Vorschau: Borussia Mönchen­gladbach – FC Bayern München

Justin Trenner 17.03.2017

Es gibt zum einen die Bayern, die in den wichtigen Momenten bisher immer die nötige Leistung zeigen konnten und es gibt die, die ihre Handbremse angezogen lassen, bis mehr gefordert wird. Will man in Gladbach etwas mitnehmen, braucht es vermutlich mehr als den Energiesparmodus.

Spielvorschau

Gladbach hat sich unter Hecking wiedermal etwas verändert. Die Mannschaft zeigt jetzt die Charakteristika eines tpyischen 4-4-2-Bundesligisten dieser Dekade und spielt auch dementsprechend unspektakulär.

Was aber keinesfalls etwas schlechtes ist. Hecking weiß genau, wie er ein Team stabilisieren kann. Er steht nicht für Experimente, Variation oder bahnbrechende Ideen, aber seine Teams spielen, insofern die individuelle Klasse vorhanden ist, einen soliden Fußball. So auch Borussia Mönchengladbach in den letzten Wochen.

Das Mittelfeldpressing funktioniert meist und die Offensive harmoniert auch wieder besser. In den 14 Spielen unter ihrem neuen Trainer hat die Mannschaft 8 Siege geholt und nur 3 verloren. Dabei gelangen der Fohlenelf 26 Treffer. Fünf Begegnungen absolvierten sie zu Null und insgesamt 15 Gegentore sind ein ordentlicher Wert, wenngleich noch etwas zu viel.

Es scheint, als hätte Gladbach die richtige Entscheidung getroffen. Obwohl viele Fragezeichen hinter der Verpflichtung standen, war der Start Heckings gut. Mit seiner Erfahrung macht er bisher vieles richtig.

Ob er auch langfristig der richtige Mann für diese Mannschaft ist, wird sich zeigen. Hecking steht nicht gerade für Entwicklung. Überdies ist er nachweislich von seinen Schlüsselspielern abhängig gewesen und Gladbach drohen hier und da ein paar wichtige Abgänge.

Doch all das ist Zukunftsmusik. Momentan sind die Fohlen ein härterer Gegner für die Bayern als in der Hinrunde. Außerdem ist die Bilanz der Münchner in Gladbach sehr dürftig.

Es wird sehr spannend zu beobachten, ob Hecking sich von den Erfolgen des hohen Pressings der vergangenen Jahre locken lässt oder ob sein Mittelfeldpressing auch in diesem Spiel bestehen bleibt.

Mit Dieter Hecking an der Seitenlinie läuft es für die Gladbacher wieder etwas besser.
(Foto: Maja Hitij / Bongarts / Getty Images)

Erwartbar ist eher letzteres. Hecking hat damit seine größten Siege gefeiert. Beispielsweise als er die Bayern 2015 mit Wolfsburg 4:1 schlagen konnte. Gladbach wird sich vermutlich ähnlich aufstellen wie die Wölfe damals.

4-4-2, das Zentrum verdichtend und auf den Außen immer um Überzahl bemüht. Bei Ballgewinnen wird dann versucht, die unsortierte Defensive des Rekordmeisters zu überraschen. Das machte Heckings Wolfsburg hin und wieder ganz gut gegen den FCB. Allerdings braucht es für eine Wiederholung nicht nur einen unaufmerksamen Tag der Bayern, sondern auch die nötige Klasse im Kader der Gladbacher.

Stindl, Raffael, Kramer und Dahoud bringen jeweils Fähigkeiten mit, die den Münchnern richtig gefährlich werden können. Sie alle sind an guten Tagen in der Lage, Strukturen zu kreieren, die auch mit sehr gutem Pressing des Gegners zurecht kommen. Wer die Duelle im Zentrum gewinnt, wird gute Karten auf einen Erfolg haben. Gerade Stindl war zuletzt in guter Verfassung, wenngleich sein Einsatz noch fraglich ist.

Für die Bayern ist es also gerade in diesem Spiel essenziell, ein Netz zu spannen, das Gladbach wenig Zugriffsmöglichkeiten erlaubt. Hier ist, wie so oft, Thiago gefragt. Der Spanier wird erneut die zentrale Figur im Spiel der Münchner sein. Eine schnelle Ballzirkulation, genügend Dreiecke im Zentrum und die Entlastung der Flügel hängen auch mit ihm zusammen.

Die beiden Bundesligisten im Vergleich. Gladbach verteidigt nicht mehr so hoch und versinkt im Mittelmaß.

