Thomas Tuchel (England, WM 2026)
Bild: Francois Nel/Getty Images

WM 2026: Tag 25 im Blog – England verzweifelt fast an der Höhenangst – News und Analysen zur Weltmeisterschaft

Justin 06.07.2026


FC Bayern, FCB, Bundesliga, DFB-Team, Champions League, Alt Text vergessen

Die WM 2026 in Nordamerika geht in die finale Phase. In den kommenden Tagen und Wochen spielen die verbliebenen Nationen den neuen Weltmeister und damit den Nachfolger von Argentinien aus. Mit dabei waren zu Beginn 17 Spieler des FC Bayern München.

Norwegen rudert sich gegen Brasilien ins Viertelfinale. England liefert sich in den Höhen von Mexiko City ein intensives Duell mit dem Co-Gastgeber.

Miasanrot begleitet die WM 2026 nicht nur mit vielen Features und Analysen, sondern auch im WM-Blog, der euch täglich einen Überblick verschaffen soll. Das Format schaut vor allem auf den vergangenen Tag und blickt zudem auf die wichtigsten Ereignisse des bevorstehenden Tages.

Ziel ist es, dass der Artikel am Vormittag erscheint. Da wir dieses Projekt nur nebenberuflich stemmen können, ist unklar, ob das immer gelingt. Um dieses und ähnliche Formate in Zukunft dauerhaft ermöglichen zu können, kannst du in Erwägung ziehen, Miasanrot finanziell zu unterstützen.

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WM 2026: Was ist passiert?

Brasilien 1:2 Norwegen

  • 0:1 Erling Haaland (79.)
  • 0:2 Erling Haaland (90.)
  • 1:2 Neymar (90.+10, Elfmeter)

Das Spiel in aller Kürze: Norwegen startet mit deutlich mehr Intensität ins Spiel, ehe Real Bradrid sie wieder auf den Boden holt: Jogo Calma. 4-4-2 und dann wird der Kaugummi malträtiert bis vorn einer reinfällt. Tatsächlich lassen sich die Skandinavier einlullen. Brasilien verschießt einen Elfmeter, vergibt weitere Chancen, scheitert vor allem an Nyland, der einen Ball sensationell im Rückwärtslaufen rausfischt. Ann-Katrin Berger nickt anerkennend. Aus den vermeintlich kontrollierenden Brasilianern wird nun eher ein passiv-ängstliches Team. Dann Vorhang auf für Thor höchstpersönlich: Haaland schickt Brasilien mit einem Doppelpack nach Hause. Da hilft auch kein arrogant geschossener Neymar-Elfer mehr.

Miasanrot-Note: 3,5

England 3:2 Mexiko

  • 1:0 Jude Bellingham (36.)
  • 2:0 Jude Bellingham (38.)
  • 2:1 Julián Quiñones (42.)
  • Rote Karte Jarell Quansah (54.)
  • 3:1 Harry Kane (60., Elfmeter)
  • 3:2 Raúl Jiménez (69., Elfmeter)

Das Spiel in aller Kürze: Man rechnet mit dem Schlimmsten, wenn man an die Bedingungen dieses Spiels denkt. An mauernde Engländer und ideenlose Mexikaner. Aber genau das Gegenteil passiert. England variiert mit der Intensität, Mexiko bleibt auf dem Gaspedal und hat gute Ideen. Bellingham mit dem lupenreinen Hattrick: Zwei Tore und eine Monsterklärung vorm sicheren Einschlag. Es sieht erst so aus, als würden die Europäer hier kaltschnäuziger und cleverer sein – bis Quansah mit einem unnötig harten Einsteigen zu Recht vom Feld fliegt.

Dann ist es ein unfassbar emotionales und kampfbetontes Spiel in unglaublicher Atmosphäre. Mexiko ackert, rennt, spielt und kämpft. Mexiko rennt nach dem erneuten Anschlusstreffer zum 2:3 an. Aber Mexiko bleibt glücklos und scheidet trotz starker Leistung aus. England verdient sich Respekt für eine disziplinierte Defensivleistung in Unterzahl.

