Vorschau: SV Darmstadt – FC Bayern München

Interview mit Matthias

Robert Lewandowski verlängert bis 2021, in der Champions League wartet erneut der FC Arsenal und vorher erst einmal mit einem 5:0 Heimsieg gegen Wolfsburg im Gepäck die Reise nach Darmstadt.

Matthias, Blogger und Fan des SV Darmstadt, erzählt uns im Interview, weshalb er mit der Entwicklung der Lilien unzufrieden ist und was sich in nur einem Jahr verändert hat.

Grafik: Michael Böck

Hallo Matthias, stell dich zunächst bitte kurz unseren Lesern vor und erzähle uns kurz, was dich mit dem SV Darmstadt verbindet.

Servus zusammen. Ich bin von Haus aus Historiker, arbeite aber seit vielen Jahren in der Öffentlichkeitsarbeit. Das Studium verschlug mich um die Jahrtausendwende nach Darmstadt und damit war der Grundstein gelegt, um irgendwann am Böllenfalltor zu landen. Die Lilien waren für mich lange Jahre ein typischer Traditionsverein, der irgendwann abgehängt worden war. Deshalb ist der Aufschwung der letzten Jahre fast schon irritierend. Kamen noch vor sechs bis acht Jahren phasenweise nur um die 2.000 Fans zu den Heimspielen, so fuhren letztes Jahr 8.000 nach Dortmund. Da sieht man, welches Potential der Erfolg entfesseln kann. Ich begleite die Lilien seit einiger Zeit mit meinem Kickschuh-Blog. Daneben habe ich letztes Jahr das Lilien-Buch für die 111-Gründe-Reihe geschrieben. Seit kurzem tausche ich mich mit vier Mitstreitern wöchentlich im “Hoch & weit”-Podcast über die 98er aus. Da sieht man mal, was die richtige Wahl seines Studienortes alles nach sich ziehen kann ;-)

Vor ungefähr zehn Monaten haben wir an anderer Stelle bereits miteinander gesprochen. Damals hatten die Lilien vier Punkte Vorsprung, jetzt sind es zwei Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Grund zur Sorge?

Definitiv. Beim bisherigen Schneckenrennen gegen den Abstieg hatte der SVD einige gute Möglichkeiten gehabt, sich ein wenig abzusetzen. Stattdessen verlor er seine Heimpartien gegen die zuvor sieglose Konkurrenz aus Ingolstadt und Hamburg. Sollten die 98er jetzt gegen Bayern und in Berlin nicht punkten, könnte eine kleine Lücke entstehen und das wäre eine ordentliche Hypothek für die zweite Halbserie.

Was hat sich seit damals verändert?

Allerhand. Mit Dirk Schuster ging der Vater des Erfolgs von Bord. Ein immenser Verlust! Der Verein war darauf offenkundig nicht vorbereitet und installierte Holger Fach als Manager, der diese Position allerdings noch nirgendwo bekleidet hatte. Der holte dann Norbert Meier als Coach, bei dem sich viele fragten, ob das so ein kluger Schachzug sei. Der Verein erhoffte sich womöglich von den alten Kämpen so viel Erfahrung und Kontakte, dass sie das Kind schon schaukeln würden. Ein Trugschluss! Beide Personalien gingen überhaupt nicht auf. Zudem verlor das Team einige wichtige Stützen. Mit Caldirola und Rajkovic zwei Abwehrrecken und mit Sandro Wagner 14 Tore. Das konnte bislang nicht ansatzweise kompensiert werden.

Die letzten sechs Spiele in der Bundesliga wurden verloren. Davor gab es Siege gegen Frankfurt und Wolfsburg sowie Unentschieden gegen Werder und Hoffenheim. Wieso konnte man auf diese Leistungen nicht aufbauen?

