Vorschau: VfL Bochum – FC Bayern München

Justin Trenner 28.10.2019

Gegen Aufsteiger Union Berlin waren die Bayern am Samstag lange auf der Suche nach einer passenden Lösung. Die Köpenicker standen stabil, sie verschoben gut und ließen hinten wenig zu, obwohl sie nicht viele Entlastungsphasen hatten.

Erneut mussten die Fans des FC Bayern deshalb bis zum Schluss zittern, ob ihre Mannschaft die 2:1-Führung diesmal über die Zeit bringen würden. Es gelang. Die Art und Weise war jedoch erneut nicht überzeugend.

Am Dienstagabend geht es nun gegen den VfL Bochum. Eine Mannschaft, die in der 2. Bundesliga aktuell große Probleme hat und selbst keinen Fuß vor den anderen bekommt. Allerdings ist es ein Pokalspiel und dass dort ganz eigene Geschichten geschrieben werden, erfuhren die Münchner im vergangenen Jahr bei Drochtersen/Assel und gegen Rödinghausen in Osnabrück.

VfL Bochum: Die graue Maus

Nun will der VfL Bochum sein Glück gegen die Bayern versuchen. Zwischen 1971 und 1993 spielten die Bochumer ununterbrochen in der Bundesliga, wo sie den Spitznamen “Graue Maus” erhielten, weil sie in dieser Zeit fast durchgängig im Mittelfeld der Liga stagnierten. Seitdem passierte viel.

Bochum entwickelte sich zunächst zu einer Fahrstuhlmannschaft, die von zwei Höhenflügen in den UEFA-Cup bis zu bitteren Abstiegen alles erlebte. 2010 ging es dann zum bisher letzten Mal runter in die 2. Liga.

Schaut man sich die Platzierungen in den letzten Jahren an, könnte man erneut zu dem Schluss kommen, dass die Bochumer eine “Graue Maus” sind. Diesmal aber eine Klasse tiefer. Doch in dieser Saison scheint die Lage bedrohlicher zu sein. Mit nur einem Sieg, sechs Unentschieden, 20 zu 24 Toren und neun Punkten steht der VfL auf dem 16. Platz. Sandhausen ist auf Platz 15 bereits drei Punkte weg.

Die Probleme

Wenn ein Klub über Jahre hinweg einen solchen Absturz erlebt, dann sind die Ursachen dafür so tiefgründig, dass das Geschehen auf dem Platz nur einen Teilaspekt darstellt. Aus Perspektive des FC Bayern ist das aber der einzige Bereich, der in der Analyse des Gegners eine Rolle spielt.

Prinzipiell hat sich im fußballerischen Ansatz trotz des Trainerwechsels von Robin Dutt zu Thomas Reis relativ wenig verändert: Bochum will das Spiel kontrolliert aus eigenem Ballbesitz heraus aufbauen, gleichzeitig aber gute Gegenpressingsituationen vorbereiten, um aus zweiten Bällen Chancen zu ermöglichen.

Gerade mit dem Ball hat Bochum aber große Probleme, den Drucksituationen standzuhalten. Aus ihrem 4-2-3-1 heraus entwickeln sie zu wenig strukturelle Lösungen, um Gefahr zu entwickeln. Stattdessen entstehen sogar individuelle Fehler, die bereits das eine oder andere Gegentor zu viel einleiteten. 27,3 Ballverluste und zusätzlich 98,2 Fehlpässe pro Spiel sind im Moment zu viel.

Eigentlich gutes Pressing, aber …

Gerade im Spielaufbau gibt es zu wenig ballnahe Unterstützung und so kommt es zu vielen langen Bällen (69 pro Spiel) und bereits im Ansatz schlecht strukturierten Angriffen. Das bedeutet darüber hinaus, dass Bochum auch nicht so wirklich ins Gegenpressing kommt, weil die Spieler schon vor den Ballverlusten zu weit vom Gegenspieler entfernt sind.

Überhastete Abschlüsse und eine insgesamt recht niedrige Chancenqualität sind letztendlich nur Folgen und Symptome einer behäbigen und unkreativen Spielweise. Trotz des schwachen Saisonstarts hat der VfL Bochum aber auch Stärken vorzuweisen. So ist Silvère Ganvoula derzeit in Topform. Der Zielspieler im Angriff traf in nur 900 Pflichtspielminuten bereits 8 Mal und legte 3 weitere Tore auf. Mit seiner hohen Endgeschwindigkeit ist er stark im Anlaufen, aber auch bei Pässen in die Tiefe. Als klassischer Strafraumstürmer positioniert er sich zudem klug bei Flanken.

