Vorschau: FC Bayern München – Chelsea FC

Justin Trenner 07.08.2020

Ende Februar erreichten die Bayern unter Hansi Flick ihren ersten vorläufigen Höhepunkt. Vor dem Achtelfinale der UEFA Champions League wurde viel darüber diskutiert, wie weit der Serienmeister aus der Bundesliga wirklich ist. Chelsea schien sich als Gradmesser für eine erste Standortbestimmung zu eignen.

Unter Frank Lampard hat sich ein Team herauskristallisiert, das punktuell mit sehr jungen und vielversprechenden Talenten gespickt ist, andererseits aber auch Erfahrung mitbringt. Ein Mix, der also Entwicklungsfähigkeit mit gestandenem Niveau verbindet.

Chelsea FC: Auf dem Weg zurück an die Spitze?

Gerade in den letzten Wochen wurde überdeutlich, dass beim Chelsea FC etwas wachsen soll. Timo Werner (24) und Hakim Ziyech (27) stehen als Neuzugänge bereits fest und gleichzeitig für den bereits eingeschlagenen Weg. Ziyech ist im vermeintlich besten Alter und Werner ist bereit für seinen nächsten Schritt – also dafür, sich bei einem Klub festzusetzen, wo er nicht der alleinige Star der Offensive ist. Hinzukommen soll darüber hinaus Kai Havertz (21), der noch am Anfang seiner Karriere steht, aber trotzdem das Interesse vieler Top-Klubs auf sich zog – auch das der Bayern.

Dass diese Spieler nicht den Schritt zu einem Klub gehen wollten, der ganz oben in der Hierarchie Europas steht, liegt wohl vor allem daran, dass Chelsea ein Konzept präsentieren konnte, das die Blues wieder konkurrenzfähig machen soll. Bei Chelsea werden sie eine wichtige Rolle spielen auf dem Weg zurück in die Spitzengruppe der Champions League.

Doch bis das Ende dieses Weges in Sicht ist, wird noch etwas Wasser die Themse hinunterfließen. Denn in der Aktualität ist Chelsea eher ein Klub der zweiten Reihe in der Champions League. Nichts könnte das mehr unterstreichen, als das Achtelfinal-Hinspiel gegen den FC Bayern. Das 0:3 war in der Höhe absolut verdient und die Elf von Frank Lampard schien in nahezu jeder Spielphase überfordert zu sein mit dem Niveau, das die Münchner vorlegten.

Fehlende Konstanz

Fehler im Stellungsspiel, Nervosität am Ball und fehlende Präzision im Angriffsdrittel – überall fehlte es ihnen an der notwendigen Qualität, um den Bayern ein Bein stellen zu können. Und doch war auch dieses Spiel ein weiterer Entwicklungsschritt für die Blues. Es war eine wichtige Erfahrung, an der das Team wachsen soll.

Seit der Niederlage gab es immerhin einen 2:0-Sieg gegen Liverpool im FA-Cup vor der Coronapause und einen 2:1-Erfolg gegen Manchester City danach. Auch Manchester United wurde mit 3:1 besiegt, doch andererseits verlor man in der Liga 3:5 gegen Liverpool und auch das FA-Cup-Finale gegen Arsenal ging mit 1:2 verloren.

Konstanz ist also weiterhin ein Fremdwort und trotzdem erreichte Chelsea den so wichtigen vierten Platz, der sie direkt in die Champions-League-Gruppenphase der kommenden Saison bringt. Das ist die Grundlage für den eingeschlagenen Weg.

Vielversprechende Ansätze, aber noch nicht mehr

Auf fußballerischer Ebene fehlt es den Blues vor allem an Abgezocktheit und Anpassungsfähigkeit. Lampard hat ein taktisches Grundgerüst gebaut, das zukünftig durchaus erfolgreich mit Leben gefüllt werden kann. Trotz der verdienten und deutlichen Niederlage, zeigte sich gegen den FC Bayern in Ansätzen, wie das aussehen kann: Die Räume hinten eng machen und dann blitzschnell umschalten.

Mit Spielern wie Jorginho und Kovačić haben sie im Zentrum echte Waffen, die nicht nur spielstark, sondern auch spielintelligent sind – wie wir in unserer Vorschau aufs Hinspiel bereits analysierten. Bringt Chelsea sie als Verbinder ins Angriffsdrittel ausreichend ins Spiel, wird es für jeden Gegner gefährlich. Im Hinspiel gab es die eine oder andere Situation, in der sich die Bayern im engen Zentrum verrannten und Chelsea sich über das zentrale Mittelfeld nach vorn befreien konnte.