Die Bayern und der Hauch einer Kontermannschaft

Spannend wird zudem die Personalie Thomas Müller sein. Sein Auftritt gegen Frankfurt war wieder nicht gut. In Gladbach könnte er eher ein Stolperstein für den Tabellenführer sein. Eine Mischung im Mittelfeld aus Thiago, dem gesperrten Vidal und Alonso würde vermutlich am besten passen. Dabei wird es aber in Zukunft wichtig sein, dass die Rollenverteilung zwischen ihnen besser abgestimmt ist als beispielsweise in London.

Dort funktionierte das Spiel der Ancelotti-Elf zunächst überhaupt nicht, weil Alonso den offensiven Gegenpressingpart übernahm und Vidal in einer tiefen Position verschenkt war. Spielt der Chilene mit Thiago auf einer Höhe, bilden sie ein zerstörerisches Pressing-Duo.

Was wir in den letzten Wochen mehrfach erwähnten, lässt sich auch statistisch belegen. Beide zählen zu den besten Mittelfeldakteuren gegen den Ball und das Europaweit.

Doch auch in der Bundesliga zählen sie zum besten, was es in den Kategorien Interceptions und Tacklings gibt. Thiago gewinnt 59% seiner Zweikämpfe in der Liga (Vidal 55%) und 56% in der Champions League (Vidal 54%). Zumeist gewinnen sie dabei den Ball in höheren Zonen des Spielfelds. Der Gegner ist anschließend unsortiert und Bayern bekommt Räume, die sich aus längeren Ballbesitzphasen nicht ergeben.

Das funktionierte unter Guardiola schon herausragend und wird jetzt in einer Phase wieder wichtig, in der die Lösungen aus dem eigenen Ballbesitz nicht mehr so variabel und unberechenbar sind wie in den letzten Jahren. Bayern kompensiert mit diesen beiden Spielern zudem die kleinen Schwächen im Positionsspiel, die einen weiteren Weg nach Ballverlusten verursachen. Instinktiv stehen die beiden oft richtig. Die folgende Grafik untermauert diese Eindrücke.

Thiago zeigt in dieser Saison, dass er ein einzigartiger Fußballer ist. Auch Partner Vidal ist in Sachen Ballgewinne oben dabei.

Interessant ist hier auch Sebastian Rudy, der nicht nur gegen den Ball zu den besten der Liga zählt, sondern auch Torgefährlichkeit nachweisen kann. Es wird spannend zu sehen, wie sich der Nationalspieler beim FC Bayern schlägt und welche Rolle er einnehmen wird. Auch er hat durchaus Qualitäten im Pressing, die ins System des Rekordmeisters passen könnten.

Letztendlich wird die Frage sein, ob Ancelotti für Vidal, der seine fünfte Gelbe Karte sah, Müller oder Kimmich ranlässt.

Die Münchner haben eine medial oft unterschätzte Qualität im Umschaltspiel, die es schon unter Heynckes, aber speziell seit Guardiola gibt. Auf dieses Gegenpressing sollten sie auch in Zukunft nicht verzichten. Es ist eine Waffe, die zwar sehr riskant in der Umsetzung ist, aber auch an schlechten Tagen für eine entscheidende Wende sorgen kann. Das Paradebeispiel dafür ist das Rückspiel gegen Juventus Turin im letzten Jahr. Damals drehten die Bayern vor allem deshalb die Partie, weil Vidal wichtige Zweikämpfe im Gegenpressing gewann.

Diese Umschaltmomente sind pures Gold für den FC Bayern und machen die Ancelotti-Elf nicht nur zu einem dominanten Ballbesitzteam, sondern auch zu einer gefährlichen Umschaltmannschaft, die ihren Gegner komplett einschnüren kann. Kann der Rekordmeister diese Qualität auch in Gladbach auf den Rasen bringen, ist der wichtigste Teil der Aufgabe bereits erledigt. Die Gäste dürfen Heckings Mannschaft nicht im Ansatz atmen lassen und wenn, dann nur in Zonen, die komplett ungefährlich sind. Genau dann sind die Chancen auf einen Sieg am größten.

Fünf Thesen zum Spiel

  1. Lewandowski trifft mindestens ein Mal.
  2. Gladbach trift auch.
  3. Bayern wird gewinnen (aber wahrscheinlich wieder das Bundesliga-Auswärts-Gesicht zeigen).
  4. Es gibt mindestens drei gelbe Karten. (These wurde geändert. Vorher stand hier, dass Müller nicht spielen wird. Dem Autor war entgangen, dass Vidal gesperrt ist.)
  5. Es fallen mindestens drei Tore.

Drei richtige Thesen aus der Frankfurt-Vorschau. Gesamt: 85/160.

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