CHARLOTTE, NC - JULY 30: Thiago, team coach Carlo Ancelotti and Milos Pantovic (L-R) of Bayern Muenchen are pictured during a water break of the International Champions Cup match between FC Internazionale and FC Bayern Muenchen on July 30, 2016 in Charlotte, United States. (Photo by Alexandra Beier/Bongarts/Getty Images)

Carlo Ancelotti: Ein erstes Zwischenfazit

Seit wenigen Wochen hat der FC Bayern mit Carlo Ancelotti einen neuen Trainer. Dem Italiener fehlen zwar noch einige Spieler, aber dennoch konnte man in den Testspielen erste Ideen des 57-Jährigen beobachten.

Vorweg sei gesagt, dass die bisherigen Spiele noch nicht den größten Stellenwert hatten. So agierten Lahm und Alaba beispielsweise auf den Halbpositionen im Mittelfeld oder gar auf dem Flügel, während Ribéry die zweite Sturmspitze gab. Auch die Besetzung in der Verteidigung wird in einigen Wochen vermutlich eine komplett andere sein. Dennoch ist die mannschaftstaktische Ausrichtung der Bayern in diesen ersten Tagen unter Ancelotti sehr interessant zu beobachten.

Änderung des Pressings

Die erste Auffälligkeit ist das Pressing. Unter Pep Guardiola versuchte die Mannschaft so schnell wie möglich in eigenen Ballbesitz zu kommen, um sich dann mit dem Spielgerät und cleverem Positionsspiel Ruhepausen zu gönnen. In den letzten Spielen war das anders. In der Arbeit gegen den Ball geht der FC Bayern nicht mehr so viel Risiko wie noch in der letzten Saison. Zwar ist das Pressing phasenweise noch hoch, aber nicht mehr mit der letzten Konsequenz und schon gar nicht über 90 Minuten. Der Rekordmeister versucht sich zudem jetzt gegen den Ball zu erholen. Dem Gegner werden dann Ballbesitzphasen überlassen und die Münchner fallen in ein tieferes Mittelfeldpressing zurück. Diese Entwicklung ist keine einfache, denn in den letzten drei Jahren lebte die Mannschaft von der Ballzirkulation. Den Gegner ohne Spielgerät zu kontrollieren erfordert eine hohe Disziplin und Kompaktheit, die in den Tests bisher nicht immer gegeben war. So ließ die Elf von Ancelotti gerade gegen den AC Mailand immer wieder große Lücken, die die Italiener clever bespielten.

Es kann aber auch durchaus sinnvoll sein nicht über die komplette Distanz das Spiel machen zu müssen. Die Bayern haben einige Spieler in ihrem Kader die auch für Umschaltmomente gemacht sind. In den ersten Wochen war eine zunehmende Vertikalität und ein direkteres Spiel zu erkennen. Ancelotti scheint der Ballbesitzwert nicht so wichtig zu sein wie Guardiola. Natürlich ist das Auftreten seines Teams aber weiter dominant. Bisher hatten sie die höheren Spielanteile und es gab sicherlich auch Phasen in denen der Ball mal ohne vertikalen Raumgewinn lief. Dennoch wird meist die direkte Lösung nach vorn gesucht.

Veränderter Spielaufbau

Das bestätigt auch die Struktur im Aufbau. Unter Guardiola agierten die Bayern meist mit einer Dreierkette hinten. Entweder blieb ein Außenverteidiger auf der Höhe der zentralen Spieler, oder der Sechser kippte ab. In den bisherigen Testspielen war eher eine Zweier- und nur selten eine Dreierkette zu sehen. Ein Sechser agiert zwar abkippend, lässt sich aber nur im Notfall zwischen die Innenverteidiger fallen. Beide Außenspieler schieben zudem sehr hoch. Es wird spannend zu sehen wie diese Struktur gegen stärkere und höher pressende Teams funktioniert. Normalerweise dürfte es sehr einfach sein diese Anordnung zuzustellen und die Bayern zu langen Bällen zu zwingen.

