Fünferpack: Momente des Jahres 2019

Maurice Trenner 24.12.2019

Das früheste Aus in der Champions League seit 2011, eine historische Aufholjagd zum Meistertitel, der Abschied vom Flügel-Duo Robbery, ein packendes Pokalfinale und das Kovač-Aus – das abgelaufene Jahr war auch für den FC Bayern München nicht gewöhnlich.

1. Tränen für Ribéry und Robben

Es war vielleicht der emotionalste Moment des Jahres. So emotional, dass sogar mein Nebenmann in der Südkurve seine Tränen nicht verbergen konnte. Nach mehr als einem Jahrzehnt verabschiedeten sich der FC Bayern, die Stadt München und die ganze Bundesliga von dem Flügelduo, das eine Ära prägte. Franck Ribéry und Arjen Robben liefen im letzten Saisonspiel gegen Eintracht Frankfurt ein letztes Mal im roten Dress auf.

Mindestens ein Unentschieden benötigte der Rekordmeister im Saisonfinale, um die 29. Meisterschaft zu sichern. Trainer Kovač ging kein Risiko ein und ließ seine beste Elf von Anfang an spielen – ohne die beiden gealterten Superstars. Kein Platz für Sentimentalität. Als nach einer Stunde dann aber Renato Sanches zur 3:1-Führung traf, war der Moment gekommen. Unter tosendem Beifall betraten erst Ribéry und später Robben den Rasen.

Die Südkurve verabschiedet sich von zwei Legenden.
(Foto: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Was folgen sollte, würde wohl selbst als Drehbuch für einen Rosamunde-Pilcher-Film als zu schnulziges Ende abgelehnt. Zuerst überlupfte Ribéry den herauseilenden Trapp aus zehn Metern – ein Tor so schön, dass es später sogar zum Tor des Monats Mai gekürt werden sollte – bevor Robben eine Rücklage von Alaba über die Torlinie drückte. Die Südkurve wurde ein rot-weißes Tollhaus und die Stimmung schwappte selbst auf die sonst so stoischen Sitzplätze über. Meisterschaft und perfekter Abschluss einer Ära – mehr konnte man von diesem Samstag nicht verlangen.

Zum Schluss kann ich nur noch einmal die beiden herausragenden Flügelstürmer und ihre teils unfassbaren Leistungen würdigen. Zusammen kamen sie auf 268 Tore und 283 Vorlagen in 734 Spielen. Damit liegen beide in den Top-15 der Bayern-Torschützen und Top-25 der Münchner mit den meisten Einsätzen.

2. Wer wird Deutscher Meister? BVB Borussia

Gleich zwei Mal war die Dortmunder Borussia dieses Jahr in München zu Gast. Beide Male waren die Vorzeichen für den Rekordmeister alles andere als gut. 

Das erste Aufeinandertreffen wurde als das Spiel um die Schale gehypt. Dortmund reiste als Tabellenführer in die bayerische Landeshauptstadt, da die Münchner am vorangegangenen Wochenende nicht über ein 1:1 gegen Freiburg hinaus kamen. Nicht wenige Fans waren pessimistisch vor und an diesem Samstag. Mit einer Punkteteilung würde zumindest weiterhin eine kleine Chance auf den Titel bestehen, so war vielerorts die Denke. Auch für Trainer Niko Kovač und seine Reputation würde das Spiel entscheidend sein. 

Was folgte, kann nur als Machtdemonstration beschrieben werden. Von der ersten Minute an waren die Hausherren überlegen und dominant wie in besten Zeiten. Mit der tatkräftigen Unterstützung einer wackeligen BVB-Abwehr führte man zur Halbzeit mit 4:0. Am Ende stand sogar ein 5:0. Die Tabellenführung war zurückerobert.

Trotz der Meisterschaft stand im zweiten Halbjahr ein anderer Trainer an der Seitenlinie. Eine 1:5-Pleite gegen seinen Ex-Club Eintracht Frankfurt wurde für Kovač zum fatalen Stolperstein. Für das erste Bundesligaspiel unter Interimscoach Hansi Flick gab sich nun also die Borussia die Ehre. Viel besser kann ein Einstand für einen neuen Trainer wohl nicht laufen. Erneut waren die Schwarz-Gelben heillos überfordert. Ein erneut überragender Robert Lewandowski steuerte zwei Tore bei, und der im Sommer gewechselte Mats Hummels traf zum 4:0-Endstand ins eigene Tor.

