Laura Vetterlein (GC Zürich) analysiert die Playoff-Pläne der FBL
Bild: dpmedia

Nach Kritik vom FC Bayern: Laura Vetterlein ordnet Playoff-Pläne ein

Florian • 19.10.2026 •


FC Bayern, FCB, Bundesliga, DFB-Team, Champions League, Alt Text vergessen

Noch ist es nicht final, doch die Gedankenspiele der neu gegründeten FBL lassen aufhorchen: Der Ligaverband mit Katharina Kiel (Eintracht Frankfurt) an der Spitze bereitet die Ausschreibung der Medienrechte ab der Saison 2027/2028 vor und schreckt dabei offenbar nicht vor gravierenden Änderungen zurück.

Neben den ungeliebten Montagsspielen soll auch über den bisherigen Modus nachgedacht werden. Die Meisterschaft soll demnächst in Playoffs entschieden werden. Bei der nächsten Ausschreibung soll evaluiert werden, wie viel Mehreinnahmen dadurch erzielt werden könnten. Ob die Pläne am Ende Realität werden, ist noch offen. Was würde dieses Format aber für den FC Bayern bedeuten?

Laura Vetterlein, Cheftrainerin beim Grasshopper Club Zürich, kennt die Vor- und Nachteile von Playoffs zu Genüge. Die 34-Jährige ist seit Sommer 2024 als Übungsleiterin in der Schweiz tätig, erst als Co-Trainerin von Kim Kulig beim FC Basel und seit Januar 2026 als Cheftrainerin in Zürich.

Miasanrot als App und auf Social Media

Weitere Artikel zum FC Bayern München:

FC Bayern: Barcala klar gegen Playoffs

Als Spielerin gewann Vetterlein mit dem VfL Wolfsburg einst das Triple, ehe sie über Stationen beim SC Sand und West Ham United ihre Karriere als Spielerin in Zürich ausklingeln ließ. Die Playoff-Gedankenspiele kann die ehemalige Abwehrspielerin daher gut beurteilen.

In der Women’s Super League, so Vetterlein, habe man durch die Playoffs „Highlight-Spiele“ kreiert, die die Liga und die Vereine als Events vermarket haben. Das Interesse der Öffentlichkeit an der Liga sei durch die Playoff-Spiele gestiegen, so die gebürtige Südbadenerin.

Doch was ist sportlich von den Reformplänen zu halten? Gegner der Playoffs, wie beispielsweise Bayern-Trainer José Barcala, äußern sich deutlich. Der Spanier empfindet diesen Modus als sinnfrei, dem Kicker gab der Spanier zu Protokoll, er sei „komplett dagegen“. Barcala weiter: „Wenn sich am Ende alles in einem einzigen Spiel entscheidet, dann werde ich meine Mannschaft in der Bundesliga auf eine ganz andere Art und Weise trainieren.“

Wie die Schweiz die Ligaphase honoriert

Was der Spanier meint, ist klar. Wenn nach einer langen Saison die Endplatzierung egal ist, und lediglich die Qualifikation für einen Playoff-Platz entscheidend wäre, würden die Bayern den Fokus womöglich noch mehr auf das internationale Geschäft legen als schon jetzt.

Auch Vetterlein empfindet eine Abwertung der Meisterschaft kritisch: „Für mich ist es aus sportlicher Sicht fraglich, ob (ein Playoff-Modus) tatsächlich die geleistete Arbeit über eine komplette Saison entsprechend honoriert. Am Ende geht es vielmehr darum, zur richtigen Zeit am Leistungspeak anzukommen und ein gewisses Quäntchen Glück spielt ebenso eine Rolle. Man muss verschont bleiben von Verletzungen oder anderen Ausfällen während der Playoffs.“

Und wie bewertet Vetterlein den Fakt, dass die für die Playoffs qualifizierten Klubs zum Ende der Saison Spiele abschenken könnten? In der Schweiz sei die reguläre Saison mittlerweile aufgewertet worden, da die Ligaplatzierung eine wichtige Rolle spiele für die Qualifikation zum internationalen Wettbewerb. „Somit ist die Motivation und der Anspruch, weiterhin jedes Spiel zu gewinnen, gegeben“, so die ehemalige Junioren-Nationalspielerin.

