FC Bayern – Borussia Dortmund 5:1 (2:1)

Christopher Trenner 04.10.2015

Der FC Bayern geht nach dem Erfolg gegen Dortmund mit sieben Punkten Vorsprung in die Länderspielpause. Es war der Lohn einer konzentrierten und intensiven Vorstellung.

Falls ihr es verpasst habt:

Mit großer Spannung wurde die Ausrichtung der Mannschaften erwartet und beide Trainer sorgten durchaus für kleinere Überraschungen. Pep Guardiola setzte im wichtigsten Spiel der bisherigen Saison erstmals auf eine Dreierkette mit Boateng, Martínez und Alaba. Lahm begann dafür anders als in den Vorwochen im zentralen Mittelfeld. Für ihn blieb der angeschlagene Vidal unten. Götze erhielt den Vorzug vor Coman.

Auch Tuchel veränderte seine gewohnte Ausrichtung leicht. Castro rückte als nominell dritter 6er neben Gündogan und Weigl in die Startelf. Der zuletzt formschwache Reus rotierte dafür auf die Bank. Auf Grund der Verletzung von Schmelzer würfelte Tuchel auch seine Viererkette durcheinander. Bender begann zentral, Sokratis rechts und Piszczek links. Aubameyang rückte zudem zunächst auf den rechten Flügel, während Kagawa eher die zentrale Offensivposition einnahm.

Beide Mannschaften begannen hochkonzentriert und mit ebenso hoher Intensität. Dortmund wirkte hervorragend eingestellt. Die ersten Minuten gehörten insgesamt eher den Gästen, auch wenn zunächst die ganz großen Chancen fehlten. Es blieb zunächst bei der ein oder anderen Standardsituation.

Die Münchner brauchten 20 Minuten, um besser in die Partie zu finden und mehr entscheidende Duelle für sich zu gewinnen.

Startaufstellung FC Bayern München - Borussia Dortmund, 04.10.2015Pep Guardiola setzte erneut auf eine Dreierkette. Allerdings fehlte im Mittelfeld oft der Zugriff.

Einmal mehr war es Douglas Costa, der die Initialzündung setzte und zwei gute Situationen im 16er provozierte (20., 23.). Kurz danach fand Boateng mit einem mutigen langen Ball Müller, der sich auf unnachahmliche Weise um Bürki herumspielte und zur 1:0 Führung traf (26.). Dortmund brauchte einige Minuten um den Rückstand zu verdauen und ließ sich in den nächsten zehn Minuten hinten rein drängen. Bayern witterte eine Chance und spielte direkter und klarer nach vorne. Mkhitaryan foulte bei der dritten Strafraumszene in kurzer Zeit Thiago und verursachte damit den sechsten Elfmeter dieser Bayern-Saison. Anders als gegen Mainz behielt Müller dieses Mal die Nerven vom Punkt und erhöhte so zum schnellen 2:0 (35.).

Bayern verpasste es nun endgültig die Kontrolle zu übernehmen und ließ eine schnelle Kombination durch das Zentrum zu. Weigl fand Castro auf dem Flügel, dessen perfekt getimte Hereingabe von Aubameyang nur noch über die Linie gedrückt werden musste (36.). Mit dem 2:1 ging es in die Pause. Lahm unterband im Mittelfeld das öffnende Zuspiel von Hummels nicht.

Es waren keine 30 Sekunden gespielt, als ein langer Ball von Boateng zielgenau hinter der Dortmunder Viererkette aufklatschte. Lewandowski verarbeitete den Ball mit Mühe, konnte dadurch aber Bürki so verunsichern, dass dieser den Ball zum 3:1 passieren ließ (46.). Im Prinzip war das Spiel eine Minute nach dem Seitenwechsel entschieden.

Den Münchnern boten sich nun Räume, weil Dortmund mehr riskierte. Götze verpasste in der 55. Minute das 4:1, als er nach schöner Kombination eine Müller-Hereingabe über das Tor drosch. Weniger später war es erneut Götze, der das 4:1 mit auf den Weg brachte. Müller spielte einen guten Steilpass auf Götze, dessen flache Flanke aus dem Halbfeld Lewandowski fand (58.). Nur acht Minuten später wurschtelte sich Götze im 16er durch die komplette BVB Abwehr und traf mit einem beherzten Flachschuss zum 5:1-Endstand.

Es war nicht so, dass der BVB keine Chancen mehr hatte. Reus vergab zwei Freistöße aus gefährlicher Position, Mkhitaryan scheiterte am glänzend reagierenden Neuer (71.). Ohnehin war es kein klassisches 5:1. Dortmund gewann deutlich mehr Zweikämpfe (55%) und hatte eine Zweikampfhoheit im Mittelfeld. Bayern hatte drei oder vier klare Chancen mehr und gewann das Spiel am Ende verdient. Wenn auch ein oder zwei Tore zu hoch. Es ist vielleicht die größte Qualität der Mannschaft in der aktuellen Phase selbst aus schwierigen Spielen klare Ergebnisse zu produzieren.