Der Sieg gegen die Eintracht tat zwar der Fanseele gut, war aber äußerst schmeichelhaft. Richtig überzeugend waren nur der Sieg gegen ein dezimiertes Wolfsburg und das Remis gegen Hoffenheim. Der Rest war Stückwerk. Meier hat bis zum Schluss keine durchweg funktionierende Elf gefunden. Er probierte immer neue Kombinationen, auf Kosten der Sicherheit. Selbst Aytac Sulu agierte nicht mehr sattelfest. Zudem degradierte er Niemeyer und Gondorf, die in der vergangenen Saison für das Gleichgewicht im Lilien-Spiel verantwortlich waren. Ich glaube, dass die Mannschaft selbst nicht so recht wusste, was Meier spielen will und wenn sie es wusste, dann konnte sie es nicht umsetzen. Für mich hat Meier den Lilien-Fußball (gefühlt) entkernt. Dass wir auswärts noch überhaupt keinen Punkt geholt haben, während wir dort letzte Saison die Freibeuter der Liga waren, zeigt, dass der Mannschaft neben den Automatismen auch ein wenig die Überzeugung abhanden kam.

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Norbert Meier hat es nicht geschafft, den Erfolg von Schuster zu bestätigen.
(Foto: Alex Grimm / Bongarts / Getty Images)

Bist Du zufrieden mit der Entwicklung des Vereins oder beobachtest Du nach der starken letzten Saison eher einen Rückschritt?

Definitiv unzufrieden. Dass es schwer würde, war jedem bewusst. Die Klubführung verließ sich nachvollziehbarerweise auf erfahrene Leute, setzte dabei aber leider auf die Falschen. Nun soll die Lilien-DNA wiederbelebt werden und das klappte in Freiburg hervorragend. Dort standen in der Startelf acht Feldspieler aus der Ära Schuster und prompt wurden Erinnerungen an die vergangene Saison wach. Die Mannschaft hatte Feuer und die alten Säulen Sulu, Niemeyer und Gondorf waren wieder in ihrem Element. Ärgerlich blieben lediglich die mangelnde Chancenverwertung und das Elfmeter-Gegentor kurz vor Schluss.

Wie muss Darmstadt gegen Bayern auftreten, um am Ende etwas Zählbares zu holen?

An etwas Zählbares wage ich ja kaum zu glauben, ich will es dennoch versuchen. Sie müssten genauso auftreten wie bei den letzten beiden Partien in München. Kompakt stehen, gut verschieben, doppeln, die Räume verdichten, fighten und ein wenig auf eine fahrlässige Chancenverwertung der Bayern hoffen. Das klingt ernüchternd, ich weiß. Es sollte sich aber jeder vor Augen führen, wo die Lilien vor noch gar nicht allzu langer Zeit standen. Kurz vor Weihnachten 2012 kassierten sie eine ziemlich ernüchternde 0:3-Niederlage bei Preußen Münster und überwinterten als Tabellenletzter in Liga 3. Der SVD ist so unverhofft und schnell durch die Ligen marschiert, dass er nur über das Kollektiv und den Kampf kommen kann. Mehr bietet der Kader nicht, und deshalb sind wir Lilien-Fans damit auch sehr einverstanden. Das was die Lilien lange Zeit ausmachte, erinnert so ein wenig an euer „Mia san mia“. Dieses spezielle Wir-Gefühl, dieser Aufstand des Underdogs, das sollten die Lilien fortan wieder auf den Platz bringen und kultivieren.

Wie geht das Spiel aus?

Ich bleibe dabei. Bayern spielt das souverän runter und gewinnt 3:1.

Du darfst einen Spieler vom FCB zu den Lilien transferieren. Wer passt am besten zu Darmstadts Fußball und wieso?

Natürlich Arturo Vidal. Er marschiert vorneweg und würde hier mit seiner Physis und Galligkeit perfekt reinpassen. Wenn er dann noch seine Verletzungsanfälligkeit in den Griff bekäme und ein bisschen was von der Torquote Robert Lewandowskis mitbrächte, wäre das wie ein Sechser im Lotto.

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Leserkommentare
  1. Jo

    Was bedeutet eigentlich die Größe “Zweik/90” im Statistikteil?
    Zweikämpfe würde man vermuten, kann es aber wegen der geringen Anzahl nicht sein.

