Wo ist der Sechsappeal beim FC Bayern?

Die Ergebnisse stimmen wieder, doch offensichtliche Probleme könnten den Bayern das Leben in naher Zukunft wieder schwer machen. Am Wochenende analysierten wir in einem Artikel für unsere Patreons, weshalb es den Münchnern im Moment an Sechsappeal fehlt. Diese Analyse teilen wir nun statt einer klassischen Vorschau auf das Spiel gegen Rödinghausen.

Der FC Bayern ist auf einem guten Weg, sein Selbstverständnis und sein Selbstvertrauen zurückzuerlangen. Thomas Müller ist ein gutes Beispiel: er zeigte sich nach dem Spiel in Mainz zufrieden und unzufrieden zugleich. Man habe eine gute Einstellung an den Tag gelegt, aber der Anspruch sei ein anderer, als gegen den FSV mit nur einem Tor Unterschied zu gewinnen.

Bayern-Arroganz? Mitnichten. Müller traf den Nagel auf den Kopf. Wieder zeigten sich die Münchner im letzten Drittel unkreativ. Sie spielten im zweiten Drittel unsicher und kamen aus dem ersten Drittel nur selten produktiv heraus. Es sind taktische Probleme, die wir auf Miasanrot.de seit Wochen dokumentieren und analysieren.

Die Kader-Diskussion wurde oft in den Vordergrund geschoben – berechtigterweise. Doch sie ist nicht hauptverantwortlich für die fehlende Struktur. Im Mittelfeld kann der FC Bayern mit Thiago (27), James (27), Goretzka (23) und Martínez (30) derzeit auf Fußballer im besten Alter zurückgreifen. Sie alle haben das Potenzial, im Mittelfeld eine Dominanz zu erzeugen, die in den meisten Bundesliga-Spielen für Kontrolle sorgt.

Es geht nicht darum, Guardiola zu kopieren

Darüber hinaus stehen dem Trainerteam Müller (29) und Renato Sanches (21) zur Verfügung – zugegebenermaßen sind das sehr spezielle Spielertypen, die eine starke Einbindung benötigen, um perfekt zu funktionieren. Selbst Joshua Kimmich (23) wäre als einrückender Außenverteidiger oder als Sechser eine Option, die aber einer Formationsänderung bedarf.

An den Spielern liegt es jedenfalls nicht, dass das Mittelfeld derzeit einem Gemälde gleicht, das bereits auf halb Acht hängt und zu stürzen droht. Es ist allein Thiago zu verdanken, dass dies noch nicht passierte. Er ist sozusagen der eine Nagel, an dem das Kunstwerk noch hängt.

Der Anspruch an Niko Kovač ist auch gar nicht, den Guardiola-Fußball der besten Zeiten zu kopieren oder nachzuahmen. Die Zeit unter Guardiola wäre ja selbstverständlich und anspruchslos gewesen, könnte sie jeder einfach kopieren. Seine Idee, ein direkteres Spiel aus einer gut geordneten Defensive zu erzeugen, bei dem im letzten Drittel durch hohe Achter viele Spieler direkten Zugriff haben, ist im Ansatz nachvollziehbar. Doch es scheitert aktuell an der Umsetzung.

Positionsspiel optimieren

Es geht darum, das eigene Positionsspiel so zu optimieren, dass das direkte Spiel einerseits durch ein gutes Gegenpressing abgesichert wird und andererseits weniger Risiko abverlangt. Allein die Tatsache, dass im Idealfall direkt in die Spitze gespielt werden soll und das Mittelfeld dabei oft überbrückt wird, führt natürlich automatisch zu höherem Risiko. Aber es gibt Wege, um es dennoch zu minimieren.

In Stuttgart und gegen Leverkusen etwa erinnerte der FC Bayern in vielen Phasen an seine besten Jahre. Weil die Mannschaft insgesamt ein gutes Positionsspiel hatte. Die Achter standen zwar extrem hoch, aber nicht auf einer Linie mit den drei Angreifern. Es entstand ein “W” im Angriff wie wir es in Guardiolas “WW”-Formation schon mal erlebten – nur etwas breiter und schmaler. Der zentrale Punkt war jedoch, dass Thiago als Sechser aggressiv nachrückte, wenn die Spieleröffnung in die Angriffshälfte erfolgte. Auch die Außenverteidiger rückten etwas ein und sicherten so Ballverluste ab.

