Round-Up: Der Fußball steht still

Daniel Trenner 26.03.2020

Aktuelle Themen

COVID-19

Coronavirus: Der Fußball kommt zuletzt | Tobias Escher
“Spaßveranstaltungen ganz zum Schluss”? Ein Trugschluss des Virologen | Kicker

“Wie geht es mit dem Fußball weiter?” Es ist derzeit die entscheidende Fußballfrage. Taktik-Gott Tobias Escher und Thiemo Müller vom Kicker kommen dabei zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen. Escher rät dem Fußball sich auf lange Monate ohne Spiele vorzubereiten, der Kicker hingegen bricht es auf eine recht simple Logik herab: “Im Prinzip gilt: Sobald Werksarbeiter Schulter an Schulter am Fließband stehen, müssen auch Geisterspiele möglich sein.”

In diese Richtung gehe auch ich. Freilich genießt der Fußball weniger Relevanz, wie systemkritische Berufe und Branchen mit Millionen Arbeitsplätzen, doch die derzeitigen Maßnahmen sind ja zeitlich sehr begrenzt. Sobald die Kurve soweit abgeflacht ist, Millionen Menschen wieder arbeiten, müssen auch Geisterspiele unter zuvor negativ getesteten Menschen möglich sein. Vielleicht müssen dann die jeweils knapp 40 Leute der jeweiligen Teams in besondere Quarantäne, damit sie sich nicht nach Wiederaufnahme des Spielbetriebs anstecken, vielleicht müssen sie dann sogar auf Kontakte mit ihren Familien verzichten, aber die Beschreibung einer einfachen “Spaßveranstaltung”, wird dem Fußball nunmal auch nicht gerecht.

Virologen betonen derzeit gebetsmühlenartig zwei Dinge: Dass sie nicht wissen, wie die Zukunft ausschauen mag und dass sie keine Politiker sind. Es ist nicht in ihrem Aufgabenbereich sich mit für sie fremden Dingen auseinanderzusetzen. Der Staat kann natürlich “die Bazooka abfeuern” (O-Ton Olaf Scholz) und für eine kurze Zeit die Dinge stemmen, doch selbst das gesamte nukleare Arsenal der Welt reicht nicht aus, um die ganze Wirtschaft monatelang zu ersetzen. Ist die Kurve sobald abgeflacht, dass die Wirtschaft wieder angeschmissen wird, müssen in kleinem Rahmen auch Geisterspiele möglich sein. Hier gibt es auch einen elementaren Unterschied zwischen dem Fußball und Bars, Theatern, Konzertsälen und Kinos: Letztere wollen so viele Menschen wie möglich zusammenbringen, ohne Fans ist es jedoch absolut planbar wer sich im Fußball mit wem trifft. Das Problem liegt also weniger im Stadion, als in allem drum herum.

Geht man nicht ins Stadion, möchte der Fan ein Spiel natürlich trotzdem schauen. Doch wo? Falls Bars sich vorsichtig wieder öffnen, würden sie sofort zu Spielzeiten überrannt werden und es darf auch nicht sein, dass auf diese Weise große Freundesbesuche entstehen, weil nur einer im Freundeskreis das benötigte Fernseh-Abo hat. Eigentlich müssten alle Spiele der restlichen Saison auch im Free-TV laufen, doch das erscheint aus anderen Gründen utopisch…
Wie dem auch sei, definitiv ist nur, dass sich der Fußball ernsthaft damit auseinandersetzen muss, wie eine Saison über den Stichtag des 30. Junis verlängert werden kann.

Der Kicker-Chef im Interview: “Wir müssen uns ständig anpassen” | Süddeutsche Zeitung

Wie funktioniert ein Sportmagazin ohne Sport? Der Chef-Redakteur des Kickers Jörg Jakob im kurzen Interview. Scheinbar geht es dem Kicker gar nicht so schlecht aktuell.

Die, an die keiner denkt? | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Christian Seifert hat offenbar Wein gepredigt, Mitarbeiter der DFL aber nur Wasser eingegossen. Während andere Sender und Sportarten sich solidarisch zu ihren Kameraoperateuren, Tontechnikern und Anderen verhalten, geht der Fußball wieder mal einen unsolidarischen Sonderweg. Alle gesendeten Aufnahmen werden von einer Firma namens „Sportcast GmbH“, einer hundertprozentige Tochter der DFL produziert, doch während sie noch für den ausgefallen 26. Spieltag Honorare erhielten, wurden alle Folgeaufträge einfach storniert. Ein ungeheuerlicher Vorgang, der Seiferts solidarischem Ruf seiner Pressekonferenz vollkommen karikiert.

Support für Krankenhaus und Supermarkt | Süddeutsche Zeitung

So furchtbar sind Ultras wohl doch nicht? Keine vier Wochen ist das Theater um Dietmar Hopp alt, da zeigen verschiedene Ultra-Gruppierungen mal wieder, dass ihr Herz am rechten Fleck ist.

Auch wir von Miasanrot bedanken uns bei allen sogenannten “systemrelevanten” Berufsgruppen! Bei allen, die den Laden am laufen halten!

