Einer glänzt beim FC Bayern: Gebt ihm den goldenen Ball!
Es war ein unterhaltsames Hin und Her zwischen zwei Mannschaften, die beide dominante Phasen zeigen konnten. Am Ende muss sich der FC Bayern ein wenig mehr über zwei verlorene Punkte ärgern. Zum einen, weil der Ausgleich spät fällt – zum anderen, weil sie einen hauchdünnen Vorsprung in Großchancen vorzuweisen haben.
Einer stach dabei in Rolle und Performance mal wieder heraus: Harry Kane. Er und zwei weitere Akteure sind heute aufgefallen, nebst einer Sache, die diesen Autor etwas in den Wahnsinn treibt. Miasanrot hat die vier Dinge, die gegen den FC Arsenal auffielen.
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FC Bayern 2:2 FC Arsenal: Vier Dinge, die auffielen
Harry Kane ist der beste Fußballer der Welt.
Es ist tatsächlich total egal, was die Stimmberechtigten für eine Entscheidung getroffen haben, die dann am Montag bekannt gegeben wird. Am Abend wird da der Sieger des Ballon d’Or gekürt. Dort wird es am Ende nicht nur um fußballerische Qualität, sondern auch viel um Prestige und Marketing gehen.
Der beste Fußballer stand heute für den FC Bayern auf dem Platz. In jedem Teil des Spiels bringt Harry Kane sich auf allerhöchstem Niveau gegen den Premier-League-Sieger ein. In der ersten Halbzeit lässt er sich teils wahnsinnig tief fallen – einmal führt der Engländer ja sogar einen Abstoß aus.
Vom Fünfer schickt er da Davies auf unfassbare Art und Weise, am Ende führt es fast zum 1:0 durch Gnabry. Später wird einer seiner Geniestreiche dann von Phonzy Davies selbst zum 1:0 verwertet. Gerade in der Abwesenheit von Joshua Kimmich war Kane im Aufbau umso wichtiger.
In der zweiten Halbzeit ging es mit ihm als Aktivposten weiter, aber er machte natürlich auch sein Tor. Jetzt könnte man dem entgegnen, dass es ja ein einfaches, gar langweiliges Elfmetertor gewesen sei. Aber natürlich holt Harry Kane seinen Elfer auch selbst raus. Seinen Abschluss aus dem Rückraum kann Timber nur mit dem Arm am Überqueren der Linie hindern.
Harry Kane in dieser Form steigert auch den Wert von Díaz, Gnabry, Saibari oder einem Flügel-Davies in der Bayern-Elf. Mit solchen Bällen kann man genau solche Spieler mit Tiefgang glänzen lassen – vor allem gegen Gegner auf diesem Level, die vielleicht auch mal die Kette etwas höher schieben wollen und so Räume öffnen. Ein Gedanke für zukünftige CL-Topspiele.
Josip Stanišić hat nicht das Niveau für Champions-League-Topspiele.
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Eine Sache kann ich ganz sicher sagen: Josip Stanišić wird den goldenen Ball nicht gewinnen. Er gilt rund um die Außenverteidiger-Planungen des FC Bayern immer als Mr. Solide. ein guter Backup für beide Seiten und im Notfall sogar auch für die Mitte.
Nun sind aktuell aber alle Außenverteidiger fit und Stani darf (oder muss?) trotzdem in einem CL-Gigantentreffen von Anfang an ran. Das mag in diesem Fall leicht erklärt sein: Für Davies gab es vorne einen Plan – der ja belohnt wurde – und Brown ins Duell gegen Saka zu schicken, ist auch sehr gewagt.
Dennoch kommt man nicht umhin, infrage zu stellen, ob der kroatische Nationalspieler dafür das nötige Level hat. Saka musste früh raus, danach bekam er es mit Madueke zu tun und hatte in der ersten Halbzeit immer wieder Probleme. Ein beliebtes Stilmittel Arsenals war es, lange Bälle zu schlagen und dann auf den zweiten Ball zu gehen.