Der Knackpunkt ist allerdings, dass dies gerade von stärkeren Gegnern oft zu einfach unterbunden wird. Chelsea fehlt es an Geduld und Variation im Aufbauspiel. Die Bayern dominierten das Mittelfeldzentrum über einen hohen Druck auf die Verteidigung und cleveres Zustellen der Passoptionen. Chelsea kam so nur selten zu einem geordneten Spielaufbau und war oft dazu gezwungen, das Mittelfeld zu überbrücken.

Durch die fehlenden Entlastungsphasen ließen sie sich in vielen Phasen hinten reindrücken und die Wege bei Kontern wurden zu weit. Hier fehlt es der Mannschaft noch an Lösungen. Darüber hinaus hat Lampard noch kein allzu glückliches Händchen bei Anpassungen während eines Spiels bewiesen. Gegen die Bayern blieb seine Umstellung auf Viererkette wirkungslos und im FA-Cup-Finale am vergangenen Wochenende verpasste er es, die Defensivlücken zu schließen, die Aubameyang letztendlich für sich nutzen konnte. Womöglich ist es auch die Erfahrung, die Lampard als Trainer schlicht fehlt. Am Samstagabend kann hat er nun aber die Chance, seinen Ruf zu verbessern.

Drei Dinge, die das Spiel entscheiden könnten:

1. Stabiles und aggressives Pressing der Bayern gegen ein offensiveres Chelsea?

Bayerns Hauptaufgabe wird es sein, Chelsea wieder in viele Drucksituationen zu bringen. Aus dem Hinspiel können sie mitnehmen, dass ihnen das damals bereits sehr gut gelungen ist. Verändert hat sich seitdem auf dem Taktikzettel wenig. Bei Chelsea ist lediglich fraglich, ob Lampard erneut auf eine Fünferkette setzt, oder ob er angesichts des Rückstands eine offensivere Variante wählt. Mit der Rückkehr von N’golo Kanté wäre zumindest theoretisch ein Dreiermittelfeld möglich, um den Bayern mehr entgegensetzen zu können. Praktisch fehlt mit Jorginho (Gelbsperre) ein wichtiger Spielgestalter für die Zentrale.

Abb. 1: So setzten die Bayern Chelsea im Hinspiel unter Druck.

Setzt Lampard wie zuletzt auf eine Dreierkette, sollten sich die Bayern gegen den Ball ähnlich verhalten wie im Hinspiel. Damals arbeiteten sie im Zentrum mit Mannorientierungen. Thiago, Kimmich und Müller nahmen die beiden zentralen Spielmacher Jorginho und Kovačić aus dem Spiel. Lewandowski agierte vorn als eine Art Lenkrad für den Spielaufbau des Gegners. Er lief die Dreierkette an und lenkte so den ersten Pass. Die Flügelspieler Coman und Gnabry positionierten sich jeweils so, dass sie die Halbverteidiger der Blues bei Erhalt des Balles anlaufen konnten, gleichzeitig aber einen Pass auf die Flügelverteidiger erschwerten.

Chelsea spielte so im Idealfall entweder lange Bälle in die Füße der Bayern-Hintermannschaft oder gefährliche Chipbälle auf die Außenbahnen, bei denen die Außenverteidiger der Münchner sofort zur Stelle waren.

Gerade Pavard und Davies waren ein wichtiges Puzzlestück im Hinspiel, weil Chelseas Flügelspieler in den Halbräumen keine festen Gegenspieler hatten. Kam Chelsea mit etwas Platz und Zeit in diesen Raum, wurde es gefährlich. Zwar könnten die Innenverteidiger dann herausschieben, doch würden sie hinter sich den Weg zu Neuer aufmachen und ein hohes Risiko eingehen. Das ist also nur die Notfalllösung. Stattdessen wurden diese Positionen entweder durch kluges Stellungsspiel der Außenverteidiger verteidigt oder durch ein Verschieben der Achter, wenn der Außenverteidiger an der Linie den gegnerischen Flügelverteidiger attackierte.