Dadurch entstand ein erdrückendes Gegenpressing, dem sich die jeweiligen Gegner ergeben mussten. Nun kann berechtigterweise angemerkt werden, dass sowohl Leverkusen als auch Stuttgart keine Gradmesser waren. Allerdings ist es auffällig, dass die Bayern seitdem nicht mehr in dieser Genauigkeit und Aggressivität nachschieben.

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Pressing-Löcher und fehlende Koordination

Oft gibt es zwei Mannschaftsteile – Offensive und Defensive. Die Offensive presst bei Ballverlusten und im normalen Pressing nach vorn, die Defensive bleibt stehen. Das führt zu riesigen Löchern im Mittelfeld, die der Gegner mit einem Zuspiel ausnutzt. Es gibt kaum noch einrückende Bewegungen der Außenverteidiger und der Sechser – aktuell Javi Martínez – hält sich lieber bei den Innenverteidigern auf als nachzuschieben.

Ganz oft stehen sich die Bayern zu sehr selbst auf den Füßen. Das führte zu drei grundsätzlichen Problemen, die ihnen das Leben im Moment schwer machen. Martínez ist dabei kein unwesentlicher Faktor.

Auch im Spielaufbau fehlt die Präsenz eines Thiagos auf dieser Position. Martínez bewegt sich meist im Deckungsschatten oder nicht in höhere Zonen. Der Ball geht dann kleinteilig von der einen Seite auf die andere und irgendwann auf dem Flügel nach vorn. Gegner können in gemäßigtem Tempo verschieben und Bayern auf den Außenpositionen stellen.

Das ist durchschaubar und zu einfach. Im Zentrum fehlt es schlicht an Koordination. Thiago ist als Achter sicherlich großartig, aber er ist als Sechser nochmal wertvoller. Dort kann er die Fäden ziehen, Bälle verteilen und dem Mittelfeld eine Teilstruktur geben, die zu einem besseren Positionsspiel führt. Ist die Spieleröffnung erfolgt, schiebt er nach und unterstützt die Achter. Rücken dann die Außenverteidiger noch etwas ein, könnte es wieder halbwegs passen im Bayern-Spiel.

Eine Baustelle, die andere kaschieren könnte

Die Verbesserung der fehlenden Mittelfeldstruktur löst sicher nicht alle Probleme. Ribéry wird auch mit besserer Struktur nicht mehr Dribblings gewinnen. Sie wird auch Gnabry nicht die Konstanz und Qualität in seinen Einzelaktionen geben, die aktuell noch fehlt. Auch Robben wird dadurch nicht schneller. Aber eine bessere mannschaftliche Struktur kann diesen Spielern wieder Halt geben.

Sie kann dafür sorgen, dass sie sicherer in den Basics werden und die liegen in der Ballzirkulation und im Gegenpressing nach Ballverlusten. Eine gute Mittelfeldstruktur wird zwangsläufig dazu führen, dass der FC Bayern auch im letzten Drittel wieder gefährlicher und das Risiko abgesichert wird.

Aktuell fehlt es den Bayern mit Martínez auf dieser Positon an Sechsappeal. Dass Kovač den Spanier auch noch explizit lobt und ihm weitere Einsätze verspricht, sollte es bei diesen Leistungen bleiben, zeigt, dass er die fehlende Struktur kaum als solche wahrnimmt. Sollte sich daran nichts ändern, könnte es aber schon gegen Dortmund ein böses Erwachen geben. Denn die spielen derzeit Fußball. Mit Struktur, Hirn und Tempo.

Eine explizite Vorschau auf Rödinghausen wird es nicht geben, weil die Zeit zur Recherche nicht ausreichte und jede Behauptung deshalb Spekulation wäre.