Unsere aktuelle Podcastfolge

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Miasanrot. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Sorgen Playoffs wirklich für einen besseren Wettbewerb?

Die FBL erhofft sich von den Playoff-Plänen in erster Linie mehr Spannung im Meisterkampf. Seit der Saison 2012/2013 hatte die Frauen-Bundesliga nur zwei verschiedene Deutsche Meister – den VfL Wolfsburg und eben der FC Bayern. Die Münchnerinnen gewannen vier Meistertitel in Folge und gelten auch in dieser Saison als absoluter Top-Favorit.

Allerdings ist fraglich, inwiefern der neue Modus tatsächlich die ganz große Abwechslung bringen würde. Im DFB-Pokal, der von K.-o.-Duellen lebt, gab es schließlich auch keinerlei Überraschungen in den letzten Jahren. Hier könnte man sogar behaupten, dass die Spitzenteams zuverlässig schon immer den Cup gewonnen haben.

Und in der Schweiz? Seit 2011 gab es vier verschiedene Meisterteams. Der FC Zürich gewann den Titel in 15 Versuchen neunmal, die BSC Young Boys zweimal, Servette FCCF dreimal und der FC Neunkirch einmal. Mehr als in Deutschland, aber auch hier zeigt sich: Wer Spitzenqualität hat, gewinnt den Titel tendenziell mit wenigen Ausnahmen.

Richtig ist dennoch, dass es in der Schweiz zumindest in den jüngeren Jahren etwas abwechslungsreicher wurde. Im Ligamodus wäre Servette deutlich häufiger Meister geworden – allerdings oft sehr knapp. In den Jahren, in denen sie die Ligaphase deutlich gewonnen haben, gewannen sie auch die Playoffs. War es in der Liga eng, gab es auch mal andere Playoff-Sieger.

Die Frage sollte dennoch nicht maßgeblich sein, welcher Modus den FCB in Deutschland am ehesten benachteiligen könnte, sondern wie man die Spitzengruppe der Liga und/oder die gesamte Liga sportlich näher zueinander bewegen kann. Denn was bringt eine minimal abwechslungsreichere Meisterliste, wenn man international dennoch nicht konkurrenzfähig ist? Ein Team sollte nicht wegen Schwäche oder Verletzungspech der Bayern gewinnen, sondern aus eigener Stärke heraus. Investitionen sind daher wichtiger als jeder Modus.

FBL will sich von den Männern abheben

Ein weiterer Punkt, der für die Playoffs sprechen könnte, ist das bewusste Abheben von der Männer-Bundesliga. Die Frauen-Liga will neue Wege gehen und damit auch neue Fans gewinnen. Die Kleinfeldturnier-Serie World Sevens war auf internationaler Ebene bereits ein Beginn im Fußball der Frauen, die Einführung von Montagsspielen stieß auf berechtige Fan-Gegenwehr.

Mit einer Frauen-Konferenz und Playoffs will man mehr Sichtbarkeit erlangen. Den Sonntag als festen Tag für die Bundesliga zu etablieren und dort mehrere Spiele zu veranstalten, könnte ein wichtiger und richtiger Schritt sein.

Doch auch hier wird man schnell wieder bei dem Thema angelangen, das auch die Männer-Bundesliga zunehmend beschädigt hat: Wie soll es gelingen, einen ausgeglichenen und fairen Wettbewerb herzustellen? Viele Anpassungen sind derzeit eher kosmetischer Natur. Vielleicht mit minimalen Effekten.

Lässt man die finanzielle Schere in Zukunft aber genauso auseinandergehen wie bei den Männern, dann hilft auch jede Kosmetik nichts. Genau hier kommt der Playoff-Gedanke an seine Grenzen.

Hat dir der Artikel gefallen?

Unterstütze unsere Arbeit, damit wir auch morgen noch unabhängig berichten und analysieren können.

Hier weiterlesen

Dieser Artikel gefällt dir? Lies ihn in der App.Mit Darkmode, Offline-Podcasts & Push-Benachrichtigungen bei News. Für iOS & Android.
App öffnen

Werde Teil des Miasanrot Clubs!

Werde Teil einer exklusiven Community, genieße besondere Vorteile und unterstütze unabhängige Berichterstattung mit Tiefgang und Qualität rund um den FC Bayern.

Ich unterstütze MIASANROT bereits.
Jetzt Club-Mitglied werden!