Kommen die Münchner allerdings schnell ins zweite Drittel, haben sie dort meist viele Spieler, die für Überzahlsituationen sorgen können. Mit Boateng und Hummels hat man zudem noch zwei Akteure, die sicherlich auch in der Lage sind unaufgeregt zu zweit aufzubauen. Auch die Rolle von Manuel Neuer ist hier nicht zu unterschätzen. Die Struktur im Spielaufbau ist also eine andere, muss aber keinesfalls eine schlechtere sein. Zuletzt gab es aufgrund dieser wenigen Anspielstationen jedoch immer wieder Unsicherheiten. So entstand zum Beispiel ein Tor des AC Mailand nach einem hektischen, ungenauen Aufbau und katastrophalem Fehler von Holger Badstuber. Es ist durchaus möglich dass der Übergang vom ersten ins zweite Drittel derzeit die größte Baustelle Ancelottis ist.

Im Mittelfeld sieht bisher alles sehr gut aus. Die Zentrale rund um Xabi Alonso bewegt sich viel, es gibt immer Anspielstationen und auch neue Spieler fügen sich nahtlos ein. Pep Guardiolas Anteil ist hier noch deutlich zu erkennen. Aufgrund des Positionsspiels, das die Münchner mittlerweile sehr gut beherrschen, schaffen sie immer wieder Überzahlsituationen in den wichtigen Räumen und kombinieren sich so elegant in das letzte Drittel. Alonso kommt es sogar manchmal entgegen dass er höher positioniert ist. Dort kann er mit seinem guten Passspiel für intelligente Spielverlagerungen sorgen und die Flügelspieler schnell isolieren. Was allerdings auch auffällt ist, dass die Bayern kaum noch lange, vertikale Bälle spielen. Boateng und Hummels sind zwar derzeit nicht im Kader, aber auch Alonso war ja immer ein Spieler, der gern mal das Mittelfeld überbrückte. Bisher fehlt dieses Element fast komplett. Gerade gegen hoch verteidigende Gegner war es jedoch erfahrungsgemäß ein gutes Mittel. Mit der Rückkehr der Stammverteidiger könnte es zurückkehren.

Anpassungen im offensiven Drittel

Im Angriff gab es zuletzt dann wieder etwas mehr Probleme. Das kann daran liegen, dass zurzeit Thomas Müller, Douglas Costa, Arjen Robben, Kingsley Coman und Robert Lewandowski fehlen, aber es hat definitiv auch strukturelle Gründe. Über die Zentrale geht wenig. Der Flügelfokus des FC Bayern ist ungebrochen und hat sich gefühlt sogar etwas verschärft, obwohl Ribéry als einziger nomineller Flügelspieler im Zentrum agiert. Der Franzose übernimmt dort Aufgaben, die in Zukunft Thomas Müller zugeordnet werden könnten. So überläd er situativ die Halbräume oder die Außenbahn, macht unterstützende Läufe für den Stürmer, kippt ins Mittelfeld ab um Anspielstationen zu kreieren, oder sticht selbst in die Spitze um gefährlich zu werden.

Auf den Außenpositionen im Mittelfeld agieren derzeit Lahm und Alaba. Es ist erwartbar, dass beide eine Position nach hinten rutschen, wenn der Kader komplett ist. Bernat sowie Rafinha werden dann wieder auf der Bank Platz nehmen müssen. Die Rolle der Flügelspieler bestand bisher aus zwei Kernaufgaben. Eine davon sind diagonale Läufe um Platz für die Außenverteidiger zu machen und den Halbraum gegebenenfalls zu überladen. Bernat und Rafinha haben dann oft den Weg nach vorne zum Hinterlaufen gesucht. Entweder binden die beiden dann einen Verteidiger und der Mittelfeldakteur kann nach innen ziehen, oder sie bekommen den Ball mit Platz und können flanken. Aktuell scheint letzteres am ehesten die Devise zu sein, da sowohl Lahm als auch Alaba nicht die klassischen Eins-gegen-Eins-Spieler sind. Die andere Aufgabe der Außenspieler ist im Moment eine Art Spielmacher-Rolle. Ribéry übernimmt diesen Part zwar bereits im Zentrum, aber auch Lahm und Alaba fallen mit vielen Ballkontakten auf. Von den Flügeln versuchen sie die zentral positionierten Mitspieler in gute Positionen zu bringen. Das erfolgt zumeist mit einem einfachen Muster. Über einen Doppelpass mit einem im Halbraum positionierten Spieler verschaffen sich die Außen etwas Platz. Anschließend gehen sie bis zur Grundlinie durch, um dann den gefährlichen Ball in den Rückraum des Strafraums zu spielen oder einen freien Mann im Zentrum zu suchen.

