FC Bayern gewinnt den Supercup gegen Wolfsburg
Am kommenden Freitag startet der FC Bayern mit dem Auswärtsspiel bei Union Berlin (18.20 Uhr) in die neue Saison. Die Begegnung an der alten Försterei bildet den Auftakt für eine Spielzeit die bestenfalls so enden soll, wie die letzte: Mit dem nationalen Double und einer Champions-League-Reise bis tief in den Mai.
Die letzten beiden Saisons begann der FC Bayern die Spielzeit jeweils mit einem Sieg im Supercup gegen den VfL Wolfsburg. Und vor der Partie am Samstagabend in Ingolstadt war die Barcala-Elf auch dieses Mal der Favorit auf die Silberware. Während die Wölfinnen mit Alexandra Popp, Vivien Endemann, Lineth Beerensteyn oder Janou Levels einige Stammkräfte verlor, letztere wechselte für 600.000 Euro Ablöse zu Real Madrid, konnte der FCB seinen Kader weitestgehend zusammenhalten.
Lediglich der Abgang von Georgia Stanway reißt eine spürbacke Lücke in den Kader der Münchnerinnen. Die Britin wechselte zurück in die heimische Liga, der FC Arsenal ist ihr neuer Arbeitgeber. Im Mittefeld des deutschen Meisters sollen Arianna Caruso und Bernadette Amani, wie schon in der Vorsaison, die Schaltzentrale bilden bis Sarah Zadrazil und Lena Oberdorf aus der Verletzung zurück sind.
Amani, die am Donnerstag noch in Marokko mit der ivorischen Nationalmannschaft gegen Ghana spielte, stand rund 48 Stunden später allerdings nicht in der Startelf. Für den Winterneuzugang übernahm Alara den Part auf der Doppel-Sechs. Stine Ballisager rückte erneut für Giulia Gwinn in die Startelf, Jovana Damnjanović gab nach ihrer Verletzung in der Vorsaison ihr Pflichtspiel-Comeback. Auf der Bank nahmen mit Regina van Eijk, Sarah Mattner, Kassandra Potsi und Sophie Proost alle Sommer-Neuzugänge Platz.
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Wölfe starten bissig, Johannes patzt folgenschwer
Zum Spielgeschehen: Die Wölfinnen hatten in den Anfangsminuten deutlich mehr vom Spiel und zeigten sich griffig in den Zweikämpfen und mutig im Spiel nach vorne. So kam Cora Zicai zu zwei Abschlüssen, Ena Mahmutovic musste einmal per Fußabwehr den Einschlag verhindern.
Die Bayern zeigten im Spielaufbau dasselbe Muster wie in der Vorsaison: Naschenweng zog bei eigenem Ballbesitz in die Mitte um Bühl auf der linken Außenbahn mehr Platz anbieten zu können. Wenn die Bayern den Ball tief in der eigenen Hälfte hatten, ließ sich Caruso fallen und fungierte als zusätzliche Anspielstation, Damnjanović und Dallmann rotierten viel und besetzten mehrere Positionen im letzten Angriffsdrittel (Zehnerin, Linksaußen bzw. Rechtsaußen und Stürmerin).
Was dem Offensivspiel jedoch fehlte waren Passschärfe und Genauigkeit sowie Tiefenläufe. Auch nach der Trinkpause wurde das Spiel der Bayern nicht geradliniger. Nach gut einer halben Stunde fiel dann dennoch die Führung für den FCB, ein Slapstick-Treffer aus dem Nichts.
Ein Bühl-Freistoß verlängerte Damnjanović per Kopfball-Bogenlampe in Richtung Tor. Dort parierte Johannes den Ball, krachte gegen den Pfosten und zog dann das Spielgerät an ihren Körper heran, die Keeperin stand dabei jedoch bereits hinter der Torlinie – der vierte Treffer in den letzten fünf Duellen für die Serbin.
Der Vizemeister war direkt um eine Antwort bemüht, Zicais Fernschuss rauschte in der 38. Minute knapp am Gehäuse vorbei. Die ehemalige Freiburgerin war generell ein Aktivposten und konnte von Ballisager nur schwer in Schacht gehalten werden. Als sich alle Beteiligten schon mit einem 1:0 zur Halbzeit abgefunden hatten, fiel das 2:0 für die Münchnerinnen. Erneut aus dem Nichts, erneut aus einem Freistoß und erneut sah Johannes im VfL-Tor dabei alles andere als gut aus.
Bühl löffelte eine Flanke in Richtung Tor, der Ball rutschte durch, Johannes spekulierte, reagierte spät und ließ das Spielgerät ins Tor fallen. Sicherlich kein einfacher Ball für eine Torhüterin, die Nationaltorhüterin hatte an diesem Treffer aber dennoch ihre Aktien. Danach war Halbzeit, 2:6 Torschüsse aus Sicht des FC Bayern und ein xG-Wert von 0,08 sprechen eigentlich eine andere Sprache.
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Vorentscheidung nach wenigen Sekunden: Bühl trifft nach Wiederanpfiff
Nur wenige Sekunden nach der Halbzeitpause, beide Teams kamen unverändert aus den Kabinen, sorgte Klara Bühl für das 3:0. Nach einem Pass von Alara wackelte die Nationalspielerin die VfL-Abwehr aus und vollendete fulminat. Nach 53 Minuten musste Barcala das erste Mal wechseln: Kapitänin Viggósdóttir musste nach einem Zusammenprall in Folge einer Wolfsburger Ecke das Spielfeld verlassen, mit Barbara Dunst wurde eine Offensivspielerin für sie – positionsfremd – als Rechtsverteidigerin eingesetzt, Ballisager verteidigte fortan in der Mitte.