Das Thesen-Duell

Die Regeln findet ihr hier. Die Zahl für These 3 wurde diesmal von Fatbardh gewählt. Kurzfristige Änderungen sind bis zum Spieltag noch möglich.

Ergebnis des letzten Spieltags: Justin 2,6 : 3,6 Fatbardh

Zwischenstand insgesamt: Justin 37,8 : 34,6 Fatbardh

Justins Tipps

  1. Torschütze: Sandro Wagner
  2. Freie These: Bayern spielt zu Null!
  3. Über/Unter 3,5: Über!
  4. Aufstellung: Neuer – Kimmich, Süle, Martínez, Rafinha – Thiago – Sanches, Müller – Gnabry, Wagner, Ribéry

Fatbardhs Tipps

  1. Torschütze: James Rodríguez
  2. Freie These: Bayern spielt nicht zu Null.
  3. Über/Unter 3,5: Unter!
  4. Aufstellung: Neuer, Rafinha, Süle, Martínez, Alaba, Thiago, Sanches, Müller, Gnabry, Wagner, Ribéry
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Leserkommentare
  1. Herrispezial

    Sehr schön beschrieben und auf den Punkt gebracht. Vor allem, da Kovac die Probleme nicht erkennt, wird immer deutlicher. Dazu dazu dann noch so Merkwürdigkeiten wie aktuell mit James, der am Wochenende kränkelnd auf der Bank sitzt, um morgen dann endgültig auszufallen (anstatt ihn zu Hause regenerieren zu lassen). Heute sagt er dann noch, dass er am WE viel Gutes gesehen hat. Das zeigt mir, wie weit weg er von der Realität ist. Wer noch an eine spielerische Verbesserung unter dem Trainer Kovac glaubt, der sollte sich das Spiel gegen Dortmund besser nicht ansehen. Dort werden uns unsere Schwächen mit Sicherheit deutlich vor Augen geführt werden, denn dort sitzt ein Trainer auf der Bank, der taktisch auf eindeutig höherem Niveau agiert als unser Coach.

  2. wohlfarth

    Einerseits kann ich euren Ausführungen schon folgen, andererseits mag ich nicht glauben, dass die Kovac-Brüder, Hermann und auch die Spieler die Probleme nicht erkennen und sie nicht im Handumdrehen lösen würden, wenn es denn so einfach wäre.
    Und ob man jetzt schon Angst vorm Dortmund-Spiel haben muss, ich weiß nicht. Da sind vorher noch genauso wichtige Spiele.

    1. Naja. Von einfach spricht ja keiner.

    2. Josef

      Abgesehen davon dass es nicht einfach ist, bin ich mir tatsächlich nicht so sicher, dass die Kovac-Brüder und Herrmann das aktuell in der Deutlichkeit sehen und priorisieren wie MSR.

      Die haben wenig Zeit und andere Prioritäten als fehlenden Sechsappeal. Mit Martinez auf der 6 und Thiago auf der 8 hat man -trotz aller von MSR wunderbar sezierten Probleme- drei wichtige Auswärtssiege geholt, den Gegner jeweils unter 0,6 xGA gehalten und damit die große Krise fürs erste überstanden.

      Da interessieren die hier und vorher beobachteten Probleme nicht. 72 Stunden zwischen Abpfiff in Mainz und Anpfiff in Osnabrück sind wahnsinnig wenig, wenn man bedenkt was die Trainer alles erledigen müssen.

      1. Jo

        “Ein Trainer ist nicht ein Idiot! Ein Trainer sehen, was passieren in Platz.”
        So würde das Trap sehen.

        Aber im Ernst, selbst wenn man Kovac für einen Idioten halten sollte, seinen Bruder gleich mit dazu, wenn man die Erfahrung von Peter Hermann abtut, dann bleiben da immer noch knapp ein dutzend hauptamtliche Matchanalysten, die sich mit genau solchen Fragen beschäftigen. Wo stehen unsere Spieler, wo die Gegner, wie bewegen sie sich, wie passen sie, wohin, mit Gegnerdruck usw.
        In Summe glaube ich, dass Kovac ganz präzise weiß was sich da auf dem Platz abspielt, wahrscheinlich in einer wesentlich größeren Detaillierung als sie sich uns als Fans mit unseren Mitteln je erschließen kann.

