Wer ersetzt Georgia Stanway beim FC Bayern? Arianna Caruso (rechts) hat große Chancen auf einen Stammplatz zu Saisonbeginn
Bild: Pau Barrena/Getty Images

Der FC Bayern und die drei Fragezeichen in Mittelfeld

Florian 17.07.2026


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Kassandra Potsi, Regina van Eijk, Sarah Mattner, Sophie Proost und die an Eibar ausgeliehene Anna Wellmann: Der FC Bayern war auf dem Transfermarkt bereits aktiv und scheint einen Monat vor dem Pflichtspiel-Auftakt gegen Vizemeister VfL Wolfsburg im Supercup (15. August, 19:30 Uhr in Ingolstadt) seine Hausaufgaben weitestgehend erledigt zu haben.

Doch wo haben die Münchnerinnen noch Bedarf? Wird es nach Simon, Stanway, Grohs, Padilla-Bidas und Guzmán zu weiteren Abgängen kommen? Und welche Spielerin sollte der FC Bayern unbedingt halten – schließlich laufen 11 Arbeitspapiere zum Ende der Saison 2026/2027 aus. Unsere Kaderanalyse liefert Antworten.

Teil 2 der Analyse widmet sich dem zentralen Mittelfeld. Hier ist der FCB nämlich, trotz aller Verletzungssorgen, im Sommer bisher nicht aktiv geworden. Warum diese Zurückhaltung sogar sinnvoll sein kann, erfahrt ihr in diesem Text.

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Fixpunkt ist weg: Stanway wechselt in die Women’s Super League

128 Spiele, 32 Tore, 29 Vorlagen: Die Bilanz von Georgia Stanway im rot-weißen Trikot war tadellos. Die englische Nationalspielerin war jahrelang der Fixpunkt im Aufbauspiel der Münchnerinnen. Doch Stanway war nicht „nur“ eine Ballverteilerin. Mit ihren präzisen Verlagerungen war sie auch Taktgeberin im bayerischen Mittelfeld, gab Tempo und Intensität vor. Stanway scheute keinen Zweikampf, was ihre 30 gelben Karten belegen.

Schon länger war klar, dass sich die Wege von Stanway und dem FC Bayern zum Ende der Saison trennen werden. Und so bekam man in der Rückrunde der Saison 2024/2025, als die 27-Jährige verletzt ausfiel, schon einen ersten Eindruck wie das bayerische Spiel ohne die Engländerin aussehen könnte.

Julia Zigiotti Olme, Sydney Lohmann, die zu Jahresbeginn 2025 eilig verpflichtete Arianna Caruso und auch teilweise Momoko Tanikawa bildeten mit Sarah Zadrazil das Sechserinnen-Duo des FC Bayern. Eine Auswahl, die Trainer José Barcala so nicht mehr zur Verfügung steht. Zigiotti Olme und Lohmann wechselten in die Women’s Super League, Zadrazil ist nach langer Verletzung auf dem Weg zurück und Tanikawa wird mittlerweile fast ausschließlich in der Offensive eingesetzt, genauer gesagt auf der Zehner-Position. Dort hat auch Arianna Caruso ihre Stärken, die Italienerin gab vor rund einem Jahr im Exklusiv-Interview mit Miasanrot zu Protokoll, dass eine offensive Rolle eher ihren Qualitäten entspreche.

Auf dem Papier hat der FC Bayern mit Bernadette Amani, der ebenfalls in Reha befindlichen Lena Oberdorf, Alara und Linda Dallmann genug Optionen für das zentrale Mittelfeld. Nicht unter den Tisch fallen soll hierbei Barbara Dunst, die ebenfalls gerne im Zentrum spielt, von Barcala nach ihrer Genesung aber desöfteren auf der Außenbahn getestet wurde.

Zu viele „Straus“-Spieler? Warum Dunst den FCB verlassen könnte

Die Österreicherin ist ein gutes Beispiel für die Problematik des Kaders. Barcala-Vorgänger Straus hatte ein Faible für zentrale Mittelfeldspielerinnen, Barcala hingegen favorisiert das Spiel über die Flügel. Eine Taktik, die er auf Grund der vorhandenen Spielerinnen im FCB-Kader bisher nur mit Kompromissen umsetzen konnte.