Es ist eine Freude dieser selbstbewussten und schnörkellosen Mannschaft beim Fußball spielen zu zusehen.

3 Dinge, die auffielen:

1. Wie Tuchel Bayerns Spiel die Stärken nehmen wollte

Es war nicht nur das Duell zweier herausragender Bundesliga-Mannschaften, sondern auch das Aufeinandertreffen zweier erstklassiger Trainer. Mit großer Spannung war erwartet worden, was sich der Herausforderer (Tuchel) gegen den Champions League-Sieger und mehrfachen Meister Guardiola ausdenken würde. Es war ein interessanter Mix, den der Dortmunder Coach anbot. Im Prinzip war Tuchels Anpassung auf den balldominanten Gegner in drei wesentlichen Merkmalen zu erkennen.

1. Kagawa spielte wie schon im letzten Liga-Duell in München eine Art Manndeckung gegen Xabi Alonso und versuchte so den Druck auf den wichtigsten Münchner Aufbauspieler hoch zu halten. Alonso (nur 57 Ballkontakte) hatte durchaus einige Probleme mit dieser Sonderbewachung und versuchte sich dieser immer wieder zu entziehen. Hier half es, dass mit Lahm ein weiterer ballsicherer Spieler im Zentrum begann und als zweite Option jederzeit anspielbar war.

2. Durch die Hereinnahme von Castro, der zunächst vor allem im 6er Raum neben Weigl und Gündogan agierte, sollte es zudem leichter gelingen die Außenverteidiger gegen den dribbelstarken Costa zu unterstützen. Gerade in den ersten 25 Minuten gelang das sehr gut. Immer wieder versperrten zwei Gegenspieler den Weg in den Strafraum. Auch die Zehnerräume wurden so gleichzeitig verdichtet. Durch die eher zurückhaltende Ausrichtung von Castro und Weigl wurden überbrückende Diagonalbälle ebenfalls erschwert. Gleiches galt auch für Götzes Seite. Bayern vermied zunächst das Risiko und versuchte Costa eher über das Zentrum frei zu spielen, was meist nicht gelang. In den ersten 20 Minuten verbuchte die Statistik gerade einmal fünf Ballaktionen für Costa. Erst als die Münchner vor allem in Person von Boateng, der im Aufbau sehr weit rechts agierte und so viel Raum auf der ballfernen Seite schuf, das Risiko erhöhte wurde auch Costa gefährlicher. Unterstützend wirkte auch, dass Alaba ab der 15 Minuten immer wieder zu Vertikalsprints ansetzte um Costa zu unterstützen. Das zahlte sich aus. Nach dem Rückstand reagierte Tuchel und rückte von seiner Ausgangstaktik ab und schob Castro weiter vor.

3. Aubameyang begann anders als zuletzt nicht im Sturmzentrum, sondern auf den dem rechten Flügel. Der 26-Jährige sollte so seine Schnelligkeit besser ausspielen können, indem er mit Anlauf die Linie runter oder vertikal ins Zentrum sprinten durfte. Tuchel wollte so vor allem das Konterspiel verstärken und zudem Alaba intensiver binden.

Insgesamt waren die Ansätze von Tuchel alle richtig und über eine knappe halbe Stunde auch erfolgreich. Letztlich waren es zwei präzise lange Bälle und eine Drangperiode kurz nach dem 1:0, die den Unterschied ausmachten. Nach dem 1:3 musste Dortmund viel mehr Risiko gehen als ihnen lieb war – und als es in München gesund ist. Bayern nutzte die sich nun bietenden Räume immer wieder gut und sorgte mit einer Umstellung auf die Viererkette nach der Pause für mehr Stabilität. Es mag nach einem 1:5 lächerlich klingen, aber Borussia Dortmund hat auch am Sonntag viele Ansätze gezeigt, die dafür sprechen, dass der BVB unter Tuchel wieder ein sehr ernsthafter Konkurrent werden kann.

2. Jerome Boateng macht den Unterschied

Es war die 26. Spielminute, als Jerome Boateng einen öffnenden Pass auf Thomas Müller zur 1:0 Führung des FC Bayern schlug. Der Pass überspielte zehn Dortmunder und gewährte Müller ein direktes Duell gegen Bürki, das er für sich entschied, wie nur Müller ein Duell für sich entscheiden kann. Da Kagawa Alonso weitgehend aus dem Spiel nahm, lag eine Hauptlast im Spielaufbau auf den Schultern der Innenverteidiger Martinez und Boateng.

Der wiedergenesene Martínez, der insgesamt eine gute Leistung zeigte, hatte zwar viel Raum, konnte den Spielaufbau aber nur bedingt ankurbeln. Ganz anders Boateng. Dieser hatte bereits in den ersten 45 Minuten 13 lange Pässe gespielt. Davon kamen 11 an. Am Ende waren es 13 von 18. Schon im Verlauf der ersten Halbzeit konnten seine Pässe Douglas Costa auf der Flügelposition in Eins-Gegen-Eins Situationen mit Sokratis bringen. Vor dem 1:0 war es dann eher ein hoher vertikaler Ball auf den immer beweglichen und anspielbereiten Müller, der für die Führung sorgte.

