Vorschau: FC Bayern München – Eintracht Frankfurt

Justin Trenner 22.05.2020

Frankfurt war für den FC Bayern in dieser Saison der Wendepunkt. Am 2. November 2019 überrollte die Eintracht den Rekordmeister mit 5:1 und Niko Kovač war seinen Job an der Säbener Straße los. Anschließend gab es für den FCB 19 Siege, ein Unentschieden und nur zwei Niederlagen.

Einer der wichtigsten Faktoren dafür war Hansi Flick, der es in nur kürzester Zeit schaffte, die Mannschaft zu stabilisieren und insbesondere die Schlüsselspieler der letzten Jahre zu stärken. Thomas Müller, Thiago, David Alaba und auch Jérôme Boateng machten unter ihm große Sprünge.

Gerade im taktischen Bereich hatte sich jedoch viel verändert. Bis zur Coronapause war die Handschrift von Flick immer mehr zu erkennen. Und selbst nach der langen Unterbrechung deuteten die Münchner ihre zurückgewonnenen Qualitäten gegen Union Berlin schon wieder an.

Souveräner Start der Bayern?!

Nach 20 Minuten der Eingewöhnung kontrollierte das Team ihren Gegner und schaffte es, zwei Tore zu erzielen und so den ersten ungefährdeten Sieg auf der Zielgeraden der Saison zu erringen. Effizient im Pressing, mutig im Spiel nach vorn und hinten wach bei Kontersituationen – es war gewiss kein schlechter Auftakt.

Trotzdem blieb vieles nur in Ansätzen gut. Gerade die Präzision scheint in den vergangenen Wochen sehr gelitten zu haben. Rund 84 % Passquote ist für den Tabellenführer ein eher schwacher Wert. Wobei auch bei den angekommenen Pässen viele Ungenauigkeiten zu beobachten waren.

Union konnte diese aber nicht für sich nutzen, blieb im Spiel nach vorn zu limitiert. Jetzt also Eintracht Frankfurt. Eine Mannschaft, die auf dem Papier mindestens genauso unangenehm zu bespielen ist wie die Eisernen. Kompakt im Zentrum, aggressiv in den Zweikämpfen, keinesfalls ein Gegner, der sich nur hinten reinstellt – unter Adi Hütter spielt die Eintracht an guten Tagen einen dynamischen, sehr vertikalen und leidenschaftlichen Fußball.

Frankfurts Stärken und Schwächen

Mit ihrer Direktheit im Spiel nach vorn schaffen es die Frankfurter in aller Regelmäßigkeit, Pressingversuche des Gegners einfach zu überspielen. Und doch scheint in dieser Saison häufig der Wurm drin zu sein. Der SGE fehlt schlicht die Konstanz. Auch innerhalb eines Spiels wechseln sich gute Phasen mit schwächeren Phasen ab.

Ein Faktor für die Achterbahnfahrt in dieser Spielzeit dürfte sein, dass das Angriffsspiel berechenbarer geworden ist. Dass der Weggang von Rebić, Jović und Haller nicht so einfach aufzufangen sein wird, war absehbar. Und doch ist die Abhängigkeit von Filip Kostić einfach zu groß. Nicht nur seine 4 Tore und 8 Torvorlagen sind ein Indikator für diese These, sondern auch Spiele wie jenes zuletzt in Gladbach.

Die Borussia verstand es gut, Kostić aus dem Spiel zu nehmen, wodurch Frankfurt über weite Strecken recht ideenlos wirkte. Dem Flügelspiel fehlt es hier und da an Alternativen zu der typischen Kostić-Flanke. In der vergangenen Saison waren die Läufe und Positionswechsel in der Offensive effizienter, wodurch es von außen häufiger mal mit (diagonalen) Kombinationen statt durch einen hohen Ball ins Zentrum ging.

Und doch sollten die Bayern diese Partie nicht auf die leichte Schulter nehmen. Zwar spricht viel für sie, doch Frankfurt dürfte sich in der Außenseiterrolle wohlfühlen. Gegen Gladbach schien gerade der Ballbesitzanteil von rund 52 % ein Problem zu sein. Aus dem 4-1-4-1 heraus ließ sich stets ein Mittelfeldspieler zwischen die Innenverteidiger fallen, doch der Sechserraum blieb oft unbesetzt. Frankfurt schaffte es nicht, die höher positionierten Spieler einzusetzen und spielte mitunter fatale Fehlpässe.

Gegen Bayern werden sie weniger auf ihre Fähigkeiten im Aufbauspiel angewiesen sein. Dort können sie sich mehr auf ihre Stärken im Spiel gegen den Ball und im Umschalten konzentrieren. Die Frage ist nur, wie effizient und mit welcher Präzision ihnen das gelingt.

Mit Rückenwind ins Top-Spiel?

