Großbaustelle Defensive: Hier drückt der Schuh des FC Bayern
Kassandra Potsi, Regina van Eijk, Sarah Mattner, Sophie Proost und die an Eibar ausgeliehene Anna Wellmann: Der FC Bayern war auf dem Transfermarkt bereits aktiv und scheint einen Monat vor dem Pflichtspiel-Auftakt gegen Vizemeister VfL Wolfsburg (15. August, 19:30 Uhr in Ingolstadt) seine Hausaufgaben weitestgehend erledigt zu haben.
Doch wo haben die Münchnerinnen noch Bedarf? Wird es nach Simon, Stanway, Grohs, Padilla-Bidas und Guzmán zu weiteren Abgängen kommen? Und welche Spielerin sollte der FC Bayern unbedingt halten – schließlich laufen 11 Arbeitspapiere zum Ende der Saison 2026/2027 aus. Unsere Kaderanalyse liefert Antworten.
Zuletzt haben wir auf die Torhüterinnen geschaut, heute geht es um die Defensive. Und anders, als es die Zahlen der Vorsaison vermuten lassen, liegt hier perspektivisch wohl die meiste Arbeit für Bianca Rech und Francisco De Sá Fardilha. Doch der Reihe nach.
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Innenverteidigung: Wo ist die nächste Generation?
Vanessa Gilles (30 Jahre), Stine Ballisager (32), Glódís Perla Viggósdóttir (31), Magdalena Eriksson (32): Der FC Bayern verfügt auf der zentralen Position in der Viererkette über ausreichend Qualität und Erfahrung. Die Kaderzusammenstellung auf dieser wichtigen Position ist dennoch etwas unglücklich.
Keine der genannten Spielerinnen ist jünger als 30 Jahre alt, eine Spielerin im mittleren Fußballerinnenalter oder ein Talent sucht man im Kader des Double-Siegers bisher vergeblich. Mit Luzie Zähringer hat man jedoch ein großes Talent in der Hinterhand. Die 18-Jährige, in München bis 2029 unter Vertrag, soll in der kommenden Saison beim Bundesliga-Aufsteiger VfB Stuttgart wichtige Spielminuten auf höchster Ebene sammeln.
In der abgelaufenen Saison kam Zähringer zu vier Einsätzen für die Barcala-Elf (108 Spielminuten), bei der U19-Europameisterschaft führte sie die DFB-Elf als Kapitänin auf das Feld, im Finale gegen Spanien zog die Behringer-Elf allerdings mit 0:1 den Kürzeren und gewann die Silbermedaille.

Foto: Christof Koepsel/Getty Images
Das Quartett in der bayerischen Innenverteidigung ist derweil bis Sommer 2028 an den FCB gebunden. In der Vorsaison rotierte Barcala auf dieser Position fleißig durch, Gilles (1.628 Spielminuten), Ballisager (2.172), Viggósdóttir (2.143) und Eriksson (1.894) kamen so zu ähnlich viel Spielzeit. Ballisager absolvierte hierbei die meisten Minuten, weil die Dänin auch sporadisch als Außenverteidigerin eingesetzt wurde.
Gerade in der Champions League wurden aber auch Defizite offenbart: Weder Ballisager noch die anderen drei Optionen in der Innenverteidigung überzeugen durch Schnelligkeit oder Explosivität. Alle vier haben die Ruhe am Ball beim Spielaufbau, die Torgefahr bei eigenen Standards und die Zweikampfführung im Allgemeinen als Stärke.
Hier muss sich der FC Bayern, unabhängig von der Personalie Zähringer, perspektivisch verjüngen. Die Münchnerinnen sollten nicht bis Sommer 2028 mit dem erfahrenen Quartett planen, auch wenn bis jetzt keine der genannten Spielerinnen längerfristig ausfiel und Barcala meist alle Optionen zur Verfügung hatte, ist es nicht von der Hand zu weisen, dass die Geschwindigkeitsdefizite mit zunehmendem Alter nicht besser werden.
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Droht dem FC Bayern der Total-Umbruch in der Außenverteidigung?