Miasanrot-Note: 1

WM 2026 in der Analyse: Dinge, die auffielen

Eine neue Eskalationsstufe

Es wurde bereits alles gesagt, aber noch nicht von jedem. Also los: Was die FIFA mit ihrer Entscheidung, Baloguns Sperre zurückzunehmen, losgetreten hat, ist kaum in Worte zu fassen. Die Bedeutung mag sich jetzt noch gar nicht so richtig greifen lassen, aber sie ist immens.

Fußball war schon immer hochpolitisch. Fußball war schon immer in vielen Regionen ein Spiel der Mächtigen, das ebendiese für sich zu nutzen wussten. Das ist nicht neu. Die Offensichtlichkeit und Dreistigkeit mit der Gianni Infantino nun aber seinen Kuschelkurs mit Donald Trump fortführt, um die Werte des Sports zu verraten, ist aber neu.

Das ist eine Dimension, die es in dieser Form noch nicht gab. Ein Anruf des US-Präsidenten und der Weltverband kuscht. Schließlich hängen Finanzen, politische Interessen und der gute Wille des US-Präsidenten daran. Jener Präsident, der von Infantino höchstpersönlich einen eigens ins Leben gerufenen „Friedenspreis“ bekam.

Es ist nicht so, dass die FIFA nicht auch vor Infantino bereits korrupt gewesen wäre. Sie erreicht unter ihm aber immer neue Tiefpunkte. Und auch abseits dieser politischen Dimensionen wird es jetzt durchaus interessant zu sehen, wie die Verbände darauf reagieren. Frankreich will bereits eine Rücknahme der Gelben Karte gegen Michael Olise erwirken. Belgien regt sich nachvollziehbarerweise über das Verhalten des Weltverbands auf.

In der Nacht zum Dienstag treffen sie auf die USA. Ein besonderer Blick wird dann auch auf das Schiedsrichterteam gehen. Sie stehen massiv unter Druck. Jede Entscheidung wird im Kontext der Zurücknahme dieser Roten Karte bewertet werden. Es ist egal, dass sie dafür nichts können. Es ist eine einzige Farce. Ein Trauerspiel. Eines von historischem Ausmaß, das den Fußball nicht verändert, weil er vorher durchaus auch so war. Aber diese schamlose Offenheit ist durchaus schockierend.

Brasilien: Heldenfußball ohne Helden

Norwegens Traum vom ganz großen Coup geht weiter. Gegen Brasilien kommen sie nur kurz ins Schwimmen, rudern dann aber verdient in Richtung Viertelfinale. Zu Beginn der Partie sah es noch so aus, als würden die Skandinavier ihren Gegner kaputt pressen. Ein frühes 1:0 war das Resultat einer Wucht, die in diesem Spiel nicht mehr vorkommen sollte.

Denn Brasilien machte es zunächst clever. Sie beruhigten das Spiel auf ihre Art, überließen Norwegen den Ball und erzeugten selbst offensiv Gefahr durch individuelle Klasse und viel Offensivdrang. Doch genau diesen ließen sie in der zweiten Halbzeit nahezu komplett vermissen. Dieses brasilianische Team wurde in den letzten Wochen – vollkommen zu Recht – mit Real Madrid verglichen: Nicht spektakulär, nicht hochattraktiv, aber brutal effizient und in den richtigen Momenten da.

Diesmal aber nicht. Brasilien ließ sich einlullen, überließ Martin Ødegaard die volle Kontrolle und genau das rächte sich. Dieser nur scheinbar kontrollierte Fußball gab Norwegen das Selbstbewusstsein, in Ballbesitz mehr zu machen, sich mehr zuzutrauen und so auch die Tore am Ende zu machen. Natürlich brauchten die Norweger dafür auch einen Hexer im Tor, einen Spielgestalter für alle Räume und Thor höchstpersönlich, dem vorn zwei Blitze ausreichten.

