Chris Richards und Malik Tillman im Trikot der USA. Beide spielten einst für den FC Bayern und sind nun wichtige Spieler bei der WM 2026.
Bild: Jed Jacobsohn/Getty Images

WM 2026: Tag 2 im Blog – USA-Show und der Campus des FC Bayern jubelt mit

Justin 13.06.2026



Die WM 2026 in Nordamerika ist gestartet. In den kommenden Tagen und Wochen spielen erstmals 48 Nationen den neuen Weltmeister und damit den Nachfolger von Argentinien aus. Mit dabei: 17 Spieler des FC Bayern München.

Neben den sportlichen Ereignissen bringt das Turnier vor allem in den USA auch eine große politische Brisanz mit, die die Berichterstatter*innen vor die Herausforderung stellt, einen schwierigen Spagat hinzubekommen.

Miasanrot begleitet die Weltmeisterschaft deshalb nicht nur mit vielen Features und Analysen, sondern auch im WM-Blog, der euch täglich einen Überblick verschaffen soll. Das Format schaut vor allem auf den vergangenen Tag und blickt zudem auf die wichtigsten Ereignisse des bevorstehenden Tages.

Ziel ist es, dass der Artikel am Vormittag erscheint. Da wir dieses Projekt nur nebenberuflich stemmen können, ist unklar, ob das immer gelingt. Um dieses und ähnliche Formate in Zukunft dauerhaft ermöglichen zu können, kannst du in Erwägung ziehen, Miasanrot finanziell zu unterstützen.

Zum WM-Blog von Tag 1.

Weitere Artikel zur WM 2026:

WM 2026, Tag 2: Was ist passiert?

Kanada 0:1 Bosnien-Herzegowina

  • 0:1 Jovo Lukic (21.)
  • 1:1 Cyle Larin (78.)

Das Spiel in aller Kürze: Rennball trifft auf destruktive Physis. Kanada spielt mit viel Euphorie und Intensität, aber ohne echtes Konzept, während Bosnien vor allem verteidigt und einen Standard zum 1:0 nutzt. Kanada rennt kopflos an und gleicht spät aus. Unterhaltung entsteht vor allem durch absurd viele Fehler und Slapstickmomente. Die gefühlte Wahrheit: Mehr Fouls und Fehlpässe als erfolgreiche Zuspiele.

Miasanrot-Note: 4

USA 1:0 Paraguay

  • 1:0 Damián Bobadilla (7., Eigentor)
  • 2:0 Folarin Balogun (31.)
  • 3:0 Folarin Balogun (45.+5)
  • 3:1 Mauricio (73.)
  • 4:1 Giovanni Reyna (90.+7)

Das Spiel in aller Kürze: Ein enttäuschendes Paraguay geht gegen spielfreudige, dynamische und talentierte US-Amerikaner komplett unter. Die USA zeigt die beste Leistung einer Mannschaft bei der noch jungen WM, spart in der zweiten Halbzeit ein paar Körner und lässt sich auch vom Gegentor in der zweiten Halbzeit kaum beirren.

Werbung (Affiliate):

Miasanrot-Note: 2,5

Dinge, die auffielen

Kanada: Das wird auch mit Alphonso Davies schwer

Wirklich berauschend waren die bisherigen Spiele allesamt noch nicht. Kanada zählt dennoch bereits zu den frühen Enttäuschungen. Das Team von Jesse Marsch überzeugte zwar durchaus im athletischen Bereich, wenn es um Sprints, Intensität und Wille geht. Doch fußballerisch war das ausbaufähig.

Detailliert analysieren könnte man dabei viele Aspekte, aber einer ragte bei über 60 Prozent Ballbesitz besonders heraus: das Ballbesitzspiel. Im Prinzip bestand das aus drei Komponenten: Statischer Spielaufbau, Langholz und Flanken. In der frühen Aufbauphase agierte Kanada meist mit einer flachen Viererkette. Die Außenverteidiger schoben erst spät nach vorn, was in der frühen Phase des Aufbaus dazu führte, dass die Außenstürmer eher etwas breiter positioniert waren. Das wiederum reduzierte die Anzahl an Beinen im Zentrum, das von Bosnien recht simpel zugestellt wurde.