Die Transfers in diesem Sommer mit Mattner, Proost und Potsi deuten aber darauf hin, dass die sportliche Leitung dem Wunsch des Trainers, ein Pendant zu Klara Bühl zu verpflichten, mit einem Jahr Verspätung nachgekommen ist. Für Dunst könnte diese Transferoffensive nun zum Problem werden, da die 28-Jährige nach ihrem Wechsel und dem auskurierten Kreuzbandriss noch nicht richtig in Fahrt gekommen ist.

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Verlässt Barbara Dunst den FC Bayern? Die Österreicherin wird mit Union Berlin in Verbindung gebracht.
Foto: Christian Bruna/Getty Images

Linda Dallmann bringt zwar ein ähnliches Profil wie Dunst mit – eine Spielerin, die gerne den Ball hat und kreative Lösungen findet. Die deutsche Nationalspielerin hat sich im Gegensatz zur Ex-Frankfurterin allerdings deutlich besser auf der Außenbahn zurechtgefunden und sich verdientermaßen eine Vertragsverlängerung erarbeitet.

Für Dunst, um die es bereits Gerüchte um einen Wechsel gab, Dallmann und auch Alara wird die kommende Saison durchaus entscheidend. Die beiden DFB-Akteurinnen haben beide ein Arbeitspapier, das im Sommer 2027 ausläuft. Gerade Alara muss beweisen, dass sie mehr als „nur“ ein Talent sein kann. Denn der Schritt vom Nachwuchsstar zur unumstrittenen Stammspielerin ist ihr bisher nicht vollends gelungen.

Barcala hat zu Saisonbeginn also einige Optionen für die Besetzung der Mittelfeld-Zentrale. Zwei Sechserinnen, eine Zehnerin: Aller Voraussicht nach ist nur für drei der genannten Spielerinnen Platz in der Startelf. Dallmann könnte wieder nach rechts rücken, Tanikawa hinter Harder auf Torejagd gehen, links die nimmermüde Bühl.

Das Offensivspektakel absichern soll Amani, die erst seit einem halben Jahr in München ist aber aus dem Kader des Deutschen Meisters aktuell nicht wegzudenken ist. Die Ivorerin zeigt sich bissig, zweikampfstark und spielintelligent und wusste in ihren 16 Saisoneinsätzen durchaus zu überzeugen. Die 28-Jährige ist dabei nicht nur der klassische Staubsauger sondern fügte sich auch ohne Anpassungsprobleme in das Kombinationsspiel der Münchnerinnen ein.

Stanway-Abgang die Chance für Caruso?

Vom Profil ähnelt Amani also Zadrazil und Oberdorf. Wobei Oberdorf auf dem Papier deutlich spielstärker ist als ihre Konkurrentinnen. Die beiden Sorgenkinder des FCB trainieren aktuell bei der 2. Mannschaft für ihr Comeback. Für Zadrazil war der Kreuzbandriss Ende September die erste größere Verletzung, Oberdorf hingegen riss sich binnen 15 Monaten zweimal das Kreuzband, die zweite Verletzung unglücklicherweise nur gut einen Monat nach ihrem Comeback und Pflichtspiel-Debüt für den FC Bayern.

Nach dieser Verletzungssaga ist davon auszugehen, dass Oberdorf selbst und auch der Verein dieses Mal noch vorsichtiger beim Comeback sein werden. Sowohl Zadrazil als auch die 24-jährige Oberdorf dürften peu à peu an die Belastungen in der Bundesliga herangeführt werden.

Gut möglich also, dass sich das zentrale Mittelfeld der Münchnerinnen im Wesentlichen so darstellt wie zum Ende der vergangenen Saison. Mit einer entscheidenden Änderung: Stanway wird nicht mehr dabei sein.

Die Rolle der Ballverteilerin wird vorerst Caruso und Amani obliegen, die Italienerin könnte im Spielaufbau etwas weiter offensiv positioniert werden. Dass der FCB auf den Stanway-Abgang nicht mit einem weiteren Transfer reagiert hat, erscheint nachvollziehbar. Man will den ohnehin schon vollen Kader auf diesen Positionen nicht weiter aufblähen, zumal die Kaderrückkehr der Rekonvaleszenten absehbar ist.

Es ist im Gegenteil eher davon auszugehen, dass sich hier auf der Abgangsseite noch etwas tut. Auf den ersten Blick wirkt der Stanway-Transfer also wie eine sehr klare Schwächung. Viel wird aber davon abhängen, wie stark Oberdorf zurückkommen kann. Was einst als potenzielles Traumduo in München gesehen wurde, ist nun zur Hoffnung verkommen, dass die ehemalige Wolfsburgerin die perfekte Nachfolgerin von Stanway wird.

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