Round-Up: Von Rotation und kleinen Kadern

Maurice Trenner 11.05.2017

Ancelotti’s kleines Team wurde hier im Blog schon häufiger angeführt. So stehen im aktuellen Bayern-Kader nur 23 Profispieler darunter drei Torhüter und mit Fabian Benko und Niklas Dorsch zwei Talente ohne größere Profi-Erfahrung. Im heutigen Round-Up wollen wir einen Blick auf den Kader der Bayern im Vergleich zu den anderen Bundesliga-Teams sowie zu füheren Bayern-Teams werfen.

Bayern rotierte selten

In der Grafik sind die Spielanteile der elf Spieler mit den meisten Minuten über die gesamte Anzahl der eingesetzten Spieler aufgeführt. Dies liefert uns interessante Aufschlüsse über Kadergröße und den Einsatz der Rotation.

Niemand setzte so wenige Spieler ein wie der FC Bayern
(Grafik: Lukas)

Der FC Bayern befindet sich am linken Rand des Spektrums. Aufgrund des kleinen Kaders sind in der Bundesliga auch nur 21 Spieler bisher eingesetzt worden. Ohne die Verletzungen von Neuer und Ullreich würde die Nummer vermutlich noch kleiner sein. Allerdings zeigt sich auch, dass bis auf die Talente Dorsch und Benko alle Spieler aus dem Lizenzkader zum Einsatz gekommen sind.

Ebenfalls zeigt sich, dass Ancelotti sich frühzeitig auf eine Aufstellung festlegte und dieser möglichst viel Spielzeit verschaffte. In Neuer, Alaba, Hummels, Thiago und Lewandowski stehen fünf Spieler im Kader, die mehr als 75% der Minuten in der Bundesliga auf dem Feld standen. Danach folgen Martinez, Lahm und Vidal mit ähnlich hohen Spielanteilen.

Bayern liegt im Liga-Vergleich eher im Mittelfeld bezüglich Rotation. Dabei dürfte es nur wenige andere Teams geben, bei denen die Kaderpositionen hinter der Stammelf mit hochklassigen Spielern besetzt sind. Eine solche ausgeglichene Mannschaft bietet normalerweise hervorragende Voraussetzungen für eine große Rotation – gerade auch im Hinblick auf die Dreifachbelastung.

Eine solche Statistik ist natürlich immer stark beeinflusst durch Verletzungen. So ist hier sicher auch der Einfluss von zum Beispiel Boatengs langer Verletztenzeit zu sehen. Wenn Boateng über lange Strecken diese Saison fit gewesen wäre, wäre es vermutlich auf einen Job-Split zwischen ihm, Hummels und Martinez hinausgelaufen. Dies hätte die Spielanteile von Hummels und Martinez wohl gesenkt.

Trainerwechsel führt zu Fluktuation

Bei den anderen Bundesliga-Teams fallen Leipzig, Darmstadt und Bremen als Extremfälle auf. Die Leipziger verfügen ebenfalls über einen eher kleineren Stammkader, auf den Hasenhüttel vertraut. Außerdem ist Leipzig das einzige Team, bei dem die Top11-Spieler mehr als 80% der Spielanteile haben. Hier setzt Hasenhütel auf wenig Rotation, sondern versucht seine erste Elf in möglichst jedem Spiel zu bringen – mit Erfolg. Es ist als sehr fraglich anzusehen, ob die Leipziger nächste Saison mit der Dreifachbelastung diese Aufteilung der Spielminuten beibehalten können. Dies könnte dann auch zu lasten der Leistung in der Liga gehen.

Kein Team hat so viele Spieler in der aktuellen Saison eingesetzt wie Werder Bremen. Dies spricht zum einen für eine große Fluktuation, aber auch für die – vielleicht aus der Not geborene – Kreativität von Trainer Nouri. Dieser musste jungen Spielern aus den eigenen Reihen eine Chance geben, um das Ruder herumzureißen. Allerdings hat Nouri mittlerweile eine Formation mit entsprechendem Personal gefunden, die scheinbar auch Erfolg garantiert.

