Bayern vor dem BVB-Spiel in Torlaune

Maurice Trenner 23.05.2020

Nach der 1:5-Niederlage im Hinspiel musste Niko Kovač bei seinem Ex-Verein die Taschen packen. Seitdem verloren die Münchner unter Hansi Flick nur noch zwei Spiele in allen Wettbewerben. Heute stand eine richtungsweisende Partie vor dem Topspiel gegen Borussia Dortmund am Dienstag an.

Falls ihr es verpasst habt

Die Aufstellung

Im Vergleich zum Sieg im ersten Spiel nach der Corona-Pause gegen Union Berlin musste Coach Flick auf Thiago und Gnabry in der Startformation verzichten. Für den Spanier, der angeschlagen nicht im Kader stand, rückte Perišić ins Team. Goretzka spielte somit im Zentrum. Für Gnabry, bei dem Flick mit Blick auf Dienstag nichts riskieren wollte, stürmte Coman. Erneut blieb für Rekordeinkauf Hernández nur ein Platz auf der Bank. Die Viererkette stellten erneut Pavard, Boateng, Alaba und Davies.

Als Wechseloptionen standen bei den Münchnern neben den etablierten Hernández und Gnabry sowie Martínez, hauptsächlich Reservespieler plus Madrid-Leihgabe Odriozola zur Einwechslung bereit.

Auf der Gegenseite war Trainer Adi Hütter etwas aktiver und wechselte gleich vierfach. Abraham, Sow, Dost und Kamada, die bei der 1:3-Niederlage gegen Mönchengladbach noch spielten, mussten alle auf die Bank. Kapitän Abraham war verletzungsbedingt gar nicht im Kader. Da Costa, Gaćinović, Fernandes und Silva waren stattdessen mit von der Partie. Es blieb jedoch beim 4-2-3-1-System der Hessen.

Erste Hälfte

Die Frankfurter begannen mit einem hohen Pressing, das es den Münchnern beim Spielaufbau aus der eigenen Hälfte sehr schwer machte. Offensiv sortierte sich Coman auf dem rechten Flügel ein, Perišić auf links. Im Mittelfeld spielte Goretzka zwar klar hinter Müller, interpretierte allerdings seine Rolle deutlich offensiver als Thiago dies sonst macht.

Die Münchner fanden jedoch zunehmend Lücken, gerade wenn Coman oder Davies mit Tempo die Frankfurter Defensive anlaufen konnten. Nach einer Ecke schoss Lewandowski den Ball an die Querlatte (11.). Die erste Großchance der Partie. Kurz danach rutschte Perišić an einem schönen Halbfeldpass von Kimmich vorbei. Der Kroate hätte frei vor Trapp gestanden. Die Bayern waren nun stark in der Partie. Eine Flanke von Kimmich köpfte Pavard freistehend aus fünf Metern auf Trapp (14.).

Folgerichtig fiel dann auch das 1:0 für die Hausherren. Bei einer Flanke von Müller rückte Goretzka, wie so oft zuvor, zum richtigen Zeitpunkt nach und schloss unhaltbar für Trapp ab. Sein vierter Treffer in der Rückserie. Die Münchner belohnen sich für sehr starke fünf Minuten. 

In der Phase nach dem Tor verflachte die Partie. Die Bayern waren nun nicht mehr so zwingend wie noch zuvor. Angriffe wurden nicht mehr konsequent ausgespielt. Sinnbildlich zwei unnötige Fernschüsse von Kimmich. Durch ein gutes Pressing schaffte man es allerdings den Frankfurter Spielaufbau immer wieder zu stören. Die Hessen kamen nicht ins Spiel. 

Geisterstimmung in München. So leer war die Arena sonst nur, wenn die Blauen spielten.
(Foto: Andreas Gebert/Pool/AFP via Getty Images)

Nach 35 Minuten kam es zu einer längeren Behandlungspause. Hinteregger hatte durch einen unabsichtlichen Faustschlag Lewandowski niedergestreckt. Der Österreicher kassierte dafür die erste gelbe Karte einer sonst fairen Partie. Mit gepflasterter Wunde ging es für den Polen weiter. 