„Franck
Franck Ribery ist aktuell Motor der Bayern-Offensive
(Foto: NICHOLAS KAMM / AFP / Getty Images)

Gerade bei den Flanken ist aber ein taktisches Stilmittel aufgefallen, das sicherlich nicht neu ist, aber häufig zum Erfolg führt. Die Hereingaben sind nicht zwingend darauf ausgelegt ein direktes Tor zu erzielen. Wenn es klappt, schön, aber wenn nicht, dann gehen die Münchner auf den zweiten Ball. Meist orientieren sich zwei bis drei Bayern-Spieler im Zentrum zur Flanke und versuchen sie zu verwerten. Gleichzeitig wird jedoch darauf geachtet, dass die wichtigen Positionen um den Strafraum besetzt sind. Wird das Spielgerät vom Gegner zu kurz oder ungenau geklärt, versucht man mit einem effektiven Gegenpressing eine Balleroberung zu kreieren. Anschließend ist die Formation der verteidigenden Mannschaft unsortiert und chaotisch. Auch unter Guardiola gab es das immer wieder zu sehen, aber gerade jetzt, wo Ancelotti nur Ribéry zur Verfügung steht, versuchen die Bayern es noch häufiger auf diese Art und Weise.

Es fehlen noch die kreativen Momente übers Zentrum. Zu abhängig scheinen die Bayern zum jetzigen Zeitpunkt von Ribéry und Alaba zu sein. Wenn der neue Bayern-Trainer auf seine komplette Offensive zurückgreifen kann, sollte er in der Lage sein den Flügelfokus etwas zu lösen und für mehr Variationen zu sorgen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Bayern ohne die kreativen Momente von den Außen zu unkreativ waren. Dabei haben sie mit Thiago, Xabi Alonso und einigen weiteren Akteuren Spieler in ihren Reihen, die dazu in der Lage sind.

Zwischenfazit

Was unter dem Strich nach den ersten Tagen bleibt, ist ein erwartbarer Prozess zurück in die Normalität. Das muss nicht unbedingt schlecht sein. Guardiola verlangte seinen Spielern gerade mental extrem viel ab. Seine Arbeit wird weiterhin Nachwirkungen haben. Speziell im zweiten Drittel und in der Ballzirkulation sind noch sehr viele Mechanismen der letzten Jahre erkennbar und das hilft auch Ancelotti. Der Italiener versucht vorsichtiger pressen zu lassen, eine kompaktere Formation gegen den Ball aufzustellen und will dabei aber keinesfalls das Risiko in Ballbesitz verlieren. Aktuell gehen dieser Ausrichtung noch etwas die Genauigkeit sowie die Balance ab. Dafür ist eine Vorbereitung aber da und Ancelotti bleiben noch ein paar Wochen Zeit diese Probleme zu beheben.

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Leserkommentare
  1. wipf1953

    Ich denke mal, das jetzige Spiel über die Aussen liegt auch an den fehlenden Stürmern. Green, den jetzt alle feiern, scheint es gut zu tun, wenn er Räume vor sich hat und mit großer Geschwindigkeit den Ball aufnimmt.

    Letzte Saison gab es vor allem Flanken – dafür ist Green definitiv der Falsche. Ich denke, es ist daher noch zu früh, jetzt schon was über das Offensivspiel zu sagen. Dieses könnte sich noch komplett ändern.

    Interessant ist der Punkt, dass man auch mal dem Gegner den Ball belässt. Genau das wird diese Saison hoffentlich besser als letzte. Warum bitte ist Bayern gegen Atletico ausgeschieden? Weil Boateng nach seinem Fehlpass – und in 180 Minuten schlägt man nun mal den einen oder anderen Fehlpass – nachgesetzt hat und ausgekontert wurde. Nur wenn man den Gegner auch mal kommen lässt, hat man die Chance, selbst solche Gegenstöße zu spielen wie Atletico am Anfang der zweiten Halbzeit in München.

