Sophie Proost spielt seit Sommer für den FC Bayern München
Bild: Reinaldo Coddou H./Getty Images

FC Bayern: „Sie ist eine Maschine!“ Sophie Proost im exklusiven Interview

Florian • 28.10.2026 •


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Rund 15 Minuten brauchte Sophie Proost für ihr erstes Ausrufezeichen in der Fußball-Bundesliga. Die 19-jährige Außenstürmerin, im Sommer von Twente Enschede nach München gewechselt, erzielte beim Saisonauftakt an der alten Försterei den 4:1-Siegtreffer. Ein Tor, das für den Verlauf der Saison wahrscheinlich keine große Rolle spielen wird, für Proost allerdings ein erstes Hallo war.

Dabei war es nicht nur der Treffer an sich, der bemerkenswert war, sondern die Art und Weise wie die Teenagerin das Tor erzielte: Ballannahme, Drehung um die eigene Achse, Abschluss mit links in das lange Eck. Ein Tor, das Lust auf mehr macht.

Einige Wochen später, Proost kann mittlerweile auf 440 Pflichtspielminuten und eine Nominierung für die A-Nationalmannschaft zurückblicken, treffen wir die Flügelspielerin zum exklusiven Interview.

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Sophie Proost über den Wechsel zum FC Bayern

Miasanrot: Sie hatten einen glänzenden Saisonstart mit dem FC Bayern und direkt am ersten Spieltag gegen Union Berlin Ihr erstes Bundesligator erzielt. Wie oft haben Sie dieses Tor inzwischen noch einmal angesehen?

Sophie Proost: Ich habe noch am selben Tag viele Nachrichten erhalten und habe das Tor direkt auf Instagram gesehen.

Was bedeutet Ihnen dieses Tor?

Ich war sehr glücklich. Es war ein Moment, von dem ich geträumt hatte. Es bedeutete mir viel – es war einfach großartig. Ich hatte Gänsehaut.

Nach lediglich zwei Spielzeiten in Enschede haben Sie sich für einen Wechsel nach München entschieden. Wann haben Sie gemerkt, dass Sie diesen großen Schritt gehen möchten – obwohl die Konkurrenz hier sehr groß ist?

Als ich vom Interesse des Vereins erfahren habe, war das schon etwas ganz Besonderes, denn Bayern ist so ein großer Verein! Wir hatten dann einige Gespräche geführt, in denen mir die Verantwortlichen erklärten, welchen Plan sie mit mir für die nächsten Jahre haben und dann reiste ich nach München, um mir alles anzusehen. Ich hatte sofort ein wirklich gutes Gefühl und dachte mir nur: Ich möchte hierher.

Geduld, harte Arbeit und Vertrauen: Proost über Ihre Anfangszeit

Können Sie etwas genauer erklären, welchen Plan Bayern Ihnen vorgestellt hat?

Die Verantwortlichen kennen meine Qualitäten und wissen, wie ich gerne spiele. Gleichzeitig wissen sie, und ich weiß es auch, dass es viel Konkurrenz gibt. Als junge Spielerin will man natürlich viel erreichen und jede Minute spielen. Bianca Rech und José Barcala haben mir erklärt, dass ich manchmal geduldig sein und auf meine Chance warten muss. Man muss hier einfach jeden Tag hart trainieren.

Der Verein versucht, mir einen richtig guten Start zu ermöglichen und mir viel Selbstvertrauen zu geben. Sie wollen, dass ich mich jeden Tag weiterentwickle, setzen mich dabei aber überhaupt nicht unter Druck.

Wie haben Sie sich in den ersten Monaten in München eingelebt? Hilft es, dass Neuzugang und Landsfrau Regina van Eijk in einer ähnlichen Situation ist?

München ist eine wirklich schöne Stadt. Ich wohne in einer sehr schönen Gegend und habe eine schöne Wohnung gefunden. Ich fühle mich sehr wohl und zu Hause. Als meine Familie hier war, habe ich viel mit ihr unternommen. Ich war bereits öfters in der Innenstadt. Manchmal gehe ich spazieren, etwas shoppen oder gehe Essen. Es ist schön, dass Regina auch hier ist. Ich kannte sie vorher zwar nicht persönlich, aber inzwischen haben wir eine enge Verbindung zueinander. Das ist schön, wir können über alles reden.

Der FC Bayern hat eine lange Tradition niederländischer Spielerinnen und Spieler, etwa Vivianne Miedema und andere bei den Frauen sowie Arjen Robben oder Mark van Bommel bei den Männern. Wie haben Sie den FC Bayern als junges Mädchen wahrgenommen? Und hat diese Erfahrung Ihre Entscheidung beeinflusst?

Natürlich haben hier viele große niederländische Spielerinnen und Spieler gespielt. Aber auch ganz allgemein haben so viele große Spielerinnen und Spieler für Bayern gespielt und tun es auch heute noch. Wenn man den Namen Bayern hört, weiß man einfach, dass es einer der größten und erfolgreichsten Vereine der Welt ist. Das wusste ich auch schon als junges Mädchen, obwohl ich früher gar nicht so viel Fußball geschaut habe. Wenn mein Vater und mein Bruder Fußball geschaut haben, bin ich meistens in den Garten gegangen, um selbst zu spielen.