Eine ähnliche Situation führte kurz nach Wiederanpfiff zum 3:1. Boateng sah den startenden Lewandowski und schlug den Ball seelenruhig mit dem linken Fuß hinter die letzte Abwehrreihe des BVB. Die Dortmunder waren ähnlich wie schon beim 1:0 hoch aufgerückt und Boateng bespielte den Raum zwischen letzter Abwehrlinie und Strafraumkante, wo der Torhüter eingreifen kann, perfekt.

Auch defensiv war Boateng gefragt, da Alaba früh mit einer gelben Karte verwarnt wurde. Boateng war der Anker in der Abwehr. Mit 5 Klärungen und 4 abgefangenen Bällen bügelte der Nationalspieler den teilweise schlechten Zugriff von Alonso, Thiago und Lahm im Mittelfeld aus, obwohl er die zweitwenigsten Zweikämpfe aller Spieler in der Startelf führte. Hier zeigte sich seine starke Antizipation. Nur in der 78. Minute, als er Aubameyang aus den Augen verlor, hatte er einen kleinen Aussetzer in einer ansonsten fehlerfreien Partie. Am Ende machte vor allem Boateng mit zwei spielentscheidenden Szenen den Unterschied zwischen zwei guten Mannschaften aus.

3. Sechs Chancen fünf Tore

Eigentlich fiel das 1:0 für den Deutschen Meister aus dem Nichts. Einem langen Ball glückte, was geregeltem Spielaufbau und vielen Flanken zuvor nicht gelang. Auch der Konter zum 2:0 war für den BVB im Prinzip zu verteidigen. Thomas Tuchel sprach nach dem Spiel von einem billigen Elfmeter, den seine Mannschaft verschuldet habe.

Zwar gelang Borussia Dortmund nochmals der Anschluss, aber bis zum 3:1 nutze der FC Bayern seine wenigen Chancen eiskalt aus. Drei klare Möglichkeiten waren es bis dato gewesen – hinzu kam der Elfmeter. Diese Chancenverwertung war so in allen drei Topspielen (Dortmund, Wolfsburg und Leverkusen) ein ganz wesentlicher Faktor. Verfehlten die Münchner zum Beispiel gegen Mainz noch die frühe Führung durch einen Elfmeter, zeigten sie sich gegen die Borussia fokussierter. Durch die Führung zwangen die Münchner dem BVB ein Spiel auf, was dieser nicht haben wollte. Gerade das 4:1 steht sinnbildlich dafür. Der BVB musste aufrücken und das Risiko im Pressing erhöhen. Bayern nutzte auch das eiskalt.

An dieser Stelle sind vor allem Lewandowski und Müller zu nennen, die aktuell mit großem Selbstvertrauen agieren und nur ganz wenig liegen lassen. Müller hat in acht Spielen acht Tore erzielt. Lewandowski in sieben Bundesligaspielen sogar zwölf Tore. Diese Quote ist normalerweise nicht durchzuhalten. Am Ende standen 15 zu 10 Torabschlüssen zu Gunsten des FC Bayern. Der BVB hatte damit rund 25% der Abschlüsse, die Gegner des FC Bayern bisher insgesamt gegen die Münchner erzielen konnten. 11 Torschüsse der Münchner waren innerhalb des Strafraums.

Die Fans des FC Bayern können angesichts der vielen schmerzhaften Niederlagen gegen die Borussia aus Dortmund das Ergebnis des Sonntag-Abends genießen. Wie bereits oben erwähnt, war der FC Bayern an diesem Abend jedoch nicht unbedingt vier Tore besser. Pep Guardiola wird gerade im defensiven Umschaltspiel noch einige Baustellen identifiziert haben. Hierfür kann er nun die Länderspielpause nutzen und mit sieben Punkten Vorsprung von der Tabellenspitze grüßen.

FC BAYERN – BORUSSIA DORTMUND 5:1 (2:1)
FC Bayern Neuer – Boateng, Martínez, Alaba – Lahm, Alonso (76. Kimmich), Thiago (68. Vidal) – Götze, Müller (80. Coman), Costa – Lewandowski
Bank Ulreich, Rafinha, Steinhart, Gaudino
Borussia Dortmund Bürki – Sokratis, Bender, Hummels, Piszczek – Weigl, Gündogan – Castro (53. Reus), Kagawa (53. Januzaj), Mkhitaryan – Aubameyang
Tore 1:0 Müller (26.), 2:0 Müller (35./Foulelfmeter), 2:1 Aubameyang (37.), 3:1 Lewandowski (46.), 4:1 Lewandowski (58.), 5:1 Götze (66.)
Karten Gelb: Alaba, Boateng, Kimmich / Aubameyang
Zuschauer 75.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter Marco Fritz (Korb)

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