Vor der flachen Vier agierte eine Doppelsechs, die sich allerdings kaum Räume verschaffen konnte, wollte oder sollte. In jedem Fall zeigte sie kaum Engagement beim Freilaufen. Und auch die Offensivspieler davor bemühten sich kaum, mal die Zwischenräume zu besetzen. Wenn sie sich bewegten, dann mit Tempo in die Tiefe – manchmal sogar alle gleichzeitig, was bisweilen absurd aussah. Keine gegenläufigen Bewegungen, kein Bemühen um echtes Kombinationsspiel. Sobald die Tiefenläufe kamen, gab es oft lange Schläge nach vorn.

Dann wiederum ging es um schnelles Nachrücken, um auf die zweiten Bälle zu gehen, was in der zweiten Halbzeit etwas besser gelang als in der ersten. Das Pressing blieb dennoch zu oft harmlos. Kam der lange Ball nicht, ging es meist monoton über die Flügel und von dort wurde dann in der Regel geflankt. Ebenfalls erfolglos. Dabei zeigten sie beim 1:1, dass es auch anders geht. Hier kombinierte sich Kanada mal von außen nach innen, wenngleich der Abschluss aus der Distanz etwas glücklich im Tor landete.

Kanada rannte viel, aber Kanada rannte nicht koordiniert. Wie ein Künstler, der mit seinem Pinsel bei geschlossenen Augen wild vor der Leinwand fuchtelt. Mit sehr viel Glück entsteht etwas. Und manchmal entstand auch etwas für die Gastgeber. Dann kam aber noch Unvermögen beim Nutzen der Chancen dazu. Das wird auch mit der bevorstehenden Rückkehr von Alphonso Davies noch ein sehr weiter Weg zu einem erfolgreichen Turnier.

WM 2026: Unsere Vorschau auf das Turnier

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Miasanrot. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

USA: Die Magie von Offensivmut

Der bisher beste Auftritt einer Mannschaft bei dieser noch jungen Fußball-Weltmeisterschaft kommt von den USA. Gegen ein zugegebenermaßen enttäuschendes Paraguay zeigt die Mannschaft von Mauricio Pochettino, dass etwas Offensivmut durchaus ein Mittel sein kann, das bei großen Turnieren belohnt wird.

Es war ein unglaublich sauberer Ballbesitzvortrag der Amerikaner, der sich vor allem durch viel Tempo und Vertikalität auszeichnete. Dass es nach der ersten Halbzeit nur 0:3 aus Sicht von Paraguay stand, war die beste Nachricht für die Gäste. Team USA sorgte vor allem durch sein zentrales Mittelfeld für Tiefe im eigenen Spiel. Tyler Adams agierte meist als eine Art Ankersechser, während Malik Tillman und Weston McKennie aus der Achterposition heraus ständig die letzte Linie mit aggressiven Tiefenläufen überluden. Absicherung lieferten die tiefer positionierten Außenverteidiger, wodurch die Formation auch bei Ballverlusten stabil fürs direkte Gegenpressing blieb.

Durch die Positionierung und Offensivfreiheit der Achter öffnete die USA immer wieder die Halbräume und Schnittstellen.

Die offensive Ausrichtung überforderte die Defensive von Paraguay komplett. Dadurch hatte das Angriffstrio viel Raum, den vor allem Christian Pulisic zu nutzen wusste. Immer wieder brach der Ex-Dortmunder links mit Dribblings durch. Unter anderem bereitete er so das Eigentor zur 1:0-Führung vor. Waren die WM-Spiele bisher durch Vorsicht und Ballgeschiebe geprägt, zeigte die USA, dass Ballbesitzfußball auch schnell und attraktiv sein kann.

Die Mischung aus individuellem Talent, wodurch enge Spielsituationen souverän per Dribbling aufgelöst werden konnten, und taktischer Qualität, die den Rahmen für einen beherzten Auftritt lieferte, legte den Grundstein für einen Traumstart des Gastgebers.

Der Campus des FC Bayern bildet aus

Mit Chris Richards und Malik Tillman waren zwei ehemalige Spieler des FC Bayern im Einsatz. Zwei Spieler, die für die Qualität der Ausbildung am Campus stehen. Richards war seinerzeit auf dem Sprung zu den Profis, absolvierte immerhin fast 300 Minuten für den FCB. Ähnlich wie Josip Stanišić punktete er bereits in München mit Flexibilität (konnte außen und innen verteidigen) sowie grundsoliden Leistungen.

Heute ist er einer der wichtigsten Ankerspieler für die USA und Stammspieler bei Crystal Palace, die jüngst die Conference League gewonnen haben. Richards mag nicht die Qualität für eine größere Rolle beim FC Bayern haben, aber er hat jetzt schon einen beeindruckenden Weg hingelegt, den ihm nicht jeder zugetraut hatte. Für seine Mannschaften glänzt er mit Stabilität, wenigen Fehlern und robustem Zweikampfverhalten.

