Bayern Munich's Julian Green celebrates scoring his first goal against Inter Milan during an International Champions Cup match in Chatrlotte, North Carolina, on July 30, 2016. / AFP / NICHOLAS KAMM

Testspiel: Inter Mailand – FC Bayern München 1:4 (0:4)

Christopher Trenner 31.07.2016

Das Spiel beider Mannschaften fand in Charlotte (North Carolina) statt. Trotz sommerlich heißer Temperaturen von über 30 Grad gegen 17 Uhr Ortszeit, entwickelten die Münchner viel Spiellaune vor immerhin 53.629 Zuschauern.

Falls Ihr es verpasst habt:

Im Vergleich zum Spiel gegen den AC Milan änderte Ancelotti auf ein paar Positionen seine Startaufstellung. Starke stand für Ulreich im Tor. In der Abwehr begann Feldhahn neben Martínez, Rafinha und Alaba. Außerdem setzte der Italiener auf eine Doppelsechs aus Thiago und Vidal. Vor drei Tagen spielte dort zunächst noch Alonso neben Thiago. Davor versuchte Ancelotti ein sehr variables System mit Ribéry auf der linken Seite und Benko auf der rechten Seite zu etablieren. Pantovic war nominell auf der Achter/Zehnerposition, zog aber sehr oft zu Ribéry auf die linken Seite. Im Sturm spielte Green.

Den Münchnern machte die große Hitze in Charlotte scheinbar wenig zu schaffen. Sie gingen früh hohes Tempo und erspielten sich über die linke Seite immer wieder Torchancen. In der siebten Minute hinterläuft Alaba Ribéry und flankt scharf ins Zentrum. In der Mitte muss Green nur noch das lange Bein hinhalten und trifft zum 1:0 für die Münchner. Gestärkt von der frühen Führung spielten die Bayern weiter sehr vertikal nach vorne, aber verlagerten dabei auch immer wieder geschickt den Ball. So auch in der 17. Minute als das Spielgerät über mehrere Stationen von links nach rechts gespielt wird. Benko wird schließlich im Strafraum gefunden und dribbelt geschickt seinen Gegenspieler aus. Anschließend findet er Ribéry in der Mitte. Dieser hat wenig Mühe, da Handanovic bereits verladen war und verwandelt zum 2:0.

Etwas später trafen die Münchner nach einem halben Konter. D’Ambrosio springt unter einem langen Ball von Starke hindurch und ermöglicht somit Ribéry mit Tempo auf die Abwehr zuzulaufen. Der Bayern-Kapitän spielt Green an, der mit links überlegt ins lange Eck einschiebt. Handanovic war abermals geschlagen (32.). Nach einer Trinkpause war es erneut Green der zum dritten Mal traf. Vidal wird im Achterraum nicht angegriffen und bedient den hinterlaufenden Rafinha. Dieser passt flach in die Mitte und der Bayern-Stürmer trifft erneut in das Tor von Inter. Mit 4:0 ging es in die Kabine. Es war die höchste Führung in den bisherigen Testspielen und vielleicht auch die beste Halbzeit unter Ancelotti.

In der zweiten Halbzeit wurde es dann deutlich ruhiger. Die Münchner wechselten bereits vierfach. Vidal, Martínez, Pantovic und Ribéry hatten den Platz verlassen. Alonso, Tillmann, Bernat und Öztürk kamen in die Partie. Die nun fehlende individuelle Qualität von Ribéry machte sich sofort bemerkbar. Die Münchner konnten sich nicht mehr so selbstverständlich in den Strafraum kombinieren. Das lag aber auch daran, dass Inter nun wesentlich stabiler im 4-4-2 stand und besser verschob. Die Außenverteidiger der Münchner wurden effektiver übergeben und die Räume im Mittelfeld konsequenter besetzt. Sogar einige Halbchancen konnten sich die Italiener erspielen. Ein Rückpass von Alaba direkt in die Füße von Icardi ermöglichte Inter Mailand immerhin noch den Ehrentreffer in der vorletzten Spielminute. Abermals war es ein Aussetzer eines Bayern-Abwehrspielers, der zu einem Gegentor führte.

3 Dinge, die auffielen:

1. Starke Vertikalität

Zugegeben – die Leistung von Inter Mailand macht es schwer die Bayern-Spieler zu bewerten. Auffällig war allerdings die starke Vertikalität der Doppelsechs Thiago und Vidal. Beide kippten immer wieder zwischen Martínez und Feldhahn ab und holten sich die Bälle tief am eigenen 16er. Im Gegensatz zur Guardiola-Ära wurde der Ball aber auch teilweise durch Dribblings nach vorne getragen. Thiago ist natürlich der ideale Spieler dafür, aber auch Vidal kann diese Funktion übernehmen. Beide rückten infolgedessen auch stark mit auf und versuchten die Halbräume bei eigenen Ballbesitz zu besetzen. Diese Aufrückbewegungen rissen immer wieder große Löcher in das 4-4-2 von Inter. Vornehmlich auf der linken Abwehrseite der Italiener. Nicht ohne Grund wurden relativ leicht zwei Tore über diese Seite eingeleitet.