Die Abstimmung innerhalb von kurzen Augenblicken ist dafür sehr wichtig. Im Hinspiel funktionierte es in den meisten Fällen gut und auch in vielen anderen Partien waren die Bayern damit sehr erfolgreich. Ein klares Qualitätsmerkmal für die Arbeit des Trainerteams. Spannend wird es aber, wenn Teams aus der Spitzengruppe der Champions League das Pressing der Bayern auf die Probe stellen. Wenn die Münchner einen wunden Punkt in ihrem Pressing haben könnten, dann in genau diesem Bereich.

Abb. 2: Die Bayern haben manchmal noch Probleme damit, die Halbräume zu verteidigen. Wenn Chelsea das Pressing des bayerischen Außenverteidigers triggert und gleichzeitig eine Anspielstation im Halbraum anbietet, könnte man den Flügelraum vielleicht bespielen. Aufgrund der entgegengesetzten Laufwege hätte Chelseas Außenspieler sogar einen Tempovorteil. Außerdem besteht die Möglichkeit, auf die andere Seite zu verlagern, wenn Bayerns Pressing im rot markierten Bereich auf der rechten Verteidigungsseite nicht greift.

2. Personalprobleme

Sowohl Chelsea als auch die Bayern werden nicht in Bestbesetzung antreten. Die Blues trifft es dabei aber deutlich härter. Lampard muss nicht nur auf die gesperrten Spieler Jorginho und Alonso, sondern verletzungsbedingt auch noch auf Ampadu, Azpilicueta, Bakayoko, Gilmour, Pedro und vor allem Pulisic verzichten. Den Bayern hingegen fehlen “nur” Pavard und Coman. Während der Flügeldribbler aber schon mehrfach im Laufe der letzten Monate ersetzt werden konnte (Coutinho und Perišić stehen bereit), ist es bei Pavard eventuell schwieriger. Denn dieser Ausfall kann die gesamte Statik des Spiels verändern.

Kimmich ist jemand, der im Zweifelsfall eher den offensiven Druck auf dem Flügel wählt, den gegnerischen Flügelverteidiger also anläuft und den Halbraum dem Mittelfeld überlässt. Das kann zu Situationen führen, wie sie in Abbildung 2 beschrieben wurden. Die Mannschaft muss sich darauf ebenso einstellen wie auf ein mindestens leicht verändertes Ballbesitzspiel.

Im Testspiel gegen Marseille hieß die Antwort darauf Thiago. Der Spanier agierte etwas ungewohnt auf der halbrechten statt auf der halblinken Seite. Flick will dadurch wohl den Offensivdrang Goretzkas beibehalten. Thiago muss sein Spiel zudem nur wenig anpassen. Zwar sind seine Passwinkel von halblinks anders und in der Vergangenheit schien es so, dass er dort effizienter agiert, doch als Kompromiss sollte die Lösung taugen. Er soll Kimmich ausbalancieren und die Harmonie im Bayern-Spiel erhalten.

In Ballbesitz kippte Thiago dafür in der Anfangsphase gegen Marseille häufig halbrechts heraus, wenn Kimmich sich offensiv positionierte. So entstand eine Art Dreierkette mit Boateng und Alaba, die absichern konnte. Allerdings war Thiago dadurch zu weit weg vom Spielgeschehen im Zentrum, was von Goretzka und Müller nicht ausgeglichen werden konnte.

Besser lief das Spiel der Bayern, wenn Thiago sich zentral zwischen die Innenverteidiger fallen ließ. Dann konnte er sich aktiver beteiligen und auch mal ein paar Schritte nach vorn ins Mittelfeld machen, wenn der Gegner tief verteidigte und er dort gebraucht wurde.

Abb. 3: Thiago als Balancegeber.

Ein tieferer Pavard sorgte dafür, dass Kimmich als Spielmacher seine Position im Mittelfeld halten und dort großen Einfluss nehmen konnte. Der häufiger die Offensive suchende Kimmich auf rechts sorgt nun vielleicht dafür, dass Thiago als Spielmacher an Einfluss verlieren könnte. Die rot eingekreisten Flügelspieler sind deshalb umso wichtiger. Gerade Serge Gnabry ist sehr gut darin, sich unbemerkt ins Mittelfeld fallen zu lassen und so den Gegner im Zentrum zu beschäftigen.