In der 41. Minute zappelte der Ball erneut im Netz. Einen Konter konnten die Roten zuerst nicht erfolgreich abschließen, doch im Nachsetzen kam Davies zur Flanke. Diese vollstreckte Müller artistisch zum 2:0. 

Mit diesem Ergebnis ging es auch zum Pausentee. Das Spiel war bis dahin durchaus ein Fingerzeig des Tabellenführers. Mit 14 Torschüssen hatte der Rekordmeister schon zur Halbzeit die Gesamtzahl des vorherigen Wochenendes übertroffen. 

Zweite Hälfte

Hütter reagierte zur Pause und brachte Chandler für N’Dicka. Doch auf dem Platz änderte sich wenig. Müller spielte direkt auf Coman, der ebenfalls direkt in die Mitte flankte, wo Lewandowski stark einköpfte (46.). Sein 27. Treffer der Saison. Ein toller Spielzug gegen schlafende Gäste.

Dass die Frankfurter immer noch mitspielen, zeigten sie in der 52. Minute. Bei einem Eckball nahmen es die Münchner mit den 1,50-Meter-Abstand etwas zu ernst und Hinteregger kam seelenruhig am Fünfmetereck zum Abschluss. Der Anschlusstreffer der Hessen und das erste Gegentor seit Mitte Februar.

Und es kam noch dicker! Drei Minuten später gab es die nächste Ecke und erneut wird der Österreicher frei gelassen. Dieses Mal vollstreckt er per Kopf. Aus einem komfortablen 3:0 wurde so binnen weniger Augenblicke ein komplett offenes 3:2. Wie würde der Tabellenführer mit diesem Rückschlag umgehen?

Mit einem eigenen Treffer. Davies krönte seinen starken Auftritt mit dem 4:2 (61.). Mit seinem unwiderstehlichen Antritt ersprintete er einen zu kurzen Pass von Fernandes und verwandelte überlegt ins linke untere Eck. Kurz darauf reagierte Flick dann zum ersten Mal und brachte Gnabry für Perišić (63.). Der deutsche Nationalspieler sollte den Deckel auf die Partie machen, die so plötzlich wieder spannend wurde.

Spannend wurde es aber vor allem im Münchner Strafraum. Die Roten bekamen zu selten Zugriff, wenn die Frankfurter mit Tempo auf die Hintermannschaft zu liefen. Gaćinović scheiterte in der 68. Minute aus bester Position. Um die Abwehr zu stabilisieren, brachte Flick Hernández für Boateng.

Doch kurz darauf entschieden die Frankfurter die Partie selbst. Einen langen Ball legt Gnabry im Duell mit Trapp in die Mitte, wo sich – ausgerechnet – Hinteregger den Ball wie beim Pinball vom linken Fuß an die rechte Hacke schießt und die Kugel ins leere Tor rollt. 5:2 in der 74. Minute. 

Die Moral der Frankfurter schien damit nun gebrochen. Etwas überraschend, aber konsequent zu seiner bisherigen Linie wechselte Flick keinen der zahlreichen Jugendspieler von der Bank ein. Mitten in diese Überlegungen von mir schloss Kostić nach einem Konter an den Innenpfosten ab (83.). Dann strafte auch noch der Trainer mich Lügen und brachte Zirkzee sowie Cuisance für Kimmich und Coman.

Am Ende eines verrückten Samstagabends stand ein 5:2-Heimsieg für den FC Bayern. Einer über 46 Minuten starken Leistung, folgte ein überraschendes Abschalten der Roten. Nach den Anschlusstreffern der Hessen konnte man das Spiel jedoch zunehmend entschärfen und verdient gewinnen. Die teils vogelwilde Defensive gibt für das Top-Spiel gegen Dortmund jedoch zu denken.