    1. Osrig

      @WIPF: Bayern gegen Atletico ausgeschieden, weil sie ausgekontert wurden? Hmm, da erlaube ich mir mal, Dir zu widersprechen! Klar, haben wir einen Konter eingefangen, wobei Jerome ausgesprochen unglücklich aussah! Es ist aber illusorisch, zu denken, mit einer anderen Ausrichtung hätte die Mannschaft kein Gegentor kassiert. Nein, auf höchstem internationalen Niveau wie CL-HF muss man immer davon ausgehen, ein Gegentor zu kassieren. Dafür sind die Gegner in den Regionen einfach zu gut! Selbst wenn man sich deutlich defensiver orientiert.
      Ich meine, wir haben das HF verloren, weil unsere sonst so effektive Offensive leider nicht zielsicher genug war! Ein Auswärtstor hätte es ja schon gebracht! Das aber wollte partout nicht fallen.

      Ich bin daher der Meinung, dass eine offensive Ausrichtung mit hoher Positionierung der Mannschaft besser ist als eine weiter in die eigene Hälfte gezogene Formation, und bin da völlig bei der Guardiola’schen Philosophie. Was aber eben nötig ist, ist die entschlossenere Bewegung in den gegnerischen Strafraum, mehr Flexibilität in der Spielanlage, um einen sehr defensiv eingestellten Gegner trotzdem zu bezwingen. HIER sehe ich auch den bislang wichtigsten Aspekt unter Ancelotti. Nämlich die Bereitschaft, den Ball noch schneller laufen zu lassen. Ob im Rahmen von Doppelpässen oder Dreieckszirkulationen, immer wird versucht, den Ball gleich weiterzuverarbeiten. Da die Mannschaft, wie im Text beschrieben, sich gut bewegt – ich glaube in den Testspielen phasenweise “schiefe” Linien beobachtet zu haben, was ja Anspielmöglichkeiten verbessern dürfte – wird durch diese schnelle Pass-Stafetten der Gegner noch mehr Schwierigkeiten haben, sich auf unsere Offensive einzustellen. Mit den hoffentlich dann zu bewundernden Torerfolgen für uns!

      Ich hoffe, die angesprochene tiefere Positionierung sollen als Lockmittel dienen, um das Stilmittel des Konters öfter zu nutzen, also den Gegner dazu zu bewegen, selbst aktiv zu werden, um dann den Ballverlust zu erzwingen und die Unordnung der gegnerischen Abwehr auszunutzen. Prägendes Stilmittel wird es hoffentlich nicht werden, denn das hieße in der Tat, dass wir aus dem 4-4-2 oder 4-4-1-1 heraus gerade in der eigenen Defensive in erheblicher Weise Disziplin und Ordnung bräuchten, um komplex gegen den Ball zu verschieben. Solch ein Spiel, wie es z.B. Gladbach unter Favre gezeigt hat, lässt sich nicht mal eben einstudieren. Ausserdem – meine persönliche Meinung – halte ich es für ineffektiver nach vorn und weniger attraktiv.

      Also, lieber gewohnt offensiv, hoch positionieren und früh gegen den Ball arbeiten, bei eigenem Ballbesitz schnell kombinieren und versuchen, sich bietende Lücken ausnutzen. Dabei flexibel den Gegner mal etwas Raum bieten, um Gelegenheiten für eigenes Umschaltspiel zu ermöglichen, ohne jedoch sich zu weit nach hinten drücken zu lassen.
      Aber mal sehen, wie sich das System unter Ancelotti entwickelt. Ich bin da wie die meisten von euch doch optimistisch und freue mich schon riesig auf die neue Saison.

