FC Bayern Frauen: Wie lange hält die offensive Lebensversicherung?
Kassandra Potsi, Regina van Eijk, Sarah Mattner, Sophie Proost, Ella Rauscha und Anna Wellmann: Der FC Bayern war auf dem Transfermarkt bereits aktiv und scheint seine Hausaufgaben in der Kaderplanung weitestgehend abgeschlossen zu haben.
Doch wo haben die Münchnerinnen noch Bedarf? Wird es nach Simon, Stanway, Grohs, Padilla-Bidas und Guzmán zu weiteren Abgängen kommen? Und welche Spielerin sollte der FC Bayern unbedingt halten – schließlich laufen 11 Arbeitspapiere zum Ende der Saison 2026/2027 aus. Unsere Kaderanalyse liefert Antworten.
Teil 3 der Analyse widmet sich dem Angriff – sowohl auf den Flügeln als im Zentrum. Hier haben die Münchnerinnen mit Potsi, Mattner und die für die zweite Mannschaft verpflichtete Rauscha den meisten Neuzugänge zu verzeichnen.
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FC Bayern: In der Offensive bisher zu berechenbar?
Bianca Rech hat das Team des FC Bayern in der Offensive deutlich breiter aufgestellt und ist damit wohl einem Wunsch von José Barcala nachgekommen, der in seiner Antritts-Pressekonferenz im Sommer 2025 schon davon sprach, dass er gerne ein Pendant für Klara Bühl auf der rechten Seite hätte.
Die deutsche Nationalspielerin, noch bis Sommer 2027 beim FCB unter Vertrag, gehörte in der vergangenen Spielzeit mit 2.237 Spielminuten, 8 Toren und 23 Vorlagen wettbewerbsübergreifend zu den wichtigsten Spielerinnen in der Offensive. Nur Pernille Harder (2.585 Minuten) kam auf mehr Scorer (28 Tore und 13 Vorlagen) als die 24-jährige Ex-Freiburgerin.
Momoko Tanikawa (13 Tore, 7 Vorlagen), Linda Dallmann (10 Tore, 7 Vorlagen) und die zum FC Arsenal abgewanderte Georgia Stanway (9 Tore, 13 Vorlagen) folgen auf den weiteren Plätzen. Zahlen, die das Dilemma des FC Bayern gut belegen: Hinter Bühl und Harder klafft – alleine auf die Scorer bezogen – eine kleine Lücke.
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Mattner und Proost als Alternative für Bühl?
Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass das Offensivspiel des deutschen Meisters sehr linkslastig ist. Bühl initiiert die meisten Angriffe, geht ins Dribbling und spielt ihre größte Stärke aus: Die Beidfüßigkeit. Wenn die Angriffe über das Zentrum gehen, ist Pernille Harder die erste Anspielstation. Die 32-jährige Dänin lässt sich auch gerne etwas tiefer fallen, holt das Spielgerät ab und verteilt es entsprechend auf den Außenbahnen.
Mit Proost hat man eine talentierte Spielerin verpflichtet, die in den Anlagen sehr an Bühl erinnert. Die 19-jährige ist gut im Dribbling und kann auch mit dem schwachen Fuß passabel flanken. Sommer-Neuzugang Mattner ist ebenfalls auf der linken Außenbahn zuhause, auch sie zeichnet eine gewisse Schnelligkeit und Dribbelstärke aus. Die 23-Jährige kann allerdings, wie neulich in der Nationalmannschaft bewiesen, auch die Rolle der Rechtsverteidigerin einnehmen. Dort kommen ihre „sehr gute Physis und Geschwindigkeit“ entgegen, wie der FC Bayern Mitte Juni in den Klubmedien verlauten ließ.
Mit Kassandra Potsi hat der FC Bayern eine weitere, spannende Spielerin verpflichten können. Der Transfer der 18-Jährigen wurde bereits im Dezember publik gemacht., für Absteiger SGS Essen kam die Teenagerin in der abgelaufenen Spielzeit zu 12 Bundesliga-Einsätzen (480 Spielminuten) und zwei Assists, lediglich vier Mal stürmte sich von Beginn an, darunter bei der 1:4-Niederlage am FC Bayern Campus. Es wird spannend zu beobachten sein, ob und wie schnell Potsi im Starensemble der Münchnerinnen auf Spielzeit kommen kann. Nach den Transfers von Mattner und Proost ist der Youngster ein Kandidat für eine Leihe.
