnen auf der Kante zum Abseits auf einen tödlichen Pass, er stahl sich bei Einwürfen sofort in den Rücken der Abwehr, um eine Anspielstation zu bieten und setzte so fast im Alleingang die komplette Viererkette von Barcelona ständig unter Druck. Müller schafft es so auch ohne hohen Ballbesitz großen Einfluss auf das Spiel zu nehmen, wenn er so laufstark agiert wie gegen Barcelona.

Auf all das oben drauf kommt seine Torgefährlichkeit im Strafraum. Es war der spielentscheidende Spieler auf dem Platz.

3. Noch nicht am Ziel

Auch wenn sich dieses Spiel ein wenig anfühlt wie ein gewonnenes Finale oder der krönende Abschluss einer stetigen Entwicklung – der FC Bayern ist noch nicht am Ziel. 2 Spiele liegen in der Champions League noch vor dieser Mannschaft. Barcelona ist zu Hause eine andere Mannschaft als Auswärts, diese Regel gilt seit Jahren. Auf dem riesigen Platz im CampNou ist Barcelona immer in der Lage einen Gegner auseinander zu nehmen und 3 oder 4 Tore zu erzielen. Es wird im Rückspiel darauf ankommen ein zu erwartendes Offensivfeuerwerk in der Anfangsviertelstunde gut zu überstehen und wenn möglich irgendwann im Verlaufe des Spiels ein Tor zu machen. Spätestens dann ist der Weg ins Finale frei.

Bayerns Spiel hat eine Dimension erreicht, die vor drei oder vier Jahren niemand für möglich gehalten hat. Vielleicht sprechen wir in 5 Jahren von diesem 4:0 als Manifest einer Wachablösung im europäischen Vereinsfußball. Vielleicht reden wir aber auch einfach von einem magischen Spiel einer Mannschaft, die es im entscheidenden Moment immer wieder verpasst hat den letzten Schritt zu gehen. Egal wie – dieses Spiel wird bleiben, wird nachhallen. Den Rest hat die Mannschaft in den kommenden Wochen in der Hand.

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