Round-Up: Die goldenen Zwanziger

Der älteste Kader der Liga. Die älteste Startelf zum Saisonauftakt. Nach dem Ende der Sommertransferphase blicken wir im heutigen Round-Up auf den Kader des FC Bayern München, die Verteilung der Spielzeiten nach Alter und wie das zur Zukunft der Münchner sowie dem angestrebten Umbruch passt.

29,3 Jahre im Schnitt. So alt war die Bayern-Startelf unter Niko Kovac am zweiten Spieltag zum Südgipfel in Stuttgart. In der Vorsaison unter Jupp Heynckes war die Mannschaft teilweise sogar noch älter. Von den 15 ältesten Startformationen stellten die Münchner gar 13. Und das soll der Weg zum Umbruch sein? Eine Einordnung.

Kern um das Projekt Bayern-21

Um die Situation der Roten etwas an Fakten zu knüpfen, haben wir die prozentuale Spielzeit der einzelnen Spieler in der abgelaufenen Saison 2017/18 über ihr jeweiliges Alter aufgetragen. Zur besseren Übersicht wurde eine Trendkurve eingezeichnet. Die Spieler, die den Verein in der Sommerpause verlassen haben, sind in grau dargestellt.

Kimmich und Süle holen die Generation Müller in Sachen Spielzeit ein.
(Grafik: Lukas)

Eine ähnliche Grafik hatten wir bereits im Juli 2017 erstellt in unserem Bericht zur Kaderstruktur unter Carlo Ancelotti und das Projekt Bayern-21 getauft, da die meisten Schlüsselspieler bis eben in dem Jahr an der Isar unter Vertrag stehen.

Die Achse dieser Generation – Boateng, Hummels, Thiago, Lewandowski – stand auch in der abgelaufenen Spielzeit für lange Zeit auf dem Feld. Wobei eine lange Verletzung sowohl Boateng als auch Thiago viele Spiele und Minuten kostete. Diese Zeiten wurden durch andere Spieler aufgefangen.

Anders als allerdings noch letzten Sommer erreichte keiner dieser Spieler einen Spielanteil von größer 75 Prozent – mit Ausnahme von Torhüter Ulreich. Vielmehr ist sogar Joshua Kimmich der Feldspieler mit den meisten Minuten im Kader gewesen.

Bei Betrachtung des Diagramms zeigt sich, dass es neben dem Pulk der Generation Bayern-21 noch eine zweite Generation mit viel Spielzeit gibt: Mit knapp über 20 Jahren konnten Süle, Coman, Tolisso und Kimmich alle deutlich mehr als 25 Prozent der verfügbaren Spielzeit abgreifen. Der Quervergleich mit letztem Sommer zeigt hier einen deutlichen Anstieg der Minuten.

Immer noch konstant hoch ist jedoch der Spielanteil der über 30-jährigen besonders von Ribéry und Robben. Die beiden Flügelstürmer zeigten letzte Saison zwar wechselhafte Leistungen waren aber gerade zum Saisonende aufgrund der mangelnden Alternativen gesetzt. Ihre Spielzeit hat sich im Vergleich zum letzten Sommer nicht verändert.

Quo vadis Niko?

Zur aktuellen Saison wurde der Kader der Münchner etwas entrümpelt und verjüngt. In Bernat, Rudy und Vidal verließen drei Spieler die Säbener Straße, die zwar wichtiger Bestandteil des Teams waren und gerade dessen Breite verstärkten. Allerdings konnte das Trio nicht immer vollends überzeugen.

Ersetzt wurden sie nicht zwingend positionsgetreu durch Youngster Gnabry, Rückkehrer Sanches und Hoffnungsträger Goretzka. Alle drei Neuzugänge sind dabei Jahrgang 1995 und jünger. Im Winter wird sich mit dem kanadischen Überflieger Alphonso Davies ein weiterer 18-jähriger zu der Mannschaft gesellen.

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So mag der Kader zwar einen alten Anschein erwecken, dennoch hat Niko Kovac die Möglichkeit eine junge Mannschaft aufs Feld zu schicken. Es liegt also am Kroaten welchen Weg er mit dem Team einschlagen wird.