Eine ebenso hohe Fluktuation in der Aufstellung hat Darmstadt. Auch sicher wegen dem Trainerwechsel von Maier zu Frings, haben die Lilien die geringsten Spielanteile der Top11-Spieler. Bei so gut wie jedem Trainerwechsel erhalten einige Spieler das Vertrauen des Coaches, die vorher nur in zweiter Reihe standen. Dies bestätigt sich, da die meisten Teams mit geringen Spielanteilen der Top11-Spieler in der aktuellen Saison den Trainer gewechselt haben.

Rotation ist kein Schlüssel zur Schale

Setzt Ancelotti nun weniger auf Rotation als Guardiola? Ist Rotation der Schlüssel zur Meisterschaft und Bewältigung der Dreifachbelastung? Wie sieht ein historischer Vergleich von Bayerns Kadern aus?

Wie sieht ein historischer Vergleich von Bayerns Kadern aus?

Im Vergleich über die letzten Jahre liegt Ancelotti so ziemlich im Durchschnitt für den FC Bayern. Pep Guardiola zeigt sich als Roationsmeister, sind doch drei der vier Saisons mit den geringsten Spielanteilen der Top11-Spieler unter ihm gespielt worden. Dabei kommt ihm natürlich zugute, dass die Meisterschaft in den meisten Jahren bereits früh feststand und er somit auch Spielern aus zweiter Reihe mehr Spielzeit verschaffen konnte.

Dennoch ist sicher nicht von der Hand zuweisen, dass seit der Triple-Saison relativ viel rotiert wurde. Dies kann auch an der deutlichen Verstärkung der Kaderpositionen 15-20 festgemacht werden. Waren früher noch Braafheid, Ottl und Petersen die Lückenbüßer, so konnte man in den vergangenen Jahren auf hochklassigen Ersatz zurückgreifen.

Drei Saisons stechen durch hohe Spielanteile der Top11-Spieler hervor: 2006/07, 2009/10 und 2011/12. Die letzteren beiden endeten dabei mit einer Top2-Platzierung in der Liga und dem Erreichen von DFB-Pokal- sowie Champions-League-Finale. Sowohl van Gaal 2010 als auch Heynckes 2012 schafften es also eine erste Elf zusammenzustellen, die auf höchsten Niveau performte.

Musste im Champions-League-Finale 2010 den gesperrten Ribery ersetzen: Hamit Altintop
(Photo by Alex Livesey/Getty Images)

In beiden Jahren mißlang jedoch der große Wurf, weil Einzelspieler nicht zu ersetzen waren. Es fehlten eben die Breite im Kader. 2010 fehlte im Finale gegen Inter Mailand Franck Ribery rotgesperrt. Nun ist es zu keinem Zeitpunkt einfach einen Ribery zu ersetzen, aber man stelle sich das Spiel mit einem Costa anstatt eines Altintop vor.

Im „Drama dahoam“ fehlten ebenfalls Alaba, Badstuber und Gustavo gelbgesperrt, weshalb Tymoschtschuk in der Innenverteidigung aushelfen musste.

Hier kann und muss der FC Bayern Lehren für die nächste Saison ziehen. Eine Verletzung oder Sperre können immer zum ungünstigsten Zeitpunkt kommen. Der aktuelle Kader ist in der Breite sicher nicht mehr auf dem ganz hohen Niveau von letztem oder vorletztem Jahr. Ein paar gezielte Verstärkungen, wie die bereits verpflichteten Rudy und Süle, sind hier der richtige Weg.

Allerdings beschreitet man auf diesem Weg auch einen schmaler Grad. Denn mit hoher Breite im Kader steigt auch die Unzufriedenheit. Als erster nörgelnder Spieler, dessen Spielanteile vor allem in den wichtigen Spielen seiner Ansicht nach zu gering waren, hat sich bereits Boateng herauskristalisiert. Hier gilt es für Ancelotti seine Moderator-Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

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