Feht dem FC Bayern auf der Neun eine Alternative?
Im Sturmzentrum sind die Optionen nicht so vielfältig wie auf der Offensivaußenbahn, wo mit Dunst und Dallmann ja auch Spielerinnen starten könnten, die sich eher im Zentrum wohlfühlen. Neben Harder hat Barcala mit Damnjanović und Imade noch zwei klassische Neuner im Kader. Wobei diese Bezeichnung auch nicht 100%ig zutreffend ist.
Die Serbin, seit 2017 in München, kann nahezu jede Position in der Offensive spielen und tat dies auch schon. Damnjanović lässt sich ebenso gerne etwas tiefer fallen oder beackert eine der beiden Flügel. Ihre unbändiger Einsatzwille und ihre Physis sind besonders in den Topspielen ein belebendes Element. Nach einer längeren Verletzungspause, ihr letztes Spiel bestritt sie im Februar gegen Wolfsburg, ist die bayerische Nummer 9 nun wieder fit.
Edna Imade, im Januar nach dem Schüller-Abgang frühzeitig von Leihklub Real Sociedad zurückgeholt, legte in der Bundesliga einen guten Start hin: Die spanische Nationalspielerin konnte in 11 Einsätzen (643 Minuten) sechs Scorer (5 Tore, 1 Vorlage) beisteuern, traf in drei Mal im DFB-Pokal (165 Minuten, 3 Einsätze). In der Champions League war sie jedoch weder im Viertelfinale gegen Manchester United noch im Halbfinale gegen den FC Barcelona ein Faktor: ganze 38 Spielminuten sammelte die 25-jährige Angreiferin.
FC Bayern muss im Sturm ein neues Ausrufezeichen setzen
Eine Statistik, die als Hinweis verstanden werden kann: Imade ist in München sportlich noch nicht vollends angekommen. Die Stürmerin fremdelt noch etwas mit dem Kombinationsspiel der Münchnerinnen, kommt selten in die Räume hinter die Abwehrkette um ihre Schnelligkeit ausspielen zu können. Trotz ihrer guten Scorerwerte wird sich Imade verbessern müssen um langfristig eine Zukunft in München haben zu können.
Diese Chance muss man der Angreiferin allerdings auch geben. Mit 25 Jahren ist sie zwar kein Talent mehr, hat aber noch Entwicklungspotenzial. Dies ist bei Harder und Damnjanović, deren Vertrag im Sommer ausläuft, nicht mehr zu erwarten. Ein großes Plus hat Harder allerdings trotz ihres Alters: Die Dänin fällt nahezu nie aus. In der abgelaufenen Saison bestritt sie 39 Pflichtspiele für den FC Bayern, dazu acht weitere Spiele für die Nationalmannschaft. Lediglich zwei Spiele in der Liga und eines im Pokal fand ohne die 33-Jährige statt. Ein ähnliches Bild in der Vorsaison: hier wurde Harder nur einmal im Pokal geschont.
Die letzte, längere Verletzung erlitt Harder in der Saison 2023/2024 als sie mit einer Innenbandverletzung zwei Monate ausfiel. Die Bayern-Verantwortlichen werden auf Holz klopfen, dass dies nicht mehr passiert.
Perspektivisch gesehen wird man sich in München allerdings auch nach einer neuen Besetzung auf der Neuner-Position umsehen müssen. Es ist fraglich, ob Harder ihren Vertrag in München noch einmal verlängern möchte und wie die Zukunftspläne von ihr und Lebensgefährtin Magdalena Eriksson (Vertrag bis 2028) aussehen.
Mit Selina Cerci, früher für den FC Bayern 2 am Ball, verließ eine potentielle Nachfolgerin die Bundesliga ablösefrei in Richtung Women’s Super League (FC Arsenal) und auch Nicole Anyomi wechselte nach Ablauf ihres Vertrags nach London und stürmt künftig für die City Lionesses.
Die Transfers von Harder und Eriksson waren 2023 ein Ausrufezeichen im Fußball der Frauen, Bianca Rech hat zusammen mit Francisco De Sá Fardilha die schwierige Aufgabe, in der Offensive für das nächste Statement zu sorgen. Neben Transfers für die Sturmspitze wäre auch die erneute Verlängerung von Klara Bühl ein klares Signal an die nationale und internationale Konkurrenz.



