Michael Olise (FC Bayern) und Daniel Svensson (BVB) im Zweikampf.
Bild: Alex Grimm/Getty Images

Vor dem Supercup: Wie gefährlich ist der BVB für den FC Bayern?

Sören 19.08.2026

Nun geht es endlich wieder los. Der FC Bayern bestreitet am kommenden Samstagabend beim diesjährigen Franz-Beckenbauer-Supercup sein erstes Pflichtspiel der neuen Saison – ausgerechnet gegen den BVB. Austragungsort ist der Signal Iduna Park in Dortmund. Dabei treffen die Bayern als amtierender Double-Sieger auf den Vizemeister der Vorsaison.

Während man in München seine Hausaufgaben diesen Sommer früh erledigt hat, sodass die Transferplanungen beim Rekordmeister auf der Zugangsseite größtenteils abgeschlossen sind, läuft der Transfersommer bei Borussia Dortmund auf Hochtouren. Neben einigen prominenten Abgängen wurden vor allem junge und vielversprechende Spieler verpflichtet.

Nach einer Saisonvorbereitung mit Licht und Schatten scheint man in Dortmund mit Vorfreude auf den anstehenden Klassiker im Supercup zu blicken. Niko Kovač machte bereits deutlich, dass man den Wettbewerb beim BVB durchaus ernst nimmt. Es gehe um einen Titel und den wolle man als Sportler immer gewinnen, so der Coach der Dortmunder.

Miasanrot wirft vor dem Duell am Wochenende einen Blick auf den BVB und widmet sich der Frage, wie gefährlich die Schwarzgelben dem FC Bayern in dieser Saison werden können.

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Testspiele mit Höhen und Tiefen beim BVB

Die Mannschaft von Niko Kovač begann ihre Testspielphase Mitte Juli mit einem 3:1-Sieg gegen Rot-Weiß-Oberhausen. Nach einer 1:2-Niederlage bei Fortuna Düsseldorf ging es für den BVB dann Ende Juli auf Asientour. Dort setzte es gegen den japanischen Erstligisten Cerezo Osaka eine weitere 0:1-Niederlage.

Im August folgte die Trendwende: Nach einem knappen 1:0-Sieg gegen den FC Tokio folgte ein 3:2-Sieg beim englischen Meister FC Arsenal. Bei der Saisoneröffnungsfeier vor heimischem Publikum geriet der BVB gegen AS Rom bereits früh mit 0:2 in Rückstand, kam am Ende aber noch zu einem 2:2-Remis.

Testspielergebnisse sollten grundsätzlich nicht überbewertet werden. Insbesondere in den frühen Testspielen gab Kovač vor allem jungen Spielern die Chance, sich zu beweisen, nachdem einige Leistungsträger aufgrund der WM noch im Urlaub verweilten oder sich noch ganz am Anfang ihrer Vorbereitung befanden. Gegen starke Teams wie den FC Arsenal und AS Rom machten die Borussen offensiv eine gute Figur, mussten aber dennoch einige Gegentreffer hinnehmen. Defensive Stabilität sieht anders aus.

Besonders auffällig war, dass der BVB in den Spielen gegen vermeintlich schwächere Gegner meist das ballbesitzdominante Team war und damit größere Schwierigkeiten zu haben schien als in Spielen, in denen sie weniger den Ball hatten als der Gegner. Das war sowohl gegen den FC Arsenal als auch gegen AS Rom der Fall. Das dominante Spiel des FC Bayern könnte den Dortmundern also womöglich sogar in die Karten spielen.

Von seinem System der Vorsaison rückte Kovač bisweilen nicht ab. In allen Testspielen schickte der 54-jährige Kroate seine Mannschaft in einem 3-4-2-1 auf das Feld. Ähnlich wie Vincent Kompany beim FC Bayern mit dem 4-2-3-1, ändert Kovač an der taktischen Grundausrichtung offenbar nichts. Somit wissen die beiden Trainer dahingehend genau, was sie beim Supercup erwartet.

Junge Talente statt großer Namen: Ein altbewährtes Erfolgsrezept?

Mit Julian Brandt, Karim Adeyemi und Niklas Süle verliert der BVB nicht nur Prominenz, sondern auch Erfahrung. Weitere Abgänge wie Yan Couto, Julien Duranville und einige weitere zeigen den Willen eines kleinen Umbruchs bei den Borussen. Insgesamt verließen bereits zehn Spieler den Verein. Dabei generierten die Dortmunder dem Vernehmen nach Einnahmen in Höhe von 38,5 Millionen Euro.

Auf der Zugangsseite verpflichtete man bislang fünf Spieler und investierte dabei 108,5 Millionen Euro. Damit stehen der BVB aktuell bei einem Transferminus von 70 Millionen Euro. Ein Neuzugang ist der 23-jährige offensive Mittelfeldspieler Giannis Konstantelias, der nach großem medialem Wirbel um seinen Wechsel für 26 Millionen Euro verpflichtet werden konnte.

Für den 18-jährigen Konstantinos Karetsas legte man 30 Millionen Euro auf den Tisch. Ein Offensivspieler, der sich insbesondere in den Halbräumen wohl fühlt und in der abgelaufenen Saison beim KRC Genk bereits mit einigen Torvorlagen auf sich aufmerksam machen konnte. Er hat das Potenzial mittelfristig für zuvor fehlende Spielfreude und Kombinationssicherheit, aber eben auch für Tore und Torvorlagen zu sorgen.

Mit dem 27-jährigen Joey Veerman von PSV Eindhoven konnten die Schwarzgelben zu Beginn dieser Woche außerdem einen international erfahrenen Neuzugang vorstellen. Die Ablösesumme soll bei Rund 22 Millionen liegen. Für wie viele Minuten es im Supercup gegen den FC Bayern reichen wird, ist offen.