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In der prominent besetzten FCB-Offensive ist es schwer für Proost auf Spielzeit zu kommen
(Photo by Reinaldo Coddou H./Getty Images)

Sie haben vorher über Geduld gesprochen, die man aufbringen muss. Wenn man als junge Spielerin zum FC Bayern kommt und neben Spielerinnen wie Pernille Harder, Linda Dallmann und Klara Bühl trainiert – ist das zunächst einschüchternd oder eher motivierend?

Für mich ist das wirklich motivierend. Ich weiß, dass ich zu einem Verein mit so vielen großen Spielerinnen gekommen bin. Deshalb bleibe ich realistisch und sehe die Vorteile: Wenn ich mit solchen Spielerinnen trainiere, kann ich jeden Tag unglaublich viel von ihnen lernen.

Proost: „Es ist beeindruckend, wie gut sie sind“

Wie ist Ihr Eindruck von der Konkurrenz im Kader?

Es ist beeindruckend, wie gut sie sind. Sie haben schon unglaublich viel erreicht, geben aber im Training trotzdem immer alles. Auch dadurch kann ich mich jeden Tag weiterentwickeln. Sie sind große Vorbilder.

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen: Was können Sie von Klara Bühl lernen?

Ich finde, Klara ist vor dem Tor einfach eine Maschine. Jeder weiß: Wenn sie den Ball in Tornähe bekommt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass daraus ein Tor oder eine sehr gute Chance entsteht. Sie ist unglaublich gefährlich und findet auch in schwierigen Positionen einen Weg, abzuschließen oder den Ball querzulegen. Gerade in der letzten Angriffsphase kann ich viel von ihr lernen. Es geht zum Beispiel um den Abschluss und darum, den richtigen Moment für eine Aktion zu wählen.

Wenn Sie Ihren früheren Verein Twente mit Bayern vergleichen: Was war bisher die größte Umstellung im taktischen oder spielerischen Bereich?

José möchte, dass wir viel am Ball sind, kurze Pässe spielen und technisch sauber agieren. Das passt sehr gut zu der Art, wie ich spielen möchte. Die Liga in den Niederlanden wächst und wird immer besser. Dort ist das Spiel aber etwas anders und stärker von Umschaltsituationen geprägt.

In den Niederlanden wird der Ball schneller und häufiger lang nach vorne gespielt. Da musst du viel hinterherlaufen und wieder zurückverteidigen. Beim FC Bayern versuchen wir, den Ball länger in den eigenen Reihen zu halten. Wir wollen attraktiv spielen und Lösungen finden, um vor das Tor zu kommen. Das ist für mich der größte Unterschied.

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Hat einen klaren Plan für und mit Sophie Proost: José Barcala, Trainer des FC Bayern
(Photo by Pau Barrena/Getty Images)

Sie gehen gern ins Eins-gegen-eins und sind stark im Dribbling. Gleichzeitig möchte José Barcala das Spiel über Ballbesitz kontrollieren. Wie viel Freiheiten haben Sie bei Bayern, Ihre individuellen Stärken einzusetzen? In welchen Situationen sollen Sie aus taktischen Gründen auf ein Dribbling verzichten?

José ermutigt uns immer, dass jede Spielerin so spielt, wie sie sich wohlfühlt, und ihre eigenen Qualitäten einbringt. Wir sollen auf unsere individuellen Stärken vertrauen und sie zeigen, weil wir dann auch unsere beste Leistung bringen können. José versucht uns zu vermitteln, dass wir unserem eigenen Spiel und Instinkt treu bleiben sollen und uns nicht verstellen müssen.

Der Unterschied ist eher, dass wir in der eigenen Hälfte weniger Risiken eingehen sollen als in der gegnerischen Hälfte. Für mich gehört das dazu, in meinem Spiel reifer zu werden. Vor ein paar Jahren hätte ich das Eins-gegen-eins auch mal in der eigenen Hälfte gesucht. Das ist vielleicht nicht mehr die klügste Entscheidung. Es geht also nicht darum, das Dribbling grundsätzlich zu verbieten, sondern darum, dazuzulernen und in den richtigen Situationen weniger Risiko einzugehen, in anderen Situationen dafür umso mutiger zu sein.

Nehmen Sie uns bitte ein wenig mit in die Kabine: Wie bereitet José Barcala die Mannschaft auf ein Spiel vor? Liegt der Fokus auf den eigenen Stärken oder auf dem Gegner, und wie werden taktische Anpassungen vorgenommen?

Jede Mannschaft analysiert ihre Gegner und schaut sich an, wie man spielen sollte, was einen beim Gegner erwartet. Rund um das Spiel muss man sich aber auch auf die eigenen Qualitäten konzentrieren und dafür sorgen, die eigenen Dinge richtig zu machen. Wir konzentrieren uns stark auf uns selbst, glauben an unsere Qualitäten und an unsere Spielweise. Ich denke, wenn wir das konsequent umsetzen, erzielen wir die besten Ergebnisse. Meistens richten wir den Blick deshalb vor allem auf uns selbst.