Allgemeines

Malbuch für Kinder „Mal wieder die Bayern“ | Kurt Landauer Stiftung

In den Zeiten von Home-Office für die Eltern und den bestehenden Einschränkungen verbringen wir alle sehr viel Zeit in den eigenen vier Wänden. Genau dafür hat sich die Kurt Landauer Stiftung etwas Besonderes einfallen lassen: Ein tolles Malbuch für Kinder mit Motiven aus der großartigen Geschichte des FC Bayern, aber auch für eigene Ideen ist darin Platz! Das Malbuch wurde ehrenamtlich von der Stiftung in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Leni Burger Illustration erstellt und kann hier selbstverständlich kostenlos heruntergeladen und ausgedruckt werden. | Enrico

Profimannschaft

Thiago der Zweikämpfer? | Georg

Im Internet bereits ein Meme, hat der Kicker vor kurzem mal wieder das Narrativ befeuert, Thiago wäre ja nur ein Schönspieler. Diesmal allerdings mit dem Zusatz, dass er es nun nicht mehr sei, denn Hansi Flick höchstpersönlich hätte ihm beigebracht, wie man Zweikämpfe zu führen hat. Selbst wenn er diese Kunst unter Guardiola noch nicht beherrschen vermochte, so zeigte er es spätestens unter Ancelotti, Heynckes und Kovač Woche für Woche. Man möchte denken, spätestens nach Lothar Matthäus und Bastian Schweinsteiger würde man in deutschen Medien nicht mehr stumpf in Schönspieler und Arbeiter einteilen. Ich habe mich über diesen Artikel nur im internen Slack echauffiert, Georg ging weiter und hat sich die Mühe gemacht, es lange und breit zu entkräften.

[EN] How Manuel Neuer changed a generation’s perception of what a goalkeeper should look like | These Football Times

Es kann nie genug Elogen über Manuel Neuer geben. In diesem Artikel werden Hugo Lloris und Ederson als “evangelists for the Church of Manuel Neuer” beschrieben, eine wunderbare Formulierung! Sein Spiel, sein Einfluss und seine Qualitäten werden nun als selbstverständlich angesehen, doch ändert dies nichts daran, dass man sehr gut argumentieren könne, der definitiv einflussreichste und vielleicht auch beste Tormann der Geschichte hüte derzeit das Bayern-Tor! …Oder auch nicht, denn gerade ist ja Corona-Pause.

Aktuelle Miasanrot-Artikel

Aus dem Archiv: Bayern dominiert Frankfurt | Maurice feat. Steffen

Einwurf: Die schönste Nebensache der Welt  Kathrin

MSR136 Fußball Distingig | Christopher & Alex

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  1. Vielen Dank für den bericht über Thiago! Vielleicht könnte man diesen Bericht auch dem #kicker und vor allem Carlo Wild zur Verfügung stellen.

    Antwortsymbol2 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. @Fänger: Ach, das dröge stammtischgesättigte Anti -“Schönspieler”- Ressentiment im Zusammenhang mit Thiago findest du schon auch öfters hier im Kommentarbereich. Da muss man gar nicht so lange danach suchen.

      1. So einen klasse Fussballee bekommen wir so schnell nicht wieder

  2. Keine Ahnung, ob links erlaubt sind, falls ja, hier eine interessante Einschätzung eines Statistikers hinsichtlich der »Infiziertenzahlen« der aktuellen Corona Pandemie. Diese Seite ist zwar eher »links«, hat aber bei Journalisten doch eine gewisse Reputation:
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=59617&utm_source=pocket-newtab

    Antwortsymbol3 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Über die Seite lässt sich definitiv streiten, es gab hier durchaus Anmerkungen, dass Verschwörungstheorien zum Repertoire gehören, aber darüber macht sich jeder sicher ein eigenes Bild.

      1. Ja, sorry, Du hast völlig recht, die positiven Kritiken bzw. Kommentaren zu der Seite kamen nicht von der FAZ, sondern von anderen Publikationen, da habe ich nicht aufgepasst, bzw. ich habe da echt was verwechselt. Peinlich.
        Vielleicht kannst Du den Post ja löschen :-)

    2. Schaut mal unter 2.3, ab Seite 57. Das ist fast eine Blaupause von dem was gerade passiert. Das Dokument ist von 2013 „Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2012“ Der Bundesregierung/des deutschen Bundestages

      http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/120/1712051.pdf

      Da würden mich mal die Statistiken mit (leider) echten Zahlen interessieren. Ich frag mich dabei immer, inwiefern man der breiten Bevölkerung Fakten zutraut …

  3. https://www.spox.com/de/sport/fussball/bundesliga/2003/Artikel/kolumne-die-exit-strategie-der-bundesliga-ligabetrieb-unter-quarantaene.html

    Ich glaube für unseren kleinen Kader wäre es ein krasser Nachteil, wenn die Buli komprimiert bis Ende Juni fertiggespielt würde.
    Sollten wir alle 3 Tage spielen müssen, kann man kaum regenerieren. Muskelverletzungen wären dann, laut renommierter Sportmediziner, so gut wie vorprogrammiert…

    Mir wäre es ja am liebsten man würde bis in den Juli reinspielen. Die ausgefallene EM würde es terminlich ja möglich machen. Für die zum 30.06. endenden Verträge muss dann eben eine Ausnahmelösung her!

    Rein sportmedizinich wären 9 Spieltage im 3-Tage-Rhythmus jedenfalls recht problematisch. Vereine mit nem 26 bis 30 Mann Kader könnten das stemmen, Bayern nicht. Coman, Gnabry, Martinez, Lucas, Boa wären dann ruckzuck verletzt…

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