Spannender Kampf um Platz acht in der Offensive des FC Bayern
Die Sommervorbereitung neigt sich dem Ende und der FC Bayern hat nicht mehr viel zu tun – zumindest mit Blick auf den Transfermarkt.
Sportlich gibt es sicher noch einiges zu tun, was aber nach der WM auch kaum verwundert. Dass einige Profis schon frühzeitig zurückgekehrt sind, dürfte Vincent Kompany gefreut haben.
In der potenziellen Stammelf oder Stamm-14 dürfte es derweil nur wenig Bewegung im Vergleich zur Vorsaison geben. Nathaniel Brown will Alphonso Davies herausfordern, vorn bleibt Jamal Musiala eines der großen Fragezeichen. Sonst stellt sich das Team fast von allein auf.
Ein spannender Kampf um eine echte Rolle im Kader hat sich aber auf den hintersten Plätzen ergeben. Mit Arijon Ibrahimović kam hier ein Spieler zurück von seiner Heidenheim-Leihe, der den achten Kaderplatz wohl bekommen soll. In der Vorbereitung aber war Maycon Cardozo plötzlich einer der großen Gewinner – und ein weiteres Talent konnte auf sich aufmerksam machen.
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Arijon Ibrahimović muss um seinen Platz im FCB-Kader kämpfen
Für Ibrahimović lief die Vorbereitung ordentlich bis durchwachsen. Es gab ein paar Höhen, wo er andeuten konnte, zu was er fähig ist. Für ihn sprechen sowohl die Erfahrung auf Profiniveau in den vergangenen Jahren als auch die Tatsache, dass sein Spiel insgesamt reifer geworden ist.
Sich hier ausschließlich auf die Eindrücke der Testspiele zu verlassen, wäre falsch. Ibrahimović ist offenkundig schon einen Schritt weiter als seine jungen Herausforderer. Er überzeugt nicht nur mit taktischer Disziplin und körperlicher Durchsetzungsfähigkeit, sondern auch mit Zug zum Tor und der Fähigkeit, sich immer wieder in gute Abschlusspositionen zu bringen.
Gleichzeitig ist sein Output bisher nicht herausragend. Auch in Heidenheim konnte er dem Spiel viele Impulse geben, aber aus 0,25 erwarteten Toren pro 90 Minuten gelangen ihm laut Wyscout nur 0,09. Sein Abschluss und seine Entscheidungsfindung in der letzten Aktion sind ausbaufähig. Das zeigten eben auch die Testspiele.
Ibrahimović hat eine solide Vorbereitung gespielt, aber keine, die für alle deutlich macht, dass er der achte Mann in der Bayern-Offensive sein muss und sonst niemand.
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Maycon Cardozo nutzt die Vorbereitung für sich
Zumal Cardozo für mehr Aufmerksamkeit sorgte. Laut Sky soll es zahlreiche Leihangebote für den Brasilianer geben, aber die Bayern entschieden sich dagegen. Ein Zeichen? Cardozo ist ein klassischer Straßenfußballer. Das ist einerseits positiv, weil er unberechenbar ist und einem Spiel unvorhersehbare Wendungen geben kann.
Er ist explosiv, dribbelstark und mutig. Als Backup für Luis Díaz wäre er als Spielertyp vielleicht sogar passender als Ibrahimović, der eigentlich in den Halbräumen oder im Zentrum zu Hause ist. Cardozo ist wendiger und dribbelstärker. Er ist auch etwas spektakulärer. Das macht den 17-Jährigen zu einer spannenden Alternative im Kader.
Gleichzeitig hat seine Straßenfußballermentalität auch klare Nachteile. Cardozo hat eine große Streuung in seinem Spiel. Wie bei vielen Talenten in einer Sommervorbereitung des FC Bayern, wird gern darüber hinweggesehen. Schließlich ist der Spieler noch jung und kann sich ja noch entwickeln. Alles valide Argumente, aber die Vergangenheit hat eben auch gezeigt, dass Spieler mit größeren Defiziten es in München schwer haben.
Cardozo ist wegen seines besonderen Wegs in den Profifußball über die World Squad des FC Bayern taktisch und strategisch nicht so geschult. Man merkt ihm an, dass er keine klassische NLZ-Vergangenheit hat. Was in mancher Situation erfrischend ist, kann auch schnell nach hinten losgehen. Er pendelt während eines Spiels stets zwischen den berühmten Polen Genie und Wahnsinn.
Wenn der Hype und die Begeisterung über seine mutige Spielweise etwas abgeflacht sind, wird sich zeigen müssen, ob er in der Lage ist, hier große Entwicklungsschritte zu gehen.
Tim Binder als Überraschungskandidat?
Im Schatten des Cardozo-Spektakels hat aber noch ein weiteres Talent überzeugt, das quasi genau das Gegenteil des Brasilianers ist: Tim Binder ist bereits sehr weit in seiner Entwicklung, wenn es um Entscheidungsfindung und Reife geht.
Der 19-Jährige hat eine sehr starke Vorbereitung gespielt. Dabei zeigte er auf verschiedenen Positionen, dass er schon gut mithalten kann mit den Profis des FC Bayern. Auch hier sollte man die Testspiele nicht überbewerten, aber was bei Binder positiv stimmt, ist die Konstanz. Er macht nicht deshalb viel richtig, weil er viele Sicherheitslösungen suchen würde, sondern weil er für nahezu jede Situation eine adäquate Lösung parat hat – und das, obwohl er das Risiko keinesfalls scheut.
Binders Flexibilität ist bemerkenswert. Man kann ihn nahezu überall aufstellen und weiß, dass er dort funktionieren wird. Die größte Frage bei ihm wird sein, ob er sich genug vom Rest des Teams abheben kann, um ernsthafte Einsatzzeiten zu bekommen. Um ihn herrscht eindeutig weniger Hype und es gibt auch bisher keine besonderen Anzeichen, dass er in dieser Saison einen festen Kaderplatz bekommt.
FC Bayern: Wer macht das Rennen?
Im Moment sieht es so aus, als hätte Ibrahimović wegen seiner Erfahrung immer noch einen kleinen Vorsprung. Es wird aber immer deutlicher, dass er diesen nutzen muss. Kann er sich weiterhin nicht ausreichend abheben, könnte das Trainerteam womöglich auf die Idee kommen, einen der anderen jungen Spieler zu belohnen.
Mit Cardozo und Binder gibt es hier zwei verschiedene und gleichermaßen spannende Alternativen. Für Kompany und Co. ist das ein Luxusproblem, das viele Vereine gern hätten. Und die Frage ist ja auch, wie viel Einsatzzeit auf der achten Position des Kaders wirklich winkt. In Lauerstellung sind die Talente aber in jedem Fall.