Tillmans Laufbahn haben viele Bayern-Fans schon eher im Blick. Auch er ist ein sehr flexibler Spieler, der im System von Pochettino all seine Fähigkeiten gut ausspielen kann. In einer mit vielen Freiheiten ausgestatteten Achterrolle ist der Leverkusener sowohl im tieferen Spielaufbau involviert als auch offensiv in der Lage, sein Gespür für die richtigen Zwischenräume und seine Qualität bei Tiefenläufen einzubringen. Tillman ist spielstark, gut in engen Räumen und war auf dem Weg nach vorn nahezu immer eine wichtige Station.

Er und Richards zählten in der Nacht zum Samstag nicht zu den Highlightspielern der USA, aber beide haben wichtige Rollen im Team und werden im Turnierverlauf auch ihre Momente bekommen, in denen sie in der vordersten Reihe glänzen können. Nach dem Gegentor war es unter anderem Tillman, der das Spiel zunehmend an sich riss und den USA damit direkt wieder mehr Kontrolle über das Geschehen gab.

Der Campus des FC Bayern bildet aus. Das wird manchmal vergessen, wenn das vermeintliche Scheitern in München in den Vordergrund gestellt wird. Beide haben es auf einem sehr hohen Niveau in den Profifußball gepackt. Am Ende ist das auch Werbung für den FCB und sein Nachwuchsleistungszentrum.

WM 2026: Die wichtigsten News des Tages im Überblick

  • Die Nachnominierung von Machino verläuft bei den Japanern mit Komplikationen. Der Gladbacher sollte ins Basecamp nach Nashville fliegen, allerdings wurden sowohl sein Flug als auch der Ersatzflug gestrichen. Jetzt fliegt er direkt nach Dallas, wo Japan am Sonntag gegen die Niederlande spielt.
  • Lionel Messi ist rechtzeitig für den WM-Start fit geworden. In der Nacht auf Mittwoch (3 Uhr) treffen die Argentinier auf Algerien. Kurz vor dem Turnier war der Superstar noch angeschlagen.
  • Endlich mal gute Nachrichten: In Ecuador gab Präsident Daniel Noboa bekannt, den Getränkepreis während der WM zu senken. „Wir werden die Sonderverbrauchsteuer auf alle in Maßen konsumierten Getränke, einschließlich Bier, während der Weltmeisterschaft abschaffen. Auf diese Weise wird der Bierpreis um mehr als 20 Prozent sinken.“ In der Gruppe E treffen die Ecuadorianer auf die Elfenbeinküste, Curacao und Deutschland.
  • Mexikos Präsidentin hat das Auftaktspiel der eigenen Nationalmannschaft absichtlich verpasst. Wie Claudia Sheinbaum selbst in einer Erklärung bekannt gab, stecken die hohen Ticketpreise dahinter. Aus Solidarität mit den vielen Mexikaner*innen, die sich den Besuch eines Spiels ihrer Mannschaft nicht leisten können, bleibt sie den WM-Spielen fern. Ihr Ticket gegen Südafrika gab sie der Amateurfußballerin Yolett Cervantes Cuaquehua. „Sie ist der Stolz Mexikos“, erklärte die Präsidentin. Cuaquehua gewann das Ticket mit einem Video, in dem sie ihre Qualitäten am Ball zeigte. Womöglich erspart sich Sheinbaum mit ihrem Fernbleiben auch Pfiffe des Publikums, das überwiegend aus der Oberschicht kommt – und nicht die Zielgruppe der Politik der linken Politikerin ist.
  • Marc Cucurella hat bei Radio Cope angedeutet, dass er sich das Gesicht von Nationaltrainer Luis de la Fuente tätowieren lassen könnte, wenn Spanien Weltmeister wird. Vielleicht auf den Arm?
  • Wer die bisherige WM verfolgt hat, wird festgestellt haben, dass jedes Team individuelle Torhymnen hat. Deutschland wird abermals zu „Major Tom“ von Peter Schilling jubeln – mal völlig losgelöst davon, wie oft sie jubeln werden.
  • Präsident Recep Rayyip Erdogan nutzt den bevorstehenden Auftakt der türkischen Nationalmannschaft bei der WM für eigene Propaganda. In einem Werbevideo der türkischen Fußballföderation sind neben Fußballspielern auch Projekte der regierenden AKP zu sehen. Der Clip stieß auf massive Kritik. Unter anderem sind auch Kampfflugzeuge und Marineschiffe zu sehen – und Erdogan auf dem Fußballplatz im Trikot, auf einer Militärparade und während einer Autofahrt.
  • Joachim Löw ist kein Befürworter der WM. „Ich habe immer gesagt, ich fand den Modus mit 32 Mannschaften gut“, sagte der Bundestrainer bei RTL: „Am Ende kommen zwei Mannschaften aus einer Gruppe weiter. Das ist schon mal ein Kampf innerhalb dieser Gruppenphase.“ Der jetzige Modus sei ihm „zu sehr aufgeblasen“.
  • Gianni Infantino macht sich in Italien keine Freunde. „Vielleicht qualifiziert sich Italien bei einer WM mit 64 Teams – oder wir gehen sogar hoch auf 228 Teams“, witzelte er über den viermaligen Weltmeister, um flapsig der Frage nach einer weiteren Aufstockung bei Weltmeisterschaften zu entgehen. Italiens Sportminister Andrea Abodi kündigte bereits ein Telefonat zur Klärung an.
  • Neymar wird den WM-Auftakt von Brasilien verletzt verpassen.
  • Der iranische Fußballverband kritisiert die FIFA und vor allem Infantino. Dieser habe Zusagen nicht eingehalten, nachdem er allen Verbandsmitgliedern des Irans uneingeschränkt Zugang zu den WM-Spielen versprochen hatte, sagte Teambetreuer Mahdi Mohammad Nabi der Nachrichtenagentur Reuters – einer von 15 iranischen Funktionären, die kein US-Visum für die WM-Partien erhalten hatte.