      1. wipf1953

        Mein lieber OSRIG, ich bin ja wirklich kein Rechthaber, aber hier hoffe ich schon, dass ich richtig liege. Klar war meine Aussage verkürzt. Ein Tor ist selten der alleinige Grund für ein Ausscheiden oder ein Weiterkommen (nur im anderen, dem “Langweiler-Halbfinale 2016”, war das ausnahmsweise der Fall, weil dort in 180 Minuten nicht viel mehr passiert ist als ein Tor ..). Aber der Atletico-Ausgleich war nun wirklich unnötig wie ein Kropf. Ein hergeschenktes Tor. Und das nicht wegen des Fehlpasses von Boateng – sondern weil er nachgesetzt hat (owohl noch ewig zu spielen war ..).

        Natürlich hätte ich mich gefreut, wenn Pep mit seiner offensiven Denkweise auch mit Bayern die CL geholt hätte. Aber emotional bin ich viel, viel näher bei Ancelotti, bei Heynckes, bei Hitzfeld und sogar bei Magath als bei den hochriskanten Taktiken von van Gaal und Guardiola .. Beide sind für mich “Entwicklungstrainer”. Trainer, die der Mannschaft enorm viel Neues beibringen. Die “Ernte” fahren regelmäßig ihre Nachfolger ein ..

        Den alles entscheidenden “Nachteil” des Pep-Systems sprichst Du ja selbst an: Wenn man dem Gegner 90 Minuten die Luft zum Atmen nimmt, “presst” man ihn in eine perfekte Catenaccio-Verteidigung. Man muss dem Gegner auch mal Räume anbieten – um dann im höchstmöglichen Tempo zuzuschlagen.

  2. Tipic

    Welche Rolle wird Thomas Müller zufallen? Hängende Spitze in einem 4-2-3-1? Oder Achter im 4-3-3? Oder (ebenfalls im 4-3-3) rechter Flügel?

    1. Hey,
      Ich sehe ihn in der aktuellen Rolle von Ribéry. Also gar nicht mal auf irgendeiner festen Position, aber wenn du so willst dann zweite Spitze bzw. hängend hinter Lewy. Dort kann er dann alles machen was er will. Mal auf die Flügel ausweichen, die Halbräume überladen, abkippen und das Mittelfeld unterstützen. Halt das was ihn auch unter Pep so stark machte. Vielleicht wird er auch mal alleinige Spitze spielen wenn Lewy eine Pause benötigt.

  3. Minanda

    Vielen Dank für die vielen interessanten Artikel zum neuen FCB unter Carlo.
    Noch ist ja vieles durch die Glaskugel betrachtet, aber Spaß und Vorfreude auf die neue Saison macht ihr sicherlich! (Zumindest viel mehr als diese offiziellen Promo-Videos aus den USA.)

  4. förb

    Ich habe das Gefühl, dass dies genau der richtige Trainerwechsel zum richtigen Zeitpunkt war. Die Mannschaft erscheint sehr spielfreudig, wie exemplarisch an Ribery zu beobachten ist. Die, von euch sehr schön sezierte, neue Ausrichtung scheint den Spielern mental gut zu tun, und wenn es tatsächlich keine neuen Zugänge zumindest bis zur Winterpause gibt, dann gelingt vielleicht tatsächlich beim einen oder anderen Nachwuchsspielern die Integration auf Profi-/BL-/CL-Ebene. Ich denke, sowohl Fans als auch Spieler und Stab erkennen vollkommen realistisch, was man an Pep hatte, und das viele Dinge, die in seiner Ära praktiziert werden, auch weiterhin ihren Nutzen haben; und ich bin sehr zuversichtlich, das Ancelotti clever genug ist, Peps Erbe gewinnbringend zu nutzen und parallel dazu die Mannschaft mit seinen Ideen und seiner pragmatischeren Grundhaltung weiterzuentwickeln und moderat neu zu fokussieren. Ich freue mich riesig, und bin super gespannt auf die Saison!

    1. wipf1953

      Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass der Kader “schief” ist. Es fehlt ein zweiter Mittelstürmer (lasse mich gern von Green überraschen, aber noch glaub ich nicht dran). Dafür besteht ein Überangebot im Mittelfeld. Letztlich ein “Guardiola-Erbe”.