Eine weitere Frage wird sein, wie viel die Bayern zulassen. Gerade Benjamin Pavard und Jérôme Boateng werden gegen Kostić bei Kontersituationen im Mittelpunkt stehen. Ähnliche Ungenauigkeiten wie gegen Union könnten eventuell schneller zu Gegentoren führen, wenn man bei leichtfertigen Ballverlusten nicht gut organisiert ist. Flicks Mannschaft täte deshalb wohl gut daran, das Spiel mit mehr Ruhe zu beginnen als letzte Woche. Das Spiel der Frankfurter gegen Gladbach zeigte zudem, dass die SGE mit schnellen Seitenverlagerungen Probleme hatte. Vielleicht setzt Hütter deshalb nach längerer Zeit sogar mal wieder auf eine Fünferkette, die in der Breite womöglich besser verteidigen könnte.

Umso einscheidender wäre auf Bayern-Seite aber der Verlust Thiagos, sollte er es nicht rechtzeitig in den Kader schaffen. Er ist gerade gegen solche Gegner als pressingresistenter und raumöffnender Taktgeber von großer Bedeutung.

Vor dem Topspiel gegen Borussia Dortmund können sich die Bayern jedenfalls keinen Punktverlust mehr erlauben. Frankfurt ist die letzte Möglichkeit, entscheidenden Ryhthmus für Dienstag aufzunehmen. Gleichzeitig ist es für die Bundesliga vielleicht eine der letzten Möglichkeiten für einen weiteren Wendepunkt an der Tabellenspitze. Dann wäre Frankfurt diesmal aber der Spielverderber und nicht die Mannschaft, die den schlafenden Riesen weckt.

Werbung in eigener Sache: Morgen werde ich auf einem der Sky-Kanäle (genauer weiß ich es aktuell nicht) Teil des neuen Formats #CouchKurve sein. Gemeinsam mit einem Franfurt-Fan (Basti Red) und Kommentator Florian Schmidt-Sommerfeld werde ich das Spiel per Videoschalte schauen und mit den beiden kommunizieren. Schaltet gern mal rein! Es geht kurz vor Anpfiff los.

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So läuft es gegen Frankfurt …

Es wird wieder eine zähe Anfangsphase geben. Der Spielverlauf wird davon abhängen, ob Frankfurt in dieser Phase ein Tor gelingt. Ich tippe darauf, dass Bayern – vielleicht mit etwas Dusel – unbeschadet in die Pause geht und im zweiten Durchgang eine bessere Leistung abruft. Am Ende gewinnen die Münchner erneut mit 2:0.

So könnte Bayern spielen …

4-2-3-1: Neuer – Pavard, Boateng, Alaba, Davies – Kimmich, Goretzka – Müller, Coman, Gnabry (Perišić) – Lewandowski

Es fehlen: Süle, Coutinho, Tolisso (alle verletzt oder mit Trainingsrückstand), eventuell Thiago

So läuft der Spieltag …

Hertha BSC 1:2 Union Berlin
Freiburg 2:1 Bremen
Wolfsburg 1:3 Dortmund
Paderborn 1:2 Hoffenheim
Gladbach 3:2 Leverkusen
Bayern 2:0 Frankfurt
Schalke 2:1 Augsburg
Mainz 1:3 Leipzig
Köln 2:1 Düsseldorf



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  1. Zur Werbung in eigener Sache:

    Muss ich doch glatt einschalten. Basti ist auch ein saucooler Typ. War der nicht ausgerechnet nach der 1:5-Klatsche im Rasenfunk zu Gast?

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. Der hat auch bei drei90 immer die grösste Klappe :) Das zieh ich mir dann heute auch rein

  2. Lustig dass du das machst wo du schon so gegen Sky gewettert hast :)

    Antwortsymbol10 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Lustig, dass ich noch Bayern schaue, obwohl ich so oft gewettert habe in meinem Leben.

      Was ist denn das bitte für eine peinliche Logik, wenn ich dort absage, weil ich Sky GO und die gestrichene Re-Live-Funktion schlecht finde.

      1. Reagierst aber ganz schön gereizt, „peinliche Logik“.
        Als Leser Deiner Beiträge darf man wohl noch hinterfragen ob Dein Engagement beim Hauptgeldgeber des BuLi Business geeignet ist Deine Objektivität in der Thematik zu beeinflussen – oder nicht.
        Ist im „normalen“ Journalismus üblich und nicht persönlich zu nehmen.

      2. Weil mich das nervt. Und dein Zitat ist aus dem Kontext gerissen. Es wäre MEINERSEITS eine peinliche Logik. Habe ich auch so geschrieben.

        Ich bin kein Journalist. Ich bin ein Fan, der über den FC Bayern berichtet und seine Meinungen dazu äußert. Großer Unterschied.

