Round-Up: Spieler des Monats September

Die Bundesliga ist aus der Sommerpause zurück und so auch der begehrte Miasanrot-Award für den Spieler des Monats. Für den September geht der von der gesamten Redaktion verliehene Preis an den spanischen Mittelfeldregisseur Thiago Alcántara.

Bereits an vielen Stellen wurde Thiago in diesem Blog hervorgehoben. So wurde der quirlige Spanier nicht zuletzt auch Spieler der Saison 2016/17. Mit dem Spieler-des-Monats-Titel wird er nun ein weiteres Mal ausgezeichnet.

Kritik ohne Grund?

Nach dem enttäuschenden Saisonfinale im vergangenen Frühjahr wurden die kritischen Stimmen wieder lauter. In seiner Kolumne für die SportBild urteilte der deutsche Rekordnationalspieler Lothar Matthäus beispielsweise: “Thiago hat in den großen Spielen bisher nicht den Unterschied gemacht.” Im Sommer wurde Thiago von der internationalen Presse zudem immer wieder mit einer Rückkehr in die katalanische Heimat oder einem Wechsel in die spanische Hauptstadt in Verbindung gebracht.

Dabei sind die Qualitäten von Thiago im Münchner Team genauso offensichtlich wie einzigartig.

Spieler des Monats September: Thiago Alcántara
(Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Mit dem Ball ist der Sohn des Ex-Profis Mazinho eine wahre Augenweide. Die Ballannahme und -mitnahme gelingt nur wenigen Spielern auf der Welt ähnlich elegant. Meist reicht bereits dieser kurze Moment in Kombination mit einer schnellen Körpertäuschung, um Räume zu öffnen. Mit 93% Passquote ist er zudem ein sehr sicherer Passgeber, der nur selten den Ball verliert.

Obwohl die Stärken des spanischen Nationalspielers in der Defensive mittlerweile lange verbrieft sind, wird er in dieser Hinsicht weiterhin stark unterschätzt. Im Zweikampf weist er mit 67% eine fürs zentrale Mittelfeld starke Quote auf und auch absolut liegt er mit 96 gewonnen Zweikämpfen Bundesliga-weit auf Platz Vier. Zudem schafft es Thiago, durch starkes Anlaufen auch immer wieder Ballgewinne zu forcieren und damit frühzeitig Angriffe des Gegners zu unterbinden.

All diese Eigenschaften konnte Thiago im September erneut unter Beweis stellen. In fünf Ligaspielen und 376 Minuten standen am Ende sechs Ballgewinne und vier Klärungen zu Buche. Außerdem kam der Mittelfeldspieler auf für seine Position starke neun Dribblings und drei Torschussvorlagen. Gegen Leverkusen bereite er zudem das 3:1 in den Schlussminuten vor.

Neue Rolle unter Kovač

Kam der ehemalige U21-Europameister unter Ancelotti und Heynckes im 4-3-3 oder 4-5-1 meist als einer der beiden offensiveren Achter zum Einsatz, so entschied sich Kovač dazu, den Spanier etwas tiefer als alleinigen Sechser zu positionieren.

Aufgrund seiner oben erwähnten defensiven Qualitäten kann Thiago diese Rolle sehr gut ausfüllen, auch wenn sie natürlich eine Umstellung seinerseits bedeutet. Bei seinem häufig praktizierten Rausrücken, um den Gegner hoch und früh anzulaufen, ergeben sich nun als Sechser größere Lücken zur Defensive, die wiederum abgesichert werden müssen. Oft geschieht dies nicht, weshalb sich leichte Konterchancen für den Gegner ergeben.

Im September gab es noch viele Gründe sich zu freuen. Thiago war mal wieder einer der Besten.
(Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Hier liegt die Verantwortung jedoch nicht nur beim Spieler, der vielleicht teilweise das Risiko besser abschätzen sollte, sondern auch beim Trainer. Kovač muss hier sein gesamtheitliches Pressing-System verfeinern und gruppentaktische Bewegungen einstudieren. Allerdings sind diese Bewegungsmuster auch komplex, weshalb diese Zeit zum Verinnerlichen benötigen.

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Doch auch offensiv erfordert die neue Position noch einige kleinere Anpassungen. Sicherlich hilft die Ballsicherheit, Übersicht und Kreativität von Thiago gerade im Vergleich zu seinem Landsmann Martínez dem Bayern-Spiel immens. Allerdings fehlt ein solcher Freigeist wie Thiago dann in anderen Zonen.

Ohne Thiago auf der Acht fehlt immer wieder der Verbindungsspieler ins Angriffsdrittel. Um dem Pressing auszuweichen muss der Stratege sich oft weit fallen lassen. Danach bleibt ihm nur die Option, den Ball selbst nach vorne zu tragen oder einen Pass zu spielen. Da die Achter-Zonen der Münchner allerdings häufig verwaist sind, weil beispielsweise Müller gerne auf den Flügel ausweicht oder James tendenziell zu hoch steht, kann dieser Pass oft nicht nach vorne erfolgen. Viel zu oft muss Thiago dann den Angriff abbrechen und einen Sicherheitspass auf die Innenverteidiger spielen, nur um wenige Pässe später vor dem gleichen Dilemma zu stehen.

Zwei Optionen, um dem 27-jährigen unter die Arme zu greifen, wären, ihm einen spielstärkeren Mittelfeldspieler zur Seite zu stellen oder die Außenverteidiger stärker einrücken zu lassen, sodass diese als zusätzliche Anspielstation fungieren können.

Neu-Trainer Kovač steht nach den erfolglosen Wiesn-Wochen bereits scharf in der Kritik. Zusammen mit seinem Trainerstab wird er für viele Probleme konkrete Lösungen finden und auf viele Fragen die richtigen Antworten geben müssen. Dass Thiago allerdings eine Schlüsselrolle dabei zukommen wird, steht außer Frage.

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Leserkommentare
  1. FCB White Collar

    Logische Wahl. Man muss dann aber auch mal eindeutig feststellen, dass das Problem von Thiago, James und der gesamten Mannschaft einen Namen hat: Thomas Müller. Dadurch, dass Müller “immer spielen muss”, sind viel versprechende zentrale Mittelfeldkombinationen wie Martinez/Sanches, Thiago, James oder Thiago, James, Gnabry leider nicht drin. Auf außen bringt Müller leider erst recht nichts, zumal unser Spiel einfach zwei schnelle, dribbelstarke Winger benötigt. Wie dem auch sei: Wenn ein Spieler aus dem aktuellen Kader “immer spielen muss”, dann ist das Thiago. Selbst Neuer und Lewandowski könnten eher (d. h. mit qualitiv geringfügigeren Einbußen) ersetzt werden als Thiago.

  2. […] kann er die Probleme beheben, wenn er die Position der Achter etwas anpasst. Wenn einer der Achter Thiago im Zentrum des Öfteren unterstützen würde, hätten die Bayern weitaus weniger Probleme. Vielleicht sehen […]

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