Das hilft Goretzka und Müller dabei, sich häufiger mal freizulaufen und Variationen ins Aufbauspiel zu bekommen. Denn bleibt das Zentrum wirkungslos, ist es für Chelsea kein Problem, die Räume eng zu machen, die Bälle auf die Flügel zu lenken und sie dort zu erobern. Variation ist Trumpf und dafür braucht es viel Bewegung und Kreativität in der Schaltzentrale, die den Flügelfokus der Bayern etwas entschärfen können. Ein dominanter Kimmich ist zwar immer gut fürs Spiel, kleben die Bayern zu sehr am Flügel, kann sich Chelsea womöglich zu einfach darauf einstellen.

3. Wo stehen die beiden Teams?

Ein dritter Faktor wird selbstverständlich auch die aktuelle Form der beiden Mannschaften sein. Und die lässt sich aufgrund der besonderen Situation nur schwer beurteilen. Chelsea verlor zuletzt das FA-Cup-Finale trotz ansprechender Leistung. Erneut fehlte der Lampard-Elf die Qualität, Spiele konstant an sich zu reißen. Gerade die eklatanten Lücken in der Hintermannschaft, wenn der Ball verloren wurde, könnten gegen die Bayern das frühe Ende der letzten Hoffnungen auf das Champions-League-Viertelfinale bedeuten. Laufen sie am Samstag derart ins offene Messer, werden sie nicht viel Freude an ihrem Gastauftritt in der Allianz Arena haben.

Dennoch sind die Blues durch den zuletzt eng getakteten Spielplan in England voll im Rhythmus. Das kann ein Vorteil sein, weil sie eher keine Anlaufzeit benötigen werden. Bayern hingegen bestritt sein letztes Pflichtspiel am 4. Juli beim DFB-Pokalsieg gegen Leverkusen. Sie sind dafür zwar frischer als Chelsea, könnten aber ähnlich wie damals gegen Union Berlin etwas holprig ins Spiel starten. Ist das der Fall, wäre das die große Chance für Chelsea. Treffen sie früh, würden sie Bayern womöglich nochmal ins Grübeln bringen.

Zwar konnte Flick gegen Marseille den Motor hochfahren, aber wirklich fordernd war der Gegner letztendlich auch nicht und ob er schon warm genug ist, um von der ersten Minute an ein hohes Tempo zu gehen, ist fraglich. Immerhin ist die Pause diesmal aber kürzer gewesen als beim letzten Mal. Den Bayern sollte also durchaus zuzutrauen sein, dass sie nicht viel Zeit benötigen werden. Ihr 3:0-Polster aus dem Hinspiel ist trotzdem extrem wichtig.

Denn es bietet den Münchnern eine Möglichkeit, die andere Teams im Wettbewerb nicht haben werden: Sie haben mehr Zeit, um in dieses Kurzturnier zu finden. Es ist der Beginn einer großen Chance. Denn wer dieses besondere Champions-League-Turnier gewinnt, der wird wohl noch lange als Corona-Champion in Erinnerung bleiben. Ein Titel, über dessen Stellenwert sich streiten lässt. Doch die Einmaligkeit der Situation hat unabhängig davon, wie man dazu steht, ihren Reiz. Flick aber will an einen Triumph noch nicht denken. Denn er weiß, dass vor der Kür erst die Pflicht ansteht. Und auch wenn Chelsea nur in der zweiten Reihe der besten Teams in Europa steht, wäre es fahrlässig, ein Weiterkommen als selbstverständlich zu betrachten.



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  1. Weil Jorginho und Kovacic explizit als Waffen erwähnt werden: Zumindest Jorginho wird gesperrt fehlen.

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    1. Sorry habe übersehen, dass es doch erwähnt wird!

  2. Kante hat gestern voll trainiert
    Willian hat wohl bei Arsenal unterschrieben und wird mMn nicht spielen.
    Loftus-Cheek ist nicht fit.

    Deshalb wohl 4-3-3 oder 4-2-3-1

    James Zouma Rüdiger Emerson
    Kovacic Kante Barkley
    Hudson Giroud Mount

    Hoch pressen und Bälle in die Schnittstellen dann sind die schnell demontiert.
    Auf keinen Fall leichtfertige Abspiele und ein frühes Gegentor fangen.

    Die laufen auf dem Zahnfleisch. Also Ball laufen lassen

  3. Nach der PK ist es möglich das Coutinho auf der 10 startet und Müller RA.
    Er betont das Wort Ballbesitz mehrmals.

    Perisic wird dann eingewechselt.