        Wenn man das annimmt gibt es zwei Möglichkeiten:
        1.) Kovac sieht das hier beschriebene Szenario. Er sieht es auch als Problem an, kann es aus irgendwelchen Gründen aber nicht ändern. Möglich, man kann sich zu den diesbezüglichen Schwierigkeiten ja mal die Ausführungen von Tuchel nach dem letzten CL-Match anhören.

        2.) Kovac sieht das hier beschriebene Szenario. Er sieht es aber gar nicht als Problem an und will folglich auch nichts daran ändern.
        Das wäre die Variante die ich wählen würde. Schlicht aus dem Grund, dass Kovac nichts offensichtliches tut um da was zu ändern.

        Wie du schreibst, die haben andere Prioritäten als Sechsappeal o.ä. Die Priorität Nummer 1,2.3 ff für Kovac ist es sicherlich Spiele zu gewinnen. Und wenn man die Thematik mal auf das Personal auf der Sechserposition herunterbricht und feststellt, dass man mit Thiago auf der Sechs die letzten beiden Spiele mit 5 Gegentoren verloren hat und mit Martinez auf der Sechs die letzen drei mit 2 Gegentoren gewonnen hat?
        Ja, das sind schon Argumente für einen Trainer unter Druck.

        Im Grunde konzentriert sich vieles im Moment auf eine stabile Defensive. Die Außenverteidiger noch ein Stück weiter zurückgezogen, etwas linearer, Martinez, der eine Art Libero vor der Abwehr gibt.
        Das wirkt manchmal schon wie eine Fünferkette, mit dem Effekt einer sehr stabilen Endverteidigung. Und tatsächlich lassen wir ja so gut wie gar nichts zu. In den letzten drei Spielen hatten unsere Gegner in der Tat nicht mehr als diese beiden Chancen die zu den Toren führten.

        Was zu unserem fast schon größten Problem führt, dem signifikanten statistischen Unterperformen in
        Bezug auf Tore. Im Grunde spiegeln wir hier die Saison des BVB, der hier in fast schon extremer Weise überperformt. Chris hat das im letzten Podcast in Bezug auf die xG-Werte auch erläutert.

        Im Grunde so einfach, wie verblüffend. Unsere Gegner machen derzeit aus wirklich jeder Chance ihr Tor.
        Das ist in dieser Häufung schon ziemlich unwahrscheinlich und es ist genauso unwahrscheinlich, dass das immer so weiter geht. In der Hinsicht also durchaus gute Zukunftsaussichten, wenn man bis zur Regression auf normale Werte trotzdem Ergebnisse liefern kann.
        Genauso wie übrigens auch dieses statistische Ausreißen des BVB so nicht ewig weitergehen kann. Auch wenn es natürlich die Geschichte um Favre und den xG-Wert gibt. Aber das erscheint mir auch bei Berücksichtigung dessen etwas too much.

        Leider verzerrt dieser Effekt bei uns die bisher im Schnitt fast immer gute Abwehrarbeit.
        Richtig ins Schwimmen gebracht hat uns spielerisch bisher nur Ajax. Und das auch nur in Phasen und mit wenig echten Torchancen.

        Deshalb, um zum Ausgangspunkt zurück zu kommen, glaube ich durchaus dass vieles von dem was da momentan auf dem Platz passiert kein Zufall ist, sondern so gewollt. Zumindest in groben Zügen.
        Kovac konzentriert sich auf das Hinstellen einer stabilen Defensive, in der Annahme, dass wir offensiv dann immer irgendwie ein Tor schießen würden. Ich glaube irgendwie in dem Sinne hat er sich zu Anfang der Saison auch mal geäußert.

        Wohin das führt, vor allem in Bezug auf die Offensivqualität (das wäre die nächste Frage), wird man sehen. Und ob einem das gefällt, man das Bayernlike findet, das wäre die übernächste Frage.

