Hannover 96 – FC Bayern München 1:3 (1:1)

Christopher Trenner 07.03.2015

Falls Ihr es verpasst habt:

Im Vergleich zum Pokal gab es drei Änderungen beim FC Bayern. Badstuber, Bernat und Müller kamen ins Team. Dafür ließ Pep Guardiola zunächst Schweinsteiger, Ribery und Lewandowski auf der Bank. Im Vergleich zum DFB-Pokal Spiel gegen Braunschweig verzichtete Guardiola also auf das Duo Alonso-Schweinsteiger. Durch die Änderungen ergab sich ein 3-2-3-1 Grundsystem mit Dante auf der Libero-Position und zwei nominell defensiven Flügelspielern – Bernat und Rafinha. Die Doppelsechs bildeten Alonso und Alaba. Die Spitze Müller, dahinter Götze, der sich aber oftmals nach links kippen ließ. In der Summe war es aber dennoch eine eher defensivere Herangehensweise.

Das Spiel begann zunächst sehr ereignisarm, lediglich ein Freistoß von Alaba (6.) zwang Zieler zum Eingreifen. Hannover bespielte geschickt den ganzen Platz. Gab es eine Möglichkeit zu pressen, gingen vier bis fünf Hannoveraner drauf, sogar Manuel Neuer wurde unter Druck gesetzt. Gab es keine Möglichkeit, zogen sich die 96er weit zurück. Teilweise bis an den eigenen Strafraum. Hannover setzte dabei auf eine interessante Mischung aus einem 4-4-2 und 5-3-2. Meist war es Sane, der nominell als Sechser aufgestellt war und sich immer wieder zwischen die Innenverteidiger fallen ließ, um so ein besseres Verschieben zu ermöglichen. Dadurch ergab sich ein kompaktes Mittelfeld, welches von Bayern nicht geknackt werden konnte. Häufig versuchten es die Münchner mit Flanken aus dem Halbfeld oder 1:3-Situationen. Leichte Ballverluste standen so auf der Tagesordnung. Hannover nutzte diese einfachen Ballgewinne, um schnell zu kontern. Meist mit diagonalen Pässen auf Briand oder Bittencourt. So entstand bei einer Szene auch der Führungstreffer für Hannover. Leichter Ballgewinn in der eigenen Abwehr, gefolgt von einen Diagonalpass auf Briand, dieser nutzt die Passivität von Dante und so Raum für Kiyotake bot, da Dante die Abseitsfalle aufhob. Auch im Zweikampf mit Kiyotake war Dante zu passiv und so traf der Japaner schlussendlich zum 1:0 für Hannover.

Die Führung für die 96er war der vierte Rückstand in dieser Bundesligasaison – und ähnlich wie beim Spiel in Mainz besorgte ein Freistoß Sekunden nach der Führung den Ausgleich. Dieses Mal traf aber nicht Schweinsteiger, sondern Alonso. Bereits sein drittes Freistoßtor in dieser Saison. Unmittelbar danach reagierte Guardiola und nahm Dante vom Feld. Für ihn kam Lewandowski. Dieser Wechsel verstärkte zunächst das Mittelfeld, da die Münchner fortan auf ein 4-2-3-1 setzten. Vor allem Müller hatte nach seinem Rollenwechsel spürbar mehr Ballkontakte. Vor dem Wechsel stand er bei 7, nach dem Wechsel bei über 10 Ballkontakten in ungefähr 10 Minuten. Guardiola gelang es somit den Raum hinter der Spitze besser zu besetzen.

