Anthony Gordon vom Markt: Wie geht die Linksaußen-Suche des FC Bayern weiter?
Der Wechsel von Anthony Gordon zum FC Barcelona dürfte den FC Bayern nur wenig überrascht haben. Die von Newcastle United aufgerufenen 80 Millionen Euro wollte man in München nicht zahlen. Dass es andere Klubs gibt, die genau das tun würden, war absehbar.
Am Ende war es ein aussichtsloses Unterfangen. Barça zahlt die Basisablöse von 80 Millionen Euro und der Engländer läuft demnächst nicht im Trikot des deutschen FCB auf. Wie schon im Sommer 2025 bahnt sich deshalb eine knifflige Suche nach einem neuen Offensivspieler an.
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Damals zog sich die Causa Florian Wirtz noch viel länger. Es folgten viele Wochen und Monate der Ungewissheit und Gerüchte, ehe sich mit Luis Díaz eine Chance ergab, die Max Eberl und Co. nutzten. Klar ist: Auf das Glück, dass ein Topspieler irgendwo die Lust an seinem Klub verlieren könnte, sollte man sich diesmal nicht verlassen.
Eine baldige Lösung wäre wünschenswert – auch für die Saisonplanung. Die Frage, die sich dabei stellt, ist aber: Brauchen die Münchner überhaupt einen Linksaußen? Oder wäre eine andere Lösung nicht sinnvoller?
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Kaderlytics: FC Bayern sucht die perfekte Offensive
Aus Kaderlytics-Sicht lohnt es sich, erstmal auf den Status-quo zu schauen: Mit Harry Kane, Michael Olise, Jamal Musiala und Luis Díaz steht die Wunschoffensive in der ersten Reihe fest. Auf dem Papier sind Serge Gnabry, Nicolas Jackson und Lennart Karl in dieser Saison die Backups gewesen. Bedeutet also: Sieben Spieler für vier Positionen.
Analysiert man die Kader verschiedener Topklubs in den letzten zehn Jahren, kommt man immer wieder auf einen Schlüssel von 1,5 Topspielern pro Position. Bedeutet für die Offensive konkret: Vier Positionen werden mit sechs gestandenen Profis besetzt. Hinzu kommen meist wahlweise Talente oder sehr alte Spieler wie einst Claudio Pizarro in der 2013er Triple-Mannschaft.
In der Regel sammeln aber eher sechs als sieben Offensivspieler relevante Spielzeit von mehr als 1.000 Minuten pro Saison. Beim FC Bayern sah das in dieser Saison so aus:
- Luis Díaz: 4.060 Minuten
- Harry Kane: 4.050 Minuten
- Michael Olise: 4.015 Minuten
- Serge Gnabry: 2.041 Minuten
- Lennart Karl: 1.918 Minuten
- Nicolas Jackson: 1.320 Minuten
- Jamal Musiala: 1.175 Minuten
Zwei Anomalien gab es dabei: Einerseits die schwere Verletzung von Musiala zum Saisonstart und andererseits die ungewöhnlich vielen Minuten für Lennart Karl, der mit 17 beziehungsweise jetzt 18 seine Debütsaison absolvierte. Mit einem topfitten Musiala hätte die Verteilung vermutlich eher in Richtung „6+X“ tendiert, also sechs Vielspieler und ein siebtes Rad am Wagen.
Bei Paris Saint-Germain sieht die Verteilung übrigens ähnlich aus. Sieben Spieler aus der Offensive kommen auf 1.000 Minuten oder mehr. Darunter mit Ibrahim Mbaye ein Talent. Jackson wird den FC Bayern nun verlassen. Bedeutet: Eine Position wird frei. Aber wie sollte man den Kader dort sinnvoll auffüllen?
Besondere Situation in dieser Saison
Gordon wäre ein klarer Fingerzeig dahingehend gewesen, die Offensivreihe hinter Kane zu stärken. Er und Díaz hätten dann den linken Flügel besetzt, Olise und Karl wohl den rechten und Musiala und Gnabry die Zehnerposition. Das ist zugleich auch das stärkste Argument dafür, sich nach einem Linksaußen umzusehen. Theoretisch wäre es dann deutlich einfacher, die Rollen zu verteilen.
In der Praxis war das in dieser Saison etwas undurchsichtig. Gnabry lief mal im Zentrum, mal auf einem der Flügel auf. Selbiges gilt für Karl und sogar Olise. Ein großes Problem war das allerdings nicht. Die größte Herausforderung bestand für den FCB darin, seine Staroffensive im Saisonendspurt fit und frisch zu halten. Denn ausgerechnet dort fielen Karl und Gnabry aus, während Jacksons Profil nicht so ganz ins System passte.