Hohe Hereingaben sind ohnehin ein sehr beliebtes Mittel beim VfL. In der Liga entstanden auf diesem Weg in 11 Spielen schon 42 Abschlüsse (darunter 10 Ecken und 3 Freistöße). Aber auch in Phasen ohne Ball kann die Mannschaft mit einer hohen Grundaggressivität viele Ballgewinne für sich verbuchen und Gefahr erzeugen. 12,5 Interceptions pro Spiel sind der Top-Wert in Liga 2, während der VfL mit 18,4 erfolgreichen Tacklings pro Partie auf Platz 3 steht. Können sich die Bochumer hinten sortieren, sind sie in der Lage kompakt und stabil zu verteidigen. Problematisch ist, dass sie bei Ballverlusten nicht schnell genug umschalten können. Die 24 Gegentore könnten daher der Tatsache geschuldet sein, dass das eigene Ballbesitzspiel nicht gut genug funktioniert.

FC Bayern: Bochum aus dem Wettbewerb flanken?

Nicht gut genug waren auch die Bayern am Samstagnachmittag gegen Union Berlin. Selbst Christian Gentner sprach nach der Partie davon, dass er schon deutlich schwierigere Partien in München erlebt habe. Damit reiht sich der Neuzugang der Berliner ein in die lange Liste an Verantwortlichen und Spielern, die dem Rekordmeister zuletzt einen leichten Seitenhieb verpassten.

Funkels Aussagen zur bayerischen Defensive, Schreuders Kommentar zu Schalke als stärkstem Hoffenheimer Gegner, Eberls Prognose einer komplizierten Saison für den FC Bayern – es entgeht niemandem, dass der amtierende Meister schwächelt.

Und so wird auch der kriselnde VfL Bochum am Dienstagabend seine Chance wittern. Mit viel Laufbereitschaft, einer kompakten Defensive und dem einen oder anderen Nadelstich ist eine Überraschung möglich. Dafür muss der VfL aber auch seine Schwächen bei hohen Bällen abstellen. Wenn der FC Bayern sich unter Niko Kovač irgendwo verbessert hat, dann bei hohen Bällen. Nur Frankfurt (27) und Leverkusen (23) schlagen in dieser Saison mehr Flanken pro Spiel als die Münchner (22), die daraus bereits etliche Torchancen und Tore kreierten.

Passen Bayerns Stärken zu Bochums Schwächen?

Was beim FCB aufgrund der vielen Halbfeldflanken oft zurecht als fehlende Kreativität ausgelegt wird, kann gegen Bochum aber eine echte Waffe werden. Der VfL ist besonders dann anfällig bei Flanken, wenn im Strafraum viel Bewegung ist und der Flankengeber nicht attackiert werden kann. Es könnte deshalb auch sein, dass Trainer Thomas Reis auf eine Fünferkette umstellt.

Eine Möglichkeit, um solche Situationen trotzdem zu erreichen, besteht darin, Kimmich als besten Flankengeber auf der rechten Seite freizuspielen. Das geht wahlweise über schnelle Spielverlagerungen oder Überladungen auf dem Flügel, bei denen Kimmich auf dem Flügel hinter die Abwehrkette des Gegners starten kann. Mit Leon Goretzka steht zudem ein Spieler vor der Rückkehr in die Startelf, der aus der Tiefe den Strafraum überladen kann, um eine weitere Anspielstation bei Flanken herzustellen. Goretzka erzielte bereits viele Tore in seiner Karriere auf diesem Weg. Nicht nur wegen seiner Bochumer Vergangenheit, sondern auch wegen seiner Qualitäten in der Offensive könnte er deshalb die richtige Option für Niko Kovač sein. Ebenso könnte Perišić als ballferner Flügelspieler bei Flanken eine gute Rolle spielen. Der Kroate wählt kluge Laufwege und bringt bei einer solchen Spielweise mehr Qualitäten mit als Kingsley Coman.

Goretzka als Überraschungselement aus der Tiefe, Perišić als weitere Option um Lewandowski herum und der ballferne Außenverteidiger mit zwei Möglichkeiten: Absichern oder ebenfalls in die Tiefe gehen.