Etwas komplizierter und dringlicher ist die Situation auf der Position der Außenverteidigerinnen. Mit Giulia Gwinn und Franziska Kett gehen zwei von drei Optionen in das letzte Vertragsjahr, Katharina Naschenweng (Vertrag bis 2028) hat sich nach ihrem Kreuzbandriss zwar erfolgreich zurück ins Team gekämpft, ein Außenbandanriss und eine Sprunggelenksverletzung stoppten die Österreicherin im Laufe der letzten Saison allerdings weiter aus.
Für den FCB stellt sich somit die große Frage: Steht Naschenweng in der kommenden Saison öfter zur Verfügung? Die knapp 900 Spielminuten sind nicht der Anspruch der 27-Jährigen, die mit Kett allerdings eine hochkarätige Konkurrenz auf der linken, defensiven Außenbahn hat.
Die 20-Jährige ist der Shootingstar im deutschen Fußball und entsprechend begehrt im Ausland. Dass der FC Bayern den Vertrag noch nicht verlängern konnte und Kett ihre Berater-Agentur zwischenzeitlich wechselte, lässt aufhorchen. Sie lässt sich seit wenigen Wochen von Rogon Women beraten, eine Agentur die u. a. Nationalstürmerin Shekiera Martinez nach England vermittelte und kürzlich den Deal von Geraldine Reuteler zum FC Arsenal einfädelte. Verliert der FC Bayern Kett am Ende der Saison ablösefrei?

Foto: Christian Kaspar-Bartke/Getty Images for DFB
Es wäre ein erheblicher Dämpfer für die Frauen-Abteilung des Rekordmeisters, wenn man nach Stanway den nächsten Hochkaräter ziehen lassen müsste. Und auf der rechten Seite droht mit Giulia Gwinn gar der nächste Abgang. Die Kapitänin der deutschen Nationalmannschaft geht in ihre achte Saison in München, ob eine neunte oder zehnte Saison folgt, ist aktuell nicht absehbar.
Mattner als Außenverteidigerin?
Als Gwinn beim DFB zuletzt pausieren musste wurde Sarah Mattner nachnominiert. Eine Spielerin, die ab Sommer ebenfalls das bayerische Trikot tragen wird. Die 23-Jährige ist „im Offensiv- und Defensivbereich auf der Außenbahn flexibel einsetzbar“, so Bianca Rech Mitte Juni nach der Verkündung des Transfers. Auf der Website der Bayern wird sie als Verteidigerin gelistet.
Es schein daher nicht ausgeschlossen, dass Mattner defensiv für Gwinn den Backup gibt und nur offensiv eingesetzt wird, wenn sie gebraucht wird. Eine vierte nominelle Außenverteidigerin findet man im Kader der Münchnerinnen nämlich bisher nicht. Mit Carlotta Wamser von Bayer 04 Leverkusen wurde eine weitere Nationalspielerin in der Vergangenheit mit einem Wechsel nach München in Verbindung gebracht.
Wamsers Vertrag am Rhein läuft im Sommer 2027 aus, so wie das Arbeitspapier von Kett und Gwinn. Der Verdacht liegt daher nahe, dass sie im kommenden Sommer am FC Bayern Campus aufschlagen könnte. Für die aktuelle Saison ist der FC Bayern mit Naschenweng und Kett auf links, Gwinn, Mattner und zur Not Ballisager auf der Außenbahn gut besetzt, sofern alle Akteurinnen gesund bleiben. Ein kurzfristiger Zugang für die Defensive scheint allerdings nicht vollkommen ausgeschlossen, sollte sich Naschenweng nicht stabilisieren können.
Und auf der Abgangsseite? Müsste der FC Bayern, sofern Gwinn und/oder Kett ihren Vertrag in München nicht verlängern wollen, vorzeitig tätig werden um Ablöse generieren zu können? Wirtschaftlich betrachtet müsste man diese Frage mit „Ja“ beantworten. Aus sportlicher Sicht erscheint ein solches Szenario allerdings unwahrscheinlich. Kett und Gwinn sind Eckpfeiler im Kader, ein Abgang vor oder während der Saison wäre nicht vermittelbar.
Nichtsdestotrotz müssen sich die Bayern-Fans womöglich mit dem Gedanken anfreunden, dass es auf dieser Position zu Veränderungen kommen kann. Die nächsten Wochen und Monate werden, auf und abseits des Rasens, spannend.