Die Pause brachte keinen großen Änderungen. Obgleich Pep Guardiola früh reagierte und in der 53. Minute Ribery für Götze brachte. Fortan entstand spürbar mehr Druck über die linke Seite. Zunächst war es eine Flanke von Müller, die nach einer Verlängerung von Ribery und einem anschließenden Foulspiel an Lewandowski, den FC Bayern auf die Siegerstraße brachte. Die Flanke kam auf Fußhöhe, doch Lewandowski setzte zum Flugkopfball an. Marcelo traf nicht den Ball, aber den Münchner. Den fälligen Elfmeter verwandelte Müller. Dieser traf auch wenig später zum 3:1 Endstand. Dabei verwertete er erneut eine Flanke von der linken Seite. Dieses Mal von Ribery. Es war die erste und einzige Chance aus dem Spiel heraus, die sich die Münchner erspielen konnten.

Drei Dinge, die auffielen:

1. Dante

Es war die 32. Minute als Dante ohne sichtbare Verletzung von Pep Guardiola ausgewechselt wurde. Es war die Höchststrafe für den bis dahin sehr glücklos spielenden Brasilianer. Nicht nur seine Passivität vor dem Gegentor, die Kiyotake erst den Raum gab, sondern auch schon in der 18. Minute, als er trotz einiger Meter Vorsprung ein Laufduell gegen Sobiech verlor. Badstuber rette die Situation in höchster Not. Dante hatte bis zu seiner Auswechslung nur 33% seiner Zweikämpfe gewonnen. Offensive Impulse konnte er trotz guter Passquote keine setzen. Zu konservativ interpretierte er seine Rolle als zentraler Innenverteidiger in einer Dreierkette. In einigen Szenen ließ er sich sogar noch hinter Badstuber und Boateng zurückfallen. Somit fehlte dem FC Bayern im Aufbauspiel ein Spieler. Die Folge war eine strukturelle Unterzahl, da Räume und Positionen nicht richtig besetzt werden konnten.

Unabhängig vom Auftritt in Hannover, wo sich die gesamte Mannschaft nicht mit Ruhm bekleckerte, wird es schwer für Dante einen Platz in der ‚Stamm-Elf‘ von Guardiola zu finden. Zu deutlich ist sein Formverlust seit dem Champions League Finale 2013. Zu oft muss sein solider, aber eben nicht guter Spielaufbau versteckt werden. Dies wäre noch verkraftbar, kämen nicht immer wieder Aussetzer in der Defensive hinzu. Dante versuchte diese zuletzt – und vor allem gegen die 96er – durch Passivität zu kaschieren. Er führte keinen Zweikampf, wenn er nicht musste. Er lief den Gegner nicht an, wenn es zwingend erforderlich war, um eine Stafflung herzustellen. Pep Guardiola reagierte nach den schwachen Spielen zum Auftakt der Rückrunde, als Benatia fehlte und Badstuber noch nicht so weit war, indem er den Brasilianer nur dann brachte, wenn er den Gegner nicht als offensiv potent genug erachtete. So spielte er ein paar Minuten gegen Paderborn und zuletzt gegen Braunschweig. Die Unsicherheit indes konnte Guardiola damit nicht besiegen, eher das Gegenteil bestärken. Die Frage wird sein, wie Spieler und Trainer reagieren. Mit den andauernden kleinen Verletzungen von Benatia und dem rekonvaleszenten Badstuber braucht Pep Guardiola zumindest phasenweise einen Dante, aber kann sich der Trainer das angesichts der aktuellen Form leisten?