      2. GS

        “Im Grunde konzentriert sich vieles im Moment auf eine stabile Defensive.”

        Das war ja, mit Verlaub, auch immer das Erfolgsrezept von Heynckes. Und dessen Ko-Trainer ist ja noch da.
        Klar ist die Kritik gerechtfertigt, dass man vom FC Bayern mit seinem selbst gesetzten Anspruch mehr spielerische und vor allem Offensiv-Qualität erwarten darf, als derzeit gezeigt wird.

        Aber Hand aufs Herz: wenn die Mannschaft zuletzt in Wolfsburg, Athen, Mainz je ein Offensiv-Feuerwerk gezündet, die Gegner höchst dominant in deren Hälfte eingeschnürt, aber auch nur ein weiteres Spiel verloren hätte – dann wäre vereinsweit Katastrophenalarm ausgerufen worden. Und nach meiner unmaßgeblichen Meinung hätten dann auch die meisten, die hier immer vehement mehr Dominanz fordern, zuallererst die Abwehrschwäche angeprangert.

        Oder nochmal ganz anders: wäre es jetzt weiter wie in den ersten 7 Pflichstpielen gelaufen und die Gegner reihenweise in Einzelteile zerlegt worden, würden wir hier definitiv darüber diskutieren, dass dann bestimmt im Frühjahr, wenns drauf ankommt, der Einbruch kommt.

  3. Rainer

    @Justin..alles top auf den Punkt gebracht. Klasse Analyse. Ich könnte mir allerdings auch ein 3-4-3 bei
    defensiv eingestellten Mannschaften als Lösung vorstellen um im Zentrum eine zusätzliche Anspielstation zu haben. Das würde m.M.n. den Spielaufbau erleichtern. (sofern die Laufwege und Laufbereitschaft stimmen).

  4. Kurt74

    Mit Struktur, Hirn und Tempo + ne ordentliche Portion Glück!
    So schön der BVB Fussball momentan auch zum anschauen sein mag waren einige Siege auch sehr glücklich. Den sie kassieren genügend Gegentore, haben aber dafür das Glück das jeder Schuss irgendwie reingeht. Ich glaube das Spiel gegen den BVB wird sehr torreich werden und nicht die bessere Defensive sondern die bessere Offensive wird den Sieg ausmachen.

    1. Mehmet68

      “nicht die bessere Defensive sondern die bessere Offensive wird den Sieg ausmachen”

      dann muss man sich ja keine Sorgen machen… :-///

  5. Turbo Batzi

    Nimmt man die von Euch verlinkten Statistiken hinzu, lassen sich einige Aussagen auch statistisch untermauern: Mit 6,9 expected goals against (xGA) hat Bayern aktuell einen absoluten klasse Wert – unter dem Vorjahr und fast halb so groß, wie der Bundesliga Median. Trotzdem hat man 10 Gegentore kassiert. Das heißt: Obwohl die Mannschaft eigentlich rekordverdächtig wenig Chancen zulässt, kassiert man mehr Tore.

    Das kann psychologisch bedingt sein durch das fehlende Selbstvertrauen. Aber eben auch, weil die Gegner durch das leere Mittelfeld mit Kontern stets zu extrem guten Chancen kommen und sich Bayern damit unnötig in Probleme bringt. Das Phänomen hatten wir letztes Jahr gefühlt auch schon, allerdings weniger system-relevant.

    Zu Thiago muss man glaube ich nichts sagen. Gott sei Dank haben wir den nicht verkauft. Aktuell führt er die Liga in Pässen an und ist Fünfter bei Tackles. Das Rollenverständnis im Mittelfeld muss schleunigst definiert werden. Ausgangspunkt muss Rückennummer 6 sein. Und das ist klar Aufgabe des Trainer(stabs).

  6. Anton

    Alle loben Thiago, alle loben Thiago als 6er. Sind denn alle, die das so sehen, zu blind oder zu ahnungslos?
    Immer wieder werden die Probleme im Mittelfeld thematisiert – und immer werden sie an einer bestimmten Position und dem von ort ausgehenden Spielaufbau festgemacht.
    Eine Dreierkette mit einem Martinez als zentralem Spieler und davor eine Kette mit Thiago als zentralem Spieler würde vielleicht das Problem lösen. Aber offenbar ist und bleibt Martinez der Wunschsechser, warum auch immer.