Nach einer Stunde dann der zweite Wechsel beim FC Bayern: Für Alara kam Tanikawa ins Spiel und Wolfsburg hatte die große Chance zum Anschlusstreffer. Die Werkself eroberte den Ball in der eigenen Hälfte und verlagerte schnell auf die rechte Seite wo Huth im Rücken von Naschenweng auf Mahmutovic zulief aber im direkten Duell mit der Keeperin scheiterte, Dunst hatte zuvor das Abseits aufgehoben.
Kurz darauf zwang Damnjanović Johannes aus der Entfernung zu einer Glanzparade. Das Spiel wurde, auch zur Freude der Fans in Ingolstadt, nun offener. Beide Teams kamen zu Torszenen, wobei Bayern spätestens nach dem 3:0 die Kontrolle über das Spiel hatte und mit der Hereinnahme von Tanikawa auch mehr Impulse in der Offensive setzen konnte.
In der 74. Minute dann ein Déjà-vu in Ingolstadt: Erneut war Naschenweng schlecht positioniert und Huth scheiterte im Duell mit Mahmutovic. Wenige Augenblicke nach dieser Chance wechselte Barcala doppelt: Potsi und Proost kamen zu ihrem Pflichtspiel-Debüt, Damnjanović und Harder hatten Feierabend. Interessant: Während sich Proost auf Linksaußen einordnete, übernahm Bühl die Position der Mittelstürmerin, Dallmann rückte auf die Zehn, Potsi auf die rechte Außenbahn.
Die 19-jährige Niederländerin machte gleich auf sich aufmerksam: Mit einem leidenschaftlichen Dribbling stürmte die Teenagerin in Richtung Wölfe-Tor, ihr Abschluss verfehlte das Gehäuse allerdings. Einige Augenblicke später war es erneut die Niederländerin, freigespielt von Naschenweng, die auf dem linken Flügel auf und davon war, ihr Rückpass auf die am Sechzehner wartende Caruso wurde aber von Potsi zunichte gemacht, die Ex-Essenerin hatte Caruso nicht gesehen und konnte das Spielgerät nicht kontrollieren.
Die Wolfsburgerinnen versuchten zwar noch den Ehrentreffer zu erzielen, Mahmutovic konnte allerdings nicht überwunden werden. Die Nationaltorhüterin zeigte, im Vergleich zu ihrem Gegenüber, eine souveräne und fehlerfreie Partie. Der FC Bayern verteidigte den Vorsprung bis zum Ende und gewann zum dritten Mal in Folge den Supercup, das 3:0 war in der Höhe, trotz schlechtem Start, verdient und ein Ausrufezeichen in Richtung nationaler Konkurrenz.
FC Bayern gegen Wolfsburg: Dinge, die auffielen
FCB tut sich zu Beginn erneut schwer
Die Bayern Frauen starteten wie bereits in den letzten Spielen gegen die Wolfsburgerinnen eher schwach in die Partie. Die Wölfinnen hatten bis zu den beiden Toren der Bayern Frauen die besseren Chancen und teilweise auch etwas mehr Spielkontrolle. Bei den Bayern Frauen griff das Pressing nicht und so stand man teilweise auch etwas zu tief.
Die beiden Tore für die Münchnerinnen fielen dann aus dem Nichts durch zwei schwere Patzer von Wölfe-Keeperin Stina Johannes. Sonst erarbeiteten sich die Bayern kaum weitere nennenswerte Chancen. Ein Expected-Goals-Wert von 0,08 für zwei Tore zur Pause verdeutlichte dies nochmal.
Die Bayern Frauen ließen ihre gewohnten Attribute hinsichtlich Positionsspiel, Spielkontrolle und Kreativität vermissen. Erst nach der Pause und auch mit Einwechslung von Tanikawa kam wieder mehr Schwung in die Partie. Wobei der dritte Gegentreffer die Wolfsburgerinnen sichtlich brach und die Partie bereits sehr früh entschied.
Problemstelle Außenverteidigerinnen
Durch die verletzungsbedingte Abwesenheit von Franziska Kett und Giulia Gwinn starteten Katharina Naschenweng auf der Linksverteidigerinnen-Position und Stine Ballisager auf rechts. Ballisager als eigentliche Innenverteidigerin tat sich zu Beginn schwer, gegen die äußerst agile Cora Zicai. Immer wieder hatte sie Probleme mit der Geschwindigkeit und den schnellen Richtungswechseln der deutschen Nationalspielerin.
Auch Naschenweng tat sich zu Beginn bei den vielen guten Spielverlagerungen der Wölfinnen etwas schwerer. In Halbzeit zwei musste dann auch noch Kapitänin Glodis Viggósdóttir verletzungsbedingt ausgewechselt werden. Stine Ballisager rückte dafür auf ihre gewohnte Innenverteidigerinnen-Position und Barbara Dunst, die zuletzt auch gegen Paris FC rechts hinten Minuten sammeln konnte, kam in die Partie und agierte von da an auf der Rechtsverteidigerinnen-Position.
Dieser Wechsel zeigt deutlich, das die Personaldecke zu Beginn dieser Saison auf den Außenverteidigerinnen-Positionen durch die Abwesenheit von Kett und Gwinn gerade auch qualitativ äußerst dünn besetzt ist. Sommer-Neuzugang Mattner, eigentlich auf dieser Position zuhause, kam, wie im Test gegen Paris FC, nicht zum Einsatz.



