Frauenfußball: FC Bayern Frauen gegen Manchester City. Momoko Tanikawa im Zweikampf.
Bild: Jasmin Walter/Getty Images

Jede zweite Spielerin denkt ans Aufhören: Prekäre Zustände im Frauenfußball

Angelina • 16.10.2026 •

Vor wenigen Tagen brachte die FIFPRO, eine Vertretung von Profifußballerinnen und -fußballern, eine Studie zu den Arbeitsbedingungen von Profispielerinnen heraus.

Befragt wurden 791 Spielerinnen aus 40 Ländern zu ihren Gehältern, Verträgen, ihrer Belastung und der Versorgung durch ihre Vereine. Dabei wurden gravierende Probleme deutlich. Zusätzlich zeigt die Studie wie abgehängt der deutsche Fußball ist.

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Spielerinnen verdienen teils weniger als Mindestlohn

Der Meridian des Monatsgehaltes liegt laut der Studie bei 1.669 US-Dollar, das entspricht rund 1.489 Euro. Die Unterschiede sind jedoch gravierend: Spielerinnen in Frankreich, UK und Spanien verdienen laut FIFPRO 3.425 Euro im monatlichen Durchschnitt, während Spielerinnen in Polen, Kroatien und Griechenland im Mittel 755 Euro erhalten, was deutlich unter dem jeweiligen Mindestlohn liegt.

Spielerinnen aus Südamerika verdienen laut der Studie die drei- bis sechsfache Menge des jeweiligen Mindestlohns. Die Gehälter deutscher Spielerinnen sind in der Studie nicht explizit ausgewiesen. Für die Spielzeit 2024/25 lag der Durchschnittsverdienst laut DFB aber bei rund 4.500 Euro brutto.

Darüber hinaus kam der Report zu dem Ergebnis, dass nur gut 76 % der Befragten ihr Gehalt stets pünktlich erhalten. Noch gravierender ist der Umstand, dass jede Dritte Spielerin nicht über die vollen zwölf Monate bezahlt wird. Zusätzliche Unsicherheit schaffen die im Fußball typischen kurzen Vertragslaufzeiten. Im Report wird von einer durchschnittlichen Vertragslaufzeit von 19 Monaten berichtet.

Viele Spielerinnen denken über vorzeitiges Karriereende nach

Besonders aufgrund der schlechten finanziellen Absicherung zieht ein Großteil der Befragten in Erwägung, ihre Karriere vorzeitig zu beenden. Etwa jede Zweite Spielerin gab an, grundsätzlich über ein früheres Karriereende nachzudenken, davon machten 59 % finanzielle Aspekte verantwortlich. Fast jede vierte Fußballerin überlegt, frühzeitig aufzuhören um zu studieren, mehr als jede Dritte, um bessere Karrierechancen zu erhalten.

Im Gegensatz zur Vorgängerstudie aus dem Jahr 2017 ist die Anzahl der Spielerinnen, die über ein vorzeitiges Karriereende nachdenken, deutlich gesunken. Vor neun Jahren betraf dies noch 90 % der Befragten, wobei der Wunsch eine Familie zu gründen von 47 % als Hauptaspekt angegeben wurde. In der Erhebung aus diesem Jahr machte der gleiche Aspekt nur noch 19 % aus.

Die meisten Spielerinnen gaben Gründe an, die auf die hohe Belastung im Fußball zurückzuführen sind. So benannten 39 % eine bessere Work-Life-Balance und 46 % die mentale Belastung als Grund. Mehr als jede Fünfte überlegt wegen Diskriminierung und schlechtem Umgang aufzuhören.

Mentale Belastung nimmt immer weiter zu

57 % der Befragten gaben an, bereits mentale Probleme gehabt zu haben, von ihnen erhielt jedoch jede zweite Betroffene keine Unterstützung von ihrem Verein. Laut FIFPRO sind besonders der große Erfolgsdruck, das steigende Interesse am Frauenfußball und die unsicheren Voraussetzungen Faktoren, die zur mentalen Belastung der Spielerinnen beitragen.