  4. Coman ist verletzt. Ein 4. Winger 20/21 wäre schon schön – gerne aus dem Nachwuchs.

    Antwortsymbol2 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Angeblich sollen wir die RKO von Jeong aktivieren wollen. Primär für die Amas, aber auch perspektivisch für die 1.Mannschaft.
      Mal schauen, ob was draus wird.

      1. Fände ich vernünftig.

  5. Hab gestern mal einen Blick auf die Konkurrenz gewagt und mir das City-Real-Spiel angesehen: die Madrilenen wirkten wie ein saturiertes, lahmes Team. Schwerfälliger Spielaufbau, fehlende Schnelligkeit und Torgefahr. Varanes Unkonzentriertheiten waren natürlich fatal (und die Gegentore hergeschenkt), aber auch Casemiro leistete sich ein paar ziemlich schlimme Abspielfehler vor der Abwehr. – Peps City auch nicht unverwundbar, aber größtenteils mit einem sehr flüssigen Kombinationsspiel, wie man das eben von Guardiolas Teams kennt, und einem brillanten de Bruyne.

    Antwortsymbol18 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Schade, dass Pep als Bayerntrainer einen Wechsel von de Bruyne zum FCB verhindert hat und ihn vorausschauend zu seinem Scheichverein gelotst hat. Das ist ein Wahnsinns-Kicker. Ein Finale PSG gegen City wäre der worst case.

      1. Ob Pep da eine solche Rolle gespielt hat, wie Du unterstellst, kann ich nicht beurteilen. Worauf stützt Du Deine Vermutung? Es ist allerdings zweifelhaft, ob wir de Bruyne bekommen hätten, wenn einer der gepampertern PL-Spitzenclubs mitbietet. Im Übrigen macht es für mich keinen Unterschied, ob ein Club einem “Scheich” gehört oder einem amerikanischen Unternehmen mit Milliadär-Mehrheitsaktionär wie z.B. der Fenway Sports Group, z.B. Liverpool. Alles andere ist geschickte Werbestrategie und Naivität der Fans, auch wenn solche Feinheiten den gemeinen Trötenbläser wahrscheinlich nicht so interessieren, wenn Tradition außen draufsteht und der alle möglichen Klischees bedienende Trainer “gaaanz authentisch” ist und “Fußball lebt”, gelle..?

      2. Das glaube ich alleine deshalb nicht, weil Pep nie einen so grossen Einfluss über die Transferpolitik hatte. Schon gar nicht in seinem letzten Jahr, als der Verein schon wusste, dass er seinen Vertrag nicht verlängern würde. De Bruyne wäre zu haben gewesen, nur hat man damals das finanzielle Risiko gescheut und sah sich aufgrund der sehr erfolgreichen letzten Jahre wohl nicht unter Druck, etwas grosses zu machen.

        Stattdessen wurden fürs Mittelfeld eine ganze Reihe anderer, nur scheinbar günstigerer Spieler verpflichtet: Vidal (ein sehr gutes Jahr, dann kam immer weniger, Transferminus 20 Mio), Sanches (nie in München angekommen, Transferminus ca. 20 Mio), Tolisso (starkes Debüt, seither verletzt oder chancenlos, würde bei einem Verkauf höchstens noch die Hälfte einbringen), Coutinho (hat ein paarmal das 4:0 geschossen, dafür fast 40 Mio Leihgebühr und Gehalt).

        Ich wage mal die Behauptung, dass de Bruyne sich bei uns durchgesetzt hätte. Für das Geld hätte man dann auch echte Qualität bekommen und langfristig Ruhe gehabt, anstatt mit vielen kleineren Transfers eine Summe zu verbrennen, die am Ende wohl ähnlich hoch war.

      3. De Bruyne im Bayern-Trikot, und nicht nur nach Spielende, wäre sicher ein Traum gewesen. Schön, dass darüber Konsens zu herrschen scheint. Allerdings hatte ich immer den Eindruck, dass seine Karrierepläne schon frühzeitig auf die PL ausgerichtet waren, von wo er ja auch nach Bremen und Wolfsburg ausgeliehen wurde. Das Chelsea sich den hat letztlich durch die Finger gehen lassen, ist unverständlich.