Die bisherigen Spiele zeigen dabei einen eher konservativen Ansatz. Allerdings hat der Ex-Spieler bereits in Interviews betont, dass er beispielsweise die Rolle von Süle in der Innenverteidigung stärken will. Es bleibt zudem zu hoffen, dass der Hoeneß-Wunschlösung Kovac eher einmal eine Nichtberücksichtigung von Robbery verziehen wird, als dies beispielsweise bei einem Tuchel der Fall gewesen wäre.

Der Kader der Münchner birgt viele Möglichkeiten, auch wenn er mit nur 19 Feldspielern der kleinste der Liga ist. So befinden sich einige vielfältige Spieler im Kader, die auf mehreren Positionen zum Einsatz kommen können. Auch hier wird viel davon abhängen wie experimentierfreudig sich Kovac zeigt.

Der Weg nach Ribéry und Robben wird sicher steinig, doch die Anfänge sind schon lange gemacht. Mit dem aktuellen Kader könnte rund um Kimmich, Süle und Coman sogar bereits die Generation entstehen die eines Tages das Projekt Bayern-21 ablöst. Mit langfristigen Verträgen sind die drei bereits ausgestattet.

Noch offen ist, inwiefern Kovac auf die Jugendspieler setzen wird. Im Frühsommer hat der Verein mit Profiverträgen um sich geworfen und viele Spieler unterschiedlichen Niveaus langfristig gebunden. Allerdings hat der Verein nun vielversprechende Talente wie Friedl, Tillmann und Fein erstmal verliehen. Ein Weg der funktionieren kann, aber nicht muss.

Die Links der Woche:

Teammates: Mats Hummels und Thomas Müller | ThePlayersTribune

Doppelter Abschied | Ansichten aus dem Millionendorf

Die deutschen Teams im Champions-League-Check | Raphael Honigstein | BetVictor Blog

29.08. – Peanuts | Alex Schnarr | Das Fussball Kalenderblatt

Finally dahoam | Spiegel Online

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Leserkommentare
  1. Marlene Dietrich

    “Entrümpelt” is in meinen Augen eine unglückliche Wortwahl.

  2. Josef

    Die Analyse von Lucas bzw. Maurice finde ich insgesamt top.

    Die untere Analyse von BStat isoliert betrachet stört mich etwas (Ihr ordnet das im Text richtig ein). Zu oft wird das Alter eines Kaders als reiner arithmetischer Mittelwert kommuniziert, was absurd ist.

    Wichtig ist, wer wie viel spielt. Ob ein 40-jähriger Pizarro als Maskottchen auf der Bank sitzt oder nicht, sollte egal sein.
    Gleiches gilt für die Kadergröße. Für mich ohnehin nicht ganz klar, wie Transfermarkt die Profikader von den Kadern der 2. Mannschaften abgrenzt.
    Bei Hertha ist die halbe A-Jugend und Zweite Mannschaft dabei, das führt zu dem großen und natürlich auch sehr jungen Kader mit 35 Spielern/24,3 Jahren.
    Beim FCB hingegen sind Mai, Shabani, Evina etc. nicht dabei.

    Ändert alles nichts daran, dass wir viele alte Spieler und einen kleinen Kader haben. Und das, um das andere Beispiel aufzugreifen, die Hertha im Moment einen beeindruckend jungen Kader hat.
    Aber diese Form der Analyse ist mir etwas zu vereinfacht. Bin gespannt wie unser “effektives Alter nach Einsatzminuten” im Saisonverlauf aussehen wird.

    PS: Einige sehr schöne Analysen/Tweets im Scrollbereich!

    PPS: Danke für euer klares Statement. #wirsindmehr

    1. Jo

      Ja, diese Statistik finde ich auch etwas fragwürdig.
      Wie du erwähnst fängt das schon bei der Datenbasis an. Und auch die Grafik ist, wenn vielleicht auch nicht manipulativ, aber doch zumindest suggestiv zusammengestellt.

      Wäre vielleicht mal interessant die Durchschnittswerte des jeweiligen 18-er Kaders über die Saison zu sehen. Da wären dann nur die Spieler berücksichtigt die tatsächlich eine relevante Rolle spielen.