Während man sich im Westfalenstadion weiterhin schwer tut, sind die Duelle in der Allianz Arena mittlerweile zum einseitigen Spektakel geworden. Seit 2014 hat man in der Bundesliga nicht mehr gegen den Erzrivalen verloren, bei einem Torverhältnis von 26:3 aus sechs Spielen.

3. Lewy-Mania in Belgrad

In einer insgesamt ernüchternden Hinrunde war Robert Lewandowski die einzige Konstante und einer der wenigen Lichtblicke. Der Pole bewies seine Treffsicherheit und rettete die Bayern in gleich mehreren Spielen. Doch seine großartigste Leistung zeigte Lewandowski im Auswärtsspiel bei Roter Stern Belgrad.

Nachdem beim Stand von 1:0 die Seiten gewechselt wurden, drehte der Stürmer auf. In der 52. Minute holte er einen – zugegebenermaßen fragwürdigen – Elfmeter heraus, den er eine Minute später eiskalt selbst verwandelte. Bei wenigen Schützen bin ich mir schon während des Anlaufs so sicher wie beim Polen, dass der Ball im Netz zappeln wird. Doch für Lewandowski war das an diesem Abend nur der Anfang.

In der 60. Minute spitzelte er einen Kopfball von Corentin Tolisso am serbischen Torwart vorbei ins Tor. Nur drei Minuten später war er dann selbst mit dem Kopf zur Stelle und vollendete eine Flanke von Benjamin Pavard, nachdem er zuvor vor den herauseilenden Torhüter gesprintet war. Ein Hattrick in zehn Minuten. Spätestens jetzt wusste auch Bayerns Nummer 9, dass dieser Abend ein besonderer werden würde. Und tatsächlich hatte er noch einen Treffer auf Lager. An der Strafraumkante spielte er einen Doppelpass mit Ivan Perišić, den er mit links annahm, sich den Ball auf den rechten Fuß legte und überlegt flach ins lange Eck einschob.

Beim anschließenden Jubel zeigte er vier Finger in Richtung der Kameras. Nicht nur bei mir werden in diesem Moment Erinnerungen an den legendären Abend wach geworden sein, an dem Lewandowski gegen Wolfsburg gar fünf Tore in neun Minuten erzielte. Es war sein erster Viererpack seit jener Nacht. Kein Wunder, dass sich der Angreifer den Spielball für sein Privatarchiv sicherte.

4. Heidenheimer Underdogs

Als die Spieler des 1.FC Heidenheim die Allianz Arena betraten, hätten die wenigsten wohl damit gerechnet, dass sie den Rekordpokalsieger tatsächlich an den Rand einer Niederlage bringen könnten. Für einen Zweitligisten ist ein Pokalspiel gegen den großen FC Bayern kaum mehr als ein lukrativer TV-Auftritt ohne jegliche Aussicht auf Erfolg. In der Vorsaison hatte dies der SC Paderborn schmerzhaft erfahren müssen, als er daheim mit 0:6 unterging.

Als Zuschauer erlebte ich ein wahres Wechselbad der Gefühle. Sah es nach fünfzehn Minuten und der Führung durch Leon Goretzka noch nach einem simplen Dienst nach Vorschrift aus, so wendete sich das Blatt abrupt durch eine Notbremse von Niklas Süle. Obwohl Bayern das Spiel vermeintlich dominierte, drehten die Schwaben die Partie unter tätiger Mithilfe der Münchner Hintermannschaft noch vor der Pause.

Nach neunzig Minuten wahrer Pokalschlacht zog der FC Bayern ins Halbfinale ein.
(Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Zur zweiten Hälfte brachte Trainer Kovač die zuvor geschonten Coman und Lewandowski. Das Spiel der Bayern war in der Folge deutlich strukturierter, und in einer Phase der Dominanz drehten die Hausherren das Spiel. Doch wer nun dachte, dass sie die Partie souverän zu Ende bringen würden, konnte in der Saison wohl noch nicht so viele Spiele des Rekordpokalsiegers gesehen haben. 

