Harry Kane (FC Bayern, England)
Bild: Richard Pelham/Getty Images

Harry Kane gewinnt den Ballon d’Or trotz des und für den FC Bayern – ein Kommentar

Justin • 26.10.2026 •


FC Bayern, FCB, Bundesliga, DFB-Team, Champions League, Alt Text vergessen

Na! Wütend auf die unverschämte Überschrift gedrückt und jetzt mit verschränkten Armen nach einer Erklärung suchend? Fair. Die Überschrift ist provokant. Aber da halte ich es wie Real Madrid: Anders funktioniert es ja nicht. Gleich mehr dazu.

Vielleicht ist die These auch ein bisschen überspitzt, aber wie so oft, gibt es dann doch einen sehr wahren Kern. Denn ja, mit dem Gewinn des Ballon d’Or hat Harry Kane etwas unglaublich Großes geschafft: Diesen Preis gewinnen, obwohl er beim FC Bayern spielt.

Er ist natürlich nicht größer als all die Erfolge dieses Vereins und erst recht nicht größer als dessen Historie. Aber er macht den Klub nochmal etwas größer. Im etwas weirden Spektrum dieses Individualawards hat er etwas geschafft, wofür man als Spieler schon besonders groß sein muss: Kane lief mit dem großen Klotz am Bein über die Ziellinie, der sich „Deutschland“ nennt.

Dazu zählt die Bundesliga ebenso wie der FCB. Franck Ribéry, Manuel Neuer oder Robert Lewandowski können ein Lied davon singen, wie hinderlich der Standort ihres Arbeitgebers für diese ganz großen Awards gewesen ist. Man könnte sagen: Kane hat den Ballon d’Or trotz seines Klubs gewonnen.

Miasanrot als App und auf Social Media

Weitere Artikel zum FC Bayern München:

Ballon d’Or: Harry Kane hat einen Standortnachteil

Das liest sich alles auch viel härter, als es gemeint ist. Grundsätzlich spricht wenig dagegen, sich in einer Welt der Superlativen und der Selbstinszenierung vergleichsweise zurückhaltend zu verhalten. Die Delegation des FC Bayern wäre wohl kaum abgereist, wenn Kane den Award nicht gewonnen hätte. Oder hätte öffentlichkeitswirksam einen verbalen Krieg gegen alle eröffnet, die nicht der eigenen Wagenburg angehören.

Real Madrid hat dieses Spiel zuletzt auf die Spitze getrieben. Auch der FC Barcelona ist nicht viel schlechter darin, sich als Nabel der Fußballwelt zu inszenieren. Das ist nicht immer sympathisch, in diesem Business aber, das in großen Teilen ein Showbusiness geworden ist, manchmal hilfreich. Dieser Kommentar soll auch gar nicht Kritik an den Handlungen der Bayern äußern.

Es ist sogar eine Art Genugtuung, dass mit Kane und den Bayern die gewonnen haben, die das Event in den letzten Wochen sehr gelassen und ruhig begleitet haben. Eher ist es eine Bekundung des massiven Respekts vor den Leistungen Kanes.

Kane trotzt den Klischees

Denn es ist einfach ein Fakt, dass es bei dieser Veranstaltung nicht hilfreich ist, in der Bundesliga zu spielen. Kane wird bis heute von vielen Menschen in England dafür belächelt, dass er die Premier League verlassen hat, um beim deutschen Rekordmeister zu spielen. Davon kann man sich angegriffen fühlen, aber es ist die Wahrheit. Das ist die Situation.

Wie gut muss dieser Kane also sein, wenn er diesem Weltbild zum Trotz den Ballon d’Or gewinnt? Wie gut muss seine Saison gewesen sein, wenn so viele Stimmberechtigte ihn zähneknirschend auf die Top-Position gesetzt haben? Ohne großen Titel und mit diesem Standortnachteil.

Davor kann man nur alle Hüte ziehen. Natürlich nicken manche jetzt ab und sagen: Wer denn sonst? Aber so selbstverständlich war das alles nicht. Kylian Mbappé hat eine überragende Saison gespielt und Lamine Yamal hat schon früh verstanden, wie er sich nicht nur ins Gespräch bringt, sondern auch in den Mittelpunkt solcher Veranstaltungen – neben seinen unbestrittenen Qualitäten als Fußballer.

Kane folgt auf Rummenigge: Auch der FCB profitiert

Am Ende aber steht Kane da oben. Und das ist vollkommen in Ordnung. Mbappé wird, wenn er seine Form hält und Real Madrid wieder in die Spur findet, zwangsläufig einen Ballon d’Or gewinnen. Yamal wird vielleicht noch fünf gewinnen.

Für Kane aber war es vielleicht die erste und letzte echte Chance. Und auch wenn das eigentlich keine große Rolle spielen sollte: Als Kirsche auf der großen Torte an guten Argumenten für den Engländer taugt diese Perspektive allemal.

Und vielleicht kann ja auch der Ruf des FCB zumindest ein bisschen davon profitieren, dass die Serie an Niederlagen beim Ballon d’Or nun ein Ende genommen hat. In den Verhandlungen mit Michael Olise dürfte der Triumph ebenfalls zuträglich sein. „Es geht auch bei uns“ ist zumindest nicht allzu schlecht.

Am Ende des Tages ist Kane ein mehr als würdiger Nachfolger von Karl-Heinz Rummenigge.

Hat dir der Artikel gefallen?

Unterstütze unsere Arbeit, damit wir auch morgen noch unabhängig berichten und analysieren können.

Hier weiterlesen

Dieser Artikel gefällt dir? Lies ihn in der App.Mit Darkmode, Offline-Podcasts & Push-Benachrichtigungen bei News. Für iOS & Android.
App öffnen

Werde Teil des Miasanrot Clubs!

Werde Teil einer exklusiven Community, genieße besondere Vorteile und unterstütze unabhängige Berichterstattung mit Tiefgang und Qualität rund um den FC Bayern.

Ich unterstütze MIASANROT bereits.
Jetzt Club-Mitglied werden!