FC Bayern: Warum Eberls Transfersommer neue Maßstäbe setzt – ein Kommentar
Beim FC Bayern München herrscht derzeit eine Ruhe und Themenarmut, die in der jüngeren Vergangenheit des Vereins seinesgleichen sucht. Neben der erfolgreichen letzten Saison liegt das natürlich an der Sommerpause.
Spätestens bis zum Supercup in Dortmund wird sich das also ändern, wenn der Rekordmeister sportlich in die neue Spielzeit startet. Speziell in den letzten Jahren gab es über die Bayern während des Transferfenster aber eigentlich am meisten zu berichten.
Doch dieses Jahr kein kommunikatives Desaster und keine Transfer-Saga weit und breit: Der Kader der Münchner steht (bis auf ein paar Kleinigkeiten) seit Wochen fest. Uli Hoeneß spricht sogar von einer „perfekten Transferperiode“. Neben dem reinen Ergebnis ist auch die Art und Weise, wie der FCB in diesem Sommer agiert hat, beeindruckend.
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FC Bayern: Nachsitzen in den vergangenen Transferperioden
Bis zum 1. September ist das Transferfenster in Europa noch geöffnet. Bis zur letzten Sekunde an diesem Tag werden noch zahlreiche europäische Top-Clubs verzweifelt nach Verstärkungen suchen oder versuchen, für den Kader überflüssige Spieler zu loszuwerden.
An diesem als „Deadline Day“ getauften Tag gibt es also zwei Arten von Vereinen: die, die nachsitzen müssen und die, die über diese lachen und ihre Hausaufgaben bereits erledigt haben. Der FC Bayern zählte vor nicht allzu langer Zeit auch mal zu diesen Musterschülern.
Doch die Transferfenster der vergangenen Jahre waren stets geprägt von Chaos, Dramen und Fehlschlägen, weshalb der Rekordmeister an Deadline Days oft noch mit einem leeren Einkaufswagen kurz vor Ladenschluss da stand. Das passende Produkt war nicht mehr verfügbar und man musste sich mit anderen um die Reste streiten.
Das führte dann zu Last-Minute-Flops wie Bouna Sarr, Marc Roca und Douglas Costa im Jahr 2020, einem irrwitzigen Hin und Her und Rekord-Leihgebühr bei Nicolas Jackson im vergangenen Jahr oder einem Fiasko wie vor drei Jahren, als unter anderem der Transfer von João Palhinha spektakulär scheiterte.
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FC Bayern auf dem Transfermarkt: Strategielos, behäbig und uneins
Dazu präsentierten sich die Münchner auf dem Transfermarkt behäbig, strategielos und uneins. Sagte ein Wunschkandidat ab, benötigte man oftmals Wochen, um sich auf eine Alternative zu einigen, was zu zahlreichen weiteren Körben führte.
Die Verpflichtung von Vincent Kompany nach der Absage zahlreicher Trainer im Jahr 2023, das kommunikative Desaster zwischen Sportvorstand Max Eberl und dem Aufsichtsrat beim Coman-Verkauf oder die Transfer-Saga um Florian Wirtz im vergangenen Sommer wären aktuelle Belege dafür, die (zumindest von außen) nicht darauf schließen lassen, dass innerhalb des Vereins an einem Strang gezogen wird.
FC Bayern: Wie gut ist der aktuelle Transfersommer?
Doch in diesem Transferfenster ist nichts davon zu sehen. Wie gut und harmonisch beim Rekordmeister derzeit zusammengearbeitet wird, kann an Äußerungen von Ehrenpräsident Hoeneß exemplifiziert werden, der sich öffentlich bei Eberl entschuldigte, ihm eine Verlängerung seines Vertrages in Aussicht stellte und seine Arbeit lobte. Besonders „der neue Spieler aus Marokko“ gefalle ihm außerordentlich.
Gemeint ist damit natürlich Neuzugang Isamel Saibari, dessen Transfer für kolportierte 50 Millionen Euro bereits während der Weltmeisterschaft komplettiert wurde. Auch Nationalspieler Nathaniel Brown wurde während des kontinentalen Wettbewerbs (für dieselbe Summe) verpflichtet.
Die Realisierung der beiden Transfers wären ohne das frühzeitige Handeln des Vereins wohl um einiges teurer und schwieriger geworden. Ebenso konnten die beiden Verpflichtungen ohne mediales Tamtam finalisiert werden. Zudem wurde der schon lange im Raum stehende Transfer von Bara Sapoko Ndiaye (4 Millionen Euro) kürzlich offiziell gemacht.
Einen Teil der Summe (knapp 40 Millionen Euro), die für die drei Verstärkungen gebraucht wurde, konnte Eberl bereits wieder durch die Verkäufe von Alex Nübel, Daniel Peretz und Noël Aséko sowie den versilberten Akademiespielern Lovro Zvoranek, Maurice Krattenmacher und Jonah Kusi-Asare einspielen.
Der Transfersaldo hält sich also absolut im Rahmen – besonders wenn man ihn mit den von den meisten Klubs auf einer nicht weit entfernten Insel vergleicht. Obendrein bekamen die Münchner Leon Goretzka und Raphaël Guerreiro von der Gehaltsliste.
Transfersommer als Maßstab für die Zukunft des FC Bayern
Der Kader wurde insgesamt also verjüngt und trotzdem punktuell verstärkt. So sollte das Ergebnis eines jeden Transferfensters aussehen. Dies hat der FC Bayern zwar auch letztes Jahr schon so ähnlich hinbekommen, doch in diesem Sommer war vor allem die Art und Weise von Bayerns Transferaktivitäten beeindruckend.
Die Verantwortlichen des FC Bayern hatten augenscheinlich einen Plan, den sie im sonst so heißen Transfergeschäft ruhig und schnell verfolgten sowie gemeinsam umsetzten. Auch öffentlich zog man stets an einem Strang. Dieser Sommer sollte deshalb der Maßstab für zukünftige Transferperioden werden.
Nicht einmal die noch zu verkaufenden Spieler, die den Transfersaldo noch weiter verschönern könnten, bereiten irgendwelche Probleme, sondern werden von Kompany integriert und gefördert. Der Verkaufswunsch ist natürlich dennoch vorhanden. Eberl wies bereits auf die Transferbewegungen hin, die sich Ende August noch ereignen werden. Denn viele Vereine haben ihre Hausaufgaben eben noch nicht erledigt.