Nyland, Ødegaard und Haaland sind die Achse, von der die Brasilianer*innen heute nach schlecht träumen werden. Ancelotti wurde bereits nachgesagt, er habe das im Griff, wie es kein anderer Trainer könnte. Am Ende stolpert Brasilien über sich selbst. Über einen Scheinmythos. Norwegen hat wahrlich keine starke Abwehrkette, aber wurde von den Brasilianern nie unter Druck gesetzt.

Brasilien hat die norwegischen Stärken gestärkt und deren Schwächen nicht genutzt. Ancelotti ist einer der erfolgreichsten Trainer der Geschichte. Aber für seinen Fußball braucht er im modernen Spiel höhere Qualität auf allen Positionen. Die Chancen waren da, dem Spiel einen anderen Spin zu geben, aber selbst dann wäre Brasilien wohl am nächsten sehr guten Gegner gescheitert.

Es war am Ende Heldenfußball ohne Helden. Und ein Pressing ganz ohne Pressing. In Führung sah das bei diesem Turnier abgezockt aus. In Rückstand sah es ideenlos und bieder aus. So ist Fußball eben.

Podcast: Transferplanungen des FC Bayern und DFB-Zukunft mit Klopp

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Weitere Informationen

Englands Luft wurde dünn

Wenn man etwas drin ist im Turnier, werden die späten Anstoßzeiten auch nicht besser. Schon gar nicht, wenn sie durch Wetterbedingungen noch verschoben werden. So geschehen bei England gegen Mexiko. Aber nach einer Detailanalyse aller Wetterkarten habe ich mir knapp zwei Stunden schlaf vor dem Anpfiff ergaunern können. Der Wecker auf 2:50 Uhr war mit sehr viel Glück goldrichtig. Um 3 Uhr ging es los.

Und wie sich diese Tortur gelohnt hat! Was für ein unglaubliches Spiel sich beide Teams geliefert haben. Vorher wurde viel über die Höhe diskutiert. Mexiko City liegt auf weit über 2.000 Metern über Null. Eine Höhe, die dem Körper zu schaffen macht. Owen Hargreaves soll im US-Programm erzählt haben, dass das nur eine mentale Nummer sei. Klar. Männer denken ja auch, sie könnten ein Flugzeug ohne Ausbildung landen oder Profisportlerinnen untrainiert in ihrem Sport schlagen.

Zu unterschätzen war dieser Höhenritt für England sicher nicht. Und trotzdem fand England letztlich seinen Weg in dieses Spiel. Mit viel Disziplin im Verteidigen und sehr viel Effizienz im Kontern. Die Three Lions pressten clever, dosierten die ganz intensiven Anlaufmomente auf ein Minimum, ohne aber das Aktivitätslevel zu verlieren und Mexiko zu viel Kontrolle zu geben.

Aber auch die Mexikaner lieferten eine starke Partie. Gewohnt aggressiv und intensiv liefen sie die Engländer an. Im Vergleich zum noch sehr wilden Pressing zum WM-Auftakt gegen Südafrika hat sich das Team im Turnierverlauf immens gesteigert. Das wirkt mittlerweile deutlich organisierter und variabler. Gegen England hatten sie auch einige tiefe Verteidigungsphasen, in denen sie es stabil lösten.

Hin und wieder kam das wilde Mexiko dennoch durch – wie bei den beiden Gegentoren. Die Zuordnung zu den Gegenspielern ging teilweise komplett verloren. Mit dem Ball sah das hingegen in den meisten Fällen richtig gut aus. Mexiko überspielte das seltene höhere Pressing der Engländer oft clever – auch wenn sie direkt nach dem 0:1 das 0:2 unnötig herschenkten. Da waren Mut, viel Bewegung und Tempo im Spiel.