Viel wurde im vergangenen Sommer darüber diskutiert, ob der Kader zu dünn sei. Wie Miasanrot damals schon analysierte, war er das bezogen auf die reine Anzahl der Spieler nicht. Wirklich diskutabel war höchstens die Besetzung der einzelnen Rollen – und hier die Entscheidung für Jackson und gegen Kingsley Coman oder einen alternativen Offensivspieler, der gut ins System integriert werden kann.
Jackson sammelte zwar viele Scorerpunkte, war von der Bank aus in den wichtigen Spielen aber so gut wie nie eine echte Verstärkung oder Hilfe. Eine solche sollte man jetzt auf dem Transfermarkt aber suchen. Dabei geht es zum einen darum, die taktischen Optionen zu erweitern und die Belastung der Topspieler etwas zu reduzieren, ohne im Bundesliga-Alltag Punktverluste fürchten zu müssen. Zum anderen geht es darum, im Sommer auch nochmal neue Reizpunkte zu setzen. Warum keinen echten Herausforderer für die vermeintlich gesetzten Spieler holen?
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Datenanalyse: Wer sind die besten Gordon-Alternativen für den FC Bayern?
Ein Problem ist: Zumindest auf der linken Außenbahn gibt es nicht allzu viele echte Alternativen. Miasanrot hat sich via Wyscout alle Linksaußen der Top-5-Ligen angeschaut und dabei die Daten verglichen. Dabei haben wir vor allem auf Torgefährlichkeit, Dribblingfähigkeiten, Kombinationspotenzial und Pressingqualitäten geschaut, um mit Hilfe der Werte eine Vorauswahl zu treffen.
Je nachdem, welche Werte wir priorisiert haben, ist zunächst eine Shortlist entstanden, in der sich einige der Topstars des Weltfußballs wiedergefunden haben. Darunter Vinícius Júnior, Raphinha, Khvicha Kvaratskhelia und natürlich Luis Díaz. Darüber hinaus sind aber vier weitere Spieler je nach Fokus in der Suche immer wieder aufgetaucht: Yan Diomande (Leipzig), Saïd El Mala (1. FC Köln), Abde Ezzalzouli (Betis Sevilla) und Kenan Yildiz (Juventus Turin).
Yan Diomande und Saïd El Mala
Diomande und El Mala sind den meisten Bundesliga-Fans mittlerweile ein klarer Begriff. Ersterer ist mit seinen erst 19 Jahren ein unglaublich herausragender Dribbler. Und seine Qualität fällt gerade im Vergleich zu El Mala auf: Beide gehen oft in Dribblings – Diomande mehr als sechsmal pro 90 Minuten, El Mala etwas weniger als sechsmal, aber auch in einem Team mit weniger Ballbesitz. Wöhrend der Ivorer aber auf eine unfassbare Erfolgsquote von mehr als 66 Prozent kommt, erreicht der Kölner nicht mal die 50 Prozent.
Diomande hat in seiner noch jungen Karriere bereits nachgewiesen, dass er sich in engen Räumen bewegen und Spieler auf dem Bierdeckel ausdribbeln kann. Mit 23 Scorerpunkten in 36 Partien war er zudem ein entscheidender Baustein für die Leipziger in dieser Saison. Wichtig aus Sicht des FC Bayern wäre bei etwaigem Interesse zudem, dass Diomande gegen den Ball sehr aktiv ist.
Wyscout hat eine Statistik, die die Interceptions, also die abgefangenen Pässe, in Relation zum eigenen Ballbesitz setzt, sodass man die Werte verschiedene Spieler besser miteinander vergleichen kann. Das ist sinnvoll, weil Díaz beim FC Bayern zum Beispiel weniger gegen den Ball arbeiten muss als Diomande in Leipzig. Der FCB-Star kommt beispielsweise auf 1,7 Interceptions pro 90 Minuten, Diomande auf 2,3. Angepasst auf den Ballbesitz liegt Díaz bei 3, der Leipziger derweil bei 3,2.
Bei El Mala gäbe es eine große Unsicherheit. Der Kölner hat ebenfalls eine herausragende Saison gespielt, hat allerdings deutlich stärkere Schwankungen in seinem Spiel. Er kommt eher über Physis, Athletik und Tempo, weniger über technische Feinheiten oder Kombinationen. El Mala hat einen guten Abschluss und Wucht, aber hat er auch das Zeug für einen Topklub, der Woche für Woche gegen tiefstehende Abwehrketten anlaufen muss?
