FC Bayern jubelt gemeinsam in Freiburg.
Bild: Daniela Porcelli/Getty Images

„Mehr als nur ein Sieg“: Sechs Dinge, die beim 3:1 des FC Bayern in Freiburg auffielen

Justin • 25.10.2026 •


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Überragende Leistungen hat der FC Bayern in seiner langen Geschichte schon häufig gezeigt. An einen Auswärtssieg beim SC Freiburg wird man sich deshalb in vielen Jahren wohl nicht erinnern.

Zumindest nicht aus fußballerischen Gründen. Vielleicht aber wird man doch noch ein paar Mal an diesen Sonntag im Breisgau zurückdenken, wenn man in Zukunft über die Ära von Vincent Kompany beim Rekordmeister spricht.

Dass das 3:1 beim Sport-Club an sich mehr ist als die drei Punkte, hielt auch Max Eberl hinterher bei DAZN fest: „Ich glaube, wir wissen noch gar nicht, was wir heute geleistet haben.“ Man habe all die Rückschläge unter der Woche erstmal verarbeiten müssen. „Deswegen war das heute auch ein außergewöhnlicher Sieg, es war mehr als nur ein Sieg“, so der Sportvorstand.

Kompanys Zusammenbruch und der Todesfall im engen Umfeld von Joshua Kimmich haben eine sportlich bedeutsame Woche in den Hintergrund gerückt. Umso bemerkenswerter ist es, wie die Mannschaft darauf und auf einige spontane Ausfälle reagiert hat.

Miasanrot hat sechs Dinge, die in Freiburg besonders auffielen.

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Freiburg wollte die Situation der Bayern ausnutzen. Mit hohem und aggressivem Pressing waren sie darauf aus, früh Fehler zu erzwingen. Fehler, wie sie die Münchner zuletzt auswärts immer wieder gemacht haben. In Stavanger, Augsburg und auf Schalke reichte es jeweils nicht zum Sieg. Sie alle spielten unterschiedlich. Julian Schuster wählte den offensivsten Weg.

Vielleicht war das etwas naiv, vielleicht war es aber auch ihre größte Chance. Bayern hatte durchaus seine Probleme mit dem Freiburger Pressing. Ohne Joshua Kimmich, Aleksandar Pavlović, Jamal Musiala und Luis Díaz fehlte ordentlich Qualität in der Ballzirkulation. Natürlich war das dem Spiel anzumerken. Und trotzdem machten die, die auf dem Platz standen, einen guten Job.

Das Trainerteam hatte eine gute taktische Idee. Neben Harry Kane, der ohenhin viel im Aufbau unterstützt, waren auch Serge Gnabry und Michael Olise nochmal weiträumiger unterwegs als sonst. Die beiden Angreifer kippten teilweise tief in die eigene Hälfte ab. Olise startete damit den einen oder anderen guten Angriff.

Je länger das Spiel dauerte und spätestens mit dem 2:0 im Rücken hatten die Münchner dann eigentlich die volle Kontrolle übers Spiel. Damit war nicht unbedingt zu rechnen.

Ausgerechnet das Pressing macht Sorgen

Vor der Saison war auch nicht damit zu rechnen, dass die Bayern vor allem im Pressing Schwierigkeiten bekommen würden. Das hohe Anlaufen war schon mal schärfer. Und Zahlen belegen das. Die Statistik „PPDA“ misst bei Wyscout, wie viele Pässe ein Gegner in dessen ersten 60 Prozent des Spielfelds spielen darf, ehe eine Defensivaktion der Bayern erfolgt.

Der Durchschnittswert in dieser Saison lag vor dem Freiburg-Spiel bei 10,1. Schon in der vergangenen Saison gab es vor allem gegen Ende eine Tendenz in Richtung 10. Zu Beginn der Kompany-Zeit war man deutlich darunter, der Saisonschnitt tendierte in Richtung 9. Im europäischen Vergleich sind das alles Werte, die nur Teams erreichen, die in der Regel recht hoch anlaufen.

Aber zuletzt kommen eben immer häufiger Spiele dazu, in denen es den Münchnern nicht gelingt, das eigene hohe Anlaufen zu belohnen. Gegen Freiburg ließ man sich ein paar mal zu leicht überspielen, war dann gezwungen tief zu verteidigen. In der Schlussphase führte das im Verbund mit der fehlenden spielerischen Klasse im Mittelfeld dazu, dass der Sport-Club nochmal zurück in die Partie fand.

Sicherlich auch, weil die Bayern einige gute Chancen ausließen. Aber das Thema Pressing ist eines, das ernst genommen werden sollte. Denn es ist ein wichtiger Schlüssel, um gerade in den nationalen Partien offene Schlussminuten wie in Freiburg zu vermeiden.

Dayot Upamecano: Der beste Innenverteidiger der Welt?

