FC Bayern zerdrückt die Dosen: Die Analyse
Der FC Bayern gewinnt souverän mit 5:1 in Leipzig, auch wenn das Spiel in der Schlussphase noch eine Kuriosität auf Lager hatte: Barcala hatte bereits alle Wechseloptionen ausgeschöpft, da sah Mahmutovic Rot für eine Notbremse. So musste Vanessa Gilles bei ihrem Comeback ein grünes Torhüterinnentrikot überstreifen und durfte in der Nachspielzeit sogar einen Schuss aufs Tor in die Arme nehmen.
Ena Mahmutovic traf im Übrigen keinerlei Schuld an der Notbremse. Vielmehr war Mattners Kuller-Rückpass der Auslöser. Der einzige Vorwurf an die Keeperin wäre, dass sie beim Stand von 4:0 wohl lieber ein Gegentor kassiert als einen Platzverweis samt Sperre.
Am Ende steht also der achte Sieg im achten Spiel der Bundesliga-Saison und das 50. ungeschlagene Ligaspiel in Folge. Jetzt kann der volle Fokus auf das Duell mit Real Madrid am Mittwoch gehen. Die Königlichen haben im Sommer ordentlich investiert und unter anderem Top-Stürmerinnen-Talent Felicia Schröder, Arianna Caruso vom FCB und Nationalspielerin Elisa Senß verpflichtet. Da wartet eine große Herausforderung im Sportpark Unterhaching.
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FC Bayern bei RaBa Leipzig: Drei(einhalb) Dinge, die auffielen
Kett oder Mattner: Rechte Abwehrseite
In Zeiten, in denen Giulia Gwinn dem FC Bayern fehlt, ist nicht ganz klar, wie Barcala die Außenverteidigerinnen besetzen will. Gegen Stuttgart wurde eine Option getestet: Mattner durfte auf rechts starten und machte ihre Sache gut, gekrönt mit einem Assist. Gegen RaBa durfte nun Naschenweng von Anfang an ran. Allerdings stellt es sich bei dieser Option so dar, dass Kett auf rechts geht und Naschenweng auf die linke Seite darf.
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Auch das klappte gut. Die Verteilung der guten Angriffe des FCB fühlte sich in dieser Konstellation sogar gleichmäßiger an. Nicht immer musste alles über links (Bühl/Naschenweng) gehen, sondern die Seite Kett/Proost machte auch immer wieder Alarm.
Auf der defensiven Seite ließ sich in beiden Partien niemand was zu Schulden kommen. Mattner war grundsolide unterwegs gegen den VfB, aber nicht herausragend. Bei Naschenweng war es ähnlich – beide wurden in ihren Partein aber auch wenig gefordert. Nach ihrer Einwechslung gegen RaBa machte Mattner aber keine Eigenwerbung: Es war ihr missratener Rückpass, den Mahmutovic jagte, als die van Dijk abräumte und Rot sah.
Gerade mit Blick auf die kommende linke Flügelspielern, Linda Caicedo (!), sollte man sich wahrscheinlich für die defensivstärkste Option entscheiden. Und das ist Franzi Kett, was Naschenweng für links bedeuten würde. Setzt man den Fokus aber auf die Offensive, kann ich mir vorstellen, dass Barcala die Kombi Kett/Bühl nicht aufsprengen will und lieber Mattner auf rechts stellt.
Proost, Mahlzeit! Hat der FCB endlich ein Top-Flügelbackup?
Zumeist war Sophie Proost in dieser Spielzeit Bühl-Backup auf der linken Seite. Gegen Leipzig durfte sie nun als Dallmann-Ersatz von der rechten Seite ran und machte ihre Sache im Zusammenspiel mit Kett gut.
Eine ihrer Stärken, die schon vor ihrem Wechsel nach München klar ersichtlich war, kam in dieser Partie immer wieder zum Tragen: Sie ist eine ausgezeichnete Dribblerin. Immer wieder ließ sie ihre Gegenspielerin aussteigen. Zweimal auch mit einem tollen Lauf die Grundlinie entlang, rein in die gefährliche Zone im Strafraum, aus der man wunderschöne Vorlagen in den Rückraum spielen kann.