Nichtsdestotrotz sollte der FC Bayern aufpassen, dass das Spiel nicht in einem Feuerwerk aus hohen Hereingaben endet, die aus allen Richtungen in den Bochumer Strafraum segeln. Die Vorbereitung solcher Angriffe ist entscheidend. Und hier hatten die Münchner zuletzt große Probleme. Sollte der VfL Bochum tatsächlich der erste Gegner des FC Bayern sein, der kein Gegentor von Robert Lewandowski hinnehmen muss, könnte es ein interessanter Abend werden. Denn klammert man den Polen (19 Tore in 14 Spielen) mal aus, kommt nur noch Serge Gnabry (6 Tore in 12 Spielen). Der Rest des Kaders hat 3 oder weniger Tore auf dem Konto.

Die Suche nach passenden Lösungen in der Offensive geht deshalb auch in Bochum weiter. Nur diesmal gegen eine Mannschaft, die mit ihren Defensivschwächen ganz gut zur eigenen Spielweise zu passen scheint. Eigentlich wäre das auch der perfekte Augenblick, um mal Spielern wie Lukas Mai eine ernsthafte Chance zu geben. Der Innenverteidiger war zuletzt zwar angeschlagen, kehrte aber rechtzeitig zurück ins Mannschaftstraining. Genauso könnte Kovač in Erwägung ziehen, Alphonso Davies einen weiteren Startelfeinsatz zu geben. Die Qualität ist bei beiden Spielern vorhanden und das Risiko deshalb deutlich geringer, als man bei einer solchen Rotation vielleicht annehmen könnte.

Werbe-Blog

“Einsachtvieracht” heißt ein Blog zum VfL Bochum, der sich sehr ausführlich und detailliert mit dem Zweitligisten auseinandersetzt. Dort gibt es auch eine Vorschau auf das Pokal-Duell mit dem FC Bayern, die unterstreicht: Träumen ist gegen den Rekordmeister und Rekordpokalsieger erlaubt. Vielleicht so sehr wie lange nicht.

Vorschau-Tippspiel

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Spieltagssieger

Pia und TobiwanKenobi gewinnen den 9. Spieltag der Bundesliga mit 15 Punkten. Hier die Top 5:

  1. Edlan – 123 Punkte (0 Spieltagssiege)
  2. Beltiboy – 120 Punkte (0 Spieltagssiege)
  3. hubus – 120 Punkte (0 Spieltagssiege)
  4. Olorin – 119 Punkte (0,33 Spieltagssiege)
  5. Jona_Brauni – 116 Punkte (1 Spieltagssieg)

Lahmsteiger: Platz 110 – 94 Punkte (0 Spieltagssiege)

So läuft es gegen Bochum …

Das könnte richtig zäh werden. Einerseits die von mir angesprochenen Qualitäten der Bayern bei Flanken und die ebendort liegenden Schwächen der Bochumer. Andererseits die im Moment wirklich schwache Vorbereitung der Angriffe auf Seiten der Münchner. Ich denke, dass Bochum in 90 Minuten über Ballgewinne zweimal treffen wird. Bayern schafft es in die Verlängerung und gewinnt dort dann mit 4:2. Puh.

So könnte Bayern spielen …

4-2-3-1: Neuer – Kimmich, Pavard, Boateng, Alaba – Thiago, Goretzka – Müller – Gnabry, Lewandowski, Perišić

Cooler wäre: 3-2-3-2: Neuer – Boateng, Mai, Pavard – Kimmich, Thiago – Perišić, Goretzka, Gnabry (Coman) – Lewandowski, Müller

Es fehlen: Hernández, Süle, Arp, Martínez

So läuft der Spieltag …

Duisburg 1:2 Hoffenheim
Saarbrücken 1:3 Köln
Freiburg 2:1 Union
Hamburg 2:1 Stuttgart
Bochum 2:4 Bayern
Darmstadt 2:1 Karlsruhe
Leverkusen 3:1 Paderborn
Bielefeld 3:2 Schalke
Kaiserslautern 1:2 Nürnberg
Verl 1:3 Kiel
Wolfsburg 6:5 Leipzig
Bremen 2:1 Heidenheim
Düsseldorf 1:2 Aue
Dortmund 2:3 Gladbach
Hertha 2:1 Dresden
St. Pauli 1:3 Frankfurt



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