Wo wir schon bei vermeiden sind: Freiburg hatte einige vielversprechende Angriffe und eigentlich auch gute Anteile am Spiel. Immer wieder tauchten sie offensiv in gefährlichen Räumen auf. Ein Grund dafür, dass sie diese Anteile nicht in deutlich mehr Druck und vor allem Tore ummünzen konnten, war Dayot Upamecano.

Der Franzose zeigte im Breisgau abermals, warum er zu Recht einer der Nominierten für den Ballon d’Or ist. Machen wir uns nichts vor: Als Innenverteidiger hat man eine verschwindend geringe Chance, diese Auszeichnung zu gewinnen. Aber er ist auf der Shortlist und das vollkommen zu Recht. Seine Zweikampfführung, sein Stellungsspiel und die Art und Weise, wie er die Mannschaft und das Spiel von hinten antreibt, sind beeindruckend.

Sein Treffer zum 1:0 war da bei allem Spektakel nur ein Sinnbild: Den Angriff leitete er selbst mit Ballgewinn und Pass ein, um dann durch zu sprinten und eiskalt in Manier eines Stürmers zu vollenden. Eine Leistung des Willens, aber auch ein weiterer Beleg dafür, wie fokussiert und hellwach Upamecano mittlerweile agiert. Wie reif er geworden ist. So spielt einer der besten Innenverteidiger der Welt. Vielleicht der Beste.

Jonas Urbig nutzt seine Einsatzzeit

Ein weiterer Spieler, der sehr überzeugen konnte, ist Jonas Urbig. Der Torwart musste abermals für Manuel Neuer einspringen – und nutzte seine Chance. Beim Gegentor sah er unglücklich aus, war nach dem von Tom Bischof doppelt abgefälschten Ball aber chancenlos. Seine Spieleröffnung war jedoch herausragend und in der Schlussphase war Urbig mehrfach zur Stelle, um den Sieg zu sichern.

Michael Olise macht nun mal den Unterschied

Eine Extraerwähnung hat auch Michael Olise verdient. Der Franzose fehlte gegen Arsenal wegen einer Rotsperre und das war dem Spiel anzumerken. 68 Ballkontakte sammelte der Rechtsaußen in Freiburg laut Fotmob. Mit Tor und Assist hatte er abermals entscheidenden Anteil. Nicht alles lief bei ihm rund, nur zwei seiner fünf Dribblings waren erfolgreich. Aber er spielte eben auch fünf Chancen heraus und war ein ständiger Aktivposten.

Mit Olise sind die Bayern und die Offensivspieler einfach besser. Das gesamte Offensivspiel ist schwerer auszurechnen und auch der Spielaufbau profitiert, wenn der 24-Jährige so aktiv eingebunden ist wie am Sonntag.

Das eine oder andere Sorgenkind beim FC Bayern

Es gab aber auch Einzelleistungen, die eher Sorgen verstärken. Unter anderem die Leistung von Jonathan Tah. Der Innenverteidiger spielt bisher nicht auf dem Level, auf dem er in der vergangenen Spielzeit unterwegs war. In Freiburg gewann er nur zwei seiner sieben Bodenzweikämpfe.

Generell wirkt der ehemalige Leverkusener etwas verunsichert. Es überraschte kaum, dass Kompany gegen Arsenal auf Min-jae Kim setzte, der seine Defizite hat, aber besser in diese Saison gekommen ist. Noch ist die Spielzeit zu jung, um ein ganz großes Fazit zu ziehen, aber sollte Tah nicht bald wieder in die Spur finden, wird die Debatte rund um die Innenverteidigung bald wieder heiß werden.

Auch Josip Stanišić ist weiterhin ein Unsicherheitsfaktor. Der Kroate gewann keinen einzigen Zweikampf gegen Freiburg, wurde gerade in der zweiten Halbzeit ein paar Mal zu leicht überspielt. Und mit dem Ball dauert es mitunter zu lange, bis er eine Entscheidung trifft. Nathaniel Brown war etwas aktiver, konnte aber nicht die Akzente setzen, die er zu Beginn der Saison noch setzte. Er tut sich aktuell ebenfalls schwer.

Tom Bischof war in Freiburg ebenfalls überfordert mit seiner Rolle als großer Dirigent. Dem Nationalspieler war anzusehen, dass er ohne Kimmich und Pavlović nicht so befreit aufspielen konnte wie sonst. Ein Sorgenkind ist er deshalb freilich nicht. Für seinen Entwicklungsprozess war dieses Spiel sehr wichtig. Für den Moment aber wurde klar, dass ihm nach ganz oben noch ein paar Schritte fehlen.

Insgesamt könnte man zu diesem Spiel noch so viel mehr analysieren und erzählen. Unter dem Strich bleibt bei aller Meinung und Analyse aber vor allem, dass diese Mannschaft in beiden Spielen – gegen Arsenal und jetzt in Freiburg – eine beeindruckende Reaktion gezeigt hat auf das, was ihr in wenigen Tagen passiert ist. Deshalb hat Eberl auch nicht übertrieben, als er davon sprach, dass das 3:1 „mehr als ein Sieg“ gewesen sei.

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