Dafür ist Diomande schon jetzt der deutlich teurere Spieler. Sein Vertrag läuft bis 2030, transfermarkt schätzt seinen Marktwert auf 90 Millionen Euro. Damit dürfte er bereits raus sein. Denn auch wenn er sportlich der perfekte Herausforderer wäre, würde allein die Ablöse die Erwartung schüren, dass er immer spielt. Ein Spannungsfeld, das schwer in den Griff zu bekommen wäre.
Abde Ezzalzouli
Eine kleine Überraschung beim Filtern der Daten war Abde Ezzalzouli. Der Marokkaner hat bisher eine für sein Talent wechselhafte Karriere hinter sich. 2021 wechselte er für rund zwei Millionen Euro in die Jugend des FC Barcelona, von dort wurde er dann nach Osasuna verliehen und später für 7,5 Millionen Euro an Betis verkauft.
Seine Leistungsdaten waren bisher eher unauffällig. In dieser Saison aber scheint es „Klick“ gemacht zu haben. In 43 Pflichtspielen gelangen ihm immerhin 28 Torbeteiligungen. Die Expected-Goals-Werte sind immer ein guter Indikator dafür, ob ein Spieler stark überperformt oder ob Substanz hinter seinen Leistungen steht. Ezzalzouli kommt auf 0,33 xG pro 90 Minuten und 0,14 Expected Assists (xA). Demgegenüber stehen 0,36 Tore und 0,18 Assists – ein gutes Zeichen.
Zwar sind etwas mehr als 0,5 direkte Torbeteiligungen pro 90 Minuten noch kein Wert für einen Topklub, aber in Relation dazu, dass er bei Betis spielt und nicht bei einem größeren Verein, sind das gute Zahlen. Ezzalzouli ist ebenfalls ein starker Dribbler. Mehr als fünf Dribblings pro 90 Minuten und eine Erfolgsquote von mehr als 61 Prozent unterstreichen das.
Neben der Frage, ob er sich in München nochmal steigern könnte, gibt es noch jene nach der Chance auf einen Transfer. Newcastle soll ihn als Gordon-Ersatz im Blick haben und schon länger dran sein. Die Engländer sind wohl bereit, mehr als 50 Millionen Euro zu zahlen.
Kenan Yildiz
Ein weiterer Kandidat, der fast immer auftauchte, egal wie sehr wir die Regler auch verstellt haben, ist ein alter Bekannter: Kenan Yildiz. Der türkische Nationalspieler und gebürtige Regensburger hat sich bei Juventus Turin zu einem der besten Spieler der Serie A entwickelt. 22 Scorerpunkte in 47 Einsätzen unterstreichen seinen Wert in einem Klub, der weit vom Glanz alter Tage entfernt ist.
Yildiz ist der Spieler auf der Shortlist mit den meisten Dribblings (fast acht pro 90 Minuten) und kommt dennoch auf eine Erfolgsquote von starken 61 Prozent. Der 21-Jährige ist entwicklungsfähig, leistungsstabil auf hohem Niveau und kann mehrere Positionen spielen. Er ist sowohl ein starker Kombinationsspieler, als auch einer, der mit individuellen Aktionen Spiele entscheiden kann.
Sein größtes sportliches Fragezeichen liegt in der Arbeit gegen den Ball. Statistisch liefert er dort deutlich schwächere Zahlen als die meisten anderen Spieler auf der Shortlist, was aber auch an der Spielweise hängen kann. Das größere Problem dürfte die persönliche Geschichte zwischen dem FC Bayern und Yildiz sein. Er war rund um die Rassismusvorfälle vor einigen Jahren eines der Opfer am Campus. Eine Rückkehr erscheint vor diesem Hintergrund nicht sehr wahrscheinlich.
Rafael Leão und Co.: Wen die Medien noch so auf dem Zettel haben
Eine Möglichkeit ist es natürlich auch immer, Spieler zu verpflichten, die gerade sowieso im Schaufenster stehen. Rafael Leão ist einer von ihnen. Der Portugiese will die AC Mailand verlassen. Dort stagnierte er zuletzt deutlich. In 31 Einsätzen gelangen ihm in dieser Saison nur 13 Torbeteiligungen. In den Vorjahren landete er in der Regel bei um die 30 Scorerpunkte.
Leão ist eigentlich ein begnadeter Dribbler. In der Saison 2021/22 kam er auf fast elf Dribblings pro 90 Minuten und eine Erfolgsquote von fast 60 Prozent. Seitdem ging dieser Wert Jahr für Jahr nach unten. 2024/25 waren es noch fast sieben bei einer Quote von 57 Prozent, in dieser Saison sind es nur noch vier bei rund 59 Prozent.
