Neues Transferkomitee? Was eine veränderte Struktur in der Hierarchie des FC Bayern für Max Eberl bedeuten könnte
„Es wäre auch für Max gut, wenn er endlich begreift, dass man das auf mehrere Schultern verteilt.“ Rumms. Dieser Satz brachte Max Eberl heftig ins Schwanken und das in aller Öffentlichkeit. Er hing in den Seilen, bekam voll auf die Zwölf – und das ausgerechnet von Uli Hoeneß.
Im Doppelpass knöpfte sich der ehemalige Top-Manager seinen Sportvorstand vor und wurde dabei selbst für seine Verhältnisse ungewohnt deutlich. Vor aller Welt redete er so, als wäre Eberl bereits entlassen und als ginge es jetzt nur noch darum, der Geschichte den eigenen Spin zu geben.
Heute wirkt das fast noch absurder, wenn man bedenkt, wie erfolgreich der FC Bayern in der darauffolgenden Saison war. Mit dem damaligen Transferfenster dürfte man dennoch nicht zufrieden gewesen sein. Nicht wegen des Ergebnisses – Jonathan Tah, Luis Díaz, Tom Bischof, im Winter zuvor Jonas Urbig und selbst Nicolas Jackson zeigten allesamt gute bis sehr gute Leistungen.
Aber der Prozess dahinter war es, der dem Aufsichtsrat ganz offenkundig Schweißperlen auf die Stirn trieb. Es war keine klare Linie zu erkennen, viele Entscheidungen fielen eher spontan und zufällig. Darüber hinaus gab es klare, für die Öffentlichkeit sichtbare Kommunikationsprobleme zwischen dem Sportvorstand auf der einen und dem Aufsichtsrat auf der anderen Seite. Probleme, die jetzt offenbar zu Anpassungen in den Transferabläufen geführt haben – die auch den Job von Eberl maßgeblich beeinflussen.
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Max Eberl beim FC Bayern: Einige Probleme in der Vergangenheit
Doch erstmal auf Anfang: Warum waren die Prozesse im Jahr 2025 so problematisch? Wie mehrere Medien übereinstimmend berichtet hatten, gab es drei große Kritikpunkte vom Aufsichtsrat an Eberl:
- Er überzieht gern mal Budgets
- Seine Transferlinie ist nicht klar genug
- Zu viele Alleingänge
Beispiele für die Budgetproblematik sind die Vertragsverlängerungen. Mit Joshua Kimmich soll sich Eberl damals einig gewesen sein, bevor der Aufsichtsrat die besprochenen Summen freigegeben hatte. Die SZ berichtete damals von der mündlichen Einigung. Kurz darauf wurde das Angebot zurückgezogen – auch weil Kimmich sich viel Zeit ließ.
Auch andere Verlängerungen wurden teuer für den FC Bayern. Es gab Gerüchte, man sei im Aufsichtsrat unzufrieden damit, dass Eberl das Budget entweder komplett ausreize oder stets nachverhandeln würde. Die Transferlinie bezieht sich derweil darauf, dass der FCB auf dem Transfermarkt eher schwimmend agierte.
So nachvollziehbar es war, dass man lange an Florian Wirtz interessiert war und dort All-in ging, so entblößt schien man zu sein, als der damalige Leverkusener absagte. Der Díaz-Transfer folgte auf eine planlose Suche, an deren Ende man sogar noch erwägte, mit Leroy Sané zu verlängern. Am Ende des Transferfensters verkaufte Eberl dann Kingsley Coman, um plötzlich festzustellen, dass er keinen Spieler mehr kaufen darf.
Eines von mehreren Beispielen für die ganz offensichtlich mangelhafte Kommunikation mit dem Aufsichtsrat. Und ein weiterer Grund dafür, dass Hoeneß im Doppelpass Kritik äußerte.
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FC Bayern bisher mit souveränem Transfersommer
In diesem Sommer gibt der FC Bayern bisher ein souveräneres Bild ab. Die Transferentscheidungen wurden schnell und einheitlich getroffen. Es gibt keine Gerüchte über vermeintliche Wunschspieler des Sportvorstands, die intern wenig Anklang finden – so wie einst Christopher Nkunku oder Xavi Simons.
Ein Grund dafür könnte eine Umstrukturierung sein. Wie die Abendzeitung berichtet, gibt es ein „neues“ Transferkomitee beim FCB. Demnach sind Eberl, Jan-Christian Dreesen, Herbert Hainer, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge Teil dieses Komitees. Vorher war es beim FC Bayern so, dass Eberl bei großen Transferentscheidungen die Genehmigung des Aufsichtsrats einholen muss.
Jetzt gibt es zwischen Aufsichtsrat und Sportvorstand noch dieses Komitee. Die große Frage, die sich daraus ergibt: Ist das eine Entmachtung Eberls oder sogar das Gegenteil?
Was bedeutet das Komitee für Eberl?
Dass ein Aufsichtsrat Unterausschüsse bildet, ist in der Unternehmenswelt nicht unüblich. Gerade wenn es um so spezielle Themen geht, bei denen es schnelle Entscheidungen benötigt. Die zusätzliche Ebene hat den Vorteil, dass Eberl und Co. sich sicher sein können, dass ein Daumen hoch in der kleinen Instanz des Transferkomitees ziemlich sicher auch einen Daumen hoch im Aufsichtsrat bedeutet, in dem Hainer, Hoeneß und Rummenigge viel Macht haben.
Statt also den gesamten Aufsichtsrat immer wieder zusammenbringen zu müssen, werden die Entscheidungen in kleinerer Runde effizienter diskutiert und abgearbeitet. Das kann ein Vorteil sein. Ebenso wie die Tatsache, dass die Abläufe nun viel klarer sind.
Das schien zuvor nicht der Fall zu sein, wenn Eberl plötzlich Entscheidungen treffen wollte, die der Aufsichtsrat gar nicht freigegeben hat. Durch den direkten Draht übers Komitee könnten sich jetzt Vorteile ergeben – und sogar mehr Macht, weil er im ersten Schritt weniger Leute überzeugen muss.
Ob es aber nur vorteilhaft für den Sportvorstand ist, hängt an den Details. Denn durch das Komitee haben Hoeneß, Rummenigge und Co. theoretisch die Macht, noch mehr ins operative Geschäft einzugreifen und noch mehr Einfluss auf Eberl zu nehmen. Dann könnte eine solche Zwischeninstanz sogar negativen Einfluss haben.
Eberl mit klaren Aufträgen – und ungewisser Zukunft
Für solche Spekulationen ist aber zu wenig bekannt. Unter dem Strich läuft das Transferfenster in diesem Sommer bisher sauberer als im Vorjahr. Man hat mit Ismael Saibari und Nathaniel Brown bereits zwei teure Spieler eintüten können und Arijon Ibrahimović fest in den Kader eingeplant. Hinzu kommt der eine oder andere Abgang wie der von Alexander Nübel.
Laut der Abendzeitung gehe es jetzt vor allem darum, weitere Spieler zu verkaufen. Allen voran João Palhinha, von dem sich die Münchner noch eine höhere Ablösesumme von 20 Millionen Euro oder mehr erhoffen. Nur dann wäre es theoretisch noch möglich, weitere Spieler zu kaufen.
Auch die Gehaltskosten bleiben Thema. Eberl soll weiterhin den klaren Auftrag haben, die Ausgaben hier zu senken. Der Vertrag des Sportvorstands läuft im Sommer 2027 aus. Schon bald wird sich also zeigen, wie dieser Schritt hin zum Transferkomitee zu deuten ist.