Eine Torbeteiligung konnte sie nicht sammeln, an einer mangelnden Performance lag es aber nicht. Nach einem ihrer Dribblings kann es auch Elfmeter geben, im Miasanrot-Chat war man völlig unvoreingenommenerweise davon überzeugt. Aber auch defensiv war das von einer jungen Offensivspielerin heute eine gute Leistung. Laut FotMob hatte sie zwei Defensivaktionen und gewann drei Zweikämpfe. In der ersten Halbzeit konnte sie auch einen Ball gut ablaufen.
Mit gerade einmal 19 Jahren kann sie natürlich auch noch zu Größerem werden, aber sie ist schon heute eine sehr gute Option hinter der Zange Bühl-Dallmann. In den letzten Jahren gab es immer wieder Versuche, so eine Spielerin zu finden: Padilla-Bidas, Zawistowska, Baijings, Laurent usw. Dieser Versuch sieht nach einem Erfolg aus.
Man kann es nicht oft genug beobachten: Tanikawa und Bühl immer besser.
Der FC Bayern hat die beste Japanerin und die beste Deutsche in einem Team und es macht riesigen Spaß. Drei der fünf Tore fielen durch die beiden – zählt man die Vorbereitung des Eigentors noch mit sogar vier. Angefangen mit Tanikawa: Trainer Barcala hatte nach dem Spiel gegen Stuttgart die Frage nach der besten Tanikawa-Position noch beantwortet mit: Sie ist am besten, wenn sie auf dem Platz ist.
Nun. Heute war es wieder die Sechs und wie immer machte sie ihre Sache bravourös. Drehungen, kleine Kombis, linienbrechende Pässe – und natürlich: ein wunderschönes Tor nach Ecke. Der Ball konnte nach der ersten Flanke noch geklärt werden, doch dann dreht sich Tanikawa in Schussposition und nimmt den Ball über dem Kopf mit dem Fuß und platziert ihn perfekt ins Eck. Ein technisch und koordinativ beeindruckender Treffer.
Und Klara Bühl. Mit jedem verstreichenden Tag ohne Verlängerung schrumpft die Hoffnung auf Bühl in einem Trikot FC Bayern im Jahre 2028. Doch was die – meiner Meinung nach – aktuell beste Spielerin der Welt da auf dem Platz mit ihren Gegenspielerinnen macht, ist unfassbar.
Immer wieder setzt sie zu Solos an, in denen sie unaufhaltsam ist. Hier noch ein gelungener Doppelpass, da noch eine perfekte Eckenflanke. Sie liefert in allen Bereichen des Ballbesitzspiels absolutes Top-Niveau und ist ein always-on-Gefahrenherd. Und dann ist da ja noch ihre Arbeit gegen den Ball. Auch da ist sie intensiv beteiligt. Das Gegenpressing des FC Bayern liegt ihr gut, immer wieder zieht sie Sprints an, um die Gegnerinnen zu stressen.
Diese beiden Leistungsträgerinnen haben sich zu dieser Saison scheinbar nochmal gesteigert. Genau so eine Entwicklungskurve braucht der FC Bayern von seinen Schlüsselspielerinnen, um im kommenden Frühjahr auf allerhöchstem Niveau mitzuspielen. Jetzt gilt es, das zu halten!
Bonus: Der Blick in Leipzig nervt.
Am Ende dieser Analyse erlaube ich mir noch eine kurze Beschwerde. Als jemand, der jetzt schon seit Längerem viele Fußballspiele analysiert und noch mehr Fußballspiele schaut: Diese Perspektive auf das Leipziger Stadion ist eine Zumutung.
Es ist quasi nichts zu erkennen. Formationen sind schwer zu lesen, weil das Spielfeld einfach zu keinem Zeitpunkt zu mehr als 30% sichtbar ist. Ständig ist der Ball außerhalb des Blickfelds und es wird zu völlig unpassenden Zeitpunkten auf die Hintertorkameras gewechselt.
Wenn es eine strittige Abseitsposition gibt, kann man eine Auflösung sowieso vergessen. Auch für die meisten anderen Zeitlupen-bedürftigen Aktionen kann man sich nicht darauf verlassen, dass man seinen Wunsch erfüllt bekommt.
Es macht solche Spiele einfach schwierig zu genießen, egal wie krass Momoko Tanikawa aus der Drehung per Volley trifft oder wie viele Gegenspielerinnen Klara Bühl bei ihrem gefühlt sechsten Solo des Abends aussteigen lässt. Denn auch wenn am Ende einen etwas jammernden Ton meinerseits bedeutet: Diese Konstellation ist auch einfach schlecht für das Produkt.