WM 2026: Rund um den FC Bayern

Alphonso Davies kam am Freitagabend nicht zum Einsatz, deshalb gibt es hier ein paar andere Informationen und Gerüchte rund um den FC Bayern.

  • Harry Kane kann mit einem weiteren Einsatz mit David Beckham gleichziehen und hätte dann die drittmeisten Länderspiele der englischen Nationalmannschaft. Zu Wayne Rooney fehlen ihm noch sechs Partien, auf Rekordspieler Peter Shilton sind es aktuell elf.
  • Manuel Neuer kann mit drei weiteren weißen Westen bei einer WM den Rekord einstellen – er steht bei sieben. Ebenso wie Thibaut Courtois. Auch hier ist Shilton Rekordhalter (10) – allerdings gemeinsam mit Fabien Barthez. Bester deutscher Torhüter der WM-Geschichte ist Sepp Maier mit acht.
  • Thierry Henry freut sich auf einen Spieler am meisten bei dieser WM, wie er bei Fox verriet: „Michael Olise, ganz einfach. Wir können darüber sprechen, was er für Bayern München in dieser Saison getan hat, er hat das Double gewonnen, ist Spieler der Saison, Assists, Tore. Er ist ein Traum für einen Trainer. Ich hatte die Gelegenheit, ihn zu trainieren – er spielt das Spiel nicht, er denkt das Spiel. Das unterscheidet ihn aus meiner Sicht von anderen.“

Wie geht es heute weiter bei der WM?

Die WM nimmt ab heute richtig Fahrt auf. Um 21 Uhr treffen Katar und die Schweiz aufeinander, um Mitternacht wird die Partie zwischen Brasilien und Marokko angepfiffen. Voraussichtlich mit dabei: Ismael Saibari, der wohl vor einem Transfer zum FC Bayern steht – unser Scouting Report zum Spieler.

Weiter geht es dann um 3 Uhr mit Haiti und Schottland, ehe Australien und die Türkei um sechs Uhr den Viererblock schließen. Wann unser WM-Blog zum dritten Tag erscheint, ist noch unklar. Vermutlich müssen wir mindestens ein Spiel im Relive schauen, was den Veröffentlichungszeitpunkt am Sonntag nach hinten schieben könnte.

Hat dir der Artikel gefallen?

Unterstütze unsere Arbeit, damit wir auch morgen noch unabhängig berichten und analysieren können. Schon 2 Euro machen einen großen Unterschied.

Hier weiterlesen

Miasanrot ist für alle da!

Wir finden: Fußball muss bezahlbar sein. Deshalb bieten wir unseren Content frei zugänglich für alle an. Unser Konzept baut auf die finanzielle Unterstützung von Menschen wie dir. Damit wir auch morgen wieder kritischen, fairen und sachlichen Journalismus rund um den FC Bayern betreiben können, brauchen wir dich!

Ich unterstütze MIASANROT bereits.
Jetzt unterstützen!