Ohne jegliche Not ließ man den Heidenheimer Glatzel aus sechzehn Metern zum Abschluss kommen. Der Stürmer vollstreckte eiskalt. Als Hummels kurz darauf im Strafraum zu ungestüm in einen Zweikampf ging und Glatzel den fälligen Strafstoß verwandelte, war das Entsetzen in der Kurve förmlich greifbar. Das war nicht mehr der dominante FC Bayern vergangener Tage. Entsprechend auch die Reaktion von Thomas Müller nach dem Spielende: “Vielleicht muss ich meine Familie und Frau fragen, wie man das Spiel einschätzen soll.”

Dass die Antwort des Raumdeuters nicht noch drastischer ausfiel, hatte der FC Bayern einem Handelfmeter, den Lewandowski sicher verwandelte, zu verdanken. Auch ich verließ an diesem Abend erleichtert, aber mit mehr Fragen als Antworten die Allianz Arena.

5. Pokalsieger und Aufsteiger in 24 Stunden

Es könnte durchaus als erfolgreichstes Wochenende in der jüngeren Geschichte des FC Bayern bezeichnet werden: Innerhalb von nur 24 Stunden gewannen die Profis den DFB Pokal in Berlin und den Amateuren gelang der Aufstieg in die 3. Liga. Als Fan beide Ereignisse zu erleben, stellte sich als sportliche, aber machbare Herausforderung heraus. Ein kurzer Rückblick.

Am Samstagmorgen um kurz nach Mitternacht verließ ich im vom Club Nr.12 organisierten Sonderzug München vom Ostbahnhof. Eine scheinbar ewige Fahrt später rollte der Zug gegen Mittag in Berlin-Spandau in den Zielbahnhof ein. Vor den Toren des Olympiastadions kam es zum kurzen Redaktionstreffen mit Justin und Marc, bevor das Spiel losging. 

Was bleibt von dem Spiel in Erinnerung? Wackelige Münchner zu Beginn beider Hälften, Lewandowskis Weltklasse-Kopfball zum 1:0, die Finesse der Annahme von Coman bevor er zum 2:0 einschoss und natürlich der Sturmlauf des polnischen Angreifers in der 85. Minute über das ganze Feld, der mit dem 3:0, einem ausgezogenen Trikot und einer frenetisch jubelnden Bayern-Kurve endete. Zudem war da noch der gefeierte Niko Kovač, der fast beschämt in Richtung der Fankurve läuft, die seinen Namen skandiert. 

Nach dem Spiel hieß es für mich: schnell in die U-Bahn und zurück in den Sonderzug nach München. Dort angekommen schnell unter die Dusche und dann ab in die Hermann-Gerland-Kampfbahn. Nach dem 1:3 im Hinspiel bei der Zweitvertretung der Wölfe bräuchte es eine starke Vorstellung der Amateure vor heimischer Kulisse. Als Wolfsburg nach nicht einmal zehn Minuten in Führung geht, rückt der Aufstieg in scheinbare Ferne. Doch wie der FC Bayern schon so oft bewiesen hat, geht es weiter, immer weiter

Zur Halbzeit steht es 2:1, dann schießt Wriedt mit zwei Treffern die Amateure in den siebten Himmel. Am Ende wird es vogelwild. Wolfsburg und Bayern vergeben beide herausragende Chancen. Doch als der Schiedsrichter abpfeift, steht ein 4:1 auf der Anzeigetafel. Die Amateure sind wieder drittklassig. Spätestens jetzt brechen alle Dämme: Wildfremde Leute liegen mir in den Armen, während sich die Aufstiegshelden beim Bad in der Menge feiern lassen und auf dem Rasen mit den Profis auf den Sieg anstoßen. Ein außergewöhnliches rot-weißes Wochenende! 

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  1. Mitternacht bis Mittag für ‘ne Fahrt von München nach Berlin IST ewig!
    Geht auch in vier Stunden… Der muss ja echt an jedem Mülleimer gehalten haben.
    Aber mit paar Bierchen bringt man’s schon rum. :)

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