Folarin Balogun beim Platzverweis für die USA bei der WM 2026
Bild: Charlotte Wilson/Getty Images

Neues FIFA-Regelwerk: Rote Karten gelten nur bis zum nächsten Anruf – ein Kommentar

Katrin 05.07.2026

Also wenn es tatsächlich reicht, dass angeblich ein Anruf aus dem Weißen Haus genügt, um eine Rote Karte nachträglich auszusetzen, dann können wir den Fußball auch gleich komplett neu schreiben.

Warum nur Balogun? Wenn wir schon anfangen, Entscheidungen rückwirkend zu korrigieren, weil sie heute irgendjemandem nicht mehr passen, dann bitte konsequent.

Michael Ballack bekommt seine Gelbe Karte von 2002 gestrichen und Deutschland spielt das WM-Finale einfach nochmal. Torsten Frings war 2006 selbstverständlich nie gesperrt – Halbfinale gegen Italien neu ansetzen. Zinedine Zidane hat Materazzi nur freundlich begrüßt, also Rote Karte für den Kopfstoß annullieren und Frankreich nachträglich zum Weltmeister erklären.

Thierry Henrys Handspiel gegen Irland? Ach, das kann doch jedem mal passieren – Irland fährt rückwirkend trotzdem zur WM. Frank Lampards Wembley-Tor 2010 zählt natürlich doch. Luis Suárez’ Handspiel gegen Ghana wird nachträglich als besonders engagierte Torwartleistung gewertet. Und über die Schiedsrichterleistungen bei der WM 2002 reden wir am besten gar nicht – die gesamte K.-o.-Phase einfach wiederholen.

Miasanrot als App und auf Social Media

Weitere Artikel zum FC Bayern München:

WM 2026 als Novum in der Fußballgeschichte

Ach, und wenn wir schon im Korrigiermodus sind: Das Wembley-Tor von 1966 war bekanntlich keines. Herzlichen Glückwunsch, Deutschland ist rückwirkend Weltmeister.

Vielleicht sollten wir künftig gar keine Schiedsrichter mehr auf den Platz schicken. Wir warten einfach ein paar Tage ab, bis alle Lobbyisten, Verbände, Politiker und sonstigen Einflussnehmer ihre Meinung abgegeben haben. Danach wird das Ergebnis angepasst. Wäre doch viel einfacher.

Fußball lebt davon, dass Entscheidungen gelten – auch wenn sie hart, ärgerlich oder eben auch falsch sind. Wer anfängt, einzelne Fälle nachträglich aus politischen oder öffentlichen Gründen anders zu behandeln, öffnet eine Tür, die sich nie wieder schließen lässt. Dann geht es irgendwann nicht mehr um Regeln, sondern nur noch darum, wer den längeren Draht zu den richtigen Leuten hat. Und wer die Meiste Kohle besitzt.

Gut, Letzteres ist ja eh schon ein gesamtgesellschaftliches Problem, das auch den Fußball in weiten Teilen betrifft. Aber falls das wirklich die Richtung ist, in die sich der Fußball entwickelt, braucht niemand mehr von Fair Play oder gleichen Maßstäben zu sprechen.

Dann entscheidet nämlich nicht mehr der Schiedsrichter, sondern die besseren Kontakte oder das bessere Telefonbuch. Integrität? Fairer Wettbewerb? Respekt? Alles Werte von gestern. Was für eine absolute Frechheit. Ein Novum im Weltfußball. Ein Verrat an den Sport für Geld und Macht. Mal wieder.

Hat dir der Artikel gefallen?

Unterstütze unsere Arbeit, damit wir auch morgen noch unabhängig berichten und analysieren können. Schon 2 Euro machen einen großen Unterschied.

Hier weiterlesen

Miasanrot ist für alle da!

Wir finden: Fußball muss bezahlbar sein. Deshalb bieten wir unseren Content frei zugänglich für alle an. Unser Konzept baut auf die finanzielle Unterstützung von Menschen wie dir. Damit wir auch morgen wieder kritischen, fairen und sachlichen Journalismus rund um den FC Bayern betreiben können, brauchen wir dich!

Ich unterstütze MIASANROT bereits.
Jetzt unterstützen!