    Es bleibt nur abzuwarten; wir werden es sowieso nicht ändern.

    Und noch etwas ketzerisches – seit ein Trainer im Interview erklärt hat, dass er eine Passquoto von gerade mal 56 % gut findet, habe ich eingesehen, dass der gemeine Fan von Fußball sowieso keine Ahnung hat.

    1. wohlfarth

      Mit einer Passquote von 80% hätte Schalke das Spiel in Leipzig aber wahrscheinlich verloren. Gib den Bullen Platz zum kontern und dazu ein paar ballverluste, dann schießen sie dich aus dem Stadion. Stell dich gut hinten rein und gib ihnen den Ball, sind sie hilflos. Wie einst der BVB unter Klopp.
      Wenn wir vielleicht auch keine Weltklasse auf der bank haben, ganz ahnungslos sind die Trainer in der Bundesliga dann auch nicht.
      P.S. Ich hasse den Umschaltfußball.

      1. Anton

        Und was ist bei den angeblichen gewollten Ballverlusten unterm Strich rausgekommen?
        Ballverluste beim Versuch, den berühmten 2.Ball zu bekommen. S04 schießt in 10 Spielen 5 Tore – und der Trainer findet es pausenlos toll, was die Mannschaft spielt. Na dann!

        Wenn ein Kovac das jedesmal nach solchen Ergebnissen so machen würde, dann würden sich alle – auch die FCB-Mitglieder – fragen, ob der uns verar***en will.

      2. wohlfarth

        Da geb ich dir schon recht, aber hier kannst du unseren Verein nicht mit allen anderen vergleichen.
        Solange die Fans vieler Vereine das noch abfeiern, wenn sich ihre Mannschaft in Heimspielen mit zwei 5er-Ketten am eigenen Strafraum postiert und mit viel Glück ein 0-0 ermauert, solange geht das gut.
        Ich würde über die Brüstung kotzen, wenn ich mir in der Allianz Arena solchen Anti-Fußball meiner Mannschaft anschauen müsste.
        Im Fall Schalke liegt die Schamgrenze extrem tief, bei Heimspielen sollten sie vielleicht schon mal wieder anfangen Fußball zu spielen. In Leipzig hingegen haben sie, meiner Meinung nach, alles richtig gemacht.
        In Dortmund sollten wir vielleicht auch so spielen.

      3. Anton

        Vor drei Jahren hat dieser Scheiß angefangen, als ein gewisser Schuster mit D98 anfing gegen die Spitzenteams mit 6er-Kette aufzulaufen. Die Weiterentwicklung des Simeone-Stils.
        Aber wie es selbst gegen solche Teams geht, hat man ja einschließlich Dusel-Tor letztens sehen können.
        Top-Abwehr, super Konterspieler und dann 4:0 verloren.
        Wenn es vorne läuft, dann läufts.

  7. Osrig

    Sicherlich gibt es einige Stellschrauben, die eine bessere Zonenbesetzung und Mittelfeldorganisation ermöglichen, wobei ich das Problem eher bei der nach wie vor bestehenden Problematik des nicht genügend besetzten Zehnerraumes sehe. Der Spielaufbau durch unseren Sechser – mit Martinez in dieser Hinsicht zweifellos nicht gut besetzt – ist da ja nur eine Variante, auch unsere Innenverteidiger können und sollen mitwirken.

    Entscheidend ist, dass es nach wie vor nur sehr schwer gelingt, ins letzte Drittel zu kommen UND sich dann auch noch am gegnerischen Strafraum festzusetzen, da in diesen Bereichen nur selten Ballstafetten zustande kommen, mit denen die Gegnerabwehr in Unordnung gespielt werden kann. Zu schnell geht der Ball auf die Aussen, oder es werden relativ hektisch die schnellen Bälle in die Spitze gespielt, die viel zu oft abgefangen werden können.
    Auch wenn sich die Abläufe auf den Aussen etwas verbessert haben, bleibt es berechenbar, und die Lücken zwischen Offensive und Defensive nach Ballverlust sind tatsächlich sehr groß und selbst durch einen Martinez in Weltklasseform nicht immer zu stopfen. Spielstärkere Gegener werden das ausnutzen.