Das fehlende Puzzleteil?

Dennoch verkörpert der zentrale Mittelfeldspieler ein Profil, das in Dortmund lange gefehlt hat. Ein Spielmacher, der den Takt vorgibt, überlegte Entscheidungen trifft und ein Spiel lenken kann. Darüber hinaus kann er auch aus der Distanz mit platzierten Abschlüssen für Gefahr sorgen. Wenn es dem Niederländer gelingt, schnell eine Führungsrolle einzunehmen.

Hinzu kommt mit Joane Gadou ein 19-jähriges Abwehrtalent. Den jungen Franzosen konnte der BVB für 19 Millionen Euro von RB Salzburg loseisen. Mit dem 18-jährigen Kauã Prates verpflichtete man zudem für sieben Millionen einen jungen Außenverteidiger aus Brasilien. Weitere vier Millionen Euro nahm man für den erst 18-jährigen Justin Lerma in die Hand. Der junge Offensivspieler kommt von Independiente aus Ecuador.

Beim BVB ist also einmal ein regelrechter Jugendhype ausgebrochen. Bereits in der Vergangenheit setzte man in Dortmund auf junge, vielversprechende Spieler, die in Dortmund den nächsten Schritt machen konnten und sich mitunter zu absoluten Topstars entwickelten.  Prominenteste Beispiele sind Jude Bellingham, Erling Haaland und der amtierende Weltfußballer Ousmane Dembélé. Zuletzt kam man von diesem Weg etwas ab.

Es wird vor diesem Hintergrund interessant zu beobachten sein, ob der Weg mit jungen und vielversprechenden Talenten für den BVB erneut zum Erfolg führt. Da man zudem einige erfahrene Spieler verloren hat, bleibt abzuwarten, ob die jungen Spieler direkt Verantwortung übernehmen können und wie konstant sie in ihren Leistungen sein werden. Beim Supercup treffen sie mit dem FC Bayern auf einen der größten Vereine Europas.

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Weitere Informationen

BVB nimmt Konturen an

Bei den getätigten Offensivtransfers fällt auf, dass der BVB weniger klassische Flügelspieler verpflichtet hat, sondern insbesondere Spieler, die sich in den Halbräumen wohlfühlen. Das passt zum 3-4-2-1 von Kovač, in dem Schienenspieler wie Julian Ryerson und Daniel Svensson die Außenbahnen beackern und die in die Halbräume kippenden Offensivspieler immer wieder hinterlaufen. Insgesamt sehen die Transfers also stimmig und vielversprechend aus.

Gegen den FC Bayern wird der BVB vermutlich hauptsächlich auf schnelle Umschaltaktionen setzen. Eine Variante, die dem deutschen Rekordmeister in der Vergangenheit durchaus hin und wieder Probleme bereiten konnte. Dabei wird es für die Borussen darauf ankommen, den Ball bei Umschaltsituationen schnellstmöglich zu Neuzugang Karetsas zu befördern, da dieser mit seiner Kreativität im offensiven Mittelfeld die entscheiden Steckpässe spielen kann.

Die in den Testspielen offenbarten Schwächen in der Defensive könnten für die Schwarzgelben jedoch zu einem Problem werden. Der FC Bayern war in der abgelaufenen Saison die torgefährlichste Mannschaft Europas, sodass Kovač sich etwas einfallen lassen muss, wenn er diese Tormaschinerie aufhalten will, um überhaupt in Umschaltsituationen zu gelangen.

Sollte es dem BVB jedoch gelingen, das Offensivspiel der Bayern immer und immer wieder zu stören und selbst Nadelstiche zu setzen, könnte das Spiel im Supercup zum offenen Schlagabtausch werden. Ein Szenario, das der Mannschaft von Ex-Bayern-Coach Niko Kovač vermutlich in die Karten spielen würde und somit die Chancen auf eine Überraschung erhöhen könnte.

Wie gefährlich ist der BVB für den FC Bayern wirklich?

Neben den Stärken in Tempo und Umschaltspiel können die Dortmunder auf den Heimvorteil setzen. Im sicherlich ausverkauften Signal Iduna Park wird es für den FC Bayern wichtig sein, das Spiel schnellstmöglich unter Kontrolle zu bekommen, damit das Stadion nicht zum zwölften Mann für die Dortmunder wird.

Und bezogen auf die gesamte Saison? Qualitativ ist der FC Bayern auf jeder Position individuell besser besetzt und auch das System von Bayern-Coach Kompany funktioniert. Der Rekordmeister tritt unter dem Belgier geschlossen als Team auf und konnte sich mit Nathaniel Brown und Ismael Saibari noch einmal zusätzlich verstärken.

Im Vergleich zum BVB hat sich jedoch am Kader der Münchner nicht viel verändert, sodass davon auszugehen ist, dass die Automatismen beim Double-Sieger gerade zu Saisonbeginn besser greifen als beim Vizemeister. Ein Vorteil könnte dagegen sein, dass die Dortmunder wegen der zahlreichen Veränderungen in der Mannschaft und den Hierarchien möglicherweise schwerer auszurechnen ist.

Die große Frage wird sein, ob es ihnen gelingt, ihre fußballerischen Defizite in Ballbesitz auszumerzen. Kovač scheiterte bei vorherigen Stationen häufig an der Weiterentwicklung seiner Teams. Für einen Angriff auf den Meistertitel wird man beim BVB eine außergewöhnliche Saison und schwächelnde Münchner benötigen. Der Blick wird deshalb erstmal auf den zweiten Platz gerichtet sein – mit den Neuzugängen gibt es zumindest viel Potenzial für eine Leistungssteigerung.

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