SV Darmstadt 98 – FC Bayern München 0:1 (0:0)

Steffen Trenner 18.12.2016

Bayern musste also nachlegen gegen Darmstadt und tat das auch. Wenn auch nicht wirklich überzeugend.

Falls ihr es verpasst habt:

Interims-Coach Berndroth setzte auf die gleiche Elf wie bei der Niederlage gegen Freiburg vor einer Woche und schickte ein 4-4-1-1 mit Rosenthal hinter Schipplock als einziger Spitze aufs Feld.

SV Darmstadt 98 - FC Bayern München SV Darmstadt 98 – FC Bayern München, 18.12.2016, Grundformationen.

Ancelotti dagegen mit einigen Änderungen. Hummels, Alonso und Douglas Costa starten von Beginn an. Kurz vor dem Anpfiff musste auch noch Philipp Lahm mit muskulären Problemen passen. Rafinha für ihn mal wieder in der Startelf. Müller rückte auf den rechten Flügel, während Thiago vorgeschoben in einer Mischung aus 8er und 10er Rolle agierte.

Darmstadt hatte die erste Chance des Spiels als Vidal nach nur zwei Minuten den Ball verlor und Thiago Sirigus Schuss in letzter Sekunde abblocken konnte. Bayern bemühte sich in der Folge um Spielkontrolle, wirkte aber behäbig und fehlerbehaftet im Spiel nach vorne. Darmstadt blieb mit einigen Nadelstichen gefährlicher.

Danach passierte über weite Strecken gar nichts. In der 42. Minute hatte Hummels Pech, dass ein Schubser und Beinsteller von Vrancic im Strafraum nach einem Freistoß nicht als Strafstoß bewertet wurde. Ansonsten war bis zur Pause gar nichts. Ein Torschuss im Strafraum. Keine echte Chance.

Nach der Pause wurde es nicht besser. In der 70. Minute brachte Ancelotti Ribéry für den unfassbar schwachen Vidal und eine Minute später stand es 1:0.

Douglas Costa nahm eine kurze Freistoß-Ablage von Thiago auf und hämmerte den Ball aus vollem Lauf aus 25 Metern in den Winkel. Aus dem Nichts.

Sicherheit brachte das nicht wirklich. Auf der Gegenseite hatten Gondorf und Niemeyer die Risenchance zum Ausgleich. Beide scheiterten aus kurzer Distanz an Neuer (78.).

Danach schaukelten die Münchner das Spiel über die Zeit. Es blieb beim 1:0.

(Statistik & Grafik: Lukas)

3 Dinge, die auffielen:

1. Das war …. schlecht

Nach einem dreiwöchigen, spielerischen Aufwärtstrend war das Spiel gegen Darmstadt ein großer Schritt zurück für die Münchner. Die erste Halbzeit war vielleicht die schlechteste seit einem 0:2 in Cottbus im Jahr 2008…

Es fehlte alles. Raumaufteilung, Tempo, Mut, Zweikampfhärte, Schnelligkeit. Alles. Thiago war der Einzige, der auch mal einen Risikopass wagte oder etwas überraschendes probierte. Darmstadt gewann zur Pause 60% aller Zweikämpfe (am Ende 54%), hatte fast 100 intensive Läufe mehr und insgesamt sogar die besseren Chancen. Hinzu kamen Stockfehler, Fehlpässe, Pässe in den Rücken. Pässe zurück. Grausam.

Ancelotti versuchte durchaus das etwas veränderte System der letzten Wochen beizubehalten. Sowohl Müller (von rechts) als auch Thiago (aus der Tiefe) besetzten immer wieder den Zehnerraum. Allerdings ohne echte Anbindung der übrigen Formation. Rafinha durfte den meist verwaisten rechten Flügel wegen Heller kaum bespielen und hielt sich zurück. Müllers hineinkippen sorgte so für keine positiven Effekte. Auch die Abstände zwischen Alonso, Vidal und Thiago stimmten überhaupt nicht. Vidal hing hier ebenfalls meist zurück was für merkwürdige Asymmetrien sorgte.

Auf der gegenüberliegenden Seite spielte mit Costa der einzige Bayern-Spieler, der zumindest theoretisch mit Wucht und Explosivität agieren konnte. Er hatte bis zum Ende die drittwenigsten Ballkontakte und setzte nur vier Mal überhaupt zu einem Dribbling an. Dass er dann mit einer Einzelaktion für den Sieg sorgte passte an diesem Nachmittag ins Bild. Gerade einmal fünf erfolgreiche Pässe brachte der FC Bayern über 90 Minuten in den Strafraum. Das ist gar nichts.

