Die Sache mit der Führung im Rücken

Steffen Trenner 09.03.2015

Seit über vier Jahren sind die Münchner in der Bundesliga nach einer Führung ungeschlagen – von daher kommt diese Erkenntnis nicht gerade überraschend. Die Sache mit der Sicherheit gebenden Führung im Rücken klingt wie eine Binsenweisheit, aber die Statistik zeigt, dass gewisse Anlaufschwierigkeiten der Münchner in dieser Saisonphase bei einem Stand von 0:0 oder schlechter durchaus handfeste Züge hat. Zuletzt zeigte sich gegen Hannover und im Pokal gegen Braunschweig, dass erst Standardsituationen wie die Freistöße von Alaba und Alonso sowie der Strafstoß von Müller den Bann brachen. Davor gab es viel Leerlauf und insgesamt wenig Torgefahr.

Nur drei Führungstreffer aus dem Spiel heraus

Zwei Torschüsse im Strafraum zählte die Statistik-App von FourFourTwo, die mit Opta-Daten gefüttert wird bis zur 2:1-Führung gegen Hannover in der 61. Minute. In den übrigen 29 Minuten waren es immerhin 3. Das bestätigt einen Trend. Schaut man sich die Daten für die einzelnen Spiele in der FourFourTwo Statszone an kommen die Münchner in sechs Bundesliga-Spielen seit der Niederlage gegen Wolfsburg bei Unentschieden oder Rückstand auf knapp 5 Torschüsse im Strafraum pro 90 Minuten (14 Torschüsse in 233 Minuten). Mit einer Führung im Rücken waren es 16 Torschüsse im Strafraum pro 90 Minuten (55 Torschüsse in 307 Minuten). Eine doch recht deutliche Abweichung.

Das 1:0 gegen Paderborn (Endstand: 6:0) in der 23. Minute war der erste Abschluss der Münchner im Strafraum. Gegen den HSV (Endstand: 8:0) brach ein Strafstoß in der 21. Minute den Bann. Bis dato gab es nur einen Abschluss im Strafraum. Gegen Stuttgart (Endstand: 2:0) gelang der Führungstreffer in der 41. Minute. Auch hier war es der erste Torschuss im Sechzehner. Insgesamt gelang dem Rekordmeister in der kompletten Rückrunde in 9 Pflichtspielen nur drei Mal (Stuttgart, Paderborn und Köln) ein Führungstreffer aus dem Spiel heraus.

Guardiola muss seinem Team in den kommenden Wochen und insbesondere im Duell gegen Donezk, die es den Bayern beim 0:0 im Hinspiel mit einer kompakten Defensiv-Ausrichtung ebenfalls schwer machten und in 90 Minuten nur 6 Torabschlüsse im Sechzehner zuließen, die notwendige Mischung aus offensiver Spielfreude und Geduld vermitteln. Die große Qualität nach Führung ist ein Pfund, das es jeder Mannschaft extrem schwer macht gegen Bayern nach einem Rückstand zurück zu kommen. Im Prinzip ist es dann egal, wann das so wichtige Führungstor fällt.

Hinzu kommt, dass viele Mannschaften nicht in der Lage sind das hohe Tempo und die Kompaktheit in der Defensive über die volle Distanz aufrecht zu erhalten. Auch so erklären sich die unterschiedlichen Spielverläufe vor und nach einer Führung. Trotzdem sollten die genannten Werte als Warnsignal gelten. Denn klar ist auch, dass sich der FC Bayern nicht dauerhaft auf künstlerisch wertvolle Freistöße oder andere Standardsituationen als Dosenöffner verlassen sollte.

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