      4. Bei KdB hatten wir gegen City keine Chance.
        Und andere Transfers dagegen aufzurechnen ist im Nachhinein leicht. KdB war genauso eine Wette auf die Zukunft wie die anderen. Aber keiner der anderen hat dich ruiniert, ein erzwungener und gefloppter KdB hätte es getan.
        Für ein sehr gutes Jahr in Wolfsburg den Verein war das Risiko für uns zu groß. City kann es sich leisten.

      5. Nach Aussagen von seinem Berater und auch de Bruyne waren wir sehr dicht an ihm dran. Das ging wohl schon in Richtung Übereinstimmung.
        Allerdings hatten wir uns offensichtlich ein Limit von 50 Mio € gesetzt. City hatte kein Problem 75 Mio € hinzulegen.
        Im Rückblick wären auch 75 Mio € gut angelegtes Geld gewesen. Was wäre allerdings passiert, wenn wir dementsprechend erhöht hätten? Hätte sich City indigniert zurückgezogen? Oder wäre das Wettbieten weitergegangen? 80 Mio? 90 Mio? Ich befürchte eher letzteres.
        Und dann muss für einen Verein, der nicht auf einer Ölquelle sitzt auch mal Schluss sein.
        Als großer Freund von de Bruyne damals und heute, habe ich da trotzdem nichts zu bedauern. Manchmal passt es einfach nicht.
        Kann gut sein, dass wir in 5 Jahren so über Havertz reden. Trotzdem wäre die Entscheidung, ihn in dieser Periode nicht zu verpflichten weiterhin richtig.

      6. @Horst
        Du hast natürlich so dermaßen recht.
        Wir habe gezuckt 10 Mio mehr hinzulegen weil UH den Kollaps der Ablösen prophezeite zu einer Zeit wo sich die EPL TV Einnahmen verdoppelt und verdreifacht haben.
        Klassisch verzockt hat sich da UH
        KdB ist heute 150 Mio + wert

        Vidal Rudy Sanches Tolisso waren natürlich insgesamt sehr viel teurere Fehlinvestitionen.

      7. Jo, so schauts aus. Wir haben uns bei de Bruyne nichts vorzuwerfen. Chelsea schon mehr.
        Bei Havertz ist es ähnlich. Wenn Völler einen Verein findet, der die geforderten 100 Millionen zahlt, dann weg mit ihm und Gratulation. Wenn nicht und er dueses oder nächstes Jahr zu anderen Konditionen auf dem Markt ist, dann reden wir auch wieder mit.
        100 Millionen für ein großes Talent, das Weltklasse werden und uns im Trikot gegnerischer Mannschaften dann sehr weh tun, aber auch genau so gut stagnieren und von der Bildfläche verschwinden kann, sind eindeutig zu viel für uns.

      8. @Horst Mohammed
        Bei Bayern hatte er keinen Einfluss. Aber Pep hat dem de Bruyne gesteckt, dass er zu City wechselt und man sich dort wiedersehen könnte …

        @severalseasons
        Die einen sind gemeine Trötenbläser und naive Traditionalisten, die anderen sind Fußballästheten, denen egal ist wie die Herren Stars finanziert werden. Selbst wenn das FFP mit Füßen getreten wird.

      9. @918: Du schwadronierst über Fehleinkäufe und wo sich unsere Verantwortlichen verzockt oder nicht getraut haben. Wenn ich mir dann deine Einkaufslisten so anschaue muss ich schon lachen.
        Du würdest jeden Verein in einer Transferperiode an die Wand fahren.
        Gott sei dank sitzen bei uns Leute am Ruder, die nachhaltiger denken.

      10. @Klaus: Entschuldige, aber wie kommst Du zu dem Urteil, mir wäre das FFP egal?

      11. @Horst bitte bei den Fakten bleiben.

        Sanches hatte am Ende ein Transferminus von 8 Millionen. Man könnte auch sagen, dass der Verkauf an Lille (nach der 8,5 Mio. Leihe) Brazzos erster gelungener Coup war. Es war mehr als clever, wie der Verein finanziell aus dieser Nummer kam.

        Vidal wurde an der Spitze seines Schaffens geholt und das unter damaligen Marktwert. Solche Spieler werden nicht zum FCB geholt, um sie später zum selben Preis oder gar Gewinn zu verkaufen. Das sollte eigentlich jeder ernsthafte Anhänger wissen. Dass man geteilter Meinung über seinen Impact sein kann, ok (ich war immer ein großer Fan von ihm und ihn im Nachhinein mit KdB zu vergleichen, finde ich ziemlich aus der Hüfte geschossen). Trotzdem sollte man Vidal nicht dagegen rechnen, was er netto an Ablöse “eingebracht” hat.