    Meiner Ansicht nach zeigt sich hier die entscheidende Schwäche der defensiv ausgerichteten Spielidee von Kovac, der die Jungs viel zu weit hinten agieren lässt. Um die Räume zu schließen und trotzdem mehr Anspielmöglichkeiten im Zentrum zu haben, muss die Mannschaft sich höher positionieren!
    Zwar kann die hochstehende Abwehr immer noch ausgehebelt werden durch hohe Seitenverlagerungen, da braucht es dann aber schon Sprintwunder in Fussballschuhen, um diese Bälle noch vor Manu zu erreichen, der mit zunehmender Spielpraxis in dieser Hinsicht ja auch noch immer sicherer wird. Und selbst wenn wir auf diese Weise ein Gegentor kassieren – höchst selten, denn die Quote lag ja teilweise unter 1,0 – sollten wir offensiv immer für ein Tor mehr gut sein!
    Aber das zu organisieren erfordert eben das große Einmaleins des Ballbesitzfussballs!

    1. Mehmet68

      … und ZACK hast Du wieder die Debatte über Konteranfälligkeit, wie bei Guardiola. Da waren alle Spieler aber noch 3-4 Jahre jünger.

      Dein Szenario klingt theoretisch prima, ist aber imo Wunschkonzert. Wir haben für Dominanzfussball nicht (mehr) die richtigen Spieler und definitiv den falschen Trainer.

  8. Done

    “Es entstand ein “W” im Angriff wie wir es in Guardiolas “WW”-Formation schon mal erlebten – nur etwas breiter und schmaler.”

    Scheint hier keinen zu stören, wahrscheinlich waren früher auch die Pässe länger und kürzer.

    Beim Bild aus Minute 28 fällt mir eines auf: die beiden zentralen Mittelfeldspieler, die hier von Redaktion wie auch der Mehrzahl der Kommentatoren am meisten gelobt werden (Thiago und James), sind am weitesten weg von der Position, auf der ich sie erwarten würde, nämlich im zentralen Mittelfeld.

  9. Done

    1:0 durch ein technisches Sahnestückerl von
    1. Rafinha
    2. Sanches und
    3. Wagner

    Wenn man manchen Meinungen folgt, sind eigentlich alle drei Spieler, die beim FC Bayern nichts verloren haben. Für mich die schönste Kombination in dieser Saison bislang.

  10. Herrispezial

    Es ist zwar nur ein Viertligist. Aber das ist ein Auftakt nach Maß.

  11. Herrispezial

    Mit Verlaub: aber Flanken sollten mal ins Trainingsprogramm aufgenommen werden, wenn man sie als Standard-Stilmittel einsetzen möchte.

  12. Anton

    Der Anfang war doch schon nicht schlecht. Sanches macht bisher ein gutes Spiel. 2:0 o.k. Der verschossene 11m – schon fast Pech. Und nun kommt wieder das Spiel gegen den Mannschaftsbus im Strafraum.
    Klar gibt es Chancen, aber das wird dann eben eben wieder das übliche zähe Spiel gegen eine Truppe, die bei eigenem Ballbesitz mit 11 Mann um den eigenen Strafraum stehen.

    1. Herrispezial

      Sehr Sanches auch sehr stark. Allerdings ist nach 10-15 Minuten erstmal wieder der fast schon obligatorische Bruch zu sehen gewesen. Müller spielt einen Rückpass, den ein Erstligist vermutlich bestraft. Es sind noch viele Ungenaugkeiten und Unkonzentriertheiten zu sehen. Warum das so ist, bleibt unerklärlich. Zumal die Spieler ja bis zum 16er genug Zeit bekommen. Aber noch dürfen wir uns wenigstens Hoffnung machen, dass es mal wieder ein Spiel mit 3 oder mehr Toren Differenz gibt.