Die Studie hebt auch die Rolle von Sozialen Medien hervor. So sind Spielerinnen häufig Hass und Missbrauch im Netz ausgesetzt, eine Einschränkung ihrer digitalen Präsenz kommt für viele Fußballerinnen jedoch nicht infrage, weil sie auf ihre Aktivität angewiesen sind, um ihr Einkommen aufzubessern. Hinzu kommt der Umstand, dass weibliche Profis, im Gegensatz zu den meisten Fußballern, ihre Kanäle häufig selbst verwalten und so direkt den Anfeindungen ausgesetzt sind.

Die Zufriedenheit mit der mentalen Unterstützung ausgehend von den Vereinen ist bei Spielerinnen weltweit unter allen genannten Bereichen am niedrigsten ausgeprägt und liegt deutlich hinter der Zufriedenheit mit der medizinischen Versorgung. Aufgrund dieser Unterversorgung äußerten etliche Spielerinnen Sorge um junge Spielerinnen, gerade vor dem Hintergrund des steigenden Drucks im Frauenfußball.

Aus diesen Gründen fordert die FIFPRO: „Spielerinnen müssen Zugang zu adäquaten Gesundheitsressourcen und psychologischer Unterstützung haben, die ihre Bedürfnisse erfüllen und mit der Professionalisierung des Frauenfußballs und digitalen Realitäten Schritt halten.“

Wo steht der FC Bayern im internationalen Vergleich?

Neben den Arbeitsbedingungen der Spielerinnen wurde in der Studie auch das Wachstum des Frauenfußballs erhoben. So stieg der globale Umsatz des Frauenfußballs von 581 Millionen US-Dollar im Jahr 2024 auf 678 Millionen US-Dollar im Jahr 2025. Spitzenreiter sind dabei der Angel City FC und Kansas City Current, mit Einnahmen von jeweils 38 Millionen US-Dollar in der vergangenen Saison. Wenig überraschend ist die Abgeschlagenheit des deutschen Fußballs. Der FC Bayern München ist der einzige aufgeführte Verein in der Erhebung und belegt mit 8,2 Millionen US-Dollar lediglich den 15. Platz.

Ähnlich verhält es sich bei den durchschnittlichen Besucherzahlen. Arsenal führt die Tabelle mit durchschnittlich 33.808 Fans im Stadion deutlich an, auf dem zweiten Platz folgen die Portland Thorns mit durchschnittlich 18.173 Fans. Den höchsten Zuschauerschnitt in Deutschland wies Union Berlin in der vergangenen Saison auf, sie spielten vor durchschnittlich 8.208 Fans und belegten Platz 11, der FC Bayern liegt mit 6.715 Fans auf Platz 14.

Was muss sich in Zukunft verändern?

Das Fazit des Autorenteams der Studie ist eindeutig: Der Frauenfußball wächst, doch kommerzielles Wachstum und der Schutz der Spielerinnen dürfen nicht in Konkurrenz zueinander stehen. Denn je größer der Wettbewerb, je höher die Zuschauerzahlen und je höher die Einnahmen, desto größer wird die Belastung der Spielerinnen.

Die FIFPRO fordert, dass Ligen und Vereine Spielerinnen in Entscheidungen zu Terminierungen und ihrer Belastung einbinden müssen und nicht mehr über ihre Köpfe hinweg entscheiden dürfen. Außerdem sollten Investitionen in das Wohlbefinden der Spielerinnen als Investment in die Zukunft des Fußballs anerkannt werden. Regelmäßige und unabhängige Erhebungen zu Verträgen, Rechten für Mütter und mentaler Gesundheit, um Versorgungslücken zu erkennen und zu schließen, werden empfohlen.

Die gesamte Zusammenfassung der Studie ist hier zu lesen.

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