Testspiel: FC Bayern München 1:0 Manchester City (0:0)

Justin Trenner 20.07.2016

Bayerns neuer Trainer konnte dennoch auf einige erfahrene Profis zurückgreifen. In einer 4-3-3-Grundausrichtung schickte der Italiener seine Mannschaft ins Rennen. Vor Ulreich agierten Rafinha, Feldhahn, Martínez und Bernat in der Viererkette. Lahm und Alaba durften zunächst mit Alonso im Mittelfeld spielen, während Ribéry die Offensive mit Green und Benko komplettierte. Manchester City agierte ebenfalls in einem relativ unspektakulären 4-3-3-System.

Das Spiel begann zunächst auf beiden Seiten fahrig. Bayern leistete sich ebenso leichte Fehler im Aufbauspiel wie Gegner Manchester City. Große Gelegenheiten resultierten daraus aber zunächst nicht. Alaba (17.) hatte nach schöner Kombination mit Ribéry dann die große Chance aus 5 Metern einzunetzen, zielte aber nur auf den Torwart der Gäste. Die Elf von Carlo Ancelotti kontrollierte die Partie, während City die vielen Nachwuchsspieler in der Startelf anzumerken waren. In der 23. Minute gab es dann den ersten gefährlicheren Torschuss von Guardiolas neuer Mannschaft. Das Spiel nahm jetzt zumindest etwas Fahrt auf und Bayern bekam bessere Ideen. Green verpasste jedoch die Führung nach einer Umschaltaktion über Alaba (28.) und vergab auch kurz danach eine gute Gelegenheit nachdem Ribéry sich stark durchsetzte (36.). Bis zur Halbzeit passierte im Anchluss nicht mehr viel.

Die Pause nutzte Ancelotti um einige seiner Nachwuchsspieler einzuwechseln. Hägler, Dorsch und Öztürk kamen für Alaba, Ribéry und Alonso. Dadurch kam Manchester City etwas besser in die Partie, ohne aber große Gefahr auszustrahlen. In der 66. Minute brachte Bayerns Trainer dann Felix Götze und Marco Friedl für Martínez und Bernat. Die Gäste hatten immer mehr Ballbesitz, doch Ancelottis 4-4-2 blieb gut organisiert und stabil. Das war auch der Fall, weil Guardiola auf der anderen Seite ebenso häufig durchwechselte. Das Spiel flachte immer weiter ab bis der Schiedsrichter es ungewollt etwas belebte. Einen Pass von Clichy blockte er unfreiwillig. Der Ball gelang so zu Öztürk dessen abgefälschter Schussversuch ins Netz kullerte (78.). Manchester City hatte dem nichts mehr entgegen zu setzen und so blieb es schließlich beim 1:0-Erfolg des Rekordmeisters.

Öztürk erzielte den einzigen Treffer des Spiels.(Foto: Christof Stache / AFP / Getty Images)
Öztürk erzielte den einzigen Treffer des Spiels.
(Foto: Christof Stache / AFP / Getty Images)

3 Dinge, die auffielen:

1. Weniger Risiko

Sowohl im Aufbaudrittel als auch im letzten Drittel ging der FC Bayern gegen Manchester City deutlich weniger Risiko als noch unter Pep Guardiola. Die Außenverteidiger schoben nicht allzu hoch und meist positionierten sich zwei, manchmal sogar drei Akteure vor der Abwehr und boten sich an. Letztendlich führte das zu wenigen Ideen, um das letzte Drittel zu erreichen.

Erschwerend hinzu kam, dass sogar die beiden Flügelspieler Ribéry und Benko gelegentlich abkippten und das Mittelfeld so überluden. Das wäre dann gut, wenn die Mannschaft in stärkerer Rotation gewesen wäre, doch das war sie zu Beginn eben nicht. Erst später wechselten die Akteure immer häufiger ihre Positionen und erspielten sich so auch mehr Chancen. Meist waren es einzelne vertikale Pässe oder aber die individuelle Klasse von Lahm, Ribéry und Alaba, die für eine Idee sorgte. Mit dem Pressing der Gäste hatten die Münchner mit ihrer risikoarmen Variante allerdings wenig Probleme, auch wenn das Aufbauspiel nicht immer sicher war.

Das Pressing des Rekordmeisters war ebenfalls deutlich tiefer als in der letzten Saison. Zwar immer noch konsequent und aggressiv, aber sehr viel abwartender. Man ließ den Gegner oft bis zur Mittellinie kommen, um dann in einem Mittelfeldpressing Fallen zu stellen. Das könnte ein Hinweis darauf sein, was Ancelotti mit der Mannschaft vor hat. Bayern wollte weiterhin den Ball haben, ließ den Gästen aber auch einige Ballbesitzphasen. In einem gut organisierten 4-4-2 schien man dann die Kräfte für die nächste Drangphase zu sammeln. Nach Ballgewinn versuchte man speziell über die linke Seite durchzubrechen und Vertikalität ins Spiel zu bekommen.

2. Lahm in der Box-to-Box-Rolle

Dass Philipp Lahm auch Mittelfeld kann, war längst bekannt. Dennoch zeigte sich der Kapitän bereits in sehr guter Verfassung. Mal half er Alonso im Spielaufbau, dann war er wieder auf dem Weg nach vorne, um die Offensive anzukurbeln. Lahm brachte als einer von wenigen Vertikalität ins Spiel und trug den Ball zur Not auch selbst mit starken Dribblings nach vorn. Gegen den Ball positionierte er sich im 4-4-2 neben Alonso. Beide harmonierten recht gut und wussten genau, wann ein Herausrücken möglich war und wann nicht. Lahm kann von überall das Spiel in die Hand nehmen und dominieren. An diesem Abend tat er es auf der Acht.

3. Starke linke Seite

Alaba, Bernat und Ribéry bildeten eine durchschlagkräftige linke Seite. Der Österreicher agierte vor allem im linken Halbraum auf der Acht und schob sich gegen den Ball dann komplett auf die linke Seite. Die sehenswertesten Chancen entstanden in der ersten Halbzeit über die Seite dieser drei. Ribéry war dabei sehr umtriebig. Mal fand man ihn auf der Acht wieder, dann wieder auf der Zehn und im nächsten Moment besetzte er seinen linken Flügel. Diese Rotationen waren wichtig, um überhaupt Chancen kreieren zu können. Bernat wirkte zwar immer noch in einigen Situationen fahrig, war aber stets gut positioniert und half als Anspielstation bei fast allen gefährlichen Aktionen mit. Man merkte, dass der Spanier mit Ribéry harmoniert, weil sein Hinterlaufen besser funktionierte als sonst und der Franzose stets bemüht ist, ihn einzubinden.

Auch wenn es schwierig ist ein Testspiel als Maßstab zu nehmen, so zeigten die Kombinationen immer wieder Einblicke in Ancelottis Ideen. Überzahlsituationen auf den Flügeln und schnelle Kombinationen im Dreieck führten zu den besten Gelegenheiten. Alles in allem ein ordentlicher Auftritt, der gerade in der letzten Konsequenz noch effektiver und genauer hätte sein können.

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