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Bild: Alex Grimm/Getty Images

FC Bayern: Unterschätzter Zweikämpfer! Warum Alphonso Davies jetzt besonders wichtig wird

Daniel • 23.10.2026 •

Als der FC Bayern die Aufstellung gegen Arsenal bekannt gab, staunten einige nicht schlecht. Der Ausfall fast der halben Stammelf offenbarte Alphonso Davies die seltene Chance, sich mal wieder auf seiner „alten“ angestammten Jugendposition zu beweisen: Linksaußen.

Prompt zahlte Davies das Vertrauen zurück, traf zum zwischenzeitlichen Ausgleich, war ein ständiger Gefahrenherd. Grund genug ihn genauer unter die Lupe zu nehmen, insbesondere nachdem Luis Díaz nun mindestens einen Monat fehlen wird.

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Der konstanteste Bayern-Spieler der Saison?

Wer ist der bisher beste Bayern-Spieler der Saison? Harry Kane, möchten einige jetzt vielleicht sagen, aber hier sollte man bei aller Lobbyarbeit für seinen verdienten Ballon d’Or nicht dem Recency Bias verfallen. Die beiden großen Spiele am Wochenende gegen Leipzig und jetzt Arsenal überstrahlen, dass der Saisonbeginn ansonsten recht ruhig für den Engländer war.

Vier Tore nach sechs Bundesligaspielen sind für seine Verhältnisse auch recht mager. Nur auf einem mit fünf anderen geteilten sechsten Platz befindet sich der Angreifer, der den Begriff “Offensiv-Allrounder” aktuell völlig neu definiert.

Michael Olise versprüht teilweise die Magie der vergangenen Saison, hat sogar einen Treffer mehr als der eigentliche Goalgetter Kane in der Liga geschossen, aber die vielen Tore überstrahlen etwas die Unebenheit seiner Saison. Gegen Schalke, Elversberg und Augsburg war viel Schatten dabei, gegen Viking Stavanger flog er sogar vom Platz.

Der andere Franzose im Team – Dayot Upamecano – hatte auch schon stärkere Phasen gehabt. Man darf sogar die Frage stellen, ob nicht tatsächlich Min-jae Kim Bayerns stärkster Innenverteidiger bislang war. Seine abermalige Startelfnominierung hatte sich der Koreaner jedenfalls reichlich verdient.

Tatsächlich ist der bisher konstanteste Spieler der Saison wahrscheinlich ein bereits Abgeschriebener: Alphonso Davies. Dabei hatte der Roadrunner wirklich schwere Zeiten hinter sich. Eine Verletzung folgte auf die nächste, der Verein verpflichtete für viel Geld einen neuen Linksverteidiger, die Heimat wandte sich empört, er wolle nicht alles für sein Land tun, in großen Teilen gegen ihn und dann kam sogar noch ein Film über seinen Erzfeind, dem Kojoten, in die Kinos.

Neue, alte Rolle für Alphonso Davies: Linksaußen

Der Ausfall Olises, Díaz’ und Musialas, sowie die Formschwäche Karls ließen Kompany Davies offensiver bringen und voilà, prompt traf er zum wichtigen 1:1. Tatsächlich war es das zweite Tor in Folge, welches der Kanadier in Linksaußen-Einsätzen in der Champions League schoss. Das erste war natürlich sein zwischenzeitliches Führungstor im Champions-League-Halbfinale gegen Real vor knackigen zweieinhalb Jahren.

Damals wie heute war nicht nur die Position außergewöhnlich oder der Umstand, dass Davies überhaupt ein Tor schoss, sondern auch die Art des Abschlusses: Ein Rechtsschuss. Davies gehört sonst eigentlich eher der Kategorie „hat den Rechten, nur um Laufen zu können“ an und das erwähnte Real-Tor war auch merklich ein Glücksschuss. Diesmal jedoch war es genauso gewollt und angedacht.

Auch sonst war Davies ein ständiger Unruheherd, gewann drei seiner Dribblings und sieben Pressingversuche, auch wenn er zu Spielbeginn mit Saka seine lieben Probleme hatte, aber gut, das ist keine Schande.

Es war wahrscheinlich die beste Leistung des Kanadiers auf der ihm mittlerweile recht fremden Außenstürmer-Position. Sicher, er mag mit ihr groß geworden sein, aber Jugendfußball ist einfach ein ganz anderes Niveau als Erwachsenensport. Vor allem, wenn es gegen den amtierenden Englischen Meister geht.