      Und in diesem Zusammenhang ein sehr vernünftiger Vorstoß von Labbadia, die maximalen Kadergrößen für die Bank anzuheben.
      Vielleicht würde das auch die Phobie des FCB vor einem zu großen Kader etwas eindämmen. ((-;

      1. Anton

        Ich weiß nicht, ob es eine Phobie ist.
        Wenn du dir einmal den Kader ansiehst, dann wird da eigentlich bei jeder Verpflichtung Wert darauf gelegt, dass der verpflichtete Spieler auch die Qualität mitbringt, einen anderen Spieler gleichwertig zu ersetzen.
        Und wenn du dir dann die Qualität der Spieler ansiehst, dann ist das im Normalfall Nationalmannschaftslevel.
        Hast du aber von diesem Kaliber einen Kader von 30, dann kostet der nicht nur das entsprechende Gehalt somdern der Trainer muss von den 30 jedes Spiel nicht nur 7 auf die Bank sondern auch noch 12 auf die Tribüne setzen.
        Ob das dann für Trainer und Spieler so spaßig ist, wage ich zu bezweifeln.
        Und ob da jetzt sechs oder 8 Spieler auf der Bank sitzen ist nicht so entscheidend.
        Aber du musst eben fast eine komplette Mannschaft auf die Tribüne setzen.
        Und einen gestandenen Nationalspieler schickst du auch nicht mal eben in die Regionalligamannschaft. Das kannst du zumindest für eine begrenzte Zeit nur mit Nachwuchsspielern machen.
        Wenn du natürlich einen 30er Kader hast, der zur Hälfte aus Perspektivspielern besteht, dann kannst du anders argumentieren.
        Und dazu kommt noch ein wesentlicher Punkt:
        Ein A-Jugendspieler bei Herta hat – ohne da einem zu nahe treten zu wollen – eben eine andere Konkurrenz vor sich als einer beim FCB.
        Nimm dir das Beispiel Bernat – spanischer Nationalspieler, aber trotzdem hat er eigentlich keine Chance an einem fitten Alaba und auch einem Rafinha vorbeizukommen. Der wollte ja nicht umsonst weg.
        Gleiches gilt für einen Rudy und auch einen Vidal – zumindest nach der Verpflichtung von Goretzka.
        Und dann stelle dir vor, dass man von mindestens dem Kaliber noch ein halbes Dutzend mehr hat.
        Da ist dann aber die Unzufriedenheit vorprogrammiert.

      2. Jo

        Du hast mit allem recht, was du hier erwähnst.
        Allerdings rede ich auch nicht von einem 30 oder 35-Mann-Kader. Den wünscht sich in der Tat kein Trainer.
        Wenn ich von einem großen (oder eher ausreichenden) Kader rede, denke ich eher an ca. 20-22 Feldspieler, teils abhängig davon wer diese Spieler dann konkret sind. .

    2. Mimikri

      M.E. ist das mit dem Alter im Kader sowieso irreführend, weil da die Ziele der einzelnen Vereine nicht berücksichtigt wird. Manche Teams “leben” ja mittlerweile davon, junge Talente zu fördern und dann mit Gewinn zu verkaufen. Das geht beim FC Bayern aufgrund der Ziele ja nicht. Ich finde die Altersstruktur recht gut. Es gibt ja selbst für die, die gerade 30 geworden sind, schon die Nachfolger im Kader. Ja – Robbery – aber da ist das Problem ja eher ein altbekanntes Verletzungsproblem bei den “Maschinen”, da die Nachfolger auch dort schon in den Startblöcken stehen.

  3. cj

    Rudy hatte mehr Minuten als ich in Erinnerung hatte (knapp unter 50% wie Vidal). Insgesamt ist die Altersstruktur natürlich stark an die Flügelbesetzung gekoppelt: mit Gnabry und Coman statt Robben und Ribery sinkt der Altersdurchschnitt gleich mal um mehr als 2 Jahre. Auf dem Flügel sind auch die grössten Fragezeichen: welche Rolle kann Gnabry einnehmen und wie verletzungsanfällig bleibt Coman? Im besten Fall brauchen wir neben Davies nur einen weiteren Backup, im schlechtesten Fall brauchen wir im nächsten Sommer zwei Spieler, die sofort richtig viel Spielzeit bekommen. Vermutlich wird es ein Mittelding und wir holen einen Etablierten.

