Round-Up: Fünf Dinge, die mir (nicht) gefallen

Maurice Trenner 24.03.2019

1. Situation um Sanches

Es war vielleicht die Bayern-Story der Woche: Renato Sanches beklagt im Interview mit dem kicker seine aktuelle Reservistenrolle im breit besetzten Kader der Münchner und liebäugelt mit einem Wechsel in der kommenden Transferperiode.

Tatsächlich war die Saison keine einfache für den Portugiesen. Zu Saisonbeginn als Kovač noch rotierte, wurde er vom Kroaten immer wieder in die Startelf gestellt. Doch als die Bayern im frühen Herbst in eine Krise schlitterten, bekam Sanches immer weniger Einsätze.

Der 21-Jährige bestritt seit Oktober in nur zwei Spielen mehr als 40 Minuten. Seit Dezember hatte er keinen Einsatz über einer halben Stunde. Insofern ist es verständlich, dass sich Sanches beschwert.

Bei dem immer noch jungen Mittelfeldspieler trifft das klassische Henne-Ei-Problem der Jugendspieler zu: Ohne gute Leistungen keine Einsätze, aber eben auch keine guten Leistungen ohne Einsätze.

Sanches bekam nur selten die Chance seine Qualitäten wirklich unter Beweis zu stellen. Im Spiel gegen Leipzig wurde er eingewechselt und bereitete das 1:0 durch Ribéry vor. Im Rückspiel gegen Liverpool zeigte er eine mehr als anständige Leistung.

Dennoch müssen sich spätestens im Sommer alle Parteien an einen Tisch setzen und die weitere Zukunft besprechen. Ein stumpfes Weiterführen der aktuellen Handhabe, ohne die Aussicht auf weitere Einsatzzeiten, wäre sowohl für Sanches als auch für den FC Bayern nachteilig. Wenn Kovač nicht langfristig mit dem Portugiesen oder einem entsprechenden Spielertyp plant, wäre es vermutlich am besten im Sommer einen Schlussstrich zu ziehen.

2. Hoeneß als familiärer Anker

Im aktuellen Socrates-Magazin kommt der bayerische Flügelflitzer Kingsley Coman zu Wort. Dabei spricht der junge Franzose offen über seine schwierige Startzeit in München und wie ihm Uli Hoeneß in dieser Phase geholfen hat.
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Der FC Bayern als Familie – für dieses Bild ist Hoeneß berühmt und diese Außendarstellung des Vereins hat er maßgeblich geprägt. Bei allen berechtigten Kritikpunkten an ihm, muss man sich dies immer wieder vor Augen führen. Die menschliche und persönliche Komponente des Präsidenten ist ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal des Vereins.

Er ist der Hauptverantwortliche für die familiäre Atmosphäre bei den Münchnern. Ein wichtiger Aspekt, den der FC Bayern anderen Vereinen international voraus hat. Ein wichtiger Aspekt, der auch in der Vergangenheit Spieler wie Lahm oder Ribéry an den Verein gebunden hat.

Ich persönlich werde nie meine erste Begegnung mit dem damaligen Manager vergessen. Als kleiner Junge lief ich die rote Wendeltreppe im Haupttrakt der Säbener Straße mit meinen Eltern hoch – vorbei an gefüllten Pokalvitrinen und Fotos aus glorreichen Zeiten. Ein freundlicher Mitarbeiter hatte mir vorher einen Stapel Autogrammkarten in die Hand gedrückt. Mein ganzer Stolz. Doch leider fehlte ausgerechnet mein Lieblingsspieler: Giovane Élber.

Ganz unverhofft kam uns auf der Wendeltreppe plötzlich Hoeneß entgegen. Im ersten Moment waren meine Eltern und ich regelrecht sprachlos. Mit einem einfachen “Servus! Kann ich euch helfen?” löste er uns aus unserer Perplexität. Mein Vater erklärte ihm die Situation mit den Autogrammkarten und tatsächlich – der große Uli Hoeneß verschwand hinter einer großen Tür, nur um kurze Zeit später mit zwei signierten Autogrammkarten von Elber wieder aufzutauchen. Natürlich eine Kleinigkeit für ihn, die für mich jedoch die Welt bedeutete.

In den nächsten Jahren werden Rummenigge und Hoeneß die Zepter beim FC Bayern an eine neue Generation weiterreichen. Neben der sportlichen und wirtschaftlichen Komponente wird es für den Verein jedoch auch extrem wichtig sein, dass man einen Akteur an die Säbener Straße lockt, der diese Menschlichkeit und Familiarität von Hoeneß mitbringt.