    1. Über Spielminuten auf 90 Minuten gerechnet :)

      1. Jo

        Das hieße ja, dass Alonso als unser offensichtlicher Topzweikämpfer nur 3,5 Zweikämpfe je 90 Minuten bestreitet. Das kann so nicht stimmen.

      2. Du musst bedenken, dass es hier nur um Tacklings geht. Keine Kopfballduelle oder Interceptions. Außerdem führt er nicht 3,6 Bodenzweikämpfe pro Spiel, sondern (geschätzt) wahrscheinlich so 7-9, wenn er eine Quote von 50% hat, was seinem Durchschnitt der letzten Jahre entspräche. Hier werden nur die erfolgreichen Tacklings angezeigt.

      3. Jo

        Tackles won also.
        Ja, das ist plausibel. Sollte man vielleicht in der Spaltenbeschriftung deutlich machen.

  2. Thomas Ramge

    Was ist, wenn ein Mann seine Frau- seine große Liebe- verlässt, weil man sich vielleicht auseinander gelebt hat. Was ist, wenn die verlassene Frau merkt, dass sie ihren Mann dringender braucht als sie denkt, und der Mann feststellt, dass er ohne seine Frau auch nicht kann. Wenn beide, nachdem sie voneinander getrennt waren erst so richtig feststellen, wie sehr sie sich doch brauchen. Wenn es offenkundig ist, dass sie zusammen gehören und die allermeisten ihrer Freunde es Ihnen ( und sich selber) wünschen, dass sie wieder zusammenfinden……../:: dann, sehr geehrter Herr Fritsch, sollten sie es sich nicht anmaßen es verhindern zu müssen.
    Herr Schuster, nehmen Sie Ihre große Liebe in den Arm. Sagen sie ihr, dass es ihnen leid tut und bitten Sie Uhren Schwiegervaters um Verzeihung. Es wäre die Liebesgeschichte des Jahrhunderts. Für immer SVD!

  3. Done

    Auch das hier finde ich merkwürdig : “Während Gegner des FC Bayern im Schnitt nur 20 Pässe spielen dürfen, bis eine Defensivaktion erfolgt, sind es bei den Kontrahenten von Darmstadt in etwa 46.”

    Soll das bedeuten, dass eine gegnerische Mannschaft gegen uns sich 20mal den Ball zuspielen kann, bis ein Münchner einen Hax dazwischen bringt? Im Ernst?

    1. Das dürfte an der Definition der Kennzahl liegen: erfolgreiche Pässe der gegnerischen Mannschaft / erfolgreiche Defensivaktionen des FCB.
      Ballverluste der Gegner ohne Defensivaktion des FCB fließen wahrscheinlich nicht ein. Bsp.: Gegner spielen sich den Ball 10 x hin und her, dann ein langer Ball, der ins Seitenaus geht. Keine Defensivaktion des FCB, aber Ballgewinn FCB. Dann irgendwann kommt der Ball wieder zum Gegner und wieder das gleiche Spiel: Diesmal nach ereneut 10 Pässen ist ein Spieler des FCB mit einer Interception dazwischen, fängt den Ball ab. Insgesamt 20 Pässe, eine Defensivaktion: im Schnitt der Wert 20 PPDA.

      1. Done

        Ok das wäre eine Möglichkeit. Oder auch im Extremfall 20 Befreiungsschläge, bei denen der Gegner den Ball praktisch freiwillig hergibt… in diesem Leben werde ich wohl kein Freund der Statistik mehr.

  4. Baldi

    “Dortmund legt bereits am Freitag in Hoffenheim vor […]” und wie die vorgelegt haben. ;)

  5. pitvonbonn

    ….und dazu diese Sky Moderation und die mediale Berichterstattung.

    Wenn Bayernstürmer 2 mal im Spiel im Strafraum umgerissen, gestoßen oder gefoult werden, ist das keine Zeile wert.
    Dortmund ist das Gegenbeispiel und trotzdem haben die, einen Sieg der Bayern vorausgesetzt, schon 10 Punkte Rückstand.

    1. Ju

      Kann mich jetzt nicht gegen einen lächerlichen Platzverweis gegen einen Bayern Spieler erinnern.

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