        Ich kann sehr wohl etwas kritisieren, sollte dann aber auch offen dafür sein, Schritte auf die kritisierte Seite zuzumachen, wenn mir etwas gefällt. Ist auch das letzte, was ich dazu schreibe. Ich muss mich hier doch nicht dafür rechtfertigen. Wenn ihr meint, man müsse konsequent allem fern bleiben, was man kritisch sieht: bitte! Ich suche dann lieber den Dialog und bin offen dafür, meine Meinung zu überprüfen und Schritte auf andere zuzugehen.

      3. Und btw: Für den Spaß heute kriege ich keinen Cent. Ich bin da, weil ich Bock drauf habe.

      4. Justin – mir fällt Deine Dünnhäutigkeit hier auch regelmäßig auf. Und als jemand, der regelmäßig Artikel für Focus Online und ntv schreibt sowie auch Buchautor bist, bist Du halt schon etwas mehr als “… ein Fan, der über den FC Bayern berichtet und seine Meinungen dazu äußert..”.

        Einfach etwas gelassener bleiben – persönliche Angriffe kannst Du ja auch einfach melden und editieren lassen :-)

      5. Ich bin immer noch ein Fan, der über den FC Bayern schreibt und n-tv sowie Focus wollten das auch genauso. Sie wollten mich als freien Autor haben, weil ich genau diese Perspektive einbringe: Fan, der über seinen Klub schreibt.

      6. Und ja, die Reaktion im ersten Kommentar war zu dünnhäutig. Aber du vergisst auch gern mal, dass ich nicht nur einen Kommentar dieser Art bekomme. Das tut mir dann Leid für denjenigen, der meine Genervtheit (manchmal zu unrecht) abbekommt, ist aber irgendwo auch menschlich.

    2. Leute warum muss man das so verkomplizieren.
      Da ist ein neues Format und Justin ist dabei.
      Warum immer dieses Hinterfragen und Hintergedanken.
      Wünsche ihm viel Spass dabei und schaue es mir unvoreingenommen an.
      Könnte man eine andere oder sogar unterhaltsamere Alternative zu sein als den Fuß etc Kommentaren zu lauschen.

      1. “Leute warum muss man das so verkomplizieren.”
        “Warum immer dieses Hinterfragen und Hintergedanken.”
        Würde diesem Blog in meinen Augen sehr gut tun, wenn du diese Ratschläge selbst beherzigen würdest.

      2. Ich hab mit diesem einen Beitrag genau so viel Konstruktives beigetragen wie andere mit ihren 10 Beiträgen täglich.
        Und das ohne mit Beleidigungen um mich zu werfen.

  3. Ich werde mal reinschauen.
    Ist das Spiel zu sehen und ihr kommentiert diskutiert dazu oder ist das Spiel nicht zu sehen sondern drei Leute die darüber diskutieren?

    Verstehe das Format nicht ganz

    Antwortsymbol4 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Das Spiel ist natürlich zu sehen, aber nicht als Vollbild. Wir sind unten nebeneinander eingeblendet und rechts läuft am Rand ein Social-Media-Feed und noch irgendwas. Ist quasi wie der Werberand, der häufiger mal eingeblendet wird.

      1. Ah ok
        Mal sehen was ihr da so fabriziert.
        Könnte interessant werden.
        Viel Spass dabei.

      2. Interessantes Format.
        Schade aber das der Frankfurter zu oft seine Ego Show abziehen durfte denn damit trat dann in einigen Phasen das Spiel zu sehr in den Hintergrund.
        Der Moderator( oder was er auch immer sein soll) hat es dann zu lange laufen lassen oder noch befeuert. Habe dann zweite HZ wieder auf Normalton geschaltet auch weil der Dittmann diesmal wenig gequasselt hat.
        Am besten wäre eine Option ohne jeglichen Kommentar dafür die Aussenmikros auf die Bayernbank ausgerichtet. Finde es sehr interessant die Anweisungen von Müller und auch Alaba zu hören- die mit Abstand kommunikationsstärksten Spieler auf dem Platz. Dachte eigentlich das man von Kimmich mehr hört.
        Justin wie so oft perfekt auf den Punkt analysiert. Aber die kleinen unnötigen Abspielfehler- oder Herschenken ist das präferierte Wort- vor den Standardgegentoren sind schon kritisch zu sehen.

  4. Weiß man schon Näheres zu Thiago? Also besteht Hoffnung auf einen Einsatz in Dortmund?

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. Nein, besteht nicht: Probleme in den Adduktoren.

      Thiago bestritt am Sonntag nur leichtes Lauftraining. Folglich wird er am Dienstag nicht mal auf der Ersatzbank sitzen.

  5. Koa Thiago. Schmeckt mir schon mal nicht. Hoffe er ist wenigstens für den BVB fit.

  6. Kann es sein, dass Goretzka körperlich ordentlich aufgebaut hat? Der kam mir bislang noch nicht so bullig vor.

  7. […] fast schon zu einem Endspiel für die Frankfurter. Umso bitterer ist es für die Eintracht, dass Schlüsselspieler Kostic gesperrt fehlen […]

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