Der Umschaltspieler

Davies frühere Cameos auf der vorderen Position waren meist unglückliche Auftritte, in denen er seine stärkste Waffe, sein Tempo, nicht ausspielen konnte. Tiefer stehende Gegner gaben ihm den Raum nicht oder er war alleine auf verlorenem Posten, verdammt dazu auf eigene Faust ein Wunder erzielen zu müssen.

Das bereits erwähnte Rückspiel gegen Real Madrid unter Tuchel war da ein gutes Beispiel, als ein gebeuteltes Bayern tiefer stand und sich auf hilflose Konter verließ. Einer dieser Hail-Mary-Angriffe führte durch eben Davies zwar tatsächlich zur Führung, aber mehr als diese eine gute Szene hatte der Kanadier da auch nicht.

Ist Davies der Mauereinreißer, wie es speziell Michael Olise oder auch Díaz ist? Eher nicht, sein Dribbling ist Athletik-fokussierter. Mehr darauf aus, seinen Gegenspielern wegzusprinten, als sie spielerisch stehen zu lassen. Aber das bedeutet nicht, dass er nicht trotzdem einen Mehrwert als Linksaußen bietet.

Bieten sich ihm Räume, kann ein angreifender Davies ein Gewinn sein. Arsenal presste situativ hoch, spielte mit, verschanzte sich nicht einfach am eigenen Strafraum. Das bot Davies immer wieder die Möglichkeit, die Tiefe des Raums auszunutzen, um dann geschickt zu werden. Das Ausgleichstor ist natürlich das Paradebeispiel, aber auch der viral gegangene Kane-Abstoß in der 21. Minute, als Davies den Ball nach vorne treiben konnte und Gnabry schlussendlich eigentlich das 1:0 hätte schießen müssen.

Eine ernsthafte Altenative auf Linksaußen?

Alphonso Davies ist mit dem sehr überzeugenden Spiel gegen den Englischen Meister mehr denn je also eine Alternative auf Linksaußen, aber ist es wirklich die Königslösung, um ihn und Nathaniel Brown unter einen Hut zu kriegen? Stellt man den Kanadier als Angreifer auf, opfert man in gewisser Weise seine zweitstärkste Fähigkeit, etwas was viele ihm durch seine Schnelligkeit generell absprechen, er aber über die Jahre jedoch stets verfeinert hat: Seine generelle defensive Klasse. 

Davies ist mitnichten der simple “Pace-Merchant”, zu dem ihn jüngere Fans immer wieder degradieren wollen. Er läuft offene Räume nicht einfach zu, sondern ist ein unterschätzter Zweikämpfer. Seit er beim FC Bayern ist, kommt er laut Wyscout auf eine Zweikampfquote von 66 Prozent. Zum Vergleich: Konrad Laimer kommt auf ca. 63 Prozent.

Eine Fähigkeit, die als Stürmer weniger zutragen kommt und so unnötig verschenkt wird. Lässt man ihn und Brown gemeinsam spielen, wäre es also eine Überlegung wert, lieber den deutschen Nationalspieler nach vorne zu ziehen, der zeigte nämlich noch nicht diese defensive Sattelfestigkeit. Viele tun Davies Unrecht damit, ihn auf die zwei Situationen zu reduzieren, in denen er jüngst Mitschuld an Gegentoren hatte.

Gegen Viking ließ er sich bei einem hohen Ball abkochen – was zugegebenermaßen nicht zu seinen großen Stärken zählt. Schwerwiegender war sein Abschalten vor dem 2:2 der Gunners am Mittwoch. Davies hätte den Laufweg von Rice aufnehmen müssen. Manchmal ist er in diesen Szenen gedanklich nicht so schnell wie auf seinen Beinen, das gehört zur Betrachtung dazu. Ein perfekter Verteidiger ist er also mitnichten – und dennoch einer der besten, die der FC Bayern hat.

Es ist gerade seine Abwehrstärke, die ihn in diesem Arsenal-Spiel perfekt die Díaz-Rolle dublieren ließ: Luis Díaz arbeitet ja auch immer nach hinten mit und ist einer der besten Pressing-Spieler der Welt. Nur logisch, dass ein Außenverteidiger diese Rolle am ehesten einnehmen konnte.

In gewisser Weise ist Davies der beste Díaz-Back-Up im Kader. Was jetzt, wo der Kolumbianer wohl über einen Monat ausfallen dürfte, umso wichtiger sein wird.

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