      Die entscheidende Frage wird sein, ob wir dieses unsägliche Verletzungspech abstellen können. Es gibt ja die unterschiedlichsten Theorien dafür. Der Hybridrasen sei schuld, das Guardiola-Training. Auch da habe ich die Hoffnung, dass Ancelotti einfach irgendetwas anders macht, egal was. Leider wurde der Hybridrasen auf dem Trainingsplatz 1 ja dann doch nicht entfernt …

      Ohne Verletzte, mit neuem Trainier und neuen Freiheiten, das kann dann die ganz große Spielfreude werden.

  5. Osrig

    @ WIPF und deinem Kommentar vom 2.8.16:
    Zunächst mal sind wir uns ja einig, dass man dem Gegner auch mal Räume anbieten muss – um dann im höchstmöglichen Tempo zuzuschlagen. Die Betonung liegt auf “mal”! Als ergänzendes Stilmittel ist es mir sehr recht, wenn sich die Mannschaft etwas weiter nach hinten orientiert, um dadurch Platz für mögliche schnelle Gegenstöße zu bekommen. Das ist für mich ein Zeichen für System-Flexibilität. Diese Art flexibler Reaktion war bei Guardiola bei Weitem nicht so ausgeprägt, wenn gleich er in anderen Bereichen höchst flexibel agieren konnte. Es sollte aber nicht zum vorherrschenden System werden!

    Grundsätzlich bin ich eben in der Systemfrage dicht bei Guardiola! Sein Dominanzfussball wurde und wird ja hinsichtlich der augenscheinlichen Konteranfälligkeit kritisiert, dein Kommentar zielt für mich in dieselbe Richtung.
    Tatsächlich haben wir ja feststellen müssen, dass aufgrund der hochstehenden Mannschaft ein gelungener Durchbruch durch unsere Abwehr jedes mal eine hochprozentige Torchance für unsere Gegner mit sich brachte, was auf höchstem Niveau oft zu einem Gegentreffer führt. Diesen gelungenen Durchbruch, diesen einen Konter wird man nicht immer verhindern können!
    Ich halte die damit verbundene Systemkritik allerdings für überzogen, denn auch bei stärker nach rückwärts orientierter Positionierung, möglicherweise sogar ebenfalls mal in und um unseren eigenen Strafraum, werden Gegentore nicht zu vermeiden sein. Sei es eine Ecke, ein Freistoß oder eben auch ein gelungenes Dribbling mit Abschluss, was zum Tor für die Anderen führt – sie werden passieren, es wäre illusorisch zu denken, unsere Hintermannschaft ließe dann nichts mehr zu!
    Wenn ich also so oder so mit einem Gegentor rechnen muss, dann stelle ich mich doch lieber offensiv auf, um die Wahrscheinlichkeit eines eigenen Treffers zu erhöhen und – Thema Ballbesitz und -kontrolle – dem Gegner die Zeit für die eigenen Offensivaktionen so gering wie möglich zu halten. Natürlich soll man hinten nicht alles nach vorn werfen und dann hinten”offen sein, wie ein Scheunentor”, sondern auch defensiv konzentriert bleiben. Was aber eben auch bei hoher Position der Mannschaft möglich ist. Wie gesagt, auch dann kann man Gegentore nicht gänzlich verhindern – , aber es ist ja davon auszugehen, dass der eigene Sturm trifft und man am Ende eben mit dem entscheidenden Tor mehr aus der Partie geht.
    Die Wahrscheinlichkeit eines Erfolges halte ich mit dieser Strategie für höher als mit Konterspiel. Denn, auch auf höchstem Niveau, nicht jeder Konter “sitzt”

    Das von vielen Kritikern bemängelte “Ballgeschiebe” ist noch mal wieder eine ganz andere Diskussion, hier vermengt sich meiner Meinung nach Unverständnis mit Antipathie und geht somit am Kern vorbei. Wobei ich zugebe, dass die Gefahr des “sich im Pass-Spiel Verlierens” durchaus gegeben ist und dann nicht immer der Gang wieder hochgeschaltet werden kann. Grundsätzlich aber, die offensichtlich unter Ancelotti zunehmende Bereitschaft zu schnellen Pass-Stafetten im “one-Touch”-Fußball bietet ja gerade die beste Möglichkeit, schnellen Zug in den gegnerischen Strafraum und Torgefahr zu erzeugen und sollte wieder mehr elektrisieren!