        Tollisso ist verletzungsbedingt wohl ein Millionengrab, ja. Aber war er eine wirklich schlechte Investition? Wir werden es vermutlich nie wissen. Solche Spieler erfährt jeder Verein.

        Bei Coutinho Gehälter aufzurechnen, für eine Leihe die mehr als günstig und risikofrei war, klingt schom extrem nach Miesepeter. Hätten wir ihn für 90 Mio. fest verpflichtet, würde ich deinem absolut Argument folgen. Aber genau das hat der Verein ja gerade nicht gemacht.

      12. Stimmt, bei Sanches hatte ich die Leihgebühr nicht beachtet. Allerdings wurde bei ihm auch die erste Extraklausel ausgelöst, so dass sich der Verlust demnach auf ca. 12 Mio beliefe. Vidal wurde drei Jahre später in einem Markt verkauft, in dem die Preise rapide gestiegen waren, und in dem ein Spieler bei guten Leistungen trotz höheren Alters eigentlich annähernd dasselbe wieder einbringen sollte (vergleiche Hummels). Dass das nicht der Fall war, lag eben daran, dass sein zweites und drittes Jahr eher enttäuschend waren und man ihn dann schnell loswerden wollte. Und bei Coutinho finde ich es schon fair, sein extrem hohes Gehalt zumindest mit einzubeziehen – da haben wir zwar nicht das gleiche Wertverlust-Problem wie sein Stammverein, aber trotzdem einen Haufen Geld für einen Spieler berappt, der bislang recht wenig beigetragen hat. Risikofrei sind solche Geschäfte beileibe nicht.

        Es geht mir dabei hauptsächlich um die Frage, was der Verein zu investieren bereit ist, und für wen. Und da ist es bei Bayern lange so gewesen, dass man Spitzensummen für Spitzenspieler gescheut hat, aber stattdessen immer mal wieder etwas am Kader herumgebastelt hat, ohne einen echten Qualitätszuwachs zu erzielen. Ich kann wie gesagt verstehen, dass die Vereinsführung speziell 2015 keinen Anlass für grössere Investitionen gesehen hat. Aber das Geld wurde dann schlussendlich doch für andere Spieler ausgegeben, die ebenfalls ein Risiko darstellten, nur scheint das Bewusstsein dafür in der Kategorie 30-40 Millionen sehr viel weniger ausgeprägt zu sein.

      13. Und die Frage wird sich jetzt wieder stellen falls Thiago wirklich in diesem Transferfenster verkauft würde:

        Pogba
        Fabian
        Ceballos
        Keita

        Etc

      14. @Horst:
        “Aber das Geld wurde dann schlussendlich doch für andere Spieler ausgegeben, die ebenfalls ein Risiko darstellten, nur scheint das Bewusstsein dafür in der Kategorie 30-40 Millionen sehr viel weniger ausgeprägt zu sein.”
        Ja, da hast du sicher recht. Man sollte das allerdings weniger als isolierten Vorgang, sondern eher als einen Teil der Vereinsstrategie auffassen.
        Früher wusste jeder Bauer und heute jeder Anleger “Du sollst nicht alle Eier in denselben Korb legen”.
        Wir haben 2015 auch eine Summe um die 90 Mio € ausgegeben, also im de Bruyne-Bereich. Allerdings haben wir dafür mit Vidal, Kimmich, Costa, Coman, Ulreich gleich eine halbe Mannschaft bekommen.
        Also Risiken diversifiziert, statt konzentriert.

    2. An de Bruyne war man ja dran, den wollte damals auch Pep (im Gegensatz zu den Statements vom Berufszyniker Klaus). Ging dann wegen 10-15 Mio. schief und war – gerüchteweise! – ein Grund dafür, dass Pep nicht verlängert hat:

      https://www.fussballtransfers.com/a3612889811946998709-fc-bayern-guardiola-bekam-sieben-wunschspieler-nicht

    3. @Horst:
      Dann nimm doch Havertz als aktuelles Beispiel. Würdest du alles auf eine Karte setzen, mit der Konsequenz die nächsten Jahren keine weiteren Transfers im MF zu tätigen? Man könnte argumentieren, KdB war damals weiter. Alllerdings hätte ein Wettbieten den Preis wohl weiter erhöht und den Verein finanziell ähnlich stranguliert.