Allerdings war auch auffällig, dass durch die starke Aufrückbewegung von Vidal und Thiago durchaus große Löcher im Mittelfeld entstehen können. Auch weil Martínez und Feldhahn nicht so stark mit nach vorne verschoben haben. Wie konteranfällig das System von Ancelotti wirklich ist, werden wohl die ersten Pflichtspiele zeigen. Ein Gefahrenpotential wie in der ersten Guardiola-Saison ist aber durchaus vorhanden.

2. Julian Green – der 20. Feldspieler?

Lange hat es gedauert, aber gegen Inter Mailand war es endlich soweit. Julian Green hat die Chance genutzt die er in den ersten drei Wochen unter Carlo Ancelotti erhalten hat. Bisher spielte der Nachwuchsspieler des FC Bayern in jedem Testspiel, zumeist fehlte es aber an der nötigen Durchschlagskraft. Gegen Lippstadt, beim ersten Testspiel, haben wir die Abschlussschwäche von Green deutlich angemerkt. Gegen Inter zeigte er sich nun deutlich verbessert und deutete an, warum der FC Bayern doch an ihm festhält. Drei Tore in der ersten Halbzeit, allesamt überlegt und gut abgeschlossen. Das Potential von Green flackerte endlich wieder auf. Meist lag das Problem in der Vergangenheit beim Wiederabrufen der selbigen Leistung. Die kommenden Wochen werden hier einen Indikator liefern. Der US-Nationalspieler dürfte gegen Real Madrid beim letzten Testspiel in seinem Heimatland nochmals in der Startelf stehen. Ab dann kehrt Robert Lewandowski zurück und der FC Bayern bestreitet in dieser Phase nur noch Pflichtspiele. Green muss weiter an sich arbeiten, will er als 20. Feldspieler in die Saison des FC Bayern starten. Hinter Robert Lewandowski gibt es eine strategische Lücke. Green kann in diese stoßen, auch wenn er nicht gerade den Typus des zweiten Stürmers verkörpert.

3. Heißsporn Franck Ribéry

Franck Ribéry sprüht richtig vor Spielfreude und ist aktuell ein wichtiger Bestandteil im Spiel des FC Bayern. Zusammen mit Alaba spielt er in den Überlegungen von Carlo Ancelotti wohl eine entscheidende Rolle. Die Münchner überladen immer wieder geschickt die linke Angriffseite und schaffen so Freiräume für das Zusammenspiel von Ribéry und Alaba. Die Muster sind bekannt, aber noch immer äußerst wirkungsvoll, da Ribéry deutlich von seinem aktuellen Fitnesszustand profitiert. Er wirkt spritziger und dynamischer als in der abgelaufen Saison. Dies hilft natürlich ungemein in den vielen Dribblings die der Franzose ausführt. Gegen Inter Mailand war er in den ersten dreißig Minuten der Ausgangspunkt nahezu jedes Bayernangriffs. Das 1:0 bereitete er mit einem Pre-Assist vor. Das 2:0 erzielte er selbst und das 3:0 leitete er durch einen guten Körpereinsatz selbst ein und bereite den Treffer von Green vor.

Verstärkt negativ fallen aber mit steigender Spielfreude auch die wiederaufkommenden Undiszipliniertheiten auf. Es scheint fast so als gehen Kreativität und Aggressivität bei Ribéry Hand in Hand. Felipe Melo foulte den Franzosen relativ rüde in der 24. Minute. Kein Foul, welches man auf dem Fußballplatz nicht schon gesehen hätte. Ribéry war dennoch so gereizt von Melo, dass er diesen zwei Minuten später abseits des Balls umstößt bzw. sich mit ihm verhakt. Der erfahrene Bayern-Akteur sah folgerichtig die gelbe Karte und war damit noch gut bedient. Carlo Ancelotti wird viel Moderationsarbeit leisten müssen, will er Ribery einfangen und auf die richtige Bahn führen. Im jetzigen Zustand ist er ein Gefahrenherd – nicht nur im positiven Sinne, da er in jedem Pflichtspiel nah an einem Platzverweis stehen kann, sollten bestimmte Faktoren zusammenlaufen.

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