Ancelotti wartete merkwürdig lange mit seinem ersten Wechsel und schaute sich das Treiben beinahe stoisch an. Das 1:0 war schmeichelhaft und darf nicht über die schwache Leistung hinwegtäuschen. Gegen Leipzig braucht es eine maximale Steigerung.

2. Alonso macht Sorgen

Es ist schwer aus einer insgesamt schlechten Mannschaftsleistung jemanden herauszugreifen. Trotzdem müssen wir über Xabi Alonso sprechen.

Alonso wirkt nicht erst in dieser Saison wie der alte Haudegen in der Kreisliga, der früher mal höher gespielt hat und seine körperlichen Defizite durch Cleverness und Ruhe am Ball kaschiert. Wenn dann aber Cleverness in schlechtes Stellungsspiel und Ruhe am Ball in zu viele Fehlpässe umschlägt, bleibt nur noch der alte Haudegen übrig.

So war es am Sonntag gegen Darmstadt.

Xabi Alonso im Zweikampf beim Spiel gegen Darmstadt.
(Foto: Christof Koepsel / Bongarts / Getty Images)

Alonso vermochte es nicht der Mannschaft im Aufbau Struktur und Schnelligkeit zu verleihen. Nach einigen Fehlpässen zu Beginn konzentrierte sich der 35-Jährige zunehmend auf den Sicherheitsball zum Nebenmann. So ging der Ball mit zunehmender Spieldauer zwar weniger verloren, doch Druck wurde so auf die kampf- und laufstarken Darmstädter nicht aufgebaut. Mit 13 Fehlpässen hatte Alonso trotzdem die meisten aller Spieler auf dem Feld.

Weil auch Vidal als unterstützende Kraft im Mittelfeld einen grottenschlechten Tag erwischte, erinnerte Alonso gegen Darmstadt manchmal an den späten Mark van Bommel kurz vor seinem Wechsel nach Mailand. So richtig helfen kann er seiner Mannschaft so nicht – auch wenn er sich defensiv ins Spiel hereinarbeitete und einige Ballgewinne verbuchte.

Ancelotti tut seinem erfahrensten Akteur mit solchen Auswärtsspielen im Dezember auf durchschnittlichem Rasen gegen aggressive Darmstädter aber auch nicht wirklich einen Gefallen. Zumal mit Kimmich und Sanches Alternativen auf der Bank saßen.

3. Immerhin gewonnen

In einer Saison in der es deutlich mehr um Ergebnisse als spielerischen Fortschritt oder Prozess geht und mit Leipzig ein sehr starker Konkurrent bereit steht, muss man es als Erfolg bewerten, dass der FC Bayern aus so einem Spiel drei Punkte mitnimmt. Das Spiel gegen Darmstadt könnte so ein Spiel sein, an das man sich nach der Saison erinnert wenn Bayern tatsächlich Meister werden sollte.

Die Abgezocktheit ist etwas, dass die Münchner ihren härtesten Verfolgern voraus haben. Das allein reicht selten für Titel. Zu unterschätzen ist ds dennoch nicht. Leipzig verlor vor einer Woche beim Tabellenschlusslicht Ingolstadt. Bayern gewann nun beim neuen Letzten Darmstadt. Das einzig positive an diesem Sonntag-Nachmittag war das Ergebnis.

SV Darmstadt 98 – FC Bayern München 0:1 (0:0)
SV Darmstadt 98 Esser – Fedetskyy, Niemeyer (78. Colak), Sulu, Holland – Gondorf, Vrancic – Sirigu, Heller – Rosenthal (65. Jungwirth) – Schipplock (90. Obinna)
Bank Berezovskyi, Guwara, Kleinheisler, Bezjak
FC Bayern München Neuer – Lahm, Hummels, Martínez, Alaba – Alonso, Thiago, Vidal (69. Ribéry) – Müller (80. Kimmich), Lewandowski, Costa (90. Sanches)
Bank Ulreich, Badstuber, Bernat
Tore 0:1 Douglas Costa (72.)
Karten Gelb: Rosenthal / Alonso, Hummels
Schiedsrichter Bastian Dankert (Rostock)
Zuschauer 17.468 (ausverkauft)

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