Drei Punkte, die auffielen

1. Eintracht presst, Bayern bleibt ruhig

Adi Hütters Plan vor dem Spiel mag Sinn ergeben haben. Ohne Thiago fehlte den Münchnern ein zweiter passstarker Mittelfeldspieler, der den Spielaufbau übernehmen und gegen ein aggressives Pressing entlasten könnte. Daher ließ er seine Spieler sehr hoch in der Münchner Hälfte die Heimmannschaft anlaufen. 

Doch die Münchner blieben nach kleineren anfänglichen Problemen ruhig und entwickelten ein gutes Gegenrezept. Neuer wurde vermehrt einbezogen und der Keeper versuchte immer wieder mit langen Bällen die kopfballstarken Lewandowski und Müller in Szene zu setzen. Diese sollten im Rücken des Frankfurter Pressings den Ball festmachen, um dann mit einem Pass auf einen aufrückenden Mittelfeldspieler den Angriff einzuleiten.

Dies klappte auch mehrfach gut. Oft wurde der Ball dann auf die Außen geleitet, wo Perišić oder Coman dann ins Dribbling gehen konnten. Während man beim Franzosen immer wieder die fehlende Spielpraxis anmerkte, versuchte der Kroate viel mit Erfahrung zu lösen. Verlor er in den ersten zehn Minuten noch zwei Bälle, fand er danach immer besser ins Spiel

2. Starke Einzelleistungen

Aus einer geschlossen starken Teamleistung stachen einige Spieler besonders hervor. Ohne Thiago als kongenialer Partner, spielte Kimmich eine komplette Partie. Er war hinten in den wichtigen Zweikämpfen, leitete den Spielaufbau ein und konnte offensiv Akzente setzen. Gleich mehrmals tauchte er auch auf seiner früheren Stammposition auf rechts auf und flankte gefährlich vor das Tor von Trapp. Am Ende standen fünf Key-Pässe für den Mittelfeldspieler zu Buche.

Über Thomas Müller wurden ebenfalls schon viele Worte verloren. Erneut spielte er eine starke Partie, die er mit zwei Scorerpunkten krönte. Wie in seinen besten Tagen war er überall in der Offensive und zog durch sein Wechselspiel mit Perišić und Coman die Abwehr immer wieder auseinander. 

Zwei Matchwinner unter sich: Thomas Müller und Alphonso Davies.
(Foto: Andreas Gebert/Pool via Getty Images)

Abschließend soll auch noch einmal Davies erwähnt werden. Zwar kennt mittlerweile jeder die hohe Endgeschwindigkeit des jungen Kanadiers, doch ein Gegenmittel hat bisher noch kein Gegner gefunden. Immer wieder sind Gegenspieler von seinen Sprints regelrecht überrascht. So auch vor dem 2:0, als er per Sprint einen Pass abfängt und dann zum Tor flankt. Oder beim 4:2, als er in den Querpass von Fernandes reinsprintete. 

3. Großes Spiel am Dienstag

Was die beiden Spiele seit der Rückkehr der Liga bedeutet haben, wird sich am Dienstag zeigen. Das Duell mit dem Verfolger Borussia Dortmund verspricht eines der spannendsten der jüngeren Geschichte zu werden. Beide Mannschaften sind sehr gut in Form, stellen die beiden besten Angriffe der Liga und haben zusammen seit der Winterpause in der Liga nur fünf Punkte abgegeben.

Doch während die Verfolger aus dem Pott die Zeit nach dem Restart bisher unbeschadet und ohne ernstes Zittern überstanden, zeigten die Bayern heute erstmals für eine halbe Stunde Nerven. Die Hintermannschaft der Münchner ist anfällig und die schwarz-gelbe Sturmreihe wird ein ernsthafter Test. Mit Haaland, Sancho und Brandt haben die Dortmunder auch ohne den verletzten Reus genügend Offensiv-Power, um die Roten zu testen.

Doch auch die Münchner müssen sich keinesfalls verstecken. Müller, Davies und Kimmich untermauerten ihre starke Form. Zudem kehrt mit Thiago noch ein zentraler Spieler zurück. Auch Gnabry sollte bis Dienstag wieder vollends genesen sein. Man darf sich auf einen absoluten Leckerbissen freuen.

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