Der Bayern-Kader gehört zu den ältesten in der Bundesliga, neun Spielerinnen sind 30 Jahre oder älter. Sie, Kassandra Potsi und Alara sind vergleichsweise jung. Spüren Sie einen Altersunterschied innerhalb der Mannschaft?

Eigentlich nicht. Wir haben eine gute Mischung von jüngeren und erfahreneren Spielerinnen und niemand macht da einen Unterschied, ob jemand jung oder älter ist. Alle sind sehr offen, machen Witze und hören mir immer zu, wenn ich etwas sagen möchte oder eine Situation anders sehe.

Es ist nicht so, dass nur die älteren Spielerinnen gehört werden. Wenn ich im Spiel etwas anders wahrnehme oder eine andere Idee habe, kann ich das immer ansprechen. Dann hören die anderen zu, und wir können darüber reden. Die älteren Spielerinnen haben in solchen Dingen keine Sonderrechte. Ich fühle mich damit sehr wohl, der Umgang ist offen und angenehm.

Auch abseits des Platzes ist mir kein großer Unterschied aufgefallen. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Generationen auseinanderliegen. Ich finde, alle sind auf dem neuesten Stand (lacht).

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Keine Angst vor großen Namen: Vor ihrem Wechsel zum FCB spielte Proost bereits zehnmal in der Champions League
(Photo by Warren Little/Getty Images)

Am Mittwoch steht das Champions-League-Spiel gegen Real Madrid an. Sie haben bisher in jeder Spielzeit gegen Real gespielt. Wie sehr freuen Sie sich auf das Duell, und was braucht es, damit Sie Ihren ersten Sieg gegen die Königlichen feiern können?

Das stimmt, ich habe bisher jedes Jahr gegen Real gespielt. Ich freue mich sehr darauf. Es ist ein großes Spiel, und Champions-League-Abende sind einfach großartig. Sie lösen besondere Gefühle aus und sorgen für viel Adrenalin. Real hat große Spielerinnen und ist natürlich ebenfalls ein sehr großer Verein. Ich weiß aber auch, wie viel Qualität wir in unserer Mannschaft haben, um ein gutes Spiel zu machen und hoffentlich zu gewinnen.

Es ist außerdem schön, Arianna Caruso wiederzusehen. Es wird schön sein, gegen sie zu spielen. Ich glaube, es wird ein richtig gutes Spiel.

Wie gefällt Ihnen das Stadion in Unterhaching als neue Heimspielstätte der Frauen? Fühlt es sich dort schon wie zu Hause an?

In Unterhaching habe ich mein Debüt gefeiert. Ich finde es sehr gut für den Verein und für uns, dass wir diese neue Anlage und das neue Stadion bekommen haben. Später soll ja auch noch das neue Trainingszentrum dazukommen. Ich halte das für eine sehr gute Entwicklung. Dadurch können langfristig auch deutlich mehr Fans kommen und sich unsere Spiele anschauen.

„Als Fußballerin kann es nie schnell genug gehen“

Zurück zur Champions League und Bundesliga: Welche persönlichen Ziele haben Sie für Ihre erste Saison beim FC Bayern?

Ich muss mir immer mal wieder bewusst machen, wo ich gerade stehe und was ich in den vergangenen Monaten erreicht habe. Für mich ist es wichtig, jeden Tag auf dem Platz zu stehen, fit und gesund zu bleiben und mich an alles zu gewöhnen. Ich bin zwar schon in München angekommen, aber wenn man aus einem anderen Land kommt und allein hier lebt, braucht es natürlich etwas Zeit, um sich wirklich einzuleben.

Ich muss mir diese Zeit auch selbst geben und darf nicht erwarten, jeden Tag die Beste auf dem Platz zu sein. Schließlich spiele ich mit wirklich starken Spielerinnen zusammen, die zur Weltspitze gehören. Deshalb möchte ich den Fußball genießen, gesund bleiben und täglich von den Spielerinnen um mich herum lernen.

Sie sind erst 19 Jahre alt, bereits zu einem europäischen Topklub gewechselt und erstmals für die niederländische A-Nationalmannschaft nominiert worden. Die Niederlande spielen um die Qualifikation für die WM in Brasilien. Haben Sie manchmal das Gefühl, dass sich alles zu schnell entwickelt – oder passt das Tempo für Sie?

Als Fußballerin hat man das Gefühl, dass es nie schnell genug gehen kann, weil man alles auf einmal erreichen möchte. Ich hätte mich nicht für Bayern oder einen Wechsel ins Ausland entschieden, wenn ich mich nicht bereit dafür gefühlt hätte. Ich habe immer gesagt: Ich muss eine Entscheidung auch innerlich spüren. Bei Bayern war das Gefühl richtig. Ich habe mit meinen Eltern darüber gesprochen und wusste einfach, dass es für mich jetzt der richtige Schritt ist.

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