Münchner Arbeitssieg in Mainz

Christopher Trenner 27.10.2018

Für die Münchner war es das dritte Auswärtsspiel in Folge. Für viele Nationalspieler sogar die fünfte Partie auswärts. Eine Gewisse Reisemüdigkeit bleibt dabei nicht aus.

Falls Ihr es verpasst habt:

Eigentlich wollte Niko Kovač erneut nur wenig rotieren. Kurz vor dem Anpfiff wurde er dann doch dazu gezwungen. Mats Hummels humpelte nach dem Aufwärmen in die Kabine.

Mainz 05 vs. FC Bayern MünchenGrundformationen: Mainz 05 – Bayern, 27.10.2018

Für ihn startete Jerome Boateng. David Alaba meldete sich ebenfalls wieder fit und ersetzte im Vergleich zur Partie in Athen Rafinha. Im Mittelfeld durfte Goretzka für James spielen. Müller begann für den gesperrten Robben als rechter Außenspieler.

Sandro Schwarz vertraute auf Latza im Mittelfeld, der nach langer Pause sich zurückmeldete. Ohnehin stehen die Mainzer in dieser Saison für minimalistische Ergebnisse. Nur zwölf Tore sahen die Partien mit Beteiligung des FSV. Gegen die Münchner entschied sich Schwarz für ein 4-3-2-1. Dabei versuchte die Mainzer Defensive im 4-4-2 rund um den Strafraum den Raum eng zu machen und dann über Ballgewinne in Kontersituationen zu kommen. Die ersten 25 Minuten ging immerhin der erste Teil des Plans auf. Die Münchner kamen zwar zu Abschlüssen, aber keiner davon aufs Tor.

Die erste Bayern-Chance gab es in der 27. Minute. Thomas Müller behauptete sich im Zentrum des Strafraums und legte ab auf Lewandowski. Der Pole brachte Kimmich in Schussposition. Der angeschnittene Ball des Nationalspielers knallte an die Latte, prallte auf die Linie und berührte im Anschluss daran sogar den Pfosten.

Zwei Minuten später erzielten die Münchner vermeintlich das 1:0, welches nach einem Foulspiel vor der Torerzielung durch Lewandowski zurückgenommen wurde.

In der 39. Minute zählte der Treffer der Münchner dann. Alaba öffnete mit einem langen Ball auf Kimmich den Platz. Kimmichs anspruchsvolle Flanke verwertete Goretzka dann sehenswert zum 1:0 für die Bayern. Aufgrund der Leistungssteigerung ab der 25. Minute nicht unverdient.

Kurz nach Anpfiff der zweiten Halbzeit glänzten die Münchner mit Passivität. Nach einem Einwurf konnte Brosinski von der rechten Seite flanken, am Fünfmeterraum kommt Kimmich gegen Boetius zu spät. Neuer hatte keine Chance. Der etwas überraschende Ausgleich.

Der neue Spielstand war ein kleiner Bruch im Spiel. Zumal wenig später sich Goretzka ohne Einwirkung eines Gegenspielers verletzte. Sanches kam für den Torschützen. Kurz darauf ersetzte Ribery den an diesem Nachmittag blassen Gnabry.

Nachdem sich die Münchner wieder etwas gefangen hatten, eroberte Sanches im Gegenpressing den Ball stark und konnte Lewandowski steil schicken. Dessen Querpass verwertete Thiago im Zentrum zum 2:1. Thiago konnte also nach seinem zurückgepfiffenen Treffer mit Verspätung noch jubeln.

Von Mainz kam nach dem erneuten Rückstand zu wenig. Es waren eher die Bayern, die jetzt die Partie kontrollierten. Robert Lewandowski gab dabei aus dem Mittelfeld heraus viel Struktur. Natürlich zusammen mit Thiago. Dadurch ergaben sich Chancen für Martinez (76.) und Süle (79.).

Am Ende brachten die Bayern die Partie über die Bühne. Es war ein verdienter, aber nach wie vor kein vollends überzeugender Sieg der Münchner. Es fehlte über weite Strecken der Partie an echten Ideen die Mainzer in Verlegenheit zu bringen. Am Ende genügten zwei gute Aktionen.

Dinge die auffielen

Pressing als Offenbarungseid

Das Pressing der Münchner ist zum Teil ein Offenbarungseid. Wohlwollender kann es nicht mehr beschrieben werden. Gnabry, Müller, Lewandowski und Goretzka pressen mehr oder weniger abgestimmt nach Ballverlusten. Die restlichen Spieler (Mittelfeld und Abwehr) schieben aber nicht nach. Das war in vielen Partien zuletzt sehr auffällig. Erobern die Münchner den Ball nicht direkt zurück, wird es dann gefährlich, weil ein riesiges Loch im Mittelfeld entsteht. Zu sehen, z.B. in der dritten Minute, als Neuer in höchster Not außerhalb des Strafraums klären musste. Es lag an den Mainzern, die nicht die Qualität hatten an diesem Tag, um den Münchnern gefährlich zu werden.

In anderen Szenen muss Martínez in Unterzahl zum Teil gegen drei Spieler verteidigen. Hier muss Niko Kovač weiterhin nacharbeiten.

Die Rotation ist tot, es lebe die Stammelf

Vieles erinnert an die Aufstellungskritik von Karl-Heinz Rummenigge im UEFA-Cup im Herbst 2007: “Fußball ist keine Mathematik”. Ottmar Hitzfeld rotierte damals viel und die Münchner gewannen das Heimspiel gegen Bolton nicht. Etwa 10 Jahre später war es Uli Hoeneß, der die Rotation des Trainers kritisierte. Die Folge ist, dass sich der junge Bayern-Trainer nun auf seine Stammelf verlässt. Nimmt man die Partien Wolfsburg, Athen und Mainz, waren es ganze acht(!) Profis, die innerhalb einer Woche immer in der Startelf standen. Die Verletzung von Hummels reduziert die Anzahl auf sieben. Ein dennoch sehr hoher Wert, angesichts der vielen Spiele der Bayern und der verschiedenen Nationalmannschaften.

Müller mit ansteigender Form

Thomas Müller zeigte auf der eigentlich ungeliebten rechten Außenbahn positive Signale. Auch wenn ihm Offensiv nicht alles gelang, war er doch an vielen Szenen beteiligt. Auffälliger war sogar noch sein Einsatz in der Defensive. Dort gewann er alleine in der ersten Halbzeit zwei wichtige Zweikämpfe und konnte einen weiteren Ball der Mainzer immerhin klären.

Ein großes Problem im Spiel von Thomas Müller ist allerdings seine unterdurchschnittliche Passquote. 68% verzeichnete die Statistik. Nur 28 von 43 Pass-Versuchen kamen an. Thomas Müllers Stärke war das Passspiel noch nie. Das wird sich wohl auch im Laufe der Zeit nicht mehr ändern. Das zum Teil nicht wirklich vorhandene Positionsspiel der Münchner verstärkt diesen Effekt und führt zu einfachen Ballverlusten.

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