Fußballerisch war das eine richtig starke Vorstellung der Mexikaner. Sicherlich begünstigt durch die Rote Karte gegen England, aber auch zuvor schon in vielen Teilen des Spiels auf Augenhöhe mit einem Topfavoriten. Mexiko war fußballerisch sogar besser, England dafür in den entscheidenden Momenten effizienter. Die Luft wurde sehr dünn für die Europäer – aber sie haben diese unfassbar schwere Aufgabe doch gemeistert. Eine mentale Leistung, die noch sehr bedeutsam für das weitere Turnier sein kann.

Vielleicht war es das bisher am besten anzuschauende Spiel dieser WM. Aufstehen hat sich auf jeden Fall gelohnt.

WM 2026: Die wichtigsten News im Überblick

  • Brasiliens Europafluch: Seit der WM 2002, wo sie Belgien, England, die Türkei und Deutschland in der K.-o.-Phase geschlagen haben, sind die Brasilianer immer an der ersten europäischen Mannschaft in der K.-o.-Phase gescheitert: Frankreich 2006, Niederlande 2010, Deutschland 2014, Belgien 2018, Kroatien 2022, Norwegen 2026.
  • Belgien hat Beschwerde bei der FIFA eingelegt wegen der aufgehobenen Sperre. Die RBFA prüfe „derzeit alle möglichen Optionen“, hieß es in einer Stellungsnahme bei Instagram. Die Belgier verweisen vor allem auf Artikel 66.4 des FIFA-Disziplinarkatalogs, der exakt das nun eingetroffene Szenario eigentlich verhindern soll. Man sei „erstaunt“ über die Entscheidung.
  • Trump hat sich persönlich bei der FIFA für die Aufhebung bedankt.
  • Spanien-Kapitän Rodri hat der Konkurrenz beinahe gedroht: „Wir haben immer noch ein großes Verbesserungspotenzial.“ Die Entwicklung sei bisher „schrittweise“ vorangegangen.
  • Kap Verde wurde in der Heimat frenetisch empfangen. „Wir haben gezeigt, dass unsere WM-Qualifikation kein Glück war. Wir haben harte Arbeit und Widerstandskraft bewiesen und die USA mit erhobenem Haupt verlassen“, sagte Cheftrainer Bubista der Presse vor Ort. Ein Video gibt es unter diesem Newsblock. Die Mannschaft soll am Sonntag in einer Parade durch die Straßen von Praia gefeiert werden. Anschließend ist ein Empfang mit Präsident und Regierungsmitgliedern geplant.
  • Auch der Schweizer Verband hat öffentlich darüber informiert, dass ihr Nationalteam zunehmend Ziel von Hasskommentaren ist.
  • Paraguay sammelt Negativrekorde: Laut Opta haben sie die geringsten Passquoten seit 1966 aufgestellt: 53,9 Prozent in der Gruppenphase gegen die Türkei und 54,1 Prozent im Achtelfinale gegen Frankreich. Außerdem hat Matias Galarza einen „Bestwert“ bei diesem Turnier aufgestellt: 16-mal wurde er gegen Frankreich ausgedribbelt.


Spieler des FC Bayern in der Einzelkritik

Harry Kane

Sehr starker Assist zum zwischenzeitlichen 2:0. Verwandelt einen Elfmeter, verursacht kurz darauf einen. Verteidigt diszipliniert das Ergebnis und wird kurz vor dem Ende ausgewechselt. Mehr Highlights gibt es in seinem Spiel nicht. Miasanrot-Note: 2,5

Wie geht es heute weiter bei der WM?

Und so geht es weiter:

21 Uhr:

  • Portugal vs. Spanien (ZDF, MagentaTV)

2 Uhr:

  • USA vs. Belgien (ARD, MagentaTV)

Alle Hintergründe zur WM 2026 findet ihr in Form von Taktikanalysen zum DFB-Team, den Spielern des FC Bayern München und zur Weltmeisterschaft generell auf unserer großen Übersichtsseite: WM 2026: Taktiken, Analysen und die Bayern-Achse im DFB-Team und im Turnier

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