    1. wipf1953

      Leider reduziert sich der Vereinsfußball ja auf die Champions League ab Achtelfinale, das Pokalfinale und einige wenige Bundesligaspiele. Alles andere ist so vorhersehbar, dass nur diese Spiele wirklich Emotionen wecken. Der Dominanzfußball ist eine wunderbare Grundlage, um Meister zu werden. In den Ko-Spielen ist er das unterlegene System:

      Wenn man da mal 2012 und 2016 ausklammert, hat Bayern beginnend 2011 in den entscheidenden Spielen eben nicht nur ein oder zwei Tore kassiert, sondern drei oder noch mehr. Die Heimniederlage gegen Inter 2011 (2:3), die Heimniederlage gegen Real (0:4) und die Spiele gegen Barcelona (insgesamt fünf Tore für Barca) können nicht einfach wegdiskutiert werden. Nur über die Defensive kommt man ins Finale. Atletico ist gegen Real 2015 nach einem einzigen Tor ausgeschieden, 2014 und 2016 waren sie im Finale. Sieben, acht vielleicht sogar neun von zehn Feldspielern von Atletico sind jedenfalls nicht besser als ihre Gegenspieler auf Bayernseite. Trotzdem waren sie in den letzten drei Jahren erfolgreicher ..

      1. Osrig

        In den K.O.-Spielen das unterlegene System? Das stelle ich in Zweifel! Die Gründe für das Ausscheiden sind ja ausgiebig diskutiert worden, und die Verletzungsmisere ist sicher nicht der geringste Grund dafür.
        Es ist darüber hinaus ja auch nicht zu vergleichen, der FCB von heute ist hinsichtlich defensiver Absicherung ein ganz anderer Faktor als die Hintermannschaft des FCB von vor 5 Jahren. Das Dominanzsystem ist ja gerade in dieser Hinsicht weiter entwickelt worden.
        Das es im K.O.-System der CL immer auch auf Tagesform und Glück ankommt, ist auch klar, und Atletico hatte in mancherlei Hinsicht durchaus Glück gehabt. Den größten Ausschlag zu ungunsten des FCB hat vielmehr die in den entscheidenden Moment wenig durchschlagskräftige Offensive gegeben, was auch bei einer stärker defensiv ausgerichteten nicht anders gewesen wäre.
        Die fehlende Durchschlagskraft wiederum sehe ich auch ein gutes Stück weit in der mangelnden Konzentration und Spritzigkeit unser Spieler, die der langen Saison einfach Tribut zahlen mussten. Hier gilt es für Ancelotti auf jeden Fall, den Hebel mit anzusetzen.
        Als Zeichen einer Systemschwäche würde ich das aber nicht sehen.

      2. wipf1953

        Bayern – Atletico, 2:1 nach Toren, 35:7 Torschüsse. Bayern brauchte mehr als die doppelte Anzahl von Torschüssen für einen Treffer. Obwohl Bayern den wohl besten Mittelstürmer Europas hatte ..

        Was tun? Personell kann man die Durchschlagskraft nicht verbessern.

        Ich denke mal, auch da spielt das System mit rein. Die Dominanz im Mittelfeld kommt doch von der dort zahlenmäßigen Überlegenheit. Wenn man Abwehrspieler im Mittelfeld hat, wenn sich sogar der Stürmer ins Mittelfeld zurückzieht, ist es leicht, dort hohe Ballbesitzquoten aufzubauen. Nur fehlen dann eben die Spieler in der Abwehr, und im Sturmzentrum. Und es fehlen die Räume, wenn man den Gegner in dessen eigenen Strafraum zurückdrängt.

        Ich denke, CA ist absolut auf dem richtigen Weg, wenn er das pure Dominanzspiel mit weiteren Elementen anreichert. Wird Zeit, dass es richtig losgeht – hab sogar Lust auf Bundesliga .. :-)

  6. […] dürfte dieses Thema auch noch sehr spannend werden. Auch wir versuchten uns bereits daran, die Unterschiede zu den letzten Spielzeiten festzumachen. Es macht jedoch darüber hinaus weitaus mehr Sinn zu überlegen, wie gut sich der Guardiola- und […]

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