2. Offensive Harmlosigkeit

Der FC Bayern gab alle seine sieben Schüsse vor der Halbzeit von außerhalb des Strafraums ab. Der Kopfball von Lewandowski in der 52. Minute war der erste Schuss innerhalb des Sechzehners. Der Elfmeter in der 61. sogar erst der erste Schuss aufs Tor. Diese Zahlen verdeutlichen: Es war ordentlich Sand im Getriebe der Bayernoffensive. Nicht nur wie in Punkt 1 beschrieben, hatte der FC Bayern Probleme Dante ins Offensivspiel zu integrieren, sondern auch Bernat und Müller. Bernat war nominell auf der Ribey Position unterwegs, konnte diesen aber keineswegs ersetzen. Während der gesamten ersten Halbzeit konnte er keinen Druck auf die Hannoveraner Abwehr aufbauen. Zu selten versuchte der junge Spanier seinen guten Antritt ins Spiel zu bringen. Ähnlich Müller. Seine Stärke den Raum zu lesen konnte er in vorderster Position nicht einbringen. Im Gegensatz zu Lewandowski in den letzten Spielen fehlte somit eine Anspiel- bzw. Relaisstation in der Offensive. Müller verzichtete nahezu komplett auf ein Ausweichen auf die Flügel. Die Folge war ein leichtes Verteidigen für die gut eingestellten Hannoveraner, die durch das Verschieben vor allem Robben permanent in Überzahl bespielen konnten. Das gesamte Spiel der Münchner war so statisch, dass sie zur Halbzeit gerade ein Mal auf 50 Kilometer Laufleistung kamen. Hannover hatte zu dem Zeitpunkt bereits 6 Kilometer mehr in den Beinen. In der zweiten Halbzeit blieb der Abstand konstant, da beide in etwa 57 Kilometer absolvierten. Prinzipiell lässt sich durch diesen Wert wenig aussagen, dennoch verdeutlicht der signifikante Unterschied in Halbzeit 1 die Probleme im Bayernaufbau.

3. Freistoß- und Elfmeterspezialisten

Unlängst vergab Christiano Ronaldo seinen 50. Freistoß in Folge und seitdem diskutieren ganz Spanien oder zumindest die Real Madrid Fans über einen alternativen Schützen. Die Durststrecke nach Standardsituationen kennen auch viele Bayernfans. Gerade am Anfang der Dekade gab es eine Phase von fast 1 ½ Jahren ohne Tor durch Freistöße. Davon kann in der laufenden Saison keine Rede sein. Der Treffer von Alonso war bereits der vierte Treffer in der Bundesliga nach einem Freistoß. Hinzu kommen zwei Tore – je einer in der Champions League und im DFB-Pokal. Zwar sind es „nur“ 6% aller Tore in dieser Bundesliga-Saison, dennoch waren 2 von 4 von enormer Bedeutung. Sie brachten in schwierigen Auswärtspartien die Wende. So konnten zwei Spiele, die später gedreht wurden, postwendend nach dem Gegentor egalisiert werden. Hinzu kommt eine ungeahnte Qualität vom Elfmeterpunkt. Der Führungstreffer durch Müller war bereits der fünfte Elfmeter in dieser Saison, der verwandelt werden konnte. Die Quote liegt in der Bundesliga bei 100%. Sowohl gegen Hannover als auch beim Heimspiel gegen Borussia Dortmmund konnte der FC Bayern durch Elfmetertore auf die Siegerstraße gelangen.

Nicht unerwähnt bleiben darf, dass es beim Spiel gegen Hannover aber glücklicher Schiedsrichterentscheidungen bedurfte. Tobias Welz hätte weder das Foul an Alaba (vor dem 1:1) noch das Foul an Lewandowski (vor dem 2:1) ahnden müssen.

Hannover 96 – FC Bayern 1:3 (1:1)
Hannover 96 Zieler – João Pereira, Marcelo, Schulz, Albornoz – Schmiedebach (76. Ya Konan), Sané – Briand (68. Prib), Kiyotake, Bittencourt – Sobiech (58. Joselu)
Bank Königsmann, Sakai, Stankevicius, Andreasen
FC Bayern Neuer – Boateng, Dante (32. Lewandowski), Badstuber – Xabi Alonso (68. Schweinsteiger), Alaba – Rafinha, Robben, Götze (53. Ribéry), Bernat – Müller
Bank Reina, Benatia, Rode, Pizarro
Tore 1: 0 Kiyotake (25.), 1:1 Xabi Alonso (28.), 1:2 Müller (61.), 1:3 Müller (72.)
Karten Gelb: Bittencourt / Xabi Alonso, Bernat, Ribéry
Zuschauer 49.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter Tobias Welz (Wiesbaden)

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