FC Bayern – Szenenanalyse: Aleksandar Pavlović mit dem perfekten Laufweg
Eine Richtungstäuschung, einmal den Ball vorgelegt und dann der hinter zahlreichen Verteidigern verdeckte, unhaltbare Schuss ins Eck. Harry Kane hat mal wieder gekocht.
Das Tor zum 2:1 gegen die SV Elversberg war nicht nur spielentscheidend für den FC Bayern, es war auch technisch anspruchsvoll. Und trotz aller Verteidiger im Strafraum hatte der Engländer so viel Raum aus kurzer Distanz, dass man sich zwangsläufig die Frage stellt: Wie ist das möglich?
Einen sehr großen Anteil daran hat Aleksandar Pavlović. Der Mittelfeldspieler machte nicht nur den wichtigsten Lauf in der Entstehung des Tores, sondern auch die Art und Weise war so simpel wie entscheidend – und zeigt, warum er schon jetzt zu den besten Mittelfeldspielern der Welt zählt.
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FC Bayern in Elversberg: Die Entstehung des 2:1 in der Szenenanalyse
Der Lauf an sich ist simpel und er sieht noch simpler aus, wenn man ihn auf eine 2D-Taktiktafel projiziert.

Pavlović läuft diagonal aus dem Zentrum in den rechten Halbraum des gegnerischen Strafraums. Seine Intention könnte hier gewesen sein, selbst in eine gute Anspielstation zu kommen. Er erkennt einen Raum und beläuft ihn.
Der Nebeneffekt: Er bricht damit die Deckung von Kane auf. Im Zentrum hat der Mittelstürmer streng genommen fünf Gegenspieler und ist eingekesselt. Pavlović zieht einen der äußeren Gegenspieler mit sich und öffnet damit den „Kessel“ in dem Bereich, der in der Grafik grün markiert ist.
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Damit hätte Michael Olise (ballführend) jetzt die Chance, Kane sogar direkt anzuspielen. Aber er entscheidet sich für Pavlović.
Pavlović läuft nicht nur richtig, sondern auch clever
Der dreht sich wiederum blitzschnell auf. An sich ist der Laufweg ja erstmal so, dass es total schwer ist für einen Spieler, sich in Richtung Strafraummitte aufzudrehen. Würde man den diagonalen Weg ganz normal laufen, wäre man mit dem Rücken zu Kane positioniert und es bliebe nur der Weg zur Grundlinie oder nach außen.
Aber genau hier passiert das Entscheidende: Pavlović läuft nicht gerade. Er läuft Thomas-Müller-esque.

Schon auf halbem Weg dreht sich der Sechser halb in Richtung Olise auf. Damit signalisiert er einerseits: Bonjour, ich bin anspielbar. Andererseits bringt er seinen Körper schon in eine Drehung, die ihm das Aufdrehen später deutlich vereinfacht. Müller war einer der besten Spieler der Welt darin, genau solche Läufe zu machen.
Ein weiteres wichtiges Detail: Pavlović macht kurz vor seiner Ballannahme einen Schulterblick und orientiert sich damit nochmal neu. Er sieht, dass er Platz hat und sein neuer Gegenspieler nur zögerlich auf ihn zugeht. Damit versichert er sich, dass er aufdrehen kann.
Der letzte Akt: Pavlović macht einen leicht größeren Ausfallschritt mit seinem linken Fuß, dreht den Körper endgültig auf und kann den Ball so mit dem rechten Fuß kontrollieren. In dem Moment, in dem er den Ball so annimmt, hat er seinen Körper bereits fast vollständig aufgedreht und kann direkt wieder agieren. Deshalb kommt der Ball auch relativ schnell zu Kane, der seinen neuen Raum im Zentrum perfekt ausnutzen kann.
Aleksandar Pavlović und die unterschätzten Fähigkeiten im Fußball
Pässe, Abschlüsse, Laufwege. Nahezu alle Profis können das auf einem guten bis sehr guten Niveau. Der Unterschied zwischen Weltklasse und durchschnittlichen Profis liegt einerseits darin, wie oft gute Aktionen wiederholt werden können. Es ist nur selten die reine Ausführung, es ist meist die Häufigkeit.
Während oft über Technik, Tempo, Athletik und Präzision gesprochen wird, wird seltener über die Fähigkeit gesprochen, sich ständig neu auf dem Feld zu orientieren und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. So ein Schulterblick ist einfacher eingefordert als umgesetzt. Gerade wenn der Körper motorisch viele Dinge gleichzeitig machen soll.
Weltklasse-Spieler scannen das Spielfeld ständig, bewegen ihren Kopf hin und her und finden dann die besten Lösungen für sich und ihre Mitspieler. Pavlovićs Lauf sieht so simpel aus, ist in seiner Durchführung aber einfach perfekt. Können das auch andere Spieler? Mit Sicherheit. Der Punkt ist nicht, dass der 22-Jährige hier isoliert betrachtet etwas Spektakuläres macht.
Der Punkt ist eher, dass Pavlović diese guten Ideen sehr oft hat und er sich dabei in den Abläufen extrem clever anstellt. So wie es Weltklasse-Spieler eben tun.