Dass der 26-Jährige immenses Potenzial hat, steht außer Frage. Sein Tempo, seine technischen Fähigkeiten, sein Gespür für die richtigen Räume – an seinen besten Tagen war Leão ein begnadeter Fußballer mit viel Zug zum Tor. Sowohl in der Nationalmannschaft (fünf Tore in 43 Partien) als auch bei Milan gelang ihm bisher aber nicht der Schritt zur Weltklasse. Könnte sich das mit einem Wechsel noch ändern?
Marcus Rashford
Auch Marcus Rashford könnte ein Thema werden. Der 28-Jährige hat mit 28 Torbeteiligungen eine starke Saison für den FC Barcelona hinter sich. Die Katalanen wollen ihn aber offenbar nicht behalten. Rashford ist schnell, hat eine gute Spielintelligenz, findet oft die richtigen Räume und ist torgefährlich. Für ihn spricht zudem, dass er in Barcelona gezeigt hat, dass hohes Pressing ihm liegt. Er ist darüber hinaus einer der wenigen Spieler, die auch im Sturmzentrum eingesetzt werden können.
Gegen ihn spricht, dass er in seiner Karriere große Schwankungen hinter sich hat und mit 28 wenig Entwicklungspotenzial mitbringt. Rashford wäre wohl eher ein Kandidat, wenn das Angebot so günstig ist, dass man kaum ablehnen kann. Sein Vertrag bei Manchester United läuft allerdings noch bis 2028.
Mika Godts
Ebenfalls medial gehandelt wurde zuletzt Mika Godts. Der 20-Jährige steht bei Ajax unter Vertrag. In dieser Saison kam er auf starke 32 Torbeteiligungen in 44 Partien. Der Belgier ist schnell und dribbelstark. Mehr als sechs Dribblings verbucht er pro 90 Minuten, seine Erfolgsquote ist mit 49 Prozent ausbaufähig.
Darüber hinaus stechen seine Explosivität und seine Spielmacherqualitäten heraus. Godts hat eine gute Übersicht und spielt wenig eigensinnig. Im Schnitt bereitet er rund zwei Abschlüsse pro 90 Minuten vor. Zum Vergleich: Díaz kommt auf 1,6. Das Ajax-Talent fühlt sich auf der linken Außenbahn am wohlsten, kann aber auch auf der Neun oder etwas dahinter agieren.
Bei Godts wäre die größte Unbekannte, wie sich sein Niveau auf den FC Bayern transferieren lässt. Die niederländische Liga ist deutlich schwächer als die Top-5-Ligen. In der Champions League gelangen Godts in acht Einsätzen und 584 Minuten keine Tore. Lediglich einen Assist sammelte er in einer enttäuschenden Ajax-Mannschaft.
Der FCB steht vor einem kniffligen Puzzle
Optionen zu Gordon gibt es also einige – und vermutlich sogar noch einige mehr. Letztendlich muss sich der FC Bayern aber auch klar darüber werden, was er genau sucht. Und wie er mit Gnabry und Karl plant. Beide bieten schließlich auch das Potenzial, die Vorgehensweise auf dem Markt zu verändern. Denn beide können innen und außen im offensiven Mittelfeld spielen.
Finden die Bayern beispielsweise einen Zehner, der gut ins System passt, könnte Gnabry der Backup für Díaz auf dem linken Flügel sein – was er ja ohnehin schon oft genug war. Vor Gnabrys Verletzung im April stand Díaz sechsmal nicht in der Startelf, sechsmal rotierte Gnabry dafür rein. Der Deutsche spielte 25 Prozent seiner Minuten auf der linken Außenbahn.
Karl wiederum agiert am liebsten auf dem rechten Flügel, hat aber auch hin und wieder im Zentrum gespielt. Bei ihm wird es darum gehen, ihm die Zukunft in München nicht zu sehr zu verbauen. Jeder neue Offensivspieler könnte großen Einfluss auf seine Rolle im Team haben. In der abgelaufenen Saison war Musiala die Nummer 7 im Kader mit knapp mehr als 1.000 Minuten.
Seine endgültige Rückkehr wird die Minuten stark reduzieren, die Gnabry und Karl im Zentrum gesammelt haben. Jackson war die Nummer 6 und soll nun gerüchteweise mit einem Spieler ersetzt werden, der zu noch mehr taugt. Dass Gnabry nach dieser Saison vermutlich wieder an Spielzeit verlieren wird, war absehbar. Dass Karl nach seinem starken Debütjahr womöglich auch erstmal Einbußen machen muss, ist beim Blick auf seine fehlende Konstanz ebenfalls absehbar.
Und trotzdem wird man an der Säbener Straße genau bedenken müssen, wie die optimale Rollenverteilung letztlich aussieht und in welchem Umfeld sich jemand wie Karl am besten entwickeln kann. Das gibt dem Transfersommer noch eine weitere Ebene, die sehr knifflig ist.