In diesen Kopfballduellen war Stanišić immer wieder schlecht positioniert. Laut FotMob verlor er am Ende alle vier seiner Luftzweikämpfe. Wohlgemerkt in vielen Fällen gegen einen Flügelspieler (Madueke) oder einen Außenverteidiger (Timber).
Im Eins-gegen-Eins sah er leider auch mehrmals physisch oder mental zu langsam aus – so wie auch beim 0:1 als er völlig unnötigerweise das Abseits aufhebt, weil er als einziges Mitglied der Viererkette einen Meter weiter hinten steht. Und das obwohl er das Spielgeschehen vor sich im Blick hat. Er hätte also erkennen müssen, dass er zu nah am eigenen Tor steht.
Tom Bischof ersetzt Kimmich richtig stark.
Jürgen Klopp würde diese Zwischenüberschrift hassen. Im Interview bei DAZN fragte Ballack ihn nach seiner Sicht auf das Zusammenspiel von Pavlović und Bischof und der Bundestrainer konnte nicht davon ablassen, Kimmich ungefragt ins Spiel zu bringen und kämpferisch zu verteidigen. Damit hat er im Zweifel auch Recht. Die Familie Kimmich verdient aktuell Beistand und keine unnötige Fußballdebatte. Und sowieso ist Kimmich auf einem Niveau, das ihm weiterhin den Platz beim FCB und DFB garantiert.
Doch heute durfte Tom Bischof von Anfang an neben Pavlović spielen und machte seine Sache richtig gut. Mit Ball teilten sich die beiden Sechser die Spielgestaltung sehr harmonisch auf und wussten beide zu glänzen. Bischof immer wieder mit linienbrechenden Pässen (FotMob: 6) und Teilnahme an engen Kombinationen. Laut FotMob spielte er zwei Torchancen heraus und brachte nur zwei Pässe nicht an den Mann (52/54).
Dass das seine Stärken sind, wussten wir auch schon vorher. Aber auch gegen den Ball – eine vermeintliche Schwäche – konnte er ein gutes Bild abgeben. Mehrfach lief er dem hochtalentierten Arsenal-Mittelfeld den Ball ab, grätschte einmal Lewis-Skelly in schönster Upa-Manier ab und schirmte den Ball einmal gekonnt gegen Declan Rice ab. Dabei ist der englische Nationalspieler einer der physisch stärksten Akteure, die so im Weltfußball herumlaufen.
Bischof kann sehr zufrieden mit seiner persönlichen Leistung sein. Und Kompany kann sich seiner Kadertiefe im Mittelfeld noch ein wenig sicherer sein, wenn er heute Abend ins Bett geht.
Bitte arbeitet an der Standard-Verteidigung!
Es kann doch nicht so schwer sein! Oder vielleicht doch? Jedenfalls ist es unglaublich, dass jeder seit zwei Jahren weiß, dass Arsenal eine top ausgestattete Standard-Küche hat, in der sie Woche für Woche ein paar Meisterwerke kochen. Und trotzdem sind sie kaum zu stoppen.
Heute fiel am Ende kein Tor aus einem Standard. Aber bei jedem ruhenden Ball in der Bayern-Hälfte habe ich Herzflattern bekommen, weil es auch wirklich fast jedes Mal brandgefährlich wurde. Welche Utensilien fehlen denn den Bayern-Köchen, damit man da mal ein Gegengift kochen kann?
So kam zwei Mal Bruno Guimarães völlig frei zum Abschluss, einmal musste Neuer von der Linie kratzen. Kann man da nicht irgendein Mittel finden, zumindest meistens alle Arsenal-Spieler gedeckt zu bekommen?
Na ja. Ich bin froh, dass erstmal keine Arsenal-Ecken und -Freitstöße in einen Münchner Strafraum fliegen. Bis zu einem möglichen K.O.-Duell muss man vielleicht mal den WMF- oder KitchenAid-Store abchecken.


