Ach, Uli

Ich stehe zwischen den Stühlen. Als Fan des FC Bayern, als Bewunderer der Hoeneßschen Direktheit, als Wirtschaftsstudent dem täglich der Kapitalismus gepredigt wird und besonders auch als jemand, der live erleben durfte wie Uli sich für ein Thema heiß redet und am liebsten sofort geholfen hätte. Das war damals beim Unglück in Fukushima. Hoeneß war beim Management Kolloquium an der TU München zu Gast.

Nun hat unser Präsident sich selbst angezeigt und eventuell ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung am Hals. Zur Zeit wird die Sachlage geprüft. Es geht um Geld in der Schweiz, ein nicht zustande gekommenes Abkommen und Forderungen aus Steuerversäumnissen. Fakt ist wohl: eine Straftat liegt vor, sein Haus wurde durchsucht und die nächsten Wochen und Monate werden ein Strafmaß klären, oder ihn (nur) zur Nachzahlung auffordern. Dann wäre das Thema rechtlich erledigt, aber nicht moralisch korrekt, oder irgendwie aus der Welt.

Eigentlich wollte ich zu dieser ganzen Geschichte nicht bloggen, aber ein paar Worte sollen nun doch geschrieben werden. Wie sieht es in meiner Gefühlswelt aus? Da ist diese große Enttäuschung neben der Unvorstellbarkeit der ganzen Sache. Uli Hoeneß mit schweizer Bankkonto und Steuerproblemen? DER Uli Hoeneß? Vor einer Woche hätte ich noch milde über das Thema geschmunzelt, oder gar darüber gelacht. So unvorstellbar war mir das irgendwie. Wenn jemand für ein korrektes Auftreten und Handeln als Manager steht dann doch wohl unser Präsident. Und nun hat sich dieser erst kleine Fleck auf seiner – stolz präsentierten – weißen Weste gebildet und ich weiß nicht was das verändern wird. Auch bei einem »Freispruch« (bzw. wenn die Selbstanzeige anerkannt wird) kann man darüber nicht hinwegsehen. Passt das irgendwie zusammen? Also die großen öffentlichen Reden? Das Treten auf diejenigen die keine anständigen Manager sind? Hoeneß, der Mann der direkten und ehrlichen Worte. Hoeneß, der Mann der selbst zögerte und Steuerbetrug begangen hat? Ich weiß es nicht und will es eigentlich nicht wahr haben, aber der Realität müssen wir uns erstmal stellen.

Bis zu einer Aufklärung durch die Staatsanwaltschaft beziehungsweise – und das halte ich für das aktuell Allerwichtigste – einer Erklärung von Hoeneß selbst, sollte man die Sache aber auch so sehen wie sie ist: ein mögliches Verfahren mit einer Diskussion die derzeit nur auf Vermutungen basiert. Eigentlich geht das bisher nur Hoeneß, seinen Steuerberater und die Staatsanwaltschaft etwas an. Dafür ist die Selbstanzeige da. Wieso nun aber der Focus berichtet und ihn an den Pranger stellt, scheint niemanden zu interessieren. Vermutlich sollte man diese Frage lieber nicht stellen.

Das Thema ist kompliziert, die Faktenlage mehr als dürftig und bis zu einer öffentlichen Erklärung können und sollten wir alle nur eines tun: Abwarten, dämliche Sticheleien stillschweigend ertragen und uns auf die kommenden Spiele konzentrieren. Es geht um die Privatperson Uli Hoeneß. Der ist zwar nicht vom FCB zu trennen, aber unser Verein ist größer als jeder seiner Offiziellen. Auch wenn es vielleicht das größte und populärste Rad in der derzeit sportlich gut geölten Maschine ist.

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Leserkommentare
  1. Mich hätte jetzt ja noch deine Begegnung mit Hoeneß und sein Einsatz für Fukushima interessiert. Aber das hätte dem Artikel dann so einen verteidigenden Ton gegeben, der momentan natürlich auch nicht ganz angemessen ist.

  2. Anton

    So so, kleiner Fleck auf weißer Weste,
    Vermutung bis die Faktenlage geklärt ist ?
    No Sir,hier scheint die rote Vereinsbrille des Miasanmia Geistes zu sehr durch, nach dem Motto: Was nicht sein darf, kann auch nicht sein !
    Mit der Selbstanzeige ist die Straftat dokumentiert und zugegeben, unabhängig davon wie hoch das Strafmaß ausfallen wird. Um Schaden vom Verein abzuwenden, und sei es nur ein Imageschaden, sollte Hoeneß von allen Ämtern zurücktreten.

  3. Über den Präsidenten entscheiden die Mitglieder und nur die Mitglieder. Und ich für meinen Teil werde das tun, wenn sich Uli Hoeneß und die Staatsanwaltschaft geäußert hat. Dann werde ich mir ein Urteil bilden und das wird sicher nicht hinter einer roten “Mia San Mia”-Brille versteckt werden.

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