      1. Herrispezial

        Und dann ist die Hoffnung auch wieder dahin. Lächerlich. Jedes Spiel gibt’s ein Gegentor. Nicht mal gg einen Viertligisten gibt es ein zu-Null.

        Houston, wir haben ein Trainerproblem. Kovac rettet bisher das Losglück in Pokal und CL. Ansonsten wäre die Lage wohl viel dramatischer.

  13. Gerdl20

    Du hast keinerlei 1 gg 1 Spieler auf dem Platz und dann wird es halt schnell mal
    Zäh gegen so einen Gegner.
    Nächste Runde eintüten und hoffentlich ohne weitere Verletzte wieder nach Hause.

  14. Gerdl20

    Also irgendwie gefällt mir das Spiel von Goretzka überhaupt nicht.
    Der einzige Mehrwert den er für die Mannschaft bringt ist sein vorstoßen in die Spitze.Ansonsten gefühlt nur Sicherheitspässe.
    Keine Überraschungen in seinem Spiel.

  15. Herrispezial

    Die Mannschaft spielt in der 2 Hälfte völlig ohne Tempo und absolut unkonzentriert. Und was macht der Trainer? Schaut sich das in Ruhe an. Anstatt den völlig wirkungslosen Ribery mal vom Platz zu nehmen, verzichtet er auf das Coaching. Das heute ist der endgültige Offenbarungseid. Mit Kovac wird das nichts mehr. Hiesse der Gegner heute Dortmund wäre das Ergebnis vom Clasico am vergangenen Wochenende für uns auch drin.

    Nein, mit diesem Trainer bekommen wir kein Bein mehr an den Boden. Das ist ein Viertligist und wir haben in HZ2 keine Ideen mehr. Lächerlich. Absolut lächerlich. Aber vermutlich sieht der Trainer auch heute wieder viel Gutes.

  16. Gerdl20

    Sah nicht gut aus bei Thiago.Ich ahne Böses!

    1. Herrispezial

      Ja, das wäre bitter. Er ist der einzige, der dieser Mannschaft noch Struktur gibt.

  17. Kurt

    Thiago kann nicht laufen. Fuck.

  18. Herrispezial

    Prognose für die Saison: unter Kovac werden wir fast nur noch Spiele wie heute sehen. Er ist einfach unfähig, der Mannschaft etwas beizubringen. Nachdem er die Offensive ja schon ihrer Qualität beraubt hat, ist klar, dass er nicht mal defensive Qualität reinbekommt. Wäre er nicht der Mann von UH, wäre er schon längst weg. Und das völlig zurecht. Zumal er nicht mal mehr im Spiel erkennt, wann er eingreifen muss. Ribery bspw. hätte spätestens nach 60 Minuten gehen müssen. Aber all das lässt er sein. Für mich ist er nicht mehr tragbar. Seit Klinsmann haben wir nicht mehr so lange so schlimmen Fussball bei so vielen Gegentoren gespielt. Je früher Kovac geht, desto früher wird es wieder besser bei uns.

  19. Olorin

    Wenn Thiago länger ausfällt kann das das Ende für Kovac sein. Er ist der einzige Spieler, der die strukturellen Probleme zumindest individuell hin und wieder auflösen kann.

    1. Herrispezial

      Das vermute ich auch. Aber für den Verein wäre es mittelfristig besser. Es gibt ja keinen Grund anzunehmen, dass Kovac die Probleme in dem Griff kriegen wird. Dafür dauern sie nun schon zu lange an. Und es sind ja nicht mal im Ansatz Verbesserungen zu erkennen. Insofern ist das Experiment Kovac gescheitert. Jeder Sieg verlängert diese Phase nur – ohne jedoch substantielle Veränderungen mit sich zu bringen.

  20. […] den vergangenen Wochen analysierten wir Probleme im Spielaufbau, auf der Sechserposition, auf den Außenpositionen und im offensiven Zentrum. Nirgends ist eine Verbesserung zu erkennen. […]

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