      Diese All-In Moves hat der FCB nie gemacht. Jetzt im Nachhinein scheinen diese 75 Mio. von City freilich berechtigt gewesen zu sein. Aber war es so klar, dass KdB diese Entwicklung hinlegen würde? (und btw das sagt jemand, der pro Havertz-Verpflichtung ist).

      1. Nein, absolut nicht. Ich habe hier vor kurzem einen längeren Kommentar geschrieben, warum ich Havertz derzeit nicht kaufen würde, obwohl ich den Spieler auch sehr schätze. Aber der Unterschied ist, dass wir meiner Meinung nach derzeit keinen Bedarf an einem Stürmer/offensiven Zehner haben, sondern Thiago ersetzen müssen. 2015 wie auch in den Folgejahren war offensichtlich Bedarf im Mittelfeld, da gaben sich die Spieler die Klinke in die Hand, und es wurde munter investiert.

        Wenn ich Havertz (oder einem anderen Spieler mit ähnlichem Talent) zutrauen würde, die Thiago-Rolle auf der Sechs zu übernehmen, dann würde ich auch eine Investition von 80-100 Millionen für sinnvoll halten. Das Geld ist da, und Spieler, die Bayern auf dem jetzigen Niveau noch weiterbringen können, sind selten. Natürlich arbeitet man derzeit unter verschärften Bedingungen und muss auch an den internen Frieden und die Aussenwirkung denken. Aber grundsätzlich lieber einmal Qualität kaufen, als jahrelang Kompromisse eingehen.

  6. Schade das hier wieder Märchengeschichtchen erzählt werden.
    Schade das UH KHR und Winterkorn nicht willens waren KdB zum FCB zu holen

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. Schade, dass City KdB viel mehr bieten konnte und Gott sei Dank, dass unsere Führung klaren Verstandes war und sich nicht für einen Spieler finanziell ruinieren wollte.

  7. Wow, das ist heute mal wieder richtig gut. Vor allem eine krasse Intensität bei diesen Temperaturen und diesem Zwischenstand. Scheint, als hätte die lange Pause mehr geholfen als geschadet.

  8. So lächerlich, dass Lewa weder Ballon d’Or noch Golden Show gewinnt…

    Unfairer Schwachsinn. Vor allem der Golden Shoe. Lewa ist Schützenkönig der Buli, des Pokals und in der CL.
    Immobile hat vier Spiele mehr in der Liga, aber ne schlechtere Quote und gewinnt den goldenen Stiefel… Lachhafter Wettbewerb!!

  9. wow, war das abgezockt, endlich auch mal Ruhe und guter Ballbesitzfußball. Thiago ist einfach der Wahnsinn. WEr nochmal sagt, der sei ein Schönspieler, muss seine zwei herausragenden Defensivaktionen heute in Dauerschleife sehen.Weiß nciht ob Thiago nicht bleiben würde wenn Kimmich RV spielen würde. WEiß nciht ob FLick Thiago damit nicht vertreibt. Kimmich ist noch jung, er kann acuh später noch den Chef im MF spielen. Beide nebeneinander geht ja scheinabr nicht so richtig. Mit Kimmich finde ich es oft zu hektisch und er bringt nach vorne natürlich viel mehr als Pavard. Ich lege mich fest: wir schlagen Barca und dann kommt der Endgegner,wenn wir das pressing im Halbfinale gegen city überstehen, haben wir den Titel. PSG schlagen wir im Finale.Oder Leipzig? Es wird city oder wir. Leider hat Pep endlich dazugelernt was die CL angeht und lässt auch mal undogmatisch spielen. Über Lewy braucht man nichts mehr sagen… coole FLanken von Odriozola.

  10. Schönes spiel unserer Jungs, bin auf Freitag gespannt, etwas Kopfzerbrechen bereitet mir die Abwehr…Süle zu bringen und Hernández auf der Bank zu lassen ist schon bemerkenswert, vielleicht stehen hier doch die Zeichen schon auf Trennung. Falls Boateng am Freitag fehlen sollte, wäre Süle schon eine gewagte Option. Ansonsten hatte ich bei Alabas Interview irgendwie ein komisches Gefühl…

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