  4. Rob

    Wieder einmal: *Niko

  5. Anton

    Glaube nur der Statistik, die du selber gefälscht hast.
    Wir haben eigentlich immer das gleiche Problem – du kannst Spieler verpflichten, soviele du willst. Wenn sie verletzt sind, spielen sie eben nicht.
    Und wenn du dann Spieler wie Thiago, James, Alaba, Coman hast, die zwar jünger, aber eben entweder öfter oder wie bei Coman länger verletzt sind, nutzt dir deine ganze Planung – wie gerade im Fall Coman- herzlich wenig.
    Das Gegenbeispiel war dann Süle, von dem für die erste Saison auch keiner angenommen hat, dass er auf mehr Einsätze als Boateng und Hummels kommt.
    Auch ein Heynckes hätte lieber auf einen Coman gesetzt, aber was hilft es.
    Schon in der letzten Saison haben sich welche gefragt, wieso man den Vertrag mit Ribery noch verlängert hat. Spätestens im Februar wusste man es dann. Und dann hat eben der junge Spieler 3 Monate keine Spielminuten.

    Deshalb sollte man diese Statistiken meiner Meinung nach auch nicht überbewerten.
    Mit Goretzka und Gnabry sind jetzt die nächsten jungen da, die sicherlich ihre Einsatzzeiten bekommen – solange sie nicht verletzt sind.

  6. Turbo Batzi

    Finde die Kurve hilfreich, anschaulich und relativ frei von Fehlinterpretation (sind prozentual alle Spiele im Nenner, also auch CL und Pokal und geht das nach Minuten, so dass Ein- und Auswechselungen berücksichtigt sind?).

    Es zeigt die 3 Alters-Cluster, die den Schwerpunkt der spielenden Mannschaft ausmachen. Nun könnte man argumentieren, dass der mittlere Block etwas zu nah am Ü30 Block ist. Allerdings bin ich persönlich kein Anhänger des (auch von außen oktroyierten) Austausch-Wahns. Man kann auch mit erfahrenen Spielern international erfolgreich sein, Interessant wäre in diesem Zusammenhang aber sicherlich ein Vergleich vs. Ligaschnitt (oder gar CL).

    Woran der Verein allerdings arbeiten sollte – und das sieht man hier auch sehr gut – ist der Beginn der Trendkurve. U20 Spieler tragen fast gar nichts zum Spielbetrieb (so nenne ich es mal) bei. Der Einstiegspunkt dürfte bei anderen Teams deutlich höher sein, bei RB beispielsweise vermutlich sogar früh peaken und dann stark abfallen. Gerade mit dem etwas schlankeren Kader hoffe ich, dass Kovac den ein oder anderen Nachwuchsspieler einbaut und sich diese Kurve dann auch etwas glättet.

    1. zugabe

      Hi, in der Grafik werden nur Bundesligaspiele der letzten Saison berücksichtigt. Pokal und CL ist immer etwas schwierig mit der Datenlage.

      Dafür natürlich aber echte Spielzeit. Also Ein- / Auswechselungen sowie rote Karten berücksichtigt.

  7. Osrig

    “Man kann auch mit erfahrenen Spielern international erfolgreich sein,…”

    Anders herum wird ein Schuh daraus: Mit UNerfahrenen Spielern wird man international mit hoher Wahrscheinlichkeit NICHT erfolgreich sein!
    Um gegen die großen europäischen Top-Vereine gerade auch auswärts zu bestehen, kann ich nicht mit 7, 8 “Youngster” auflaufen! Da braucht es gestandene Spieler in der Elf, die mit dem Druck zurechtkommen.
    Und, wie schon Arjen wusste, es gibt keine zu alten Spieler, es gibt nur gute und weniger gute Spieler.
    Damit möchte ich nicht einer Ü30-Startelf das Wort reden, aber der Verjüngungsprozess im Rahmen der Entwicklung unserer Mannschaft sollte mit Augenmaß und Ausgewogenheit erfolgen.

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