FC Bayern vor Härtetest: Wie Real Madrid versucht den europäischen Fußball zu erobern
Immer wieder stellt sich in diesen Zeiten beim FC Bayern die Frage: Jetzt alles reinwerfen und versuchen, sich mit Investitionen an die Spitze des Frauenfußballs zu setzen? Oder doch lieber ruhig und besonnen agieren, aber womöglich dabei zusehen, wie die europäische Spitze immer weiter enteilt?
Die Frage haben wir bei Miasanrot auch schon mal gestellt. Georg kam damals zu dem Ergebnis, dass Abwarten und Reagieren der falsche Weg sein werden. Zu einem ähnlichen Ergebnis scheinen auch die Verantwortlichen von Real Madrid gekommen zu sein.
Am Mittwoch um 18.45 Uhr trifft der FC Bayern im Sportpark Unterhaching auf las Blancas aus der spanischen Hauptstadt. Ein Anlass, mal in den Süden zu blicken und zu fragen: Wann wir, Bianca Rech?
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Die neue Strategie in Madrid
Denn obwohl sich keiner der Verantwortlichen öffentlich zur offensiveren Kaderplanung geäußert hat: Der Wechsel war spürbar. Spielerinnen wie Elisa Senß, Felicia Schröder oder Arianna Caruso waren in vergangenen Jahren mindestens ein Regal zu hoch für die Madrilenen.
Am Ende stehen in diesem Transfersommer gestandene internationale Stammspieler in allen Mannschaftsbereichen: Hinten kam Janou Levels, im Mittelfeld Senß – Stammspielerin und Taktgeberin im Mittelfeld der deutschen Nationalmannschaft.
Etwas offensiver wurde hier auch nachgeholfen: Caruso kam aus München. Italienische Nationalspielerin und in sehr jungen Jahren bereits Rekordspielerin für Juventus. In München konnte sie nie so ganz in die Rolle hineinwachsen, die einem damals noch unter Alex Straus vorschweben konnte. Sie bleibt aber eine spannende und vielseitig einsetzbare Akteurin.
Madrid setzt mit Schröder ein echtes Zeichen
Vorne kam mit Lineth Beerensteyn auch jemand, den wir aus der Bundesliga und aus München kennen. Die Stürmerin ist vergangenes Jahr in Wolfsburg nochmal richtig aufgeblüht. Dabei stellt sie in Madrid ja erstmal nur eine Tiefenoption hinter dem Königinnentransfer: Felicia Schröder. Die Ablöse ist nicht offiziell bekannt aber sie liegt wohl bei mindestens 1.5 Millionen Euro.
Im Jahr zuvor hatte die Schwedin in ihrer Heimat in Göteborg für BK Häcken Tore gejagt und das mit unfassbarem Erfolg. 57 Torbeteiligungen in 42 Spielen – fast Kane-Zahlen. Auch der FC Bayern soll laut Gerüchteküche, neben unter anderem Chelsea, an der immer noch erst 19-Jährigen dran gewesen sein. Scheinbar zu Recht: Schröder macht in Madrid weiter wie gewohnt, in ihren ersten 10 Spielen hat sie 12 Torbeteiligungen.
Schwer zu verkennen, dass hier ein neues Niveau geschaffen werden sollte und dass dafür auch ordentlich Geld in die Hand genommen wurde. Doch wird das funktionieren? Und was kann der FC Bayern daraus für Lehren ziehen?
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Die Zeit für den FC Bayern zu investieren ist jetzt!
Konkrete Lehren aus dem Madrid-Sommer zu ziehen ist nämlich schwierig. Heißer Tipp: Gute Spielerinnen zu holen, ist eine gute Idee! Aber Spaß beiseite. An Reals Investitionsoffensive kann man sich trotzdem ein Beispiel nehmen. Sie haben ein Potenzial erkannt, das der FC Bayern auch angreifen sollte.
Natürlich hat Real Madrid andere Umstände. Der eingangs erwähnte Artikel betrachtet auch den Deloitte-Report. Demnach hatte die Frauenabteilung bei Real Madrid 24/25 fast doppelt so viel Gesamtumsatz wie beim FC Bayern.
Wie klappt also dieses Investment von Real über den Saisonanfang gesehen? In der Tabelle sind sie nur zwei Punkte hinter Barcelona, aber das Torverhältnis spricht eine eindeutigere Sprache über die Verhältnisse. Im direkten Duell gab es ein 7:0 für die Katalaninnen – die mit vier Teenagerinnen in der Anfangsformation aufliefen.
Madrid steht noch am Anfang
Man kann diese gigantische Lücke also nicht in einem Sommer mit großem Geld schließen. Trotzdem ist der Rest des Saisonbeginns zumindest zufriedenstellend. In der Champions League gab es Unentschieden gegen Manchester City und PSG und Supertalent Schröder scheint auch in Spanien richtig gut zu funktionieren.
Doch die Lücke nach Barcelona sollte auch dem FC Bayern etwas zeigen: Je größer man diese Lücke anwachsen lässt, desto aufwendiger und langwieriger wird es werden, sie wieder zu schließen.
Und für den FC Bayern würden mehr Investitionen nicht einmal bedeuten, dass sie so einen schillernden Transfersommer starten müssen, der den gesamten Kader umkrempelt. Viel mehr würde das erstens heißen, die eigenen Top-Spielerinnen zu halten und wenn man sie doch verliert, dann zumindest nicht aus finanziellen Gründen.
Und zweitens würde es bedeuten, dass man die eklatanten Kaderlücken gezielter schließt. Im vergangenen Sommer wäre das die Sechserinnenposition gewesen – ist es im Zweifel kommenden Sommer auch.
Was wartet also am Mittwoch auf den FC Bayern?
Am Mittwoch kommt jetzt erstmal ein gutes Team nach München (Unterhaching). Vor allem die Offensive ist natürlich imposant: Linda Caicedo, Felicia Schröder und Athenea. Auch das Mittelfeld ist bestückt mit spannenden Spielerinnen. Senß und die ehemalige Münchnerin Sara Däbritz sind auch gut in die Saison gekommen.
Aber: Der FC Bayern ist trotzdem Favorit. Das Team von José Barcala sollte das Spiel kontrollieren und so sein eigenes Spiel durchziehen können. Gerade das Pressing, das man gegen Manchester City beobachten konnte, war einer europäischen Spitzenmannschaft würdig. In dieser Form gibt es (fast) niemanden, vor dem man Angst haben muss.