3. Transfersaga im Sommer

Auf einer Maklermesse in München wiederholte Präsident Hoeneß seine Äußerungen aus dem Doppelpass im Februar und unterstrich einmal mehr, dass der FC Bayern im Sommer sehr stark in den Kader investieren werde.

Mit diesen Aussagen will der Ex-Manager wohl die internationale Stellung der Münchner unterstreichen. Sie sind zudem als eine Art Attacke auf die Konkurrenz zu verstehen. Nach dem Umbruch-Jahr unter Kovač soll mit einem verstärkten und verjüngten Kader der große Wurf gelingen – oder zumindest der nächste Schritt in diese Richtung gemacht werden.

Den Sinn dieser neuen Offenheit bezüglich Transferausgaben finde ich allerdings wenig nachvollziehbar. Wenn man sich momentan noch in der Planung der Transfers befindet, wird die internationale Konkurrenz die Münchner bei potentiellen Wechseln großzügig zur Kasse bitten. Wenn man schon alle Transfers fix hat, so ist dies zumindest schlechter Stil.

Präsident Uli Hoeneß zeigt zwei Seiten: Der familiäre Anker und der großspurige Manager
Foto: Alexandra Beier/Getty Images

Bisher hat der FC Bayern laut Transfermarkt in einer Saison noch nie mehr als 116 Millionen Euro ausgegeben. Im internationalen Vergleich liegt man damit abgeschlagen hinter Lazio Rom und sogar Borussia Dortmund.  Verrechnet mit den Einnahmen hat der Rekordmeister noch nie mehr als 84 Millionen Euro netto ausgegeben.

Alleine eine feste Verpflichtung von James plus der bereits feststehende Wechsel von Pavard ergeben in Summe 77 Millionen Euro. Der von diversen Medienhäusern bereits als fix gemeldete Wechsel des Franzosen Lucas Hernández würde diese Summe noch einmals verdoppeln. Zusätzlich könnte sich Bayern noch im Markt für einen Flügelstürmer und einen Backup für die defensive Außenbahn befinden.

Egal wer im Sommer tatsächlich an die Isar wechselt, drei Dinge scheinen sicher: Der bisherige Transferrekord für einen einzelnen Spieler (Tolisso, 2017/18, 41,5M) wird fallen, der bisherige Transferrekord für eine Wechselperiode (2017/18, 116M) wird fallen und das Festgeldkonto der Münchner wird um einiges leichter sein.

4. Traumhafter Pass von Lewandowski

Ausgerechnet am Geburtstag von Edel-Techniker Ronaldinho zeigte Robert Lewandowski einmal mehr, dass er auch mehr als Tore schießen kann. Mit diesem traumhaften No-Look-Pass nach eleganter Annahme mit der Hacke verzauberte der polnische Nationalspieler nicht nur die österreichischen Gegenspieler, sondern auch ganz Twitter.

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5. Rassismus in Wolfsburg

“Achtung kein Basketball” so lautet der Titel eines Videos des bekanntesten deutschen Basketball-Journalisten und bekennenden VfL Wolfsburg-Fans André Voigt, das nach dem Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Serbien die Runde machte.

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In knapp fünf Minuten schildert der DAZN-Kommentator sichtlich bewegt seine Erlebnisse aus dem Stadion, die einen beim Zuhören emotional berühren. Rechte Parolen, rassistische Beleidigungen und kaum Gegenstimmen. Was Voigt an diesem Abend erlebt ist traurig und bestürzend zugleich.

Wir alle von Miasanrot bedanken uns bei André für seine Courage einzutreten, für die Werte wie Offenheit, Vielfältigkeit und Integration, für die auch wir hier im Blog stehen und für die auch die deutsche Nationalmannschaft steht. Rechtes, ausgrenzendes Gedankentum darf keinen Platz in der Mitte unserer Gesellschaft oder in unseren Stadien finden.

Dass dieses Thema auch in Spielerkreisen hohe Wellen geschlagen hat, zeigt die Reaktion von Leon Goretzka. Der Mittelfeldspieler positionierte sich auf Instagram als einer der ersten sehr eindeutig. Das macht Mut, dass die Spieler nicht komplett von den Themen der Gesellschaft entkoppelt sind.

Wir wünschen André an dieser Stelle auch viel Kraft und Stärke, um die momentan schwierige Phase samt Anfeindungen